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Geschichte

Die Kreisschlauchpflegerei
»Die Beschaffung und Unterhaltung der für die Feuerwehren erforderlichen Löschgerätschaften, Ausrüstungsstücke, Alarmeìnrichtungen,
Wasserstatìonen und Gerätehäuser ist eine Aufgabe der Gemeinden<<
(16 Abs.l des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 1.Dezember 1933).

Die Pflege und Einsatzbereitschaft der Gerätschaften war und ist seit jeher Aufgabe der Feuerwehren selbst. Nach Einsätzen und
Übungen mußten die Schläuche gewaschen, getrocknet und instand gesetzt, die Geräte gepflegt und einsatzbereit wiederhergestellt werden.

Mit dem technischen Fortschritt nahmen die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren derart zu, daß für die Schlauchpflege und Instandsetzung oft die nötige Zeit fehlte. Es ergaben sich häufig Engpässe, da das vorhandene Schlauchmaterial oft nicht im vollen Umfang einsatzbereit war.

Um die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren dennoch sicherzustellen, unterbreitete der Kreisfeuerwehrverband des Kreises
Stormarn der Verwaltung in den Jahren 1948/49 den Vorschlag, zur zentralen Pflege der Schläuche aller Feuerwehren des Kreises eine
Schlauchpflegerei zu errichten. Ausschlaggebend für diesen Vorschlag war Abs. 3 des Schleswig-Holsteinischen Feuerschutzgesetzes vom
3.Februar 1948, wonach »die Kreise die Feuerschutzaufgaben durchzuführen haben, die über den Bereich der Gemeinde hinausgehen.«

Die Verwaltung griff diesen Vorschlag auf und begann mit der Planung. Als mögliche Standorte kamen die Orte Bad Oldesloe, Reinfeld,
Trittau und Ahrensburg in Frage. Letztlich konkretisierte sich, nicht zuletzt auch aufgrund der Initiative der Stadt Ahrensburg, der Standort Ahrensburg. Die Stadt hatte dem Kreis das Grundstück des ehemaligen Elektrizitätswerkes im Schäferweg angeboten, das für den vorgesehenen Zweck geeignet war. Das Gebäude wurde durch einen Anbau und einen Schlauchturm ergänzt. Diese Baumaßnahme wurde von der Stadt Ahrensburg mit einem Kostenaufwand Von rd. 36.000 DM durchgeführt, woran sich das Land mit rd. 80 % beteiligte. Nach Fertigstellung umfaßte die Schlauchpflegerei, die am 1.November 1950 ihren Betrieb aufnahm, eine Gesamtgrundfläche von 85 qm. Als Erstausstattung wurden u.a. eine elektrische Schlauchwaschmaschine, eine Schlauchprüfpumpe, ein Schlauchweichtrog und ein Vulkanisierapparat beschafft. Der Schlauchturm faßte je 80 Längen B- und C-Schläuche. Die Schläuche selbst mußten von Hand in den Turm gezogen werden.

Da der Lagerbestand der Schlauchpflegerei nur je 30 Längen B- und C-Schläuche betrug, konnte ein Austauschverfahren nicht praktiziert werden. Jede Wehr erhielt die von ihr angelieferten Schläuche gewartet zurück.
Der erste Schlauchmeister der Kreisschlauchpflegerei in Ahrensburg, Willy Hartwig, schrieb in einem kurzen Erfahrungsbericht u.a. folgendes:
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 "ln der 20m langen Schlauchwäsche befand sich ein Weichtrog, den ich nicht gebrauchen konnte, weil der Trog auf mehreren Stellen gerissen war und kein Wasser hielt. (Anmerkung: Er wurde später entfernt und ein neuer Trog angeschafft). Zum Transport der Schläuche war ein Pritschenwagen Opel Blitz 1,5 t vorhanden, der nicht fahrbereit war, aber den 2. Weltkrieg mitgemacht hatte."

Die Einrichtung der Schlauchpflegerei wurde von den Freiwilligen Feuerwehren begrüßt. Sie brachte eine erhebliche Entlastung für die Wehren und eine Steigerung ihrer Einsatzbereitschaft. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß das praktizierte Wartungsverfahren unzweckmäßig war.
Das Problem wurde durch die Einrichtung der zentralen Schlauchverwaltung gelöst. Diese wurde durch Kreistagsbeschluß im Einvernehmen mit den Gemeinden ab Januar 1961 für alle Freiwilligen Feuerwehren auf Kreisebene eingeführt. Mit den Gemeinden wurden, ausgehend von einer Grundausstattung je Löschgruppe von je 12 Längen B- und C-Schläuchen, Verträge abgeschlossen. Für die Ersatzbeschaffung unbrauchbar gewordenen Schlauchmaterials wurde eine Umlage von 151,20 DM je Löschgruppe und Jahr festgesetzt. Auf dieser Basis wurden von den Gemeinden 1.331 Längen B- und 1.494 Längen C-Schläuche übernommen. Da fast 50 % dieser Schläuche unbrauchbar waren, mußte der Kreis in den Folgejahren erhebliche Mittel für die Schlauchbeschaffung aufwenden.
1958 hatte das als Schlauchwagen verwendete ehemalige Wehrmachtsfahrzeug Opel Blitz ausgedient. Als Ersatz hierfür wurde ein 1,5 t Borgward mit Spezialaufbau beschafft. Bereits 1962 mußte auch dieses Fahrzeug durch einen 5 t Hanomag mit Spezialaufbau ersetzt werden, da die Transportkapazität des alten Fahrzeuges durch die zentrale Schlauchverwaltung zu klein geworden war. Der Tätigkeitsbericht der Schlauchpflegerei für das Jahr 1961 liest sich wie folgt:

"2.064 Längen B- und 1.511 Längen C-Schläuche gewaschen, getrocknet und geprüft. 833 defekte Stellen an Schläuchen wurden geflickt.
1.516 Kupplungen und 40 Hülsen eingebunden. Für den Austausch von Schläuchen legte der Schlauchwagen 8.443 km zurück."

Die Zunahme der Einsätze und Übungen sowie die Erweiterung des Aufgabenfeldes z.B. im Unfallrettungsdienst, brachten zusätzliche
Aufgaben für die Schlauchpflegerei. Es stellte sich heraus, daß das Gebäude in Ahrensburg zu klein geworden war. Aus dieser Erkenntnis entstand der Plan zur Errichtung einer modernen, den Anforderungen der Feuerwehr gerecht werdenden neuen Schlauchpflegerei.

Pläne, die Schlauchpflegerei in Ahrensburg zu erweitern, wurden nach ausführlichen Beratungen und Ermittlungen im Jahr 1961 aufgegeben. Der Bauausschuss des Kreises beauftragte in seiner Sitzung am 21.]uni 1961 das Kreisbauamt, einen Plan für den Neubau einer Schlauchpflegerei zu erstellen. Von mehreren möglichen Standorten für einen Neubau in Ahrensburg, Großhansdorf und Trittau legte der Kreisausschuß in seiner Sitzung am 15.0ktober 1963 als Standort endgültig die Gemeinde Tralau, OT Nütschau, fest. Hier konnte der Kreis das gemeindeeigene Schulgelände in einer Gesamtgröße von rd. 11.000 qm erwerben.

Am 23.April 1965 billigte der Kreistag das in Zusammenarbeit mit dem Kreisfeuerwehrverband erstellte Raumprogramm. Das Gesamtbauvorhaben umfaßte die Schlauchpflegereì, den Garagentrakt und das Wohnhaus für die Bediensteten. In den Garagentrakt integriert wurde für die Freiwillige Feuerwehr Tralau ein Unterrichtsraum. Kernstück neben der Schlauchpflegerei mit Waschraum, Werkstatt, Lager,  Geräteprüfraum, Garage und Büro ist der 26 m hohe Trockenturm mit einer vollautomatischen Schlauchaufhängevorrichtung, die maximal 322 Schläuche aufnehmen kann.

FotoMit den Bauarbeiten wurde am 1.März 1966 begonnen. Am 1.August 1967 konnte die neue Einrichtung in Betrieb genommen werden. Unter
reger Beteiligung der Öffentlichkeit wurde die neue Schlauchpflegerei am 14.0ktober 1967 eingeweiht. Fachleute bestätigten, daß diese Einrichtung in ihrer Anlage und Konzeption die modernste im Lande Schleswig-Holstein sei. Die Gesamtbaukosten betrugen 1.190.000 DM. Der Kreis stellte 1.070.000 DM aus Eigenmitteln bereit, 120.000 DM wurden aus der Feuerschutzsteuer finanziert. Am 1.August 1969 wurde der erste Schlauchmeister Willy Hartwig nach 10 jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. Neuer Schlauchmeister wurde Walter Jenkner. In den Folgejahren wurde die Ausstattung der Schlauchpflegerei ständig erweitert. Im April 1971 mußte ein neuer Schlauchwagen, Typ Mercedes 7,5 t mit Sonderaufbau, zu einem Preis von rd. 56.000 DM in Dienst gestellt werden. Dieses Fahrzeug ist erst im Mai 1987 durch einen neuen Schlauchwagen ersetzt worden. Im Juni 1971 beschaffte der Kreis zusätzlich einen VW-Bus für den Transport von Atemschutzgeräten und -flaschen sowie kleineren Schlauchmengen, im September 1972 installierte man über dem Schlauchwaschtisch eine Schlauchtransportvorrichtung für rd. 13.000 DM; dazu kam im Mai 1973 eine neue elektrische Schlauchwaschmaschine. Aufgrund der Zunahme von Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren unter Atemschutz wurden im Jahr 1971 im Rahmen eines Sonderausrüstungsprogramms, insbesondere für 23 ländliche Feuerwehren, Atemschutzgeräte beschafft. Das brachte weitere Aufgaben für die Schlauchpflegerei: Die Pressluftflaschen mußten gefüllt und gewartet werden. Für das Füllen der Pressluftflaschen wurde im August 1971 ein Atemluftkompressor beschafft. Die Wartung der Atemschutzgeräte und Pressluftflaschen machte in der Folgezeit die Einrichtung einer Atemschutzwerkstatt mit entsprechender Ausrüstung erforderlich.

Nach und nach wurden immer mehr Feuerwehren mit Funk ausgerüstet. Mit einem Kostenaufwand von rd. 25.000 DM entstand 1970 in der Schlauchpflegerei eine Funkrelaisstelle für alle Freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Kreise, die 1974 erweitert wurde. Ein neuer Funkmast auf dem Schlauchturm mit einer Höhe NN 72 m und ein Gegenrelais in Reinbek ermöglichten einen ausreichenden
Funkverkehr innerhalb des Kreisgebietes. Im Dezember 1985 wurde diese Funkrelaisstation teilweise stillgelegt, nachdem man den Funkverkehr im Kreis Stormarn auf Gleichwellenfunk umgestellt hatte.

1971 verlegte der Kreisfeuerwehrverband mit Zustimmung des Kreises seinen Sitz in die Kreisschlauchpflegerei nach Nütschau. Bis zu diesem Zeitpunkt war Sitz des Kreisfeuerwehrverbandes jeweils der Wohnsitz des Kreisbrandmeísters. Als Geschäftsraum erhielt der Kreisfeuerwehrverband das Sitzungszimmer in der Kreisschlauchpflegerei. Mit Fertigstellung des 1. Bauabschnittes der Feuerwehrausbildungszentrale im Jahre 1978 konnte der Kreisfeuerwehrverband für seine Arbeit zwei neue Diensträume beziehen.
Die Bezeichnung "Kreisschlauchpfiegerei" wurde der Aufgabenstellung dieser Einrichtung nicht mehr gerecht. Im Einvernehmen mit dem Kreisfeuerwehrverband erteilt der Kreisausschuß am  1975 seine Zustimmung zur Umbenennung der Kreisschlauchpflegerei in "Kreisfeuerwehrzentrale". Die Dienstbezeichnung des Leiters der Einrichtung wird von Schlauchmeister in "Schirrmeister" geändert.
Aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung und der Entlastung der gemeindlichen Finanzen verzichtet der Kreis Stormarn ab Januar 1976 auf die von den Städten und Gemeinden für die Ersatzbeschalfung von Schläuchen zu zahlende Umlage.

Auf einer Dienstversammlung der Amts- und Gemeindewehrführer am 29.Mai 1980 wurde von mehreren Wehrführern der Wunsch vorgetragen, die Versorgung mit umluftunabhängiger Atemluft (Pressluftflaschen) im Austausch analog zur zentralen Schlauchverwaltung durchzuführen. Der Kreisausschuss stimmte am 29.0ktober 1980 der Einführung einer zentralen Verwaltung der Pressluftflaschen bei der Kreisfeuerwehrzentrale ab 1.Januar 1981 zu. Die Kosten für die TÜV-Prüfung und Instandsetzung der Pressluftflaschen trägt der Kreis. Als Kreìsreserve wurden je 50 4- und 6Liter-Pressuftflaschen zum Gesamtpreis von 25.000 DM beschafft. Außerdem wurde ein Gerätewagen Atemschutz zum Preis von 46.600 DM als Ersatz für den VW-Transporter in Dienst gestellt.



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