Reise 2003 Tschechien - Schlesien

Gruppenreise

vom 16. – 25. 05. 2003 nach Tschechien und Schlesien.

Karlsbad, Franzensbad, Marienbad, Bad Kudowa, Bad Reinerz, Bad Landeck, Bad Altheide, das sind Namen von Kurorten auch heute noch im deutschen Sprachgebrauch üblich, die wieder einen festen Begriff darstellen, nachdem diese Städte rund 50 Jahre unter kommunistischer Zwangsherrschaft ihre wahre Bedeutung mindern mussten.

Zur 28. Gruppenfahrt in das östliche Mitteleuropa hatte Peter Winkler, Kulturbeauftragter des BdV Rössing und Mitglied im Kreisvorstand des BdV Hildesheim-Marienburg eingeladen und so konnte er 10 Tage im Mai mit 44 Reiseteilnehmern in einer Busfahrt die Schönheiten und das Interessante dieser Landschaften zeigen.

Tschechien, die Heimat von ca. 3 Millionen vertriebenen Sudetendeutschen war das erste Ziel.

Nicht zuerst nach Osten, sondern nach Süden ging daher die Fahrt, vorbei am Flüchtlingsdurchgangslager Friedland, durch das Millionen Heimatvertriebene nach dem II: Weltkrieg ebenfalls mussten und am Heimkehrerdenkmal, das zur Erinnerung an die Heimkehr von 10.000 deutschen Soldaten 1955 aus russischer Gefangenschaft, geholt durch Bundeskanzler Konrad Adenauer, errichtet wurde.

Wir sahen die Stadt Eisenach, die darüber liegende Wartburg, ein fester Begriff in der evangelischen Kirche, hat doch dort Dr. Martin Luther als Junker Jörg die Bibel in die deutsche Schriftsprache übersetzt.

Wir sahen Gotha, das herzogliche Schloss, Weimar, das darüber weit ins Land ragende Denkmal des Konzentrationslagers Buchenwald, aber auch die Stadt Schillers und Goethe, von letzterem konnten wir stets bei den Kuraufenthalten durch Tafeln Zeugnisse seiner Anwesenheit sehen.

Vorbei ging es an Chemnitz, wo wir den unglaublichen Wochenendverkehr erleben konnten und waren dann erfreut auf die folgende Durchreise des Erzgebirges.

Im Dunstkreis unserer kirchlichen Partnergemeinde Dorfchemnitz vorbei, erreichten wir dann bei Oberwiesental die deutsch-tschechische Grenze und bald darauf unser erstes Tagesziel Karlsbad.

Unser Hotel lag an einer schmalen Straße, die wir, vorbei an einer herrlich weiß-gold glänzenden russisch - orthodoxen Kirche und wunderbar renovierten Häusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende 1900 nehmen mussten.

Gar nicht müde wurde bald nach dem Abendbrot zu Fuß entlang des Flusses, Eger, ein Spazierweg unternommen, um die ersten Eindrücke aufzunehmen. Elegante Hotels, großzügige Kolonnaden, interessante Geschäfte säumten unseren Weg. Aus den ersten heißen Quellen wurden Trinkproben entnommen.


Gruppe in Karlsbad
Gruppe in Karlsbad


Bei zwei Übernachtungen in Karlsbad bekamen wir einen guten Eindruck von der ursprünglichen Ausstrahlungskraft dieser Stadt, die auf dem besten Weg ist, wieder zu einem renomierten Kurort aufzusteigen. Im beengten Tal der Eger liegend, helfen z. B. reiche Russen die Schäden des Kommunismus zu beseitigen. Das Grandhotel Pupp ist ein bestes Beispiel für die Renovierung alter historischer Bausubstanz .

Ein gutes Getränk und Originalmusik im Egerländer Hof ließen auch abends keine lange Weile aufkommen.

Aber auch die Besuche der benachbarten Kurstädte Marienbad mit seiner überaus großzügig und breit angelegten Kuranlage, den Wasserspielen um 11.00 Uhr oder dem kleineren Franzensbad, ließen die Entscheidung eines Kuraufenthaltes, unabhängig von der Heilkraft der Quellen, schwer fallen.

So konnte die Reisegruppe in Franzensbad die musikalische Eröffnung der Saison durch junge Mädchen tänzerisch und einer zünftigen Kapelle erleben.

Was lag da auch näher, als nach Eger zufahren, der Heimat von Ernst Mosch und seinen Original Egerländer Musikanten. Nur 5 km von der deutschen Grenze entfernt liegt diese Stadt, in der der Feldherr Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg ermordet wurde. Aber auch das Schloss, die Kirche und der Marktplatz waren sehenswert.

Unser typisch tschechischer Reisebegleiter Pavel zeigte uns sogar die Stelle eines Rübezahl – Denkmals, was die Schlesienkenner erstaunte, ahnte man den Herr der Berge doch nur in den Sudeten, also überwiegend im Riesengebirge.

Prag war unser nächstes Ziel. Wir kamen gleich inmitten der Stadt in den Marathonlauf und unsere Teilnehmer stellten sich beim Anblick der Läufer innerlich die Frage, warum so mancher, zumeist männliche Läufer, sich solche Strapazen auferlegt.

Prag, die Stadt an der Moldau, auch heute noch mit vielen deutschen Elementen – die erste deutsche Universität war in Prag – lebten doch hier viele Jahrhunderte Menschen deutscher Zunge.

Prag die Hauptstadt Tschechiens, als ehemalige Tschechoslowakei erst nach dem 1. Weltkrieg 1918 geschaffen, hier fand der Fenstersturz statt, der den dreißigjährigen Krieg auslöste (1618 – 1648), ist eine riesige Stadt mit reichen touristischen Angeboten. Das die Karlsbrücke begangen, die Prager Burg, der Hradschin besichtigt wurde, ein Gang in die Altstadt unternommen wurde, war eigentlich selbstverständlich. Dem großen Reformator Huss, 100 Jahre vor Luther ist ein eindrucksvolles Denkmal gewidmet, hat es um diesen Mann und über seine Glaubensrichtung doch viele kriegerische Auseinandersetzungen gegeben.

Zu den pulsierenden Eindrücken der Stadt war das Abendessen auch inmitten der Altstadt in einem urigen Kellerlokal bei einer 3-Mann-Kapelle der notwendige Ausgleich. Die Fahrt dorthin mit einer im rasenden Tempo fahrenden Straßenbahn, war allerdings auch ein Erlebnis.

Die Moldau, die der Elbe den größten Teil des Wassers abgibt und diese zum großen Strom erst werden lässt, nahm uns zu einer ruhigen Dampferfahrt auf.

Tja, dann wartete Josef Kretschmar schon auf uns in den Felsen von Adersbach. Das Schönste kommt noch, war sein Spruch, der während der ganzen Führung durch eine riesige Felsenwelt über anhielt.

Durch riesige Felsen bis zu 130 m hoch und Canjons ging es zu einem Wasserfall, an dem der Berggeist Rübezahl, der kurz zu uns „ins Böhmische" kam, sein Wasser vor uns ausgoss.

Eine Bootsfahrt oberhalb der Felsen in einem Stakenboot brachte uns dann eine himmlische Ruhe.
Josef, der uns neue Namen gab, ob Elisabeth, Rudi oder August führte uns mit stets lustigen Wortbeiträgen und Erläuterungen durch diese einmalige Naturschönheit in den Sudeten an der Grenze zu Schlesien.

Ja und dann waren wir auch schon in Schlesien.

Bad Kudowa war unser Ziel für drei Übernachtungen.

In der Grafschaft Glatz gelegen, sollte es uns für diese Tage Ausgangsort werden für die Besichtigung der Kurtorte, Klöster und der wunderbaren Landschaft, dem Herrgottsländchen Schlesiens.

Wie auch in Tschechien, hat jeder Kurort in Schlesien seinen eigenen Charme und unterschiedliche Kraft der Heilquellen.

Bad Kudowa ist der größte Kurort, es folgen die Kleineren wie Bad Reinerz, wo wir eine nach dem Hochwasser wunderbar renovierte alte Papiermühle sehen und uns mit herrlich altem Papier eindecken konnten, aber auch Bad Landeck oder Bad Altheide.

Auf der Sudetenstraße, entlang der tschechischen Grenze, grüßte uns schon bald das Glatzer Schneegebirge, aus dem das Volkslied „Und in dem Schneegebirge" kommt.

Das auch reißende Bäche das Gebirge durchkreuzte, zeigte die im tiefen Tal fließende Wölfel mit dem höchsten Wasserfall in Schlesien, dem Wölfelfall.

Die Grafschaft Glatz ist nicht nur reich an Kurorten, nein in ihrer landschaftlichen Schönheit, umgrenzt von dem Schneegebirge, dem Reichensteiner Gebirge, Eulengebirge, Heuscheuer, Altvatergebirge, zeigt es tiefe Religiösität.



Basilika von Albendorf
Basilika von Albendorf


Zur Basilika von Albendorf, Jerusalem nachempfunden, muss man 33 Stufen hochsteigen, den Lebensjahren von Jesus nachempfunden, gegenüber der Kalvarienberg mit rund 70 Kapellen zeigen figürlich die Leidensgeschichte auf. Deutsche religiöse Schriften, in Stein gemeißelt, haben die schreckliche Zweit der blinden Zerstörung aller deutschen Worte in der einstmals blühenden deutschen Provinz Schlesien überstanden. Eine Wanderung zur Wallfahrtskirche Maria Schnee war ein besonderes Erlebnis.

Aber auch kleine Orte, wie Eckersdorf mit einer Kirche, deren Kanzel einem Schiff nachempfunden ist und einem wunderbaren Schlösschen ehem. der Fürsten von Magnitz, der jetzt in München lebt. Schwedische Verwandte sollen angeblich dieses Schloss wieder haben erwerben können, den Deutschen bleibt trotz EU Zustimmung dieses weiterhin zeitlich sehr erschwert.

Entlang verwundener Straßen, dem Heuscheuer, einem Tafelgebirge entlang, ging es auch nach Glatz selbst mit seiner, der Karlsbrücke in Prag nach empfundenen kleinen Karlsbrücke und der die Stadt überragenden Festung, die letztlich der preußische König Friedrich II hat ausbauen lassen.

Nach dieser Fülle von Schönheit ging es zum Wallfahrtsort Wartha, an der Glatzer Neisse liegend, dann aus der Grafschaft heraus über Frankenstein mit seinem schiefen Turm nach Münsterberg zum Kloster Heinrichau. Das Chorgestühl der Klosterkirche ist einmalig und wird in Kürze unter den Schutz der UNESCO gestellt. Riesige Bilder, gemalt vom schlesischen Maler Michael Willmann schmücken die Wände, kleinere, nicht minder wertvolle Altäre schmücken die Seitenräume.

Nach dieser Kultur, ging es in die schlesische Hauptstadt, nach Breslau. In einem neuen Hotel 10 Fußminuten von der Universität, also dem Zentrum entfernt, dachten wir zurück an das Erlebte und freuten uns auf das Kommende, auf diese lebendige Stadt.

Durch eine Stadtführerin der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft erhielten wir einen objektiven Eindruck. Die Jahrhunderthalle, einstmals größer Betonkuppelbau zumindest Europas aus dem Jahre 1911/13, der Scheidniger Park, die Sportanlagen, die Kaiserbrücke, die Dominsel, Kreuzkirche, Elisabethkirche, Dorotheenkirche, Maria-Magdalenenkirche, nur um einige der Kleinode der 100 Kirchen und Besonderheiten der Stadt aufzuzeigen.

Der Ring, wie in Schlesien der Marktplatz heißt, das alte von ehrwürdigen Handwerkern erbaute Rathaus, die Universität mit der vom Kaiser Leopold errichteten Aula Leopoldina, Stätten deutscher Baukultur wurden gesehen und bestaunt, wie auch das Denkmal des „Nackten Fechters" und vieles mehr.

Auch wenn jetzt die polnische Sprache vorherrscht, sprechen halt die alten Steine, die Geschichte der Stadt die deutsche Sprache, um einen Begriff des Buches von E. und P. Ruge „Polens Deutsche Ostgebiete"Langen Müller Verlag zu wählen.

In Breslau fand gerade ein Referendum über den EU Beitritt statt, der, wie wir jetzt wissen, zugunsten des Beitritts ausgegangen ist. Ein nächtliches Feuerwerk markierte diesen historischen Tag.

Bleibt zu hoffen, das durch die EU Vereinigung die Grenzen bedeutungslos, also reine Verwaltungsgrenzen werden und damit endlich auch die volle geschichtliche Wahrheit herauskommt – denn trotz aller Beteuerungen - kommt den Polen die Vertreibung und das dann folgende Leid der Deutschen Bevölkerung aus Schlesien 1945 und danach auch heute noch schwer über die Lippen und Ausflüche werden gern genommen.

So etwas, in dieser Größenordnung, wie alles, was im 2. Weltkrieg geschah, war und bleibt unfassbar.

Alles in allem war es eine vom Wetter sehr begünstigte Reise voller landschaftlicher und baulicher Schönheiten, die es wirklich lohnt, sich anzusehen.

Es ist etwas Besonderes, diese kulturträchtige Landschaft zu besuchen, die Jahrzehnte von der Öffentlichkeit verdrängt, von den Vertriebenen stets im Herzen getragen wurde und die im Aufbruch ist, in der EU eine Brückenfunktion zwischen Deutschland, Tschechien und Polen einzunehmen.

Eine harmonische Gruppe, gute Hotels und landestypische Speisen und Getränke und ein um die Gäste besorgter Busfahrer eines für Ostreisen stets gut bekannten Busunternehmens gaben den Rahmen dieser Fahrt.

Um die Ziele der Reise im Jahr 2004 zu besprechen und auch als Wiedersehensabend wurde der Freitag, 14. 11. 2003 um 19.00 Uhr als Treffen in den Danziger Stuben in Rössing festgelegt.

Peter Winkler

Rössing, im Juni 2003