Reise 2009 Ostpreußen

Bericht über die Fahrt nach Ostpreußen, Danzig und Hinterpommern vom 16. – 23. 05. 2009, an der 52 Personen teilnahmen.



Diese Fahrt wurde organisiert von Peter Winkler, Kulturbeauftragter des BdV Rössing

16. Mai

Anreise über Posen, dortige Stadtrundfahrt und zur Übernachtung nach Gnesen.

Besichtigung der Innenstadt von Gnesen, dort besonders des Ringes einschl. des Maria-Himmelfahrts- und Hl. Adalbert-Domes, als Hauptkirche der Stadt mit Blick auf den Platz, auf dem der polnische Papst eine Messe gelesen hatte sowie der Franziskanerkirche. Gnesen spielte als ursprüngliche polnische Hauptstadt vor Krakau und Warschau eine wichtige Rolle im Verhältnis zu Deutschland (Kaiser Otto III. mit König Boleslaw I Chrobry).

17. Mai

Besichtigung von Thorn, beginnend von Ufer der mächtigen Weichsel mit Panoramablick auf die Stadt, durch das Klostertor, einem Teil der ziemlich umfangreich erhaltenen Stadtmauer zum wahrscheinlichen Geburtshaus von Nikolaus Kopernikus, einem für Hansestädte in der damaligen Zeit typischen Gebäudeform errichtet, das Altstädter Rathaus aus dem 13. Jahrhundert im Stil der niederländischen Renaissance sowie die Heiliggeistkirche und die Marienkirche, mit ihrem gotischen Chorgestühl. Wir hielten Erklärungen über den Artushof, sahen die umfangreichen Reste des Ordensschlosses des Deutschen Ritterordens.

Besonders interessant waren auch die Erklärungen über die bekannten Thorner Katharinchen, einem Honigkuchengebäck. 1410 nach einer längeren Belagerung der Stadt, wie durch ein Wunder des Himmels, die Schwester Katharina hungernde Kinder mit einem aus 6 Zacken bestehenden Gebäck versorgt haben soll. Traditionsgemäß wird das Backen am 25. 11., dem Gedenktag der heiligen Katharina von Alexandria, begonnen. Hierüber gibt es ein Textbuch, das als Laienspiel eingesehen werden konnte und sogar durch die Rössinger DJO Gruppe vor ein paar Jahren einstudiert wurde. Solches Gebäck konnte erworben werden.

Über Ortelsburg mit einer Pause in der Innenstadt zwischen Rathaus und einem für Ostpreußen typischen See gelangten kamen wir an das Frische Haff sowie am Gestüt Cadinen vorbei, das von 1920 – 1941 im Besitz der kaiserlichen Familie war und danach bis 1945 Louis Ferdinand von Preußen mit seiner Familie bewohnte, nach Sensburg in Masuren zu einem ebenfalls am Schosssee wunderbar gelegenen Hotel.

Am Hotel in Sensburg

18. Mai

Von Sensburg kamen wir nach Nikolaiken, besichteten die vom preußischen Baumeister Schinkel errichtete, noch heute evangelische Kirche, erhielten vom örtlichen Pastor entsprechende Erklärungen. Wir gelangten dann an die Stelle, an der der räuberische Stinthengst nach einer alten Sage, jetzt jeweils im Juni, im Wasser angekettet wird, um den ostpreußischen Fischern sichere Fischfänge zu ermöglichen.

Reisegruppe in Nikolaiken

Wir sahen den Hafen mit vielen Booten und Jachten und kamen in das Zentrum des von vielen Touristen aufgesuchten Ortes mit dem Stinthengstbrunnen. Hier konnten wir den Anfang des 120 qkm großen Spirdingsees erahnen und fuhren dann weiter entlang der 1.000 qkm großen Johannisburger Heide zu einem kleinen glasklaren Flüsschens, der Krutinna, auf der die Gruppe in mehreren Booten zu einer einstündigen Stakenfahrt eingeladen war. Klares Wasser, unberührte Natur, riesige Stille, nur unterbrochen von Vögelgezwitscher oder Schwangeräuschen konnte genossen werden.

Stakenfahrt

Ein traditionelles Fischessen rundete den Vormittag ab.

Am Nachmittag ging es über Johannisburg nach Lötzen, wo ein Spaziergang am Löwentinsee zur Größe von 25,36 qkm ermöglicht wurde und dabei viele Segelboote gesehen werden konnten. In der Hauptkirche der Stadt, 1827 nach Plänen von K. F. Schinkel erbaut, die heute auch zu evangelischen deutschsprachigen Gottesdiensten einlud, sahen wir in alte deutsche Kirchenbücher und konnten in einem Nebenraum die alte deutschsprachige Bedienungsanleitung der Heizung lesen.

Diese Kirche war z. B. die Tauf- und Konfirmationskirche einer Reiseteilnehmerin. So kam es während der Fahrt immer wieder zu tief persönlichen Erlebnissen.

Danach sahen wir die schmale Landenge zwischen dem Dargainensee und dem 100 qkm großen Mauersee und gelangten dann zum ehemaligen Gut der Familie der Grafen von Lehndorf aus dem Jahr 1695, fuhren weiter entlang einer aus Eichen und Linden bestehenden Allee, die für geborene Jungen bzw. Mädchen der Adelsfamilie gepflanzt wurden und daher z. T. schon über 300 Jahre alt sind.

Die weitere Fahrt ging vorbei an Resten von alten Hochbunkern aus der NS Zeit, als hier das Hauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg eingerichtet wurde.

Wir kamen dann zum Wallfahrtsort des Barockklosters Heilige Linde, errichtet von der Jesuiten zwischen 1687 und 1730, mit viereckigem Kreuzgang, das im Grenzbereich zwischen dem ehemals katholischen Ermland und dem evangelisch gewordenen Masuren errichtet wurde, um die Rückkehr der Protestanten zum Katholizismus durch äußerlichen Prunk zu erleichtern.

Der mit beweglichen Spielfiguren versetzte Orgelprospekt konnte zum Teil erahnt werden, da die Orgel z. Zt. renoviert wird.

Danach stand am Abend Erholung am Schosssee in Sensburg an.

19. Mai

Von Sensburg ging es nach Allenstein, der Hauptstadt Masurens, idyllisch gelegen am Flüsschen Alle mit rund 175.000 Einwohnern. Wir konnten in der Altstadt das relativ kleine alte Rathaus sehen, nachdem wir das Hohe Tor, ein Teil der Stadtmauer durchschritten hatten und sahen die St. Jakobikirche etwa aus dem Jahr 1380, bestehend aus fast drei gleich hohen Schiffen.

Gruppe in Allenstein

Berührt hat die Teilnehmer, dass dort wieder eine Büste des letzten deutschen Bischofs des Ermlandes, Maximilian Kaller, aufgestellt wurde, der sich sehr für die Menschen in der Zeit von 1930 – 1947 eingesetzt hatte. Aber auch das Netzgewölbe der Kirche faszinierte.

Ein weiteres riesiges Geschichtsdenkmal, die Burg mit hohen Mauern und Türmen konnte bewundert werden.

Von hier ging es weiter nach Mohrungen, der Geburtsstadt des großen deutschen Dichters, Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder. Wir sahen sein Geburtshaus, das entsprechende Denkmal und das Rathaus, vor dem noch heute 2 Kanonen aus dem deutsch-französischen Krieg stehen.




der Oberländische Kanal

In Buchwalde hieß es dann die Wassertechnik des königliche preußischen Baurates Georg Steenke aus Königsberg zu bewundern, das er in den Jahren von 1844 – 1858 für einen Kanal konzipiert hatte, der insgesamt 99 m Höhenunterschiede durch mehrere Seen und geneigte Ebenen (Land) verbinden sollte und damit auf Schleusen verzichten konnte.

Wir erlebten eine solche Fahrt über diese Rollberge und konnten uns die Technik in einer Turbinenhalle erklären lassen. Dieser Kanal zwischen dem Oberland und Elbing steht wegen der Einmaligkeit in Europa unter Schutz der UNESCO.


Ziel war dann Frauenburg. Hier erlebten wir dann einen Folkoreabend dargeboten von polnischen Musikern mit Gitarre, Ziehharmonika, Geige und einer Sängerin.

20. Mai

In Frauenburg, das an der ehemaligen Reichsstraße 1 liegt, wurde an einem Gedenkstein an ca. 450.000 gestorbene Ostpreußen erinnert, die bei Flucht vor der sowjetischen Armee 1944/45 besonders hier am Frischen Haff im Eis umgekommen sind, erinnert.

Das Frische Haff sei der größte Friedhof, so unser polnischer Reiseleiter.

Denkmal für die ostpreußischen Opfer

Über dieses Frische Haff, das heute durch die neue Grenzziehung nur einen sehr erschwerten Zugang zur Ostsee hat, mit einer Größe von 838 qkm Größe, fuhren wir zur Frischen Nehrung, einem 56 km langen und bis zu 1,8 km breiten durch Sandablagerungen und Anschwemmungen entstandenen Landstreifen. Über höhere Anhebungen (bis 45 m) gelangten wir an den herrlichen Strand der Ostsee und hätten hier gern länger verweilt. In Karlberg der Ortschaft auf der Nehrung konnten wir eine rege Bautätigkeit feststellen, um hier Möglichkeiten für einen Tourismus zu schaffen.

Dom in Frauenburg

Zurück in Frauenburg hatten wir in der „Burg – Unserer Lieben Frau", zwischen 1329 bis 1388 errichtet, ein Orgelkonzert genießen können. Auch hier, ähnlich wie in Heilige Linde bewegen sich Figuren am Orgelprospekt.

Die Kathedrale hat eine Länge von 99 m und ist als riesige Anlage weit über das Frische Haff zu sehen. In dieser Kirche liegt Nikolaus Kopernikus anonym bestattet, wie neueste Gentests es bewiesen haben. Auch wenn Polen diesen Astronomen stets als einen von ihnen bezeichnet, stammen seine Eltern aus Westfalen bzw. Schlesien. So erlebten wir auf der Fahrt auch einiges, was einer Klärung bedürfte.


21. Mai

Auf der Weiterfahrt nach Elbing sahen wir an der Hauptstraße ein für Ostpreußen typisches Vorlaubenhaus, das durch seine Säulen auf den Reichtum des Bauern hinweisen sollte.

In Elbing trafen wir auf die Deutsche Sozial kulturelle Gesellschaft, bestehend aus rund 450 Mitgliedern und erfuhren, wie sich die deutsche Minderheit nunmehr darstellen kann. Die stellvertretende Vorsitzende zeigte und erklärte uns dann die Nikolaikirche, den Hafen und die wieder z. T. erstandene Altstadt, wobei an vielen Stellen erst noch Keller freigelegt worden sind.

Nach Elbing kamen wir an die Nogat und die riesige Schlossanlage des Hauptsitzes des Deutschen Ritterordens, die Marienburg. Dieser Orden, der in der wechselvollen Geschichte zwischen Polen und Preußen eine hohe Bedeutung hatte, christianisierte die Pruzzen, kam zu Reichtum und Herrschaft.





Gruppe in der Marienburg


Hier konnten wir die vielen Innenhöfe, Remter, Wälle, den Danzker, Reste der Schlosskapelle und Gänge bestaunen. Obwohl von der Inneneinrichtung nicht mehr viel vorhanden ist, macht der riesige Bau einen sehr imposanten Eindruck und verweist auf die Geschichte dieses Ordens, deren heutiger Hochmeister noch in Wien residiert, sich jetzt aber auf karitative Aufgaben beschränkt.

In einem der Kellergewölbe konnte dann eine rustikale Stärkung eingenommen werden. Wir verließen die Stadt Marienburg nicht, ohne die Stelle zu sehen, in der man bei Grabungen vor ein paar Wochen rund 2.000 Gebeine aus der Zeit von 1944/45 gefunden hatte.

Nach diesem beeindruckenden Baudenkmal kamen wir nach Danzig. Auch hier bekamen wir eine ausführliche Stadtführung, beginnend am Grünen Tor, dessen Name auf die Weiden vor der Stadt hinwies, gingen am Danziger Buben vorbei, sahen das Wahrzeichen der Stadt, das Krantor, einen alten bis 1945 noch betriebenen Speicher. Wir gingen durch die Marien- bzw. Frauengasse mit den vielen Beischlägen, die ihren Namen aus der kirchlichen Zugehörigkeit wechseln musste und kamen zur größten Backsteinkirche der Welt, der Marienkirche. Hier wurden wir auf die Einmaligkeit einer Ratsstube in einer Kirche hingewiesen, auf eine astronomische Uhr und das von einem vertriebenen Danziger in der Gefangenschaft abgegebene Versprechen, eine Stiftung zur Rettung der Orgel zu gründen. Die Promenade der Stadt vom Goldenen Tor über das Rathaus, dem Artushof, dem Goldenen Haus und dem Neptunsbrunnen am Langen Markt verfehlten nicht ihre Wirkung. In dem Cafe „Danziger Goldwasser" wurde der Tag in Danzig beschlossen.




Unsere Gruppe in Danzig

Am Abend standen dann Gespräche mit der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft aus Gedingen an. Zu ihr gehören rund 140 Mitglieder, die alle zweistaatlich sind. Sie treffen sich 3 x im Monat, um Kultur und Geselligkeit zu pflegen, aber auch um Probleme zu lösen helfen.


22. Mai

Ziel war der Nationalpark Leba in Hinterpommern. Neben den Dünen auf der Kurischen Nehrung gibt es kein weiteres Gebiet in Europa, wo die Küstendünen dermaßen wandern. Entstanden vor rund 5.000 Jahren aus an den Strand gespültem Sand wandern sie jährlich etwa 10 m landeinwärts und begraben alles.

Die größte Düne hat eine Fläche von rund 300 ha. Die Höhe beträgt 42 m.

Zwischen dieser Dünenlandschaft und dem Binnenland liegt der 76 qkm große Lebasee.

Erreicht werden kann dieses Gebiet mit einem Elektrowagen, der eine Entfernung von 6 km zu überwinden hat.


Wanderdüne Leba

Weiteres Ziel war die Innenstadt von Stolp, und damit das 1901 vom Bürgermeister Hans Matthes geforderte schlanke Rathaus. Berühmt wurde Stolp auch durch den Markenkäse, die Stolper Jungchen.

Stettin, die Hauptstadt Pommern war unser letztes Ziel dieser Reise. Sehr stark im II. Weltkrieg zerstört, ähnelt die Stadt in manchen Bereichen noch seinem Pariser Vorbild, breite Straßen münden in runde Plätze.

Die Hakenterasse. Benannt nach dem Bürgermeister Haken, beeindruckt noch immer mit heute seinem Museum und Behördengebäuden sowie dem weiten Blick über die Oder und den Hafen.

Teilnehmer in Stettin

Das Schloss der pommerschen Herzöge ist wieder erstanden und die Stadttore Berliner- und Hafentor zeigen noch heute im Relief ihre preußische Vergangenheit.

Eine pulsierende Stadt an der Ostsee, aber auch nicht weit weg von Berlin.

23. Mai

Der Morgen stand dann in Stettin zu eigenen Unternehmungen zur Verfügung bis wir dann am Abend alle wohlbehalten und mit vielen Eindrücken im Raum Hildesheim, Burgstemmen, Nordstemmen und Rössing ankamen.


Abendstimmung am Frischen Haff