Reise 2004 Danzig, Ostpreußen

Westpreußen, Kaschubei, Danzig, Ostpreußen, Pommern.

Reisebericht über die 30. von mir organisierte Busgruppenfahrt in die Heimatgebiete von Millionen Deutscher.

Eine ungebrochene Anziehungskraft lag vor und 40 Reiseteilnehmer, überwiegend aus dem Raum der Gemeinde Nordstemmen, fanden sich ein, um vom 20. - 29. Mai 2004 mit dem bewährten und kundigen Busunternehmen Busche aus Rodewald eine Fahrt in die o. a. Gebiete zu unternehmen.

Begleitet von entsprechenden musikalischen Grüßen der zu bereisenden Landschaften Brandenburg, Berlin, Pommern, Ostpreußen führte uns der erste Tag nach Gnesen, dem ursprünglichen geistigen Zentrum der slawischen Länder, der Krönungsstadt der polnischen Könige, hauptsächlich auch als kirchliches Zentrum bekannt und letztlich für die deutsch-polnische Geschichte von Bedeutung, trafen sich dort Kaiser Otto III. mit dem polnischen König Boleslaus dem Tapferen. Hier wurde natürlich der Dom besichtigt und die Terrasse betreten, auf der der jetzige Papst eine Messe gelesen hatte. In unserem Hotel hingen Bilder von höchsten deutschen Politikern, die hier vor uns, ebenfalls zu Besuch waren.

Weiter ging es am nächsten Tag in die alte Hansestadt Thorn, 1231 vom Deutschen Orden gegründet. Die Altstadt liegt oberhalb direkt an der Weichsel, dem Hauptstrom des Landes. Leider ist sie sehr flach, so dass nur wenig Ausflugsverkehr auf dem Strom möglich ist. Thorn ist nicht nur als Geburtsstadt von Nicolaus Copernicus bekannt, sondern auch durch die Sage vom „Thorner Katharinchen", mit mildtätigem Hintergrund, das die Rössinger DJO vor ein paar Jahren als Laienspiel gezeigt hatte. Auch jetzt waren dort diese Spezialitäten zu erwerben.

In Thorn und während der ganzen Fahrt begleiteten uns ständig die Ordensburgen oder Ruinen diesen Schlösser des deutschen Ordens. Thorn wurde im 2. Weltkrieg verschont, strahlt daher im Zentrum den früheren Reichtum der Bürger aus, ob das Zunfthaus, das Rathaus und große Bürgerhäuser. Ein Gruppenfoto am Denkmal von Copernicus, das 1853 errichtet wurde, gehörte zum „Muss" eines jeden Aufenthaltes in der Stadt.

Die Fahrt ging dann nach Allenstein dem kulturellen Zentrum im südlichen Ostpreußen, zugleich Verwaltungszentrum für eine Übernachtung. Die Stadt am Fluss Alle idyllisch gelegen, kann eine gut erhaltene Burg des Deutschen Ordens vorweisen, ein gotisches Rathaus, Reste der Stadtmauer mit dem Hohen Tor und einer entlang der Ostsee immer wieder vorkommenden hohen Backsteinkirche wie die von St. Jakobi.

Sensburg inmitten der masurischen Seenplatte war unser nächstes Ziel. In einem sehr komfortablen Hotel waren wir für 3 Nächte, direkt am See untergebracht. Ein wunderbarer Blick auf den See und die Sensburg umgebende Landschaft sind unvergessliche Eindrücke dieser Fahrt. Aber nicht die Seele konnte sich erholen, auch der Magen wurde verwöhnt, sogar konnte durch eine 3 Mann Kapelle polnische und deutsche Musik gehört und sogar das Tanzbein geschwungen werden.

Von Sensburg aus wurden alle wichtigsten Sehenswürdigkeiten angefahren. So konnten wir die Geburtsstadt des deutschen Philosophen Johann Gottfried Herder (*1744) sehen, sein Geburtshaus, das Rathaus, Reste des Schlosses und die Kirche der Stadt.

Wir waren in Lötzen, am Löwentinsee gelegen, der Heimat einer Reiseteilnehmerin, konnten dort den Hafen, die gepflegten städtischen Anlagen sehen, Nahe Rastenburg hatten wir die Möglichkeit unter kundiger Führung, die Reste von Hitlers Wolfsschanze, dem Hauptquartier, zu sehen, bekannt geworden durch das leider misslungene Attentat vom 20. Juli 1944. Hier haben uns die trotz Sprengung der deutschen Wehrmacht vor den anrückenden sowjetischen Truppen noch vorhandenen riesigen Betonreste beeindruckt. Der Stahl, kaum verrostet, ragt aus dem tlw. nur leicht bewegten Beton raus.

Steinort, das Schloss, das Gut der Familie von Lehndorff, macht einen sehr verwahrlosten Eindruck. Beeindruckend war die Anfahrt auf einer alten Pflasterstraße, begleitet von ab dem 17. Jahrhundert gepflanzten Eichen beiderseits des Weges im Bereich zwischen den riesigen Seen dem Mauersee und Dargainersee.

Die Wallfahrtskirche Heilige Linde, der jetzige Bau stammt aus den Jahren 1687 - 93, mit der berühmten Orgel des preußischen Orgelmachers Josua Mosengel, aus dem Jahre 1721, wo beim Orgelspiel bei den Figuren ein Mechanismus in Bewegung gesetzt wird.

Besonders auffällig ist das riesige schmiedeeiserne Tor vor der Kirchenanlage des Meisters Schwarz aus Rössel.

Interessant war die Stakenfahrt in kleinen Booten auf der flachen Krutinna, eine himmlische Ruhe umgab uns während der Fahrt. Vor Jahren waren hier Hunderte von blauen Libellen zu sehen, in diesem Jahr war es dazu noch zu kalt.

Natürlich wurde auch auf dem größten See in Masuren, dem Spirdingsee mit 109 qkm Größe (Länge 18 km Breite 13 km) eine Bootsfahrt unternommen, aber beginnend mit einer Fahrt ab Niedersee-Nieden durch eine Schleuse.

In Nikolaiken, dem ostpreußischen Venedig, gönnten wir uns eine Mittagspause, sahen dabei den Stinthengst, als Model am Markt, denn der im See liegende, war noch nicht angekettet, sondern noch im „Winterquartier".

Hier erhielt eine weiterführende Schule vor ein paar Jahren zu Ehren der Gräfin von Dönhoff ihren Namen.

Die Fahrt durch die unendlichen Wälder der rund 1.000 qkm großen Johannisburger Heide, entlang der Siedlung Eckertsdorf, in dem griechisch-orthodoxe Vertriebene aus Russland 1828 - 1836, genannt Philipponen - nach dem Anführer Philipp - durch den preußischen Staat angesiedelt wurden, beeindruckte und lies das ostpreußische Heimatlied „Land der dunklen Wälder" Wirklichkeit werden.

Das Dorf wurde nach dem preußischen Vermessungsbeamten Eckert, der ihnen das Land zuteilte, benannt.

Höhepunkt war dann eine Fahrt über fast 5 Stunden auf dem Oberländischen Kanal ab Hirschfeld. Um die Höhenunterschiede von 99,5 m zwischen Osterode und dem Drausensee bei Elbing bei einer Entfernung von 82 km zu überwinden, werden die Schiffe über sogenannte geneigte Ebenen 5 x im Wasser auf Wagengestelle mittels Schienen verladen und dann durch Seile über Land auf oder heruntergefahren. Der in Königsberg geborene Ingenieur Georg Steenke hat durch die Wasserkraft 1844 mit dem Bau dieser in Europa einmaligen technischen Anlagen begonnen, die bis heute ohne Änderungen noch funktionieren.

Der z. T. verlandete riesige Drausensee ist ein ungeahntes Reservat für viel Wassergetier.

Interessant war dann die Anfahrt auf die Frische Nehrung, die schmale Landenge, 56 km lang und bis zu 1,8 km breit, bewachsen mit Kiefern und Wachholder. Im größten Badeort seit 1850, auf dieser Nehrung, in Kahlberg wanderten wir zum herrlichen Ostseestrand, vorbei an Hotels und Pensionen. Auf der Haffseite konnten wir das 838 qkm große, etwa 5 m tiefe Frische Haff sehen. Heute wird dieser einmalige Landstrich durch eine Grenze getrennt, die nach 1945 zwischen der damaligen Sowjetunion und Polen gezogen wurde.
Mit einem Schnellboot fuhren wir in 20 Minuten zum Festland nach Frauenburg. Über dieses Haff versuchten 1945 viele Ostpreußen vor der Roten Armee zu flüchten, da der Landweg bereist abgeschnitten war. Ein Denkmal in Frauenburg erinnert heute an 450.000 ertrunkene Ostpreußen.

Frauenburg wird überragt von einer riesigen Kathedrale, 1388 vollendet und war damit Sitz der Bischöfe von Ermland. Nicolaus Copernicus machte hier seine weltbewegenden Entdeckungen. Er ist in dieser Kirche 1543 bestattet worden.

Die Marienburg, das Schloss des Deutschen Ordens wurde angefahren. Sie liegt an der Nogat, einem Nebenfluss der Weichsel. Lange Zeit war sie Sitz der Hochmeister des deutschen Ordens. Sie bildete ein Bollwerk der Christianisierung des Ostens, insbesondere gegen die damals noch heidnischen Prussen. Besonders bekannt ist der Hochmeister Hermann von Salza, der dann 1234 den Ordensstaat gründen konnte. Wir hatten Zeit diese in Europa größte Backsteinburg zu umlaufen und die riesigen Mauern zu bewundern. Eine Besichtigung der riesigen Anlage selbst, wie es bei einer früheren Reise der Fall war, hätte viele Stunden erfordert.

So freuten wir uns auf der Fahrt nach Danzig, ein typisches Vorlaubenhaus zu sehen, das den Reichtum des Eigentümers zum Ausdruck brachte.

Danzig, die alte Hansestadt wird überragt von der riesigen Marienkirche, nach der Reformation ein evangelisches Gotteshaus, ab 1945 katholisch. Das Wahrzeichen, das Krantor der Stadt grüßt über die Mottlau, ebenfalls einem Nebenfluss der Weichsel. Weitere neu aufgebaute Speicher glänzten in frischer Farbe, daneben gab es leider auch noch immer Ruinen solcher Speicher.

Das Rathaus in der Rechtsstadt überragt den Langen Markt und die Langgasse, die Flaniermeile der Stadt. Das Grüne Tor, das goldene Tor sind renoviert. Interessant war ein Spaziergang durch die Mariengasse mit den Beischlägen vor den Häusern. Hier wurde auch der Film „Die Buddenbrocks" gedreht. Der Artushof, weitere Zunfthäuser und herrliche Gebäude konnten bewundert werden. Wir fuhren an der Danziger Werft, früher Tschichauwerft vorbei. Hier sahen wir das Denkmal, dass an die friedliche Revolution mit dem ehemaligen Gewerkschaftsführer Walensa erinnerte.

Im benachbarten Oliva gehört es dazu, durch den Park in die Kathedrale zu gehen, um auch hier einem Konzert auf der 1763 - 1788 von Johannes Wulf geschaffenen Orgel zu lauschen.

Geschichtsinteressierte denken beim Namen Oliva an den Frieden von Oliva vom 03. Mai 1660, bei dem seitens der Großmächte die Souveränität Preußens anerkannt und damit die Schaffung des preußischen Gesamtstaates als Großmacht gelegt wurde.

Zoppot, das ehemalige mondäne Seebad mit dem Grand - Hotel und der Seebrücke luden uns zum Bummeln über der Ostsee ein. Bernstein, das Gold der Ostsee wurde hier, wie überall auf unseren Wegen angeboten.

Südlich von Danzig konnte die Kaschubei bewundert werden. Seen, sanfte Hügel bilden hier die Landschaft. Kleine Städte, alte Namen wie Karthaus, entstammen doch von hier die Mönche mit ihrem strengen Gelübte, schon zu Lebzeiten im Sarg zu schlafen und nicht zu reden. Der Name „Kaschube", bei uns fast zum Schimpfwort geworden, hat die Begründung in der ursprünglichen Armut der hier lebenden Menschen, mussten sie doch oft woanders ihr Brot verdienen. Heute wohnen hier viele stadtmüde neureiche Danziger.

Nach diesen Erlebnissen konnte es eigentlich keinen weiteren Höhepunkt geben. Weit gefehlt.

Es sind die Wanderdünen bei Leba, 1977 in die Liste der UNESCO - Biosphärenreservate aufgenommen. Kennen wir doch die Wanderdüne bereits bei Nidden auf der Kurischen Nehrung, so öffnete sich hier ein riesiger rund 18.619 ha großer Naturpark mit Sand, Seen und Wäldern.

Der meist von der Ostsee her wehende westliche Wind treibt den getrockneten Sand und lagert ihn auf der Windseite oder den Gipfeln der Dünen ab. Wie auch auf der Kurischen Nehrung wurde die Besiedlung durch diese Naturgewalt stets verhindert oder gar Dörfer verdeckt. Die Dünen wandern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, soweit sie nicht mit Pflanzen bedeckt sind bis 9 m im Jahr. 1900 - 1938 versuchte man Latschenkiefern anzupflanzen.

Eine Fahrt im Elektroauto vorbei an einer alten Raketenabwehrstation der deutschen Wehrmacht, konnten wir zu Fuß direkt die Dünen erklimmen.

Natürlich musste Stolp mit den Resten der alten Burg, dem Rathaus, überragt von einem schlanken Turm besichtigt werden. Das „Stolper Jungchen" war ein Markenkäse, der in die ganze Welt versandt wurde.

Stolpmünde glänze durch eine wunderbar hergestellte Uferpromenade. Die ganzen kleinen Seen parallel zur Ostseeküste gaben Erinnerung an die westpommersche Küste an der Insel Rügen. Die Trachten, so die Jamunder Tracht, haben hier ihre Heimat. Ein altes Heimatmuseum in Klucken hielt uns vor Augen, wie die Menschen anhand einer pommerschen Bauernfamilie früher leben mussten.

Stettin, die Hauptstadt Pommern, heute dicht an der 1945 neu gezogenen deutsch/polnischen Grenze war unser letztes Ziel dieser Reise.

Wieder untergekommen in einem sehr guten Hotel, konnten wir durch die Stadtrundfahrt viel von dieser ehemaligen Residenzstadt der pommerschen Herzöge sehen. Das Schloss, die riesige Jakobikirche und die erhaltenen großzügigen Straßenzüge. Das Berliner-, und das Königstor markieren noch heute das Ende der ursprünglichen Stadt. Wahrzeichen ist und bleibt die 1907 auf dem Fort Leopold errichtete 500 m breite und 19 m hohe Hakenterrasse, benannt nach dem Stettiner Oberbürgermeister.

Auch wenn diese alle heute andere Bezeichnungen tragen, bleibt für uns die Erinnerung an eine kulturelle überaus reiche Landschaft entlang der Ostsee von Stettin bis Sensburg. Unendlich viele Dichter und Denker entstammen diesen Landschaften und haben zu unserem geistigen Reichtum wesentlichen Anteil gehabt.

Dieses zu vertiefen und in Erinnerung zu behalten, war auch ein Grund mit für diese Reise.

Reiserückblick wird für alle Teilnehmer und Interessierte sein am 12. 11. 2004 um 19.00 Uhr in der Gaststätte Danziger Stube in Rössing.

Die nächste Reise geht 2005 nach Schlesien in das Land, von dem bereits der Dichterfürst Goethe als ein tausendfach interessantes Land geschwärmt hat.

Informationen darüber werden ab Oktober 2004 gern weitergegeben.

im Juli 2004

Peter Winkler, Lange Str. 29a 31171 Nordstemmen-Rössing, Tel. 05069 / 2216