Reise 2003 Liegnitz

Reise 2003 nach Liegnitz und in das Riesengebirge in Schlesien

Wenn es um Schlesien geht, steht der Name von Peter Winkler eng mit Reisen verbunden.

So fand im diesem Herbst (05. – 08. 10. 2003) wieder eine Busreise statt, die von ihm zusammengestellt und organisiert wurde.

Das Besondere an dieser Reise aber war nicht nur das Wiedersehen oder Kennenlernen des von schon Goethe 1000 fach gepriesenen Landes, sondern die besonderen Akzente.

Um neben der Stadt Liegnitz auch das Land zu erfahren, wurde an einem Tag und zwar vom Wetter sehr begünstigt, eine Fahrt in das Riesengebirge unternommen. Es ging durch das liebliche Katzbachtal, das eingebettet in sanfte Höhen des Bober-Katzbach Gebirges liegt. Der Fluss gab übrigens seinen Namen her für die berühmte siegreiche Schlacht des Feldmarschalls von Blücher „Schlacht an der Katzbach" am 26. 08. 1813 im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon.

Hirschberg, die Stadt am Rande des Riesengebirges lud uns ein zum Verweilen auf seinem sehr schön wieder hergerichteten Ring, dem Marktplatz. Die Fußgängerzone neu gestaltet, das Schildauer Tor errichtet mit dem preußischen und dem schlesischen Adler verziert – eine Augenweide für uns. Die Gnadenkirche im Rahmen der Religionsfreizeit der Stockholmer Katharinenkirche nachgebaut, die herrlichen Grüfte der reichen Hirschberger Kauffamilien.

Viel zu kurz, dennoch wollten wir mehr sehen. So ging es nach Krummhübel, einem der Luftkurorte Schlesiens, die schon winterlich bedeckte Schneekoppe begrüßte uns. Rübezahl schob eigens für ein paar Stunden, solange wir da waren, die Wolken beiseite und ein wunderbarer Herbsttag präsentierte die Landschaft. Die Teilnehmer waren immer wieder begeistert, obwohl die meisten nicht das erste mal hier waren.

Die Kirche Wang war unser Reisegruppe vor der Kirche Wangnächstes Ziel, in Brückenberg gelegen etwa in 8oo m Höhe. Diese ursprünglich norwegische Kirche wurde vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV, durch Vermittlung des Malers Dahl aus Dresden, letztlich der Gräfin von Reden in Buchwald für ihre Gemeinde geschenkt und auf einem Grundstück, das die Familie von Schaffgotsch spendete, errichtet.

Ganz aus Holz, mit einem Umgang gegen die natürlichen Wirren, steht sie noch heute da. Sie war eine beliebte schlesische Hochzeitskirche. Auch der sie umgebende Friedhof weist ausnahmsweise im heutigen Schlesien noch alle deutschen Gräber aus. Eine in deutscher Sprache vom ehemaligen Pastor Leder aus Hameln im Rahmen der Urlaubsseelsorge gehaltene Erläuterung half uns.

Partnerkirche ist übrigens die Holzkirche in Hahnklee-Bockwiese.

Mit einem herrlichen Blick auf die „aale Gaake", die Schneekoppe ging es nach Zillerthal-Erdmannsdorf. Auch hier wurde eine Besonderheit präsentiert. Die um ihres Glaubens Willen verfolgten 416 evangelischen Zillertaler aus Mayrhofen in Tirol erhielten in diesem ursprünglich nur genannten Erdmannsdorf vom preußischen König Friedrich Wilhelm III 1837 Land um sich anzusiedeln. Viele typischen mit Balkonen ausgerüstete Häuser zeugen noch heute davon. In einem örtlichen Museum wird heute noch der Zug angekündigt , mit dem Unterzeichner 1946 mit seinen Angehörigen dieses schöne, damals sehr geschundene Land verlassen mussten.

SchneekoppeVon hier ging es nach Lomnitz zum erholsamen Kaffeetrinken mit schlesischem Mohnkuchen in ein wieder von der Familie von Küster hergerichtetes Witwenschlösschen. Dieser Grundbesitz, nach der Wende als Ruine wieder erworben, ist Stützpunkt aller Schlesienreisenden, dient auch, neben Görlitz als Sitz dem Verein zur Pflege von schlesischer Kunst und Kultur, dessen derzeitiger Vorsitzender der Studiendirektor a. D. Berndt aus Alfeld ist.

Erst kürzlich, auch im Fernsehen berichtet, wurde im Park bei Anwesenheit des ehem. Ministerpräsidenten Bernard Vogel eine Bronzetafel erstellt zur Erinnerung an die aus Lomnitz stammende Ehefrau des Dichters Stefan Andres und sein hiesigen Schaffen, insbesondere seine Novellen so „El Greco malt den Großinquisitor" selbst aber aus Moselfranken stammend.

Fernsehberichte machten diese Oase auch hier aus anderen Gründen bekannt.

Diese Orte, von der Einwohnerzahl nicht sehr groß, hatten alle Schlösser, ob hier in Fischbach, in Zillerthal- Erdmannsdorf, ob in Lomnitz, in Schildau, in Buchwald in Jannowitz usw. usw. Sie begründen den Ruf der einmaligen Schlösserlandschaft im Hirschberger Tal und dient als Grundlage für den entsprechenden Fernsehbericht und findet auch als Ausstellungsobjekt überall in Deutschland Beachtung.

Natürlich durfte an einem Tage nicht die Besichtigung der Friedenskirche im nahen Jauer fehlen. Eine ehemalige Kreisstadt mit dem schlesischen Würstelmarkt bekannt hat ein Kleinod in seine Mauern, das es vergleichbar heute weltweit nur noch nur im schlesischen Schweidnitz gibt.

Eine Kirche vor den Toren der Stadt, die nur aus Lehm und Holz gebaut werden durfte, ohne Glockenturm fasst dieses Gotteshaus bis zu 6.000 Personen, die Friedenskirche 1654/55 erbaut. Sie ist ein großer Fachwerkbau, (24 – 44 m, Höhe 19 m) der aufgrund des Friedensschlusses von Münster und Osnabrück nach dem 30 jährigen Krieg von den Protestanten gebaut werden durfte. Entlang der 4 Emporen sind Gemälde aus dem alten und neuen Testament sowie von Adelsfamilien angebracht. Die Orgel wird z. Zt. renoviert. Viel Geld ist vom Gustav-Adolf-Werk hierher geflossen und auch die Familie von Richthofen, die hier ihre Besitzungen hatte, hat hier stark, neben privaten Spenden geholfen, dieses von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuftes Baudenkmal zu erhalten.

Das Kloster Wahlstatt nahe Liegnitz, ein barocke Klosteranlage mit riesigen Gemälden verfehlt ebenfalls nicht ihre Wirkung. Der Name Wahlstatt aber hat Bedeutung in der europäischen Geschichte. Denn hier fand die entscheidende Schlacht gegen den Mongolen am 09.04. 1241 statt, die das europäische Abendland vor den Mongolen schützte. Obwohl sie hier siegten, zogen sie sich dann von hier zurück. Herzogs Heinrich II, der Sohn der Heiligen Hedwig, der Schutzpatronin von Schlesien aus dem Hause Andechs-Meran fiel bei dieser Schlacht. Ab diesem Zeitpunkt begann die planmäßige deutsche Besiedlung Schlesien mit der typischen Anlage der Ringe, nachdem Slawen das Land 200 Jahre bewohnt und zuvor der germanische Stamm der Silinger hier sesshaft waren.

Und nun Liegnitz, die Gartenstadt, das 2. Auge Schlesiens. Früher Beamtenstadt, da Sitz vieler Oberbehörden, Militärstadt, aber auch wichtiger Industriezweige. Geburtsstadt des 1. deutschen Alterspräsidenten Paul Löbe. (Paul Löbe Haus in Berlin) Künden auch heute die Seiler Klaviere und Flügel, jetzt aus Kitzingen den Namen dieser Firma in alle Welt.

Verschiedene Höhepunkte galt es hier zu bewältigen.

Mehrere deutsche Busse und unzählige deutsche PKW`s hatten sich hier an diesem Wochenende eingefunden. Das große Hotel war voll von deutschen Besuchern.

Der evangelische, in deutscher Sprache gehaltene mit Erntegaben ausgestattete Erntedankgottesdienst war sicherlich ein Höhepunkt. Forderte der doch beim Gesang der deutschen Kirchenlieder – Großer Gott wir loben dich – ein Unterdrücken der Tränen. Goldene Konfirmation feiern in der Heimat, die einem immer lieb war, von der man aber gewaltsam über Jahrzehnte getrennt war, wer kann das nachempfinden.

Der Besuch des Friedhofs, das stille Gedenken an einem Ort, auf dem alle deutschen Gräber entfernt wurden, die Grabsteine namentlich verdeckt als Begrenzungsmauer dienen.

Eine neue Zeit bricht aber an. Zum 2. Male wurden wir vom Stadtpräsidenten, dem Oberbürgermeister im neuen Rathaus empfangen. Nicht nur, dass er uns als Gäste begrüßte, eine Geste, auf die wir Jahrzehnte warteten, nein, er lud uns alle ein zu einem ersten Treffen aller Liegnitzer in Liegnitz im Juni 2004.

Ein Ereignis, dass auf jeden Fall genutzt werden muss. Die vertriebenen Liegnitzer werden von den jetzigen Offiziellen zum Besuch eingeladen. Und nicht nur das, sondern auch Ausstellungen, Veranstaltungen, Dokumentationen sollen in einem reichhaltigen Gesamtprogramm dargestellt werden. Wir alle wurden aufgefordert mitzuwirken.

Was in vielen kleinen Orten fast schon selbstverständlich wurde, bricht sich auch hier Bahn. Liegnitz eine Großstadt mit 110.000 Einwohnern, etwa 60 km nur von Görlitz entfernt, schickt sich an, in Europa anzukommen.

Die vom Reiseleiter Winkler immer wieder angesprochenen, aber noch verdeckten Wurzeln brechen durch, werden gesucht, werden gesehen und beachtet.

Eine Stadt im Grenzdreieck Deutschland – Polen – Tschechien streckt sich, sucht Kontakte und wird sie bei gutem Willen finden, bestimmt bei seinen Altbürgern in Deutschland.

Eine Reise, mit interessanter Geschichte behaftet, in die Zukunft gerichtet, war es, die 30 Teilnehmer erfahren durften.

Die nächste Reise, nämlich vom 04. – 06. Juni 2004, dürfte eigentlich selbstverständlich sein, ob als Busreise oder im eigenen PKW hängt, wie immer bei solchen Reisen von der Teilnehmerzahl und damit der Finanzierbarkeit ab.

Peter Winkler