DIE GESCHICHTE VON KULLESEIDKANALEN

Der Wasserweg durch Kulleseid – Die Zeit vor und nach dem ersten Kanal.

Die Bevölkerung Bømlos – besonders Fischer und Frachtleute – hatten sich schon lange einen leichteren Weg als die Westseite der Insel in den Herbst- und Winterstürmen gewünscht. Schon lange her, müssen die Küstenbewohner sich lange einen neuen Seeweg gewünscht haben.

Man spekuliert, ob der Name „Kulleseid“ davon kommt, dass die Boote und die Last an der schmalen Stelle, wo der Kanal jetzt liegt, herübergezogen wurden. Es wird gesagt, dass Kleberstein für den Bau der alten Mosterkirche auf diese Weise von Lykling nach Moster transportiert wurde. Im stürmischen Winter von 1853 kommentierte der Beamte in Sondre Bergenhus wie die Boote über den Sund gezogen wurden und dass man „die Netze zerschnitt um sie zu transportieren und dann wieder auf der anderen Seite zusammensetzte“.

Aber die Idee einen Kanal durch Kulleseidet zu bauen, wurde schon im Sommer 1852 lanciert. Nach einem längeren Prozess, durch die verschieden Ämter, wurde der Bau des Kanals 1854 zugestimmt.

Der erste Kanal mit Treidelpfad.

 

Man kann sich fragen, weshalb ein so kleiner Ort wie Bømmeløya es geschafft hat, den Staat zu überzeugen, dass dieses kostbare Projekt so wichtig war. War es weil Bømlo die schönste Insel war? Es war eher, dass die Heeringfischerei so wichtig für die Umgebung war, und dass ein Kanal den Transport für die Boote erleichtern würde. Die Fischerei war nicht nur für die Lokalgesellschaften im Westen Norwegens wichtig, sondern für das ganze Land.

16.300 Spd waren viel Geld – umgerechnet wäre es heute zwischen 3,4 und 4 Millionen Kronen. Dieses zeigt wie wertvoll die Fischerei für die Norwegische Wirtschaft war.

Der Kulleseidkanal besteht aus 2 Kanälen, ein großer und ein kleiner. Er wurde mit einer Breite von 5,3M und einer Tiefe von 2,6M geplant, aber als die Arbeit 1856 nach drei Jahren fertig war, war der Kanal 3,8M breit und 2,2M tief.

Eine kleine Kuriosität von der ersten Zeit: in der Kanalumgebung gab es 3 Verkaufsstellen für Spiritus!


Die erste Brücke und die erste Mautgebühren auf der Insel

 

Die erste Brücke über den Kanal war eine einfache Holzbrücke zum wippen. Sie wurde mit Tauen und Handkraft hochgezogen.

 

Die erste Brücke über den Kanal.

 

An dem Kanal entlang war ein Treidelpfad wo man gehen konnte, um die Boote durchzuziehen. Zu dieser Zeit hatten die Boote Segel und Ruder. Wir wissen auch, dass der Treidelpfad an hellen Sommerabenden bei verliebten Paaren sehr beliebt war.

 

Heutzutage sind Mautgebühren en bekanntes Phänomen, aber die wenigsten wissen, dass es vor 150 Jahren am Kulleseidkanal Mautgebühren gab. Der Preis war von der Größe der Boote abhängig – von 2-180 Skilling für jede Durchreise. Mautgebühren gab es 10 Jahre lang. In heutige Kronen und Ören umgerechnet waren die Preise von 6 Öre bis 6 Kronen. Dieses war für die damaligen Leute viel teurer als unsere heutigen Mautgebühren für uns sind. Die Grundbesitzer, die ihren Grund kostenlos für den Kanal hergeben mussten, konnten den Kanal umsonst gebrauchen, auch die Kinder, die nach Sakseid in die Schule fuhren.





Kipp-Brücke und Telegrafenstation


Neue Zeiten – neue Boote. 1927 – 1935

Nach einer Zeit, bekamen die Fischer und auch andere Leute Boote, die für den existierenden Kanal zu groß waren. Von 1916 finden wir Briefe, die erzählen, dass man den Kanal erweitern wollte, aber erst 1927 waren die Erweiterungspläne fertig.

Ein Grund dafür, dass der Prozess so lange dauerte, war dass die Staatlichen Hafenbehörden von allen Grundbesitzern eine Deklaration erhalten musste, dass sie den nötigen Grund hergeben wurden. Außerdem war das Projekt sehr teuer. Die Erweiterung hat fast 22 Millionen Kronen gekostet.

Die Gesamtlänge von der Kanaleinfahrt in Ostkanal bis zum Ende in Westkanal ist 1700 Meter.

Ostkanal 80M lang, 14M breit und 4M tief

Mittlere Kanal 600M lang, 10M breit und 4M tief

Westkanal 60M lang, 10M breit und 4M tief

Der Kulleseidkanal wurde 17.11.1035 neueröffnet. Drei Schiffe haben teilgenommen: zuerst „Rundo“ mit dem Hafendirektor, Ingenieuren, „Fylkesmann“, Fischereidirektor und andere Autoritäten, danach „Karmsund“ mit wichtigen Leuten aus Haugesund und zuletzt „Svint III“ mit den Bürgermeistern aus Bømlo, Moster und andre Gemeindebeamte aus dem Distrikt.

Die Erweiterungsarbeid wurde 1927 begonnen, und es dauerte 8 Jahre bis alle drei Kanäle mit Fendern 1935 fertig waren.

 

Vor 80 Jahren wurde die meiste der Arbeit von der Hand gemacht, aber die Bauarbeiter hatten auch Kräne, Bohrmaschinen und Lenzpumpen. Sie haben einen Kanal zurzeit gebaut und nach und nach die Ausrüstung mitgenommen. Damals hatte man ein Taucherboot mit 4 Männern an Bord: ein Taucher, zwei Männer, die mit einem Apparat mit Kurbeln an beiden Seiten Luft für den Taucher produzierten und der Vierte, der für die Luftschlange des Tauchers verantwortlich war.

 

Taucherboot mit Luftapparat bei der östlichen Stauanlage.

 

Das die Kanalbauarbeit so lange gedauert hat, hängt auch davon ab, dass nur im Sommer gearbeitet wurde. Im Frühling wurde die Arbeitsausrüstung mit dem Schleppdampfer „Rundø“ geliefert und im Herbst wieder abgeholt.

 

„Rundø“ schleppt Baggerschute und Leichter.

Heutzutage hätte man den Kanal unter Wasser gebohrt und gesprengt, aber 1927 gab es solche Ausrüstung nicht. Deshalb mussten Stauanlagen gebaut werden. Das Wasser musste während der ganzen Arbeitsperiode ausgepumpt werden, damit die Arbeiter fast „im Trocknen“ bohren und sprengen konnten. Die Kinder haben zu der Zeit viel spannendes finden können.

Die großen Steinmassen mussten wegtransportiert werden, und die Wagen wurden per Handkraft gezogen. Der heutige Supermarkt und die Tankstelle sind auf Steinfüllungen von dem Kanal gebaut.

Die Steinfüllung wo heute die Tankstelle und der Supermarkt stehen.

 

Die neue Brücke wurde etwas weiter östlich als die alte Holzbrücke mit Brückenhaus gebaut. Um die Klappbrücke zu treiben, wurde ein Benzinmotor installiert, aber im Notfall konnte die Brücke auch mit der Hand geöffnet werden. Ein Schild auf dem Brückenfundament zeigt, dass die Brücke 1932 fertig war. Die mutigsten, oder tollkühnsten Jungen standen auf der Brücke während sie geöffnet wurde, aber sie hatten Glück und sind nicht heruntergefallen.

Die Brücke in Profil.

Die meisten Arbeiter kamen von außerhalb Bømlos und wurden in Baracken einlogiert. Auf der Bilderseite kann man den ganzen Arbeiterstab und den Koch sehen.


Die Zeit nach 1972

Die Arbeit, die zwischen 1927 und 1935 gemacht wurde, war 30-40 Jahre lang eine Freude für See- und Landreisende. Der Brückenwächter Rasmus Nedrebø musste 24 Stunden auf der Wache sein. Die Schiffmannschaften hatten auch keine 9/4 Arbeit und sie kamen zu allen Tages- und Nachtszeiten an. Wenn das Schiffshorn lautete, musste der Brückenwächter oder sine Frau, Marie, aufstehen. Die Kanalwächterarbeit hielt sich von 1883 bis 1972, 89 Jahre, in der gleichen Familie. Der kleine Maschinenschuppen an der Südseite der Brücke, war gleichzeitig Schuhmacherwerkstadt und Frisörsalon.

 

Aber mit modernen Zeiten kommen neue Bedarfe und die alte Brücke war nicht mehr brauchbar. Es war auch schwierig, jemanden zu finden, der 24 Stunden bereit war, die Brücke zu öffnen. 1972 wurde eine feste Betonbrücke an der gleichen Stelle wie die alte gebaut. Die neue Brücke hat eine Segelhöhe von 13 Metern und die meisten Boote, auch Segelboote mit hohen Masten, können durchsegeln.

 

Erst in den 80er Jahren wurden die alten Kreosotbehandelte Fender entfernt und mit praktischen, aber nicht gerade ästhetischen Autoreifen erstattet. Im Westkanal sieht man immer noch die alten Fender.

 

Die erste Kanalarbeit ist jetzt 150 Jahre her. Damals wurde der Kanal von Fischern und Frachtmännern benutzt. Heute ist der Kanal ein Ziel für Touristen. Auf diese Weise ist die Entwicklung des Kanals repräsentativ für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Für die Wirtschaft Bømlos, ist der Schifftransport nicht mehr so wichtig. Heutzutage ist das Bootfahren für die meisten Rekreation. Auf diese Weise ist der Kulleseidkanal heute immer noch wichtig für unsere Gesellschaft, aber auf eine andere Weise als früher.

 

Kulleseidkanal den 25. März 2006

Kjellaug Arnulf

 

Quellen

Kolle, Nils: Bømlo bygdebok, band VI, Eit øysamfunn i omforming”, Bømlo kommune 1989


Der Rest der Fotos