Reise 2005 Schlesien

Reisebericht

Vom Wetter nicht gerade verwöhnt, von den Eindrücken überwältigt und Rübezahl hatte letztlich doch ein Einsehen.

Mit diesen Worten kann die Fahrt durch Schlesien vom 07. – 15. Mai 2005 beschrieben werden, die mit 29 Reisenden an der von mir mehrtägig organisierte 31. Busreise teilnahmen.

Erstes Ziel war die ehemalige Landeshauptstadt von Schlesien, Breslau, 2 Nächte konnten wir in einem Hotel am Oderufer, in unmittelbarer Nähe der Universität Quartier beziehen. Breslau, liebevoll auch Gruuß Brassel bezeichnet, ist eine europäische Metropole. Sorgfältig restaurierte Häuser am Ring laden zum Verweilen ein, historische Gebäude, wie das aus dem Mittelalter stammende Rathaus, als eines der schönsten europäischen Rathäuser, die Universität mit der prunkvollen Aula Leopoldina, der Jahrhunderhalle, einem 1913 errichteten damals größten Betonkuppelbau Europas, den vielen Kirchen, bei denen naturgemäß der Dom besonders zu erwähnen ist, ruht dort u. a. der letzte deutsche Bischof, aus Hildesheim stammend und als Kardinal Bertram hier bekannt.

Die Oder zieht mir mehreren Armen durch die Stadt und gibt ihr somit auch den Namen „Stadt der Brücken". Einzigartig ist in ihrer Größe die Kaiserbrücke, die sogar das Inferno des 2. Weltkrieges überstanden hat. Die Markthalle aus dem Jahre 1908, die so sehr auch nach Hannover passen würde mit einem reichhaltigen Angebot von Waren, Obst, Gemüse, Blumen, ja Blumen, die gibt es die ganze Nacht über auf dem Salzmarkt.

Aber auch die verschwiegenen Gassen, die Restaurants, die Bierkeller, wie der im 2. Kellergeschoss unter dem Hänsel, einem der 2 Altaristenhäuser, vor der sich majestätisch erhebenden Elisabethkirche und dem Dietrich Bonhoeffer-Denkmal.

Um Breslau, der größten Stadt in den ostdeutschen Provinzen, wurde am 15. 02. als Festungsstadt erklärt und gekämpft, bis diese ca. 600.000 zählende Großstadt am 06. 05. 1945 kapitulieren musste und jetzt zur 4. größten Stadt Polens wurde. Was sich dahinter für menschliche Schicksale und Tragödien verbergen, kann nicht in wenigen Worten gefasst werden.

Wie jetzt polnischerseits eingeräumt wird, sprechend die Steine eben doch deutsch und reden von ihrer stolzen Vergangenheit, einer Vergangenheit, die die jetzt dort wohnenden Menschen langsam als die ihre annehmen und aufarbeiten.

So hatten die Reisende auch die Gelegenheit, auf eigene Faust sich die Stadt anzusehen, Einkäufe zu tätigen in Warenhäusern oder chicen Boutiquen nachzuschauen.

Unsere Fahrt führte uns dann nach Oels, nordöstlich von Breslau. Hier hatten wir Gelegenheit das Renaissanceschloss, das jetzt als Schule genutzt wird auch vom Innenhof her zu besichtigen. Es gehörte seit 1884, nach dem Ableben des letzten Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, den Hohenzollern (Kronprinz Wilhelm und Prinzessin Cecilie) und erinnert mit seinen Laubengängen an andere schlesische Schlösser. Der Ring, das Rathaus liebevoll restauriert, werden allerdings vom riesigen Schlosskomplex überragt.

Nächste Station war Kreuzburg, der Geburtsort des Dichters Gustav Freytag, aber auch von Heinz Piontek. Hier wurden wir vom Vorsitzenden der Deutschen-sozial-kulturellen Gesellschaft zu Kaffee und leckerem Mohnkuchen eingeladen. Aber nicht nur für den Magen wurde gesorgt, sondern es sangen uns ein Kinderchor Lieder vor. Das Oberschlesierlied war dabei natürlich selbstverständlich. Es war schwer, nach diesen herzlichen Stunden aufzubrechen, aber das nächste Ziel wartete.

Typisch für Oberschlesien sind die Schrotholzkirchen. Eine solche wollten wir uns dann in Bankau, dem Heimatort unseres BdV Vorsitzenden Degner ansehen. Diese Kirchen sind aus grob behauenden Hölzern hergestellt und haben dennoch die Jahrhunderte überdauert und bieten noch heute andächtige Ruhe und Stille in einer hektisch gewordenen Umwelt.

Ziel des Tages war dann Oppeln, die Hauptstadt Oberschlesiens, am Rande des Industriegebietes. Das Rathaus, im italienischen Stil errichtet, überragt den Ring, auf dem es sich ebenfalls gemütlich sitzen lässt. Die große Stadtpfarrkirche „Zum heiligen Kreuz" ist heute Bischofskirche des Bischofs Nossoll, zu dessen Heimatort Broschütz die Rössinger Beziehungen haben.

Wichtig für die deutsche Dichtkunst ist Joseph Freiherr von Eichendorff. Seine Gedichte und Lieder sind auch heute noch ein fester Bestandteil deutschen Geistes. So hatten wir die Freude, das Museum in seinem Heimatort Lubowitz bei Ratibor zu besichtigen und wurden vom Vorsitzenden der Eichendorffstiftung fachkundig geführt. Auch zum Schloss, die 1945 durch die furchtbaren Kämpfe zur Ruine wurde und zum nahen Friedhof wurden wir geführt.


„O Täler weit, oh Höhen" oder „Es war, als hätt der Himmel, die Erde still geküsst" Worte, deren Entstehung man bei der Fahrt durch dieses Land nachvollziehen konnte.

Wie hatte schon Goethe von diesem Tausendfachschönen Land Schlesien geschwärmt.

Um keine Sentimentalität aufkommen zu lassen, ging es weiter, weiter in Richtung Mittelschlesien. Der Zobten, der Zutaberg, der Wetterprophet der Breslauer grüßte uns wieder. Er ist so etwas wie für uns der Kalimanscharo in Giesen.

Ziel war die 110 km lange Weistritz mit ihrem 9 qkm großen Stausee und einem Fassungsvermögen von 70.000 cbm.

Darüber thront die Kynsburg, der Paul Keller in dem Roman „Waldwinter" 1902 ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Von hier ging es durch Waldenburg, einer Bergbaustadt, die heute durch das Schießen der Gruben unter hoher Arbeitslosigkeit zu leiden hat.

Wir kamen nach Schömberg, einem kleinen Städtchen mit erhabener Kirche und sahen die „12 Apostel". Es sind gleiche Holzhäuser einer Weberkolonie, die heute noch bewohnt sind, in denen sich früher ausschließlich Webstühle drehten.

Nach dieser weltlichen Idylle begrüßten und die stolzen Türmen des Benediktinerklosters von Grüssau. Bereits 1242 gegründet zeigt es noch heute seine herrliche Barockfassade und im Inneren fühlt man sich nach Süddeutschland oder Österreich versetzt, die vielen Figuren und die wunderbare Orgel des Baumeisters Michael Engler. Die daneben stehende Josephskirche beherbergt viele riesige Bilder des „schlesischen Rembrandts" Michael Willmann.

In der Nähe des Klosters lockten Angebote an Steinen z. B. den schlesischen grünen Nephrit aus Jordansmühl zum Kaufen.

Dann sahen wir Kreisau, ein Name, der Deutschland verändert hätte, wenn, ja wenn der Kreisauer Kreis in der NS Zeit die Möglichkeit zum Umsturz gehabt hätte. Das ehemalige Gut der Familie von Moltke, für den Besuch des Bundeskanzlers Kohl mit dem polnischen Ministerpräsidenten hervorragend (mit deutschen Mitteln) restauriert, dient heute als deutsch-polnische Jugendbegegnungsstätte.

Schmiedeberg am Schmiedeberger Pass, dem Übergang zum Riesengebirge lockte uns dann zu einer Miniaturenausstellung. Auf dem Gelände einer ehemaligen Tuchfabrik konnten diverse Schlösser, Häuser und Kirchen bewundert werden, die alle im Maßstab 1 : 25 naturgetreu nachgebaut worden sind.

Schneekoppe
Schneekoppe

23 Personen hat der Künstler beschäftigt. Gerade noch standen wir vor Grüssau, jetzt sehen wir dieses Kloster als Modell.

Auch auf die Schneekoppe konnten wir alle bequem und schnell kommen. Die Schlösser des Hirschberger Tales waren selbstverständlich nachgebaut. Schlösser denen wir z. T. noch selbst auf dieser Fahrt begegnen sollten.
Das wir diesen Aufenthalt mit einem echten „Stonsdorfer" begießen mussten, war doch klar.

Unser müdes Haupt konnten wir sodann in Krummhübel zur Ruhe bringen, dem Luftkurort am Fuße der Schneekoppe, Schlesiens höchstem Berg mit 1.605 m.

Ja und sie begrüßte uns noch, drohte zwar mit Wolken, was sich dann am nächsten Tage auch bewahrheite.

So wurde das Programm geändert und es konnte eine Straße befahren werden, auf der der Rübezahl seine Kraft einsetzte, in dem er den Bus schob. Die Kirche Wang war unser Ziel. Eine norwegische Stabskirche, die noch heute den Evangelischen für den Gottesdienst dient. Eine Partnerkirche steht in Hahnenklee-Bockswiese, nur eben, dass die wesentliche Elemente dieser Kirche aus Norwegen stammen und vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV der Gräfin von Reden für ihre Gemeinde schenkte.

Es folgte die Besichtigung des Wiesensteins in Agnetendorf, dem letzten Wohnsitz des großen Dichters Gerhart Hauptmann. Er starb erst 1946 und konnte nur in der schweren Zeit überleben, weil er aufgrund seiner sozialkritischen Äußerungen unter Schutz des sowjetischen Kommandeurs stand. Lange Zeit nach 1945 wurde das Haus als Kinderheim genutzt, dient es heute aber als Museum und wird von deutscher Seite maßgeblich unterstützt. In herrlicher Lage mit Blick auf den Kamm des Riesengebirges, ein Haus voller deutscher Erinnerungen.

Vorbei an der Burgruine Kynast, bekannt durch die Geschichte der Kunigunde, die ihre Freier über den Rand der Zinnen reiten lies, selbst sich dann aber aus Liebeskummer hinab stürzte, ragt über dem Höllental.

Das Mittagessen in Hohenzillertal war ein weiterer Höhepunkt. Nicht nur, dass wir in einem echten Tiroler Haus saßen, dass von um ihres Glaubens willen verfolgten Menschen aus dem Zillertal errichtet wurde. Nein auch ein Musikus begleitete uns auf dem Akkordeon. Beliebte deutsche und polnische Klänge waren zu hören. Natürlich durfte das Schlesierlied nicht fehlen, in dem es ja auch heißt „Riesengebirge, deutsches Gebirge" – und wie würde sich die Gruppe verhalten. Natürlich sangen wir, wie wir es gewohnt waren und unser polnischer Freund sang „schönes Gebirge" ein Kompromiss, der alle zum schmunzeln brachte.

In Zillerthal-Edrmannsdorf dann sahen wir weitere Tiroler Häuser sogar mit der Inschrift an einem Balkon „Gott schütze König Friedrich-Wilhelm".

Eine Rundfahrt um die Falkenberge mit dem Forst- und dem Kreuzberg, dass dem Motiv „das Kreuz auf dem Berge" von Caspar David Friedrich zugrunde gelegen haben soll, schloss sich an. Ein herrlicher Blick war wieder da. Das ganze Panorama des Riesengebirges war zu sehen, vom Reifträger bis zum Schmiedeberger Pass. Rübezahl hatte ein Einsehen und so fuhren wir per Lift hoch auf die Kleine Koppe und liefen auf dem etwa 1.400 m hohen Kamm.

Vor uns die Schneekoppe zum Greifen nahe, noch in Schnee verhüllt. Aber auch entlang unseres Weges sahen wir frisch beschneite Krüppelkiefern. Mit einem herrlichen Blick in das Hirschberger Land verabschiedeten wir uns für dieses Jahr aus dem hohen Gebirge und trafen uns mit den anderen Reiseteilnehmern, die den Blick aus Krummhübel einer Wanderung gegenüber vorgezogen hatten.

Der Kaffeetisch war bereits im Schloss Lomnitz gedeckt. Sitz des Vereins zur Pflege der Kunst und Kultur, dessen Vorsitzender in Alfeld wohnt, genossen erneut bei schlesischen Mohn- und Apfelkuchen die Gastfreundschaft. Die Chefin Frau von Küster, die gerade mit einer deutsch – polnischen Fernsehgesellschaft über den nächsten Bericht sprach, lies es sich dennoch nicht nehmen, uns auch zu begrüßen, sind wir doch dort Stammgäste bei unseren Reisen.

Die Burgruine Schweinhaus auf halben Weg nach Liegnitz beeindruckte durch seinen guten Erhalt, obwohl die Mauern vor Unzeiten durch Brand und Zerstörung gelitten haben.

Liegnitz die ehemalige Hauptstadt von Niederschlesien, zu der auch Görlitz und der jetzt noch bei Deutschland verbliebene Niederschlesische Oberlausitzkreis (NOL) gehörte, war unser letztes Übernachtungsziel.

Eine Stadtbesichtigung des schlesischen Barockviertels mit der Johanniskirche, der Ritterakademie, und dem Sommersitz der Äbte des Klosters Leubus war selbstverständlich. Aber auch das Villenviertel, in dem sich die Russen bis 1991 niedergelassen hatten, zeugte vom Wohlstand der früheren Erbauer. Interessant war hier festzustellen, dass der zuletzt in Rössing lebende Oberbaurat Rasch viele Kasernen als damaliger Leiter des Heeresbauamtes entworfen hatte und auch die erste Reichsgartenschau nach Kriegsende in Liegnitz aufgrund der vorgefundenen Gartenanlagen hätte stattfinden sollen – dann aber 1951 nach Hannover kam.

Aber nicht nur diese Stadt, sondern die größte sakrale Klosteranlage in Europa,( 223 x 118 m) das Kloster Leubus an der Oder wurde besichtigt. Dort konnten erneut riesige Bilder des M. Willmann (siehe Grüssau) bewundert werden. Eine deutsche Ausstellung aus dem haus Schlesien über „Die Oder" war zu sehen und über die Geschichte des Zuckerrübenanbaues, stand doch die erste Zuckerfabrik der Welt in Kunern 1799,errichtet durch Franz Carl Achard und auch die große deutsche Fabrik seit 1896 war nicht weit entfernt, nämlich in Maltsch.

Friedenskirche in Jauer


Jauer, wer sich mit deutschem Kirchenbau beschäftigt, dem ist die Friedenskirche in Jauer ein Begriff. Steht sie doch jetzt auch in der Liste der Unesco. Die Protestanten durften hier nach Ende des 30 jährigen Krieges, wie in 2 anderen Städten (Schweidnitz und Glogau) außerhalb der Städte eine Kirche nur aus Holz und Lehm bauen. Jauer umfasst 4.500Jauer Steh- und Sitzplätze und hat 4 Emporen, an denen sich Gemälde an Gemälde aus der Bibel und von Ständen und Zünften reihen.

Gibt es dann noch etwas als Höhepunkt?

Sicherlich nicht, nur noch das Kloster Wahlstatt ebenfalls bei Liegnitz. Hier wurde 1241 gegen die Hunnen / Mongolen eine Schlacht zwar verloren, die dennoch das Abendland – im Gegensatz zu Russland – Jahrhunderte lang vor einer Fremdherrschaft bewahrte und hier begann dann die deutsche planmäßige Besiedlung Schlesiens mit Siedlern aus Franken, aus Thüringen aus Sachsen und ja evtl. auch aus Hameln.

Die Geschichte Schlesien, die Bedeutung des Landes, viel wäre zu sagen. Nur der weiß, was man verloren hat, der sich damit beschäftigt, der weiß, wie viel deutsche Nobelpeisträger aus Schlesien kommen, der weiß, welche Dichter und Denker, Forscher und Maler ihre Heimat dort haben.

Wie sagte doch der polnische Reiseleiter gern – und er ist dabei nicht der einzige –

Schlesien gehörte früher zu den polnischen Piasten, dann zu Böhmen, dann zu Österreich, es folgte Preußen und nun ist es wieder polnisch, wie es (angeblich) vor 1000 Jahren war.

Meine Entgegnung, dass die Römer Trier und Köln gegründet haben und ich auf den Tag warte, dass sie ihre Ansprüche anmeldeten, entlockte es ihm dann doch ein Schmunzeln, vielleicht doch ein Überlegen, endlich sich aus von den alten Strukturen zu lösen und mehr der Wahrheit zu dienen.

Wir, die wir entweder uns damit beschäftigt oder auch durch die Vertreibung litten, haben doch einen anderen Blickwinkel als fast 50 jährige kommunistische Schulung es gebracht hat.

Es war eine schöne Reise mit vielen Eindrücken.

Wiedersehen und Bilderaustausch ist am Freitag, 28. Oktober 2005 um 19.00 Uhr in der Gaststätte Danziger Stube.

Da wird auch die nächste Reise vorgestellt, die im Frühjahr / Sommer2006 nach Masuren, die baltischen Staaten, nach St. Petersburg und bis nach Finnland gehen soll.