JUBILÄUM‎ > ‎

Erschwil

Geschichte

Dank verschiedener Funde im Chesselboden konnte nachgewiesen werden, dass das

Gemeindegebiet von Erschwil schon während der Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit bewohnt war. Die erste schriftliche Nennung des Ortes erfolgte 1147 unter dem Namen Hergiswilre. Später erschienen die Bezeichnungen Helgiswilre 1194, Ergswile 1295, Erschweiler 1307 und Erschwilre 1364, manchmal wurde später auch die Schreibweise Erswil benutzt. Der Ortsname geht auf den althochdeutschen Personennamen Arginus zurück und bedeutet somit Hofsiedlung

(Link zum Fotoalbum)

des Arginus.

Seit dem Mittelalter stand Erschwil unter dem Einfluss des Klosters Beinwil, das neben dem Kirchensatz auch reichen Grundbesitz im Dorf hatte.

 

Die weltliche Herrschaft wurde von den Grafen von Thierstein ausgeübt. Nachdem das Geschlecht der Thiersteiner jedoch erloschen ist, kam Erschwil 1522 zu Solothurn und wurde der Vogtei Thierstein zugeordnet.

In den Zeiten der Reformation trat die Bevölkerung von Erschwil zum neuen Glauben über. Seit 1622 hält man hier jedoch wieder die katholische Messe ab.

Seit dem 15. Jahrhundert um Erschwil herum Bohnerz abgebaut und dort seit 1512 in einem bestehenden Hochofen verarbeitet. Die Eisenschmelze wurde jedoch zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingestellt. Nach dem Niedergang des Ancien Régime 1798 gehörte Erschwil während der Helvetik zum Distrikt Dornach, seit 1803 gehört sie zum Bezirk Thierstein
 
Bevölkerung

Mit 926 Einwohnern zählt Erschwil zu den kleineren Gemeinden des Kantons Solothurn. Von den

(Link zum Fotoalbum)

Bewohnern sind 96,0 % deutschsprachig, 1,3 % französischsprachig, und 0,8 % sprechen Serbokroatisch. Die Bevölkerungszahl von Erschwil lag im Jahr 1850 bei 594 Einwohnern und 1900 bei 465 Einwohnern. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl bis 1960 kontinuierlich auf 804 Personen an. Nach einem vorübergehenden Stillstand wurde 1990 mit 820 Einwohnern wieder eine Bevölkerungszunahme verzeichnet.

 
Geographie

Erschwil liegt auf 447 m ü. M. Das ehemalige Strassen- und Bachzeilendorf beginnt im Tal der Lüssel und endet im Jura südlich des Laufener Beckens im Schwarzbubenland.

Die Fläche des 7,5 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Faltenjuras. Der mittlere Gemeindeteil wird vom Talkessel von Erschwil eingenommen, der von Süden nach Norden von der Lüssel durchflossen wird und einen 200 bis 500 m breiten flachen Talboden aufweist. Im Norden bildet die Schmalenstelle bei der Sagi zwischen Müliholenfels und Chapf die natürliche Abgrenzung. Im Westen wird die Talweitung von den teils felsigen Kämmen von Moretchopf  862 m ü. M. und Hoggen 875 m ü. M. sowie vom Welschgätterli, einem 810 m hohen Passweg von Erschwil in das Delsberg begrenzt. Die südliche Grenze verläuft über die Gipfel von Schemel 906 m ü. M. und Hörnli 816 m ü. M. Nach Osten erstreckt sich der Gemeindeboden über den Riedberg bis auf das Hochstelleli, auf dem mit 907 m ü. M. die höchste Erhebung von Erschwil erreicht wird. Auch die südliche Talflanke des Chesselgrabens, eines rechten Seitentals der Lüssel, mit den Höfen Ried und Hinterbüel, gehört zu Erschwil. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 7 % auf Siedlungen, 58 % auf Wald und Gehölze und 35 % auf Landwirtschaft.

Folgende Gemeinden grenzen an Erschwil: Grindel, Büsserach, Meltingen, Beinwil und Montsevelier.

 
Wirtschaft

Die Landwirtschaft prägte im 20 Jahrhundert das Dorf Erschwil.

 Im 18. und 19. Jahrhundert waren auch die

(Link zum Fotoalbum)

Stickerei und die Seidenweberei weit verbreitet. Heutzutage hat die Milchwirtschaft und die Viehzucht einen hohen Stellenwert in der Erwerbtätigkeit der Bevölkerung. Des Weiteren sind noch Arbeitsplätze im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. Dazu gehören in anderen Betrieben das Baugewerbe und die Holzverarbeitung. In den folgenden Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer fast reinen Wohngemeinde entwickelt.


Sehenswürdigkeiten 
Obwohl Erschwil ein relativ kleiner Ort ist, gibt es auch hier einige Sehenswürdigkeiten. Darunter die im 13. Jahrhundert gebaute Kirche Sankt Peter und Paul. 1847 wurde die Kirche neu im Stil des Klassizismus erbaut. Oberhalb von Erschwil bei der Schlucht der Lüssel steht die Kapelle Sankt Johan (aus dem 17. Jahrhundert) an der Passwangstrasse. Aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind im Ortskern einige charakteristische Bauernhäuser erhalten geblieben.

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




Schulhäuser

 1747 Das erste Schulhaus in Erschwil

 Das Bedürfnis eines Gebäudes für Schule steigerte sich immer weiter, bis man sich dazu entschied eine zu bauen. Mit einer Menge Geld

 

(Erschwil 1994; Link zum Fotoalbum)

unterstützten viele Wohltäter die neue Schule.

Im Jahre 1746 ergab es die Summe von 160 Pfund
STEBLER. Die Gemeinde wollte mit dem Bau beginnen, welches sie dem Rat mitteilte. Diese sagten, man solle es in Massivbauweise errichten und es bis zum Dach aufmauern. Der Raum zur Ebene sollte für Feuerwehrgeräte und für Gemeindesachen, der erste Stock ausschliesslich für den Unterricht dienen. Erschwil bat den Rat, das nötige Baumaterial zu besorgen. Zur Gegenleistung würde sich Erschwil um die Erhaltung und Finanzierung der Schule kümmern. Der Rat nahm dies wohlwollend an. Nicht nur dass sie sich um das nötige Bauholz/Material ohne Kosten kümmerten, sie gaben ihnen
„aus besonderer Zuneigung“ noch 30 Pfund STEBLER dazu. Das erste Schulhaus befand sich südlich von dem Gasthaus zum „Kreuz“. Es ist im alten Grundbuch 1825 als Gebäude Nr. 46/910, für 300 Franken versichert. Es wurde dort als Schul- und Wachthaus eingetragen. Es stand vermutlich an der Stelle des heutigen Saales.

Hundert Jahre wurde in diesem Schulhaus unterrichtet, bis es baufällig wurde. Man entschied sich es an einer Steigerung welche am 14. Mai 1845 stattfand, an Johan Borer, den Friedensrichter, für 1.000 Franken zu verkaufen. Dieser bezahlte in BAR.

 

1845  Das zweite Schulhaus

Im Jahre 1845 bot sich die Gelegenheit, anstelle des alten Schulhauses ein neueres Gebäude (Baujahr 1822) zu erwerben und mit dem Verkauf des alten Schulhauses teilweise zu finanzieren. Als am 21. April der Verkauf des alten Schulhauses bewilligt wurde, kam gleichzeitig auch noch ein Bericht des Erziehungsdepartement, der in seinem Antrag erwähnt, dass das alte Schulhaus nicht länger brauchbar sei. Der Regierungsrat genehmigte daraufhin nachträglich den Kauf eines neuen Gebäudes.

Im Erdgeschoss enthielt das Haus eine Lehrerwohnung und im ersten Stock das Schulzimmer. Grosse bauliche Veränderungen wurden am neuen Schulhaus nicht vorgenommen. Es wurden lediglich eine neue Treppe und zwei Toiletten eingebaut. Doch mit dem Bezug des neuen Schulhauses war das Raumproblem nicht behoben und man                 (Link zum Fotoalbum)

befasste sich bald mit Umbauplänen. Im Staatsarchiv ist noch ein vom damaligen Lehrer von Arx entworfener Plan für den Umbau vorhanden und 1883 genehmigte die Regierung einen weiteren Plan von Kantonsbaumeister Probst. Doch leider wurde keiner der Pläne verwirklicht, denn der armen Gemeinde fehlten die Mittel. Da die Regierung immer wieder auf Behebung des lästigen Zustandes drängte und endlich sogar eine letzte Frist setzte, beschloss die Gemeinde am 21. Juli 1889 die Errichtung eines Neubaues. An der gleichen Gemeindeversammlung wurde auch eine Schulhausbaukommission gewählt. Bald hatten sie einen Bauplatz für den Neubau gefunden. Dann wurden aber Unterschriften gesammelt und mit einer Eingabe vom 12. Dezember verlangten 30 Stimmbürger die Einberufung einer Gemeindeversammlung zur Aufhebung des früheren Beschlusses. In geheimer Abstimmung wurde am 15. Dezember 1889 mit 46 gegen 40 Stimmen der Beschluss über den Neubau aufgehoben. Die gleiche Versammlung beschloss, das bestehende Schulzimmer zu vergrössern und das Schulhaus zu renovieren. Am 25. Mai 1890 wurde der Kredit für den Umbau bewilligt, ein Jahr später wurde noch ein Nachkredit genehmigt. Am Schluss beliefen sich die Kosten des Umbaus auf 5127.86 Franken.

40 weitere Jahre erfüllte das Schulhaus noch seinen Zweck bis es am 2. Mai 1932 für 16 000 Franken verkauft wurde.

 

1932 Das dritte Schulhaus

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen neue Industrien in das Tal. Die

Bevölkerung in Erschwil wuchs wieder an und somit auch die Kinderzahl. Die Errichtung einer zweiten Schule und die Schaffung neuer Räumlichkeiten waren unumgänglich geworden. Zuerst wollte man das alte Schulhaus im Dorfkern erweitern. Ein Kostenvorschlag für dieses Projekt lautete auf 70'000 Franken. Nach einer Diskussion an einer Gemeindeversammlung, an der mehrheitlich für einen Neubau votiert wurde, beschloss die Gemeinde am 8. Februar 1925 nahezu einstimmige die Erstellung eines Neubaues. Eine  bald darauf gewählte achtgliedrige Schulhausbaukommission bestimmte als ihren Präsidenten Emil Heizmann, Friedensrichter. Von den drei Architekten Vinzenz Bühlmann (Breitenbach), Alban Gerster (Laufen) und Eugen Studer (Solothurn) liess man die Projekte weiter bearbeiten und Kostenvoranschläge erstellen. Die Finanzierungsfrage bereitete             (Link zum Fotoalbum)

der Gemeinde jedoch grosse Sorgen. Der Kostenvoranschlag für einen Neubau lag bei 130'000 Franken. Bei einem Gemeindesteuerertrag von jährlich rund 13'000 Franken, (1930 genau 13135 Franken), entsprachen die vorgesehenen Baukosten also rund der zehnfachen Gemeindesteuer. Reserven waren nicht vorhanden, so dass für die gesamten Kosten Darlehen aufgenommen werden mussten. Staatsbeiträge an den Bau von Schulhäusern oder Finanzausgleichsbeiträge gab es damals noch nicht. Lediglich an die Verzinsung der Schulden stellte der Staat einen jährlichen Beitrag von 1,6% in Aussicht, begrenzt auf eine Dauer von 10 Jahren. Die Verzinsung schien unter diesen Umständen unmöglich, so dass im Frühjahr 1930 beschlossen wurde, nochmals eine Erweiterung des alten Schulhauses zu prüfen. Gleichzeitig versuchte der Gemeinderat aber noch, vom Regierungsrat einen höheren Zinsschuss zu erwirken. Eine auf den 10 August 1930 einberufene Gemeindeversammlung sollte schliesslich endgültig über An- und Neubau entscheiden. Da traf an jenem Sonntagmorgen, tatsächlich in der letzten Stunde, vom Erziehungsdepartment die Zusicherung eines Verzinsungsbeitrags von 2,5% ein. Daraufhin beschloss die Gemeindeversammlung definitiv die Erstellung eines Neubaues im Kleinfeld. Als Architekt wurde bald darauf Eugen Studer bestimmt und mit der Bauführung beauftragt. Dieses dritte Schulhaus trug mit drei Schulzimmern, der Lehrerwohnung als Reserve für ein viertes Schulzimmer, einer Turnhalle, einem Gemeinderats-, einem Kommissions- und einem Vereinszimmer der Entwicklung auf weite Sicht Rechnung. Am 1. Mai 1932 konnte das Schulhaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Der Festakt fand auf dem Turnplatz unter grosser Teilnehme der Bevölkerung statt. Die Festansprache hielt Erziehungsdirektor und Ständerat Dr. Robert Schöpfer. Weniger erfreulich war das Nachspiel. Massive Kostenüberschreitungen zogen jahrelange Auseinandersetzungen mit Unternehmern und Architekt nach sich. Am 30. November 1935 konnte schliesslich die Gemeindeversammlung die auf 197490.45 Franken bereinigte Bauabrechnung genehmigen.

 

Das vierte Schulhaus 1797
In Erschwil
ging auch der wirtschaftliche Aufschwung Nachkriegszeit nicht

spurlos vorbei. In der engeren Heimat fand die Bevölkerung ein reichliches Stellenangebot. Die Bevölkerung nahm von 1930 bis 1970  579 Personen auf  854 oder um 47% zu.  Auf die Bevölkerungsentwicklung wirkte sich auch auf die Schülerzahl aus, so dass im Frühjahr 1969 eine 4 Primarschule eingeführt werden musste. Somit waren die Klassenzimmer besetzt. Durch die knappen Raumverhältnisse wurde auch das Vereinsleben behindert. Zudem waren die Turnhallen überfüllt und längst zu klein geworden.
Mitte der 60er Jahre hat der Gemeinde rat in Verbindung mit einer Schulhausplanungskommission, Studien über  Erweiterungsmöglichkeiten beim Schulhaus im Kleinfeld aufgenommen. Auch beigezogene Fachleute wollten auch nichts von diesem Projekt wissen.

Viel Zeit und Geduld erforderten die finanzschwachen Gemeinden beim Schulhausbau. Der erste Antrag des Gemeinderates über eine Erstellung eines Neubaues  (Link zum Fotoalbum) vermochte an einer Gemeindeversammlung vom 8.November 1967 noch nicht durch zu dringen. Die Mehrheit der anwesenden Stimmbürger war die Finanzfrage noch zu wenig geklärt. Zum Teil herrschten auch noch Zweifel darüber ob nicht eine Erweiterung am alten Standort vorzuziehen sei. Für diesen Fall wurde die Planungsbehörde beauftragt so dass die Frage ob Neu –oder Erweiterungsbau nochmals  überprüfen und die Finanzkommission zur eingehender Bearbeitung der der finanziellen Seite einzusetzen.
Die Gemeindeversammlung fasste am 15. Januar 1969 den grundsätzlichen Beschluss da die Stimmen mit 60 gegen 6 die Zustimmung das die neue Schulhausanlage zu errichten. Die Überzeugung war gereift, dass nur eine grosszügige Lösung für die Zukunft zu befriedigen vermochte. Es fiel Ihnen insbesondere ins gewicht dass im Brühl noch unverbautes Land zur Verfügung stand und dass die Gemeinde dieses Besitze. Auch die Finanzierung schien ohne all zu grosse zusätzliche Steuerbelastung gesichert sein.
Die bestehende Schulhausbaukommission (8 Personen) unter dem Präsident von Leo Grolimund prüfte in der Folge verschiedener Varianten. Schliesslich fand der Kantonsbaumeister (Max Letsch) entworfenes und mit Kostenberechnung versehenes Projekt die Zustimmung sowohl der Kantonalen als auch der Gemeindebehörden.
In einer denkwürdigen Gemeindeversammlung vom 9. März 1977 wurde bei 271 anwesenden stimmberechtigten Personen in der  offener Abstimmung mit einem überwältigt „Ja“ angenommen.
Mit ca. 4 Millionen Franken war das grösste Kreditbegehren das sie je zu befinden hatten. Die Weiterberarbeitung des Projektes und die Bauleitung wurden der Projektierungsgemeinschaft G. Gerster Arch. ETH/SIA Laufen und Jauslin & Stebler, Ingenieur Ag Breitenbach übertragen.
Das Schulhaus enthält im Untergeschoss Die Zivilschutzanlage mit Schutzräumen für 120 Personen und Militärunterkünften. Im Erdgeschoss: die Mehrzweckhalle für 500 Sitzplätze mit voll ausgerüsteter Theaterbühne 1.Obergeschoss :drei Klassen- und ein Lehrerzimmer, Estrich: ein weiteres Mehrzweckzimmer für die Schulen, nebst den technischen Anlagen. Moderne Sportanlagen ergänzen den schönen Bau.

Spottname von Erschwil
Im Schwarzbubenland
hat jede Gemeinde einen Spottnamen. Wie z.B.


Beinwiler sind die „Bohenstäggä“ oder den Büsserachern „Schnoggen“ so nennt man die Erschwiler „Schnäggä“. Aber woher haben die Erschwiler diesen Namen?? Es gibt zwei Legenden über diesen Namen die erste wäre:
Die Erschwiler bauten sehr gute Schneckenkarren. Diese Schneckenkarren waren Handwagen die den Bauern aus dem Lüsseltal brauchten um in den steilen Hängen         (Link zum Fotoalbum)
zu arbeiten. Andere erzählen: Dass sie diesen dummen Spottnamen von einem dicken Pfarrer haben. Er glich einem Regenfass. Wen er den Berg hinauf lief schnaufte er wie eine Dampfmaschine und beim Bergabgehen rollte er fast. Als sie Bittwoche hatten lief der Pfarrer so langsam dass ihn eine Schnecke einholen konnte. Als er im Dorf ankamen riefen alle Leute „ die Schnecken kommen“ Seither blieb der Spottnamen an ihnen kleben . 

 
Erstellt von Bekim Ahmeti

Kennzahlen

 Kanton
 Solothurn
 Bezirk  Thierstein
 PLZ  4228
 Höhe  447 m ü. M.
 Fläche  7,48 km²
 Einwohner  913
 Website  www.erschwil.ch
 
 
Bevölkerungsentwicklung
 

Erschwil

Interview mit Gerhard Borer
Sind sie in Erschwil geboren und aufgewachsen?

Gerhard Borer wurde am 20.11.1935 in Erschwil geboren
Wenn ja, wie waren die Zeiten früher?
Kindheit?

Es gab nur wenig bis keine Autos. Die Strassen waren nicht geterrt, es gab nur Feldstrassen, es gab keine Fernseher sowie kein Radio. Man arbeitete in seiner Freizeit auf einem Bauernhof. Wenn man keinen eigenen Hof hatte, arbeitete man bei einem Nachbarn.
Damals gab es 43 Bauernhöfe in Erschwil.
Schulzeit?
Die 1., 2. und 3. Klasse waren in einem Raum und hatten die gleiche Lehrerin.
Die 4., 5., 6., 7. und (8.) Klasse waren ebenfalls im gleichen Schulzimmer wie die anderen Schüler. Diese wurden jedoch von Herrn Kölliker unterrichtet.
Meistens ging man im 8. Schuljahr zu einem Bauern in die Welsch -Schweiz, um die Sprache zu lernen.

Lehrzeit/Ausbildung?                                                                                                Herr Borer arbeitete 5 Jahre in einer Drechslerei. Dann arbeitete er 42 Jahre in der ,,Cheramischen’’ in Laufen. Die letzten 15 Jahre in der Cheramischen war er Meister in der Grossabteilung. Es gab im Grossen und Ganzen keine Ausbildung.
Die Familienmitglieder, die nicht arbeiteten, brachten das Mittagsessen mit einem kleinen Wägelchen oder in einem Korb zu Denjenigen, die arbeiteten.
Einige Arbeiter wurden zu den Geschäften, in denen sie arbeiteten mit Lastwagen, auf denen sich Bänke und Hauben befanden, transportiert. Andere fuhren mit dem Velo zur Arbeit.
In den 30er Jahren wurde die Hauptstrasse (heute die Passwangstrasse genannt) geteert.
Jugend :
Merkten sie viel vom Krieg ?

Sie mussten mit Marken einkaufen gehen, wenn es keine mehr hatte gab es keine Waren mehr. Milch holte man heimlich bei den Bauern. Salz gab es nur bei einer Frau namens Saner Priska (das Salz war offen und wurde abgewogen).
Wenn schönes Wetter war während dem krieg mussten sie am Nachmittag nicht in die Schule, sondern den Bauern helfen gehen.
Man spielte mit Murmel oder Planversteckis  (Schnitzeljagd).
Des Weiteren sammelte man auch Eren, war froh um jedes Korn und gingen in den Wald, um Holz zu suchen.
Was können Sie uns über die Geschichte von Erschwil sagen?
Dorfname hat gewechselt
( Blätter einscanen die wir bekommen haben Waschhaus, ,,Märt ,,, u.s.w.)
14 Brücken über die Lüssel von Beinwil Gemeinde und Erschwil Gemeinde Schemelhöhle
Wie war früher die wirtschaftliche Lage von Erschwil?
Man machte keine Lehre, weil man zu wenig Geld hatte. Darum gab es viele Bauern. Man kam so am schnellsten zu Geld und hatte keinen langen Arbeitsweg.
Viele gingen zum Beispiel einfach in die Isola arbeiten, weil sie Geld brauchten.
Stieg die Einwohnerzahl in den letzten Jahren oder nahm sie ab? Wenn ja, um wieviel nahm sie zu bzw. ab?
Ja,  die Einwohnerzahl ist gestiegen
Um 1900 waren es etwa 465 Einwohner
1870 - 1900 sind viele Einwohner aufgrund von Arbeitssuchen nach Amerika ausgewandert.
Momentan (Stand 2009) sind es 943 Einwohner.
Was gab es früher für Industrien in Erschwil?
Es gab viele kleine Industrien (Weben, Bau, etc.), in denen ca. ein Arbeiter pro Firma angestellt war (wenn überhaupt). Sehr gross war Walser mit ca. 6 Arbeitern. Damals wurde auch an verschiedenen Orten nach Erz gegraben ( vielleicht daher auch der Name der Erzstrasse). Wenn man Glück hat , kann heute noch Erz finden.
Gab es früher viele Vereine? Wenn ja, waren Sie in Einem oder auch in Mehreren?
Ja, Kirchenchor. Turnverein, Musik, Männerchor, Jungmannschaft, Mariaverein, Mütterverein.  Man ging in einen Verein, dass man einwenig unter die Leute kam. Und ein wenig Abwechslung  hatte.
Herr Borer besuchte:
Den Turnverein , Kirchenchor , 12 Jahre Gemeinderat, schützen ( Freischützen ) heute noch dabei.
Früher war jeder Verein ein wenig politisch.
Wo stand früher das Gemeindehaus?
Damals gab es kein Gemeindehaus. Man hat alles zu Hause gemacht und sich anschliessend getroffen. Es gab keine Verwaltung, diese wurde nebenbei ebenfalls zu Hause gemacht.
Was ist so besonders an Erschwil? Was macht es lebenswert?
Erschwil liegt in einem Tal, ist ruhig und still, es ist ein Dorf. Hier kennt jeder jeden.
1950 war die Kirche unten im Dorf, weil unter der Kirche war erst ein haus. (??)
Im Moment bauen nicht viele in Erschwil.
Wie war damals der Ausländeranteil?

Es gab nur wenige hauptsächlich Italiener, die aber arbeiten gingen.
Was ist anders im Vergleich zu heute ?
Damals : Alle Generationen haben zusammen in einem Haus gelebt.                   
Heute :   Jede Generation wohnt in einem eigenen Haushalt.                                                      Statt vor dem Fernseher zu sitzen, sass man auf einer Bank hat dort so lange gesessen und zusammen Neuigkeiten ausgetauscht bis es finster wurde.
Damals :
Erster Fernseher kostete ca. CHF 4000 .—
Ein Kugelschreiber kostete ca. CHF 20 .—
Man hatte mehr Obstbäume weil man darauf angewiesen war.
Damals :
6 Dorfladen, davon zwei Bäckereien.
Heute:
2 Dorfladen davon eine Bäckerei.
Damals:
Die alten Leute lebten zu Hause und starben auch da. Zu Hause wurden sie so lange aufgebahrt, bis man sie geholt und begraben hatte.
Wir bedanken uns für dieses Interview bei Gerhard Borer.
 
--
 
Interview mit Paul Wyss, ehemaliger Lehrer aus Erschwil
Wie lange wohnen Sie schon in Erschwil?

Ich wohne seit 1954 in Erschwil, also gut 55 Jahre
Was gefällt Ihnen an Erschwil?
Das es so schön ruhig ist, aber hauptsächlich hatte es mit dem Beruf zu tun, das ich jetzt hier wohne
Wo gingen Sie in die Schule?
Ich ging in Büren, das liegt in Liestal im Schwarzbubenland, zu Schule. Dort ging ich in die Bezirkschule
Wie war Ihre Schulzeit?

Damals war alles ganz einfach gemacht, man hörte Radio und wir spielten immer auf der Strasse. Es war eine angenehme Zeit.
Wie kamen Sie zum Lehrerberuf? Würden Sie ihn heute immer noch wählen?
Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt. Es war einfach in der Bezirksschule  ausgeschrieben.
Jein. Ich wüsste nicht, ob ich es noch mal würde.
In der heutigen Zeit würde ich nicht mehr als Lehrer arbeiten. Wenn es das alte System noch geben würde, schon. Heute würde ich das KV machen.
Wie lange haben Sie unterrichtet?
Ich habe 43,5 Jahre immer in Erschwil unterrichtet. Hauptsächlich die 3. und 4. Klasse. Eine zeitlang auch die 5 Klasse
Wie sahen die „Strafen“ früher aus?
Am Anfang gab es Tatzen (Anmerkung der Interviewer: Schläge mit einem Lineal), Strafseiten und das man drinnen bleiben musste.
In Ihrer Schulzeit?

Tatze, eine Seite schreiben, hineinhocken.
Tatze war effektiver, weil sie dann mehr Angst und Respekt hatten.
Wie war Ihr damaliger Tagesablauf als Lehrer?
Die Schule begann um viertel vor acht bis zum Nachmittag. Dann ab 13:15 Uhr bis 16 Uhr oder 17 Uhr.
Am
Abend waren dann meistens der Verein und Sitzungen
Welche Fächer haben Sie unterrichtet?
Ich unterrichtete alle Fächer

Gab es mal Überschwemmungen oder Umweltkatastrophen in Erschwil?
Es gab ein paar mal Überschwemmungen, welche die Keller unter Wasser stellten.Der Schutz vor Überschwemmungen hat die Gemeinde Millionen gekostet.
Es wurde eine Rakete gefunden, die später explodierte. In der Folge ist ein Bauernhaus abgebrannt. Das war das „Schlimmsten“.
Was können Sie uns noch über Erschwil erzählen?
Erschwil ist ein reines Bauerndorf, indem es noch im Mittelalter Märkt gab. Später wurde er nach Breitenbach verlegt.
In der Kirche existiert ein bekanntes Hagelkreuz, welches im Mittelalter gefunden wurde. Ebenfalls wurde Eisenerz gefunden und bis zum 15 Jahrhundert abtransportiert.
Schmelzistrasse und Hammerei waren wichtige Strassen.
Neuschwander unterrichtete ein paar Handwerker. Das Baugeschäft Borer Albin war aber klein.
Es gab auch einen Kartenverlag.
Wir bedanken und herzlich bei Paul Wyss.
 
Bilder
 
(Link zum Fotoalbum)
 

Die ersten schulischen Anfänge in Erschwil

Weil Erschwil früher zu Büsserach pfarrgenössisch war, wurden die Kinder in die Schule nach Büsserach geschickt. Damals dauerte der Unterricht von Allerheiligen (November) bis Ostern. Gewöhnlich besuchten die Schüler die Schule drei Jahre, dies war aber in keiner Vorschrift niedergeschrieben. Seinerzeit waren Lehrer fahrende Leute, die in einem Lokal wohnten und dort gleichzeitig unterrichteten. Eltern, die ihre Kinder in die Schule schickten, mussten ein Schulgeld zahlen und täglich ein Scheit Holz zum heizen liefern.

Irgendwann dachte sich Büsserach, dass man doch für das ganze Jahr einen Schulmeister einstellen könnte. Dies scheiterte aber am notwendigen Geld für das Gehalt. Daraufhin wollte man mit Erschwil und Breitenbach, durch die Einführung einer gemeinsamen Steuer, die Anstellung finanzieren. Dies lehnte Breitenbach jedoch strickt ab. 1642 schickten Erschwil und Büsserach ein gemeinsames Schreiben an den Rat von Solothurn, indem sie ihm ihr Anliegen mitteilten und baten um eine Beisteuerung zum Gehalt des Schulmeisters, denn in den Gemeinden gäbe es viele arme Menschen.

Die Idee, die Kinder regelmässig zu unterrichten wurde vom Rat gelobt und sie erteilten die Erlaubnis, einen ständigen Schulmeister anzustellen. Zudem befahl er dem Vogt von Thierstein, dem Schulmeister für das laufende Jahr eine einmalige Gabe von 10 Pfund Stebler aus den obrigkeitlichen Abgaben zu geben. Da auch die Kirche über einen ansehnlichen Betrag verfügte, sollte diese dem Schulmeister 5 Pfund Stebler in Geld und Viertel Korn zukommen lassen. Ebenfalls bekam der Lehrer aus dem Kirchengut von Büsserach einen Beitrag in Form von Früchten.

Der erste Schulmeister, namens HANS MELCHIOR SULGER, war somit für ein Jahr gesichert. Für das darauf folgende Jahr musste man wieder betteln. Hierfür fragte man wieder bei Breitenbach an, diese lehnten jedoch erneut ab. Sie weigerten sich strickt, ihre Kinder nach Büsserach zu schicken.

Allmählich verlor Erschwil  die Geduld und kündigte dem Schulmeister von Büsserach. Die Gemeinde Erschil richtete eine eigene Schule ein und wählte einen Bauern als Schulmeister. Der Vogt von Thierstein, der um die Schule besorgt war, wandte sich am 20. Januar 1646 an den Rat in Solothurn, teilte ihm diese Vorgänge mit und klagte über die halsstarrigen Breitenbacher. Der Vogt schrieb über den Bauern, den die Erschwiler als Schulmeister angestellt hatten, er könne selbst nicht lesen und schreiben, er hätte es selbst nötig gehabt noch in der Schule zu gehen. Der Rat befahl darauf hin, dass der gewählte Schulmeister sofort abgewählt werden musste. In der Folge scheint dann die erste Schule eingegangen zu sein.

60 Jahre später, 1704, wurde in Erschwil dann endlich eine endgültig eigenständige Schule ins Leben gerufen. Der eifrige Pfarrer von Erschwil und Büsserach, P. Plazidus Gibelin, hatte den Gedanken dazu. Die Vorsitzenden von Erschwil nahmen sich der Sache energisch an. Es galt vor allem mal wieder darum, die Besoldung des Schulmeisters zu sichern. Der Pfarrer Plazidus wandte sich an den Abt seines Klosters (Beinwil), Esso Glutz von Solothurn legte den Plan der Schulstiftung vor und bat um eine jährliche Beisteuer zur Besoldung des Schulmeisters. Der Abt war einverstanden und legte in einem Brief vom 17 Juni 1704 an P. Platzidus sein Einverständnis fest. Geneigt sei er, schrieb er, „jährlich ein Quantum Frucht zu diesen christlichen und löblichen Vorhaben bei zusteuern, unter der Bedingung, dass der jeweilige Schulmeister sich vor seiner Stellenantritt anmelde und sich gegen ihn und seine Conventualen treu und gehorsam zeige“. Zu betrachten sei aber, die Spende des Klosters als besondere Gnade, daraus dürfe niemals eine Verpflichtung abgeleitet werden. Er sei einverstanden, dass ein Bürger von Erschwil, welcher der Gemeinde genehm sei, zum Schuldienst gewählt werde. Am selben Tag, an dem der Abt dieses Aktenstück ausfertigte, begab sich ein Ausschluss von 5 Mann der Gemeinde Erschwil nach Dornach, wo sie dem Vogt die beabsichtigte Schulgründung vertrugen. Die Gemeinde besitze eine grosse Kinderschar, weswegen sie höchst notwendig einen Schulmeister brauchen, der die christliche Glaubenslehre unterrichtet. Die Gemeinde hatte nicht genug Geld um den Schulleiter zu bezahlen. Darum baten sie die gnädigen Herren den jeweiligen Schulmeister aus dem Zehnten eine Fruchtgabe geben zu lassen. Der Vogt schrieb einen Brief an den Rat. Damit ging ein Ausschuss nach Solothurn und schon am nächsten Tag, dem 18 Juni, beschloss der Rat, wenn Erschwil stets einen solothurnischen Stadtbürger zum Schulmeister wähle, wolle er diesem jährliche einen Sack Mühlegut aus dem Fruchtzehnten geben lassen. Der Rat hoffe auch, dass der Abt von Beinwil einen Beitrag leiste und dass die Gemeinde Erschwil zu diesen Leistungen soviel zulege, dass der Stadtbürger, welcher die Schule übernehme, ein gebührendes Einkommen finde. Mit dieser Bedingung waren aber die Abgeordneten nicht einverstanden. Sie fanden, die Ansprüche eines  Stadtsolothurners könnten nicht tragbar sein und wünschten sich, einen Bürger wählen zu dürfen. Die Männer wussten offenbar, wie sie ihren Bedenken Nachdruck verleihen konnten, denn schon am nächsten Tag, dem 19 Juni, kam der Rat auf seinen Beschluss zurück und bewilligte den Erschwiler einen Bürger zum Schulmeister zu machen. Jedoch unter dem Vorbehalt, dass dieser dem Ortspfarrer und dem Vogt genehm sei.

Schon bald machten sich die Fortschritte der Schule bemerkbar.

Die Erziehungsideen Rousseaus verbreiteten sich allmählich in Europa.

Ein aufgeschlossener Geist machte sich auch beim Rat in Solothurn bemerkbar; der Staat Solothurns fing an, sich mit den Schulen zu beschäftigen. In einem Kreisschreiben verordnete die Regierung vom 4 Februar 1765 an alle Vögte, ohne Wissen und Zustimmung eines Vogtes dürfe kein Schulmeister angestellt werden.  Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, mussten die Schulsteuern trotzdem bezahlen. Die  Landvögte waren verpflichtet, der Regierung jährlich über die Schulen ihres Amtsbezirks zu berichten. Im Jahre 1773 berichtete der Vogt von Thierstein, dass die Kinder während der verordneten Schulzeit in die Schule gingen. Die Kinder wurden im lesen und im schreiben sowie in der Religion unterrichtet. Mathematik war damals Nebensache. In Erschwil wurde die Schule, sofern es die Armut erlaubte, von allen besucht. Viel Beachtung schenkte die Gemeinde der Schule, aus verschiedenen Quellen wurden die Einnahmen bestritten. 440 Pfund Stebler (damaliges Geld) besass die Gemeinde zur Besoldung des Schulmeisters. Vermutlich stammte das Geld aus Schenkungen, der Zinsabfluss wurde nur verwendet.