Historie der Kivelinge

Der Ursprung der Kivelinge gründet sich auf eine Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert. Bei Kämpfen zwischen dem Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Münster wurde die männliche Bevölkerung Lingens so stark dezimiert, dass zur Verteidigung als letztes Aufgebot die jungen, unverheirateten Jugendlichen der Stadt auf die Wälle gerufen wurden. Durch die Unterstützung der jungen Krieger gelang es, die Eroberung der Festung Lingen zu verhindern und die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Es wird vermutet, dass durch diese Begebenheit auch der Name "Kiveling" seinen Ursprung hat. Es handelt sich hierbei um die Verkleinerungsform des mittelhochdeutschen Wortes "kiven", was soviel wie kämpfen oder streiten bedeutet – also "Kleiner Streiter" oder "kleiner Kämpfer".

Es ist heute nicht mehr möglich, diese Vorgänge grauer Vergangenheit durch Dokumente zu belegen, da bei einem Stadtbrand im Jahre 1548 fast alle schriftlichen Urkunden verloren gingen und so vieles nur aus mündlichen Überlieferungen bekannt ist. Ein erster schriftlicher Beweis für die Existenz von „Borgerkynder“, „junge Schutthen“ oder „Vrygesellen“, wie die Kivelinge auch genannt wurden, finden sich in den Stadtrechnungen der Jahre 1557/1558. Ein Posten gibt hier eine Zuwendung der Stadt an die Kivelinge an:

„Die jungen Schützen oder Bürgerkinder beehrt mit 1/2 Tonne Bier, facit 1 Mark“

Der Unterschied der Kivelinge zu anderen Schützengesellschaften liegt darin, dass der Bürgersöhne-Aufzug in früherer Zeit eine Zwangseinrichtung der Stadt Lingen war, was im Punkt 14 der sogenannten Wetten, den Grundsätzen der Vereinsstruktur, von 1786 beurkundet ist. So hatten die ledigen Bürger der Stadt unter hohen Strafen an diesem Aufmarsch mit der Waffe teilzunehmen und nach einem strengen Reglement zu exerzieren.

Der heutige Bürgersöhne-Aufzug ging aus dieser damaligen zwangsweisen Wehrmannschaft hervor und übernahm die Tradition und das Eigentum. Von der Stadt Lingen bekam der Verein einige alte Privilegien übertragen. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begannen die Kivelinge, sich als Heimatverein mehr und mehr in soziale und kulturelle Bereiche der Stadt einzubringen. Bereits vor und auch nach dem Ersten Weltkrieg fanden die Feste der Kivelinge im dreijährigen Turnus statt.

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte jede Vereinstätigkeit. Doch bereits 1945 richtete der Vorstand der Kivelinge ein Schreiben an den englischen Militärkommandanten in Lingen mit der Bitte um Wiederaufnahme der Vereinsaktivitäten. Dieser Bitte wurde durch die englische Militärregierung entsprochen. Neue Zielsetzung des Vereins war die Pflege vorhandener geschichtlicher Denkmäler, sowie der heimatlichen Kultur. Zu dieser Zeit entstanden auch das Motto PRO CIVIBUS ET CIVITATE ~ FÜR DEN BÜRGER UND DIE STADT und das Vereinswappen, welches durch die Darstellung der drei Lingener Stadttore, von Königskrone und Königsgürtels dominiert wird.

Das Engagement in der Brauchtumspflege spiegelte sich unter anderem wieder in den Zeitschriften und Schriftreihen der Kivelinge, in dem Erwerb und der Restaurierung des Hauses Am Markt 8, der Neugestaltung des Pulverturmgeländes in der Innenstadt mit Wiederaufbau des Pulverturms und der Errichtung des Machuriusbogens, die Stiftung der Bürgermeisteramtskette und Schenkungen für das Alte und Neue Rathaus. Im Jahre 1972 fand ein durch die Kivelinge organisiertes Volksfest statt. Grund war die 600 Jahrfeier des Vereins, an der auch die Bevölkerung Lingens und der Umgebung Teil haben sollte. In den folgenden Jahren wurden die alle drei Jahre zu Pfingsten stattfindenden Volksfeste ein fester Bestandteil des Lingener Stadtbildes. Einen grundlegenden Wandel erfuhr das Volksfest im Jahr 1996. Seit diesem Fest sind die Kivelinge bemüht, die Atmosphäre des Mittelalters so authentisch wie möglich darzustellen. Besonderen Ausdruck findet dies in den Aufbauten, Fassaden und Kostümen.