Die fünf Wirkungsprinzipien nach Sebastian Kneipp

Das Kneipp'sche Naturheilverfahren ist ein komplexes System für eine gesunde Lebensgestaltung.
Das Gesundheitskonzept bedient sich aller Naturfaktoren:

Wasser:

Sebastian Kneipp hat ein umfangreiches, übersichtliches Programm verschiedener Wasseranwendungen entwickelt. Es besteht aus Waschungen, Güssen, Wickeln und Bädern. Das Wasser wird nicht nur kalt, sondern häufig auch im Wechsel von warm und kalt oder ausschliesslich  warm  angewendet. 
Kurzdauernde Kaltanwendungen wirken gefäßtrainierend und durchblutungsförgernd. Die Gefäße "lernen" zweckmäßiger zu reagieren. Es kommt zu einer abnehmenden Empfindlichkeit des Körpers gegen Kälte - zur Abhärtung. Die Erkältungshäufigkeit durch regelmäßig durchgeführte Kaltwasserreize nimmt ab (wahrscheinlich bedingt durch die Anregung des Immunsystems und eine verbesserte Durchblutung im Nasen-Rachen-Bereich). Bedeutsam ist die Abhärtung gegen psychischen Stress und Ärger. Dieses Phänomen wird als Anpassung (Adaption) bezeichnet. Es ist als Training des Organismus zu werten. Warme Bäder (evt. mit Kräuterzusätzen) wirken muskelentspannend und durch die körperliche Entspannung folgt eine psychische Entspannung und Berufung.

Bewegung:

Bewegung bietet einen körperlich-seelischen Ausgleich und nimmt damit einen hohen Stellenwert ein. Bewegung kann Abhilfe bei Fehlhaltungen und Überbelastungen des Bewegungsapparates schaffen. Die von Kneipp ausdrücklich empfohlene körperliche Bewegung - analog zu den Kaltwasserreizen der Wassertherapie - ist für die heute oft vernachlässigten körperlichen Funktionen noch wichtiger als zu Kneipps Zeiten. Durch Gymnastik z.b. wird in erster Linie der menschliche Bewegungsapparat mit Haltung und Atmung, aber auch das Herz-Kreislaufsystem , der Stoffwechsel, die Verdauung usw. angesprochen. Darüber hinaus werden aber auch psychosoziale Effekte erzielt. Es entstehen Geselligkeit, Kreativität, Konzentration und Lebensfreude. Die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse, das bewusste Erlebenund Experimentieren mit unterschiedlichen Übungen haben einen gesundheitserzieherischen Wert.

Ernährung:

Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung ist eine wichtige Vorraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Trotz des steigenden Konsum an kalorienreduzierten Nahrungsmitteln ist eine Ernährung in den Industrieländern gekennzeichnet durch ein zuviel an Energie sowie an Fett und Zucker, gekoppelt  mit  einer  unzureichenden      Versorgung       bei    bestimmten
Inhaltsstoffen (zum Beispiel von Ballaststoffen, Calcium und Eisen). In der Verbindung mit einem Mangel an Bewegung können daraus zahlreiche ernährungsabhängige Krankheiten entstehen. Eine zeitgemäße Ernährung, die diesen Entwicklungen entgegen wirken kann, ist die Vollwert-Ernährung. Sie berücksichtigt nicht nur den gesundheitlichen Aspekt der Ernährung, sondern bezieht auch die Umwelt und die Gesellschaft in ihr Konzept mit ein. Damit hebt sie sich von der üblichen Betrachtungsweise in der Ernährungswissenschaft ab. Die Vollwert-Ernährung ist die beste Grundlage, um aktiv gegen Stressbelastungen vorzugehen.Sie ist Garant für eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung. Sie bewirkt eine längere Sättigung, diese wiederum beeinflusst die Konzentrationsfähigkeit günstig.


Heilpflanzen:

Pfarrer Kneipp gilt als Wiederentdecker der mild wirkenden Heilpflanzen und als Begründer eigenverantwortlichen Selbstbehandlung. Das Wissen, das er durch seine Mutter erhielt,ergänzte er durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen. Für die   Selbstbehandlungen kommen nur mild wirkende Pflanzen in Betracht  (Mite-Pflanzen), z.b. Melisse, Holunder , Kamille, Salbei, Fenchel. Die wichtigsten Anwendungsgebiete für diese mild wirkenden Heilpflanzen sind leichte Befindlichkeitsstörungen im Bereich der Atemwege (Erkältungskrankheiten), im Bereich Herz/Kreislauf, Magen/Darm, Niere/Blase sowie bei Haut- und Stoffwechselstörungen (Cholesterin). Besondere Bedeutung kommt den mild wirkenden Heilpflanzen im Kindesalter sowie im mittleren Lebensalter im Sinne eine rechtzeitigen Prophylaxe zu. Im fortgeschrittenen Alter wirken die Pflanzen bei nachlassender Körperfunktion (funktionelle Störungen) unterstützend und verbessernd.

Lebensrhythmus:

Lebensrhythmus bedeutet zu lernen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Dabei werden die 4 Elemente Wasser, Heilkräuter, Ernährung und Bewegung einbezogen. Gelungen ist die Lebensgestaltung,  wenn sie die Einheit von Körper, Seele und Geist beachtet und in Einklang mit dem sozialen und dem ökologischen Umfeld steht (Kneipp spricht in seinen Schriften vom menschlichen Geist, der umso frischer und leistungsfähiger sei frischer und leistungsfähiger sei, je gesünder der Leib ist, der ihm als Wohnung dient). Der Gesundheits- bzw. Krankheitszustand eines Menschen wird wesentlich durch eine allgemeine Grundhaltung gegenüber der Welt und dem eigenen Leben (Weltanschauung) bestimmt. So hängt es von der Grundeinstellung ab, wie gut Menschen in der Lage sind, vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefinden zu nutzen. Die Grundhaltung, die Welt als zusammenhängend und sinnvoll zu erleben, setzt sich aus drei Komponenten, dem Kohärenzgefühl, zusammen. Das Kohärenzgefühl entwickelt sich im Laufe der Kindheit und Jugend und wird von den gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen beeinflusst.