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Waldgottesdienst

Gehen wir in Gedanken zurück ins 20. Jahrhundert. Nach dem furchtbaren Geschehen des 2. Weltkrieges, das vom christlich geprägten Deutschland ausging, besann man sich wieder auf die wichtige Verantwortung der Christen.
Deshalb gestaltete sich das Gemeindeleben in Göda mit den vielen Dörfern mit neuen Akzenten. Unsere Kirchgemeinde hatte sich doch personell nach dem Krieg durch die Ansiedlung vieler Flüchtlinge aus Böhmen und vor allem aus dem evangelischen Schlesien stark verändert. Diese Christen brachten ihre Tradition und Frömmigkeit in unsere Gemeinde und prägten sie nun nachhaltig: Angeregt durch die aufblühende Landeskirchliche Gemeinschaft und mitgetragen von der Ortsgemeinde begannen viele Christen sich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen. Die Mitglieder erkannten: Gott und Jesus Christus können nicht nur in der Kirche zentral im Gottesdienst gelobt werden. Es braucht noch mehr zum Dank im Glaubensleben als die eine Stunde am Sonntag. Die Entscheidung für den Glauben muss deshalb darüber hinaus in den Häusern der Dörfer durch persönliches Lesen in der Bibel vertieft werden. Und vor allem: Es muss darüber nachgedacht werden, was die Bibellese für das Christsein im Alltag bedeutet, damit sich nicht wieder ein Volk ins Unglück stürzt und anderen Göttern nachläuft. So entstanden in zentralen Orten um Göda Bibelstundenkreise in den Familien.
Gleichzeitig – und mit der Erkenntnis aus der Bibellese gewonnen – spürten die Menschen der „ersten Stunde“ nach dem Krieg: Gott wurde in der Vergangenheit oft zu sehr eingeengt in die Mauern der altehrwürdigen Kirchen: Glaube und Alltag klafften auseinander. Jedoch begegnet uns Gott ja überall im Leben, auch in der Weite unseres Arbeitsfeldes. In der Natur können und müssen wir ebenfalls den Schöpfer loben, danken und ehren. Aus diesem Grunde wurde bald nach dem Krieg neben den Bibelstunden in den Dörfern im Sommer zu „Waldgottesdiensten“ an verschiedenen Stellen der Kirchgemeinde aufgerufen. Bis zur 1000-Jahrfeier Gödas im Jahr 2006 waren es noch aus der Traditionskette der Nachkriegszeit die Gottesdienste in den Schanzen von Coblenz und Seitschen und seit den 90-er Jahren der Parkgottesdienst in Rothnaußlitz (ebenfalls in der jüngeren Zeit kamen hinzu die Dorfplatzgottesdienste in Göda vor der Kirche – und die heute noch gefeierten Ökumenischen Gottesdienste am Pfingstsonnabend im Park in Schmochtitz und die gemeindeübergreifenden Gottesdienste zum Himmelfahrtstag an wechselnden Orten).
Die Gottesdienste der Kirchgemeinde im Grünen waren sehr beliebt und zogen manche Christen (und Nichtchristen) an, die sonst selten den Weg zum Gottesdienst in der Kirche fanden. Diese Stunden zum Lobpreis in der Natur standen jedes Jahr unter einem anderen Thema. Außerdem wurde viel gesungen. Gestaltet wurden sie von der teilnehmenden Gemeinde, besonders auch mit unserem Posaunenchor oder Kirchenchor. Die Waldgottesdienste segneten auf ihre Weise die Wälder, Wiesen und Felder, eine Segnung, die wir heute in der aktuellen Neubesinnung auf das enge Verhältnis des Menschen zur Natur zum Überleben brauchen (vergleiche auch den Artikel von unserer Gemeindepädagogin Oehmichen im Gödaer Gemeindeblatt Juni-Juli 2009). Nach der Feierstunde gab es immer die Gelegenheit zum Gespräch bei Kaffee und Kuchen (eine Möglichkeit, die dann auch in ausgewählte Wintergottesdienst-Termine im Kirchgemeindehaus aufgenommen wurde). Diese Gespräche brachten manche Mitchristen aus der Gemeinde näher zusammen, die sich sonst selten trafen, da sie aus verschiedenen Dörfern kamen.