Schwalbach – Griesborn steuert Schulraumnot 

Durch das Anwachsen der Schülerzahlen und den schlechten Zustand der im Jahre 1875 gebauten und den heutigen Erfordernissen selbstverständlich nicht mehr gerecht werdenden Schule an der Hauptstraße des Ortsteils Griesborn, sah sich die Gemeinde vor einigen Jahren vor die Frage gestellt, entweder ein neues Schulhaus zu bauen oder die im Jahre 1934 gebaute Schule an der Friedhofstraße zu erweitern.

Die allgemeine soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung erfordert heute eine vertiefte Arbeit in allen bisherigen Unterrichtsgebieten (z.B. naturwissenschaft-licher Unterricht, Werkarbeit usw.) und die Aufnahme neuer Gebiete (Sozialkunde, Wirtschaftskunde, Verkehrserziehung, musische Erziehung usw.). Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist nur eine große, mehrklassige Schule, also eine räumliche Zentralisation fähig. Einer kleinen Schule eine solche zeitgemäß notwendige Ausstattung mit Lehr- und Lernmitteln usw. zu geben, erfordert so hohe Kosten, dass mehrere Einrichtungen (Lehrmittel, Anschauungsmaterial, Funk-, Film- und Tonbandgeräte, Turnsäle und Geräte, Werkräume, evtl. Küchen, Nähräume usw.) keinen ökonomischen Nutzen bringen.

Das Gelände an der alten Schule kam wegen seiner verkehrsgefährdenden Lage, der Störung des Unterrichtsbetriebs durch den immer stärker werdenden Verkehr und zur Erhaltung der Sicherheit des Lebens der Kinder nicht in Frage.

Die Schule und das umgebende Gelände an der Friedhofsstraße bot sich förmlich an, weil das Gebäude verkehrsarm, groß genug, die vorher genannten Voraussetzungen erfüllte und der Bedarf an Schulsälen auf Jahre hinaus befriedigt werden konnte. Nach eingehender Beratung hat sich der Gemeinderat entschlossen, letztere Lösung zu verwirklichen. Die Gründe hierfür waren zu überzeugend. Mit der Planung und Bauleitung wurde das Kreisbauamt und von diesem der Hochbauingenieur, Herr Kloss, federführend beauftragt. Die Planung des neuen Baukörpers wurde so angeordnet, dass er sich harmonisch, soweit es eine moderne Architektur zuließ, mit dem vorhandenen Schulhaus verband. Dieses Vorhaben ist gut gelungen. 

Nach fast vierjähriger Bauzeit ist der Erweiterungsbau nunmehr fertiggestellt.

Der Baukörper mit rd. 53 m Länge und rd. 10 m Tiefe enthält im Erd- und Dachgeschoss je 4 Unterrichtsräume, weiter ein Lehrerzimmer, ein Direktorzimmer, ein Lehrmittelzimmer und einen Mehrzweckraum. Im Kellergeschoss ist die Zentralheizungsanlage mit Kohlenvorfeuerung, die erforderlichen Lagerräume für Brennmaterial und ein Bastel- oder Werkstattraum. 

Die Hausmeisterwohnung befindet sich im älteren Teil der Schule.  Die Unterrichtsräume des neuen Bautraktes sind, einer heutigen Forderung entsprechend, südwestseitig angeordnet. Sie erhalten durch große Fensteröffnungen genügend Licht und Luft und sind sehr farbfreudig gehalten. Das gleiche gilt von der großzügig, jedoch vorerst noch ohne jedes künstlerische Beiwerk angelegten bequemen Geschosstreppe zwischen Erd- und Obergeschoss. 

Als Fußböden wurde für Klassen- und Nebenräume der jahrzehntelang bewährte Linoleum, für Flure Mosaikplatten und für den Treppenaufgang eine Kunststeinanfertigung gewählt. 

Altes und neues Schulhaus verbindet im Innenhof von Süd nach Ost eine geräumige Pausenhalle, die ebenso wie das Hauptgebäude ziemlich flach gehalten und mit rotem Welleternit eingedeckt ist. Seitwärts in der Mitte davon sind die Toilettenanlagen angebaut.

Turnhalle und altes Schulhaus sind straßenseitig mit einer behauenen Natursteinmauer verbunden, die eine geschlossene Bauweise abrundet. Der geräumige, mit Pflanzen und Bäumen durchsetzte Schulhof hat eine dauerhafte Bitumendecke. Schön und hervorzuheben ist, dass man die an der Nordfront in den 30er Jahren gepflanzten Birkenbäume belassen konnte. So hat man eine natürliche Belebung des gesamten Gebäudekomplexes erhalten.

Dem Ortsteil Griesborn steht nun eine neue, schöne und repräsentative Volksschule mit zusammen 11 Klassenzimmern und den dazugehörigen sonstigen Ausbildungsräumen zur Verfügung.

Es ist selbstverständlich, dass es diese neuen Räume allein nicht vermögen, unserer Jugend das Rüstzeug zu vermitteln, das bei der heutigen Zeit und auch künftig verlangt wird und verlangt werden muss. Den Start hierzu hat die Gemeinde gegeben. Kirche, Lehrer, Eltern und Kinder müssen nun in gegenseitiger und vertrauensvoller Zusammenarbeit dafür sorgen, dass das Werk Früchte trägt.

 

Neue Schule wird übergeben.

-Besichtigung durch die Bevölkerung am Sonntag, den 7. Mai 1961- 

Am Donnerstag, den 4. Mai 1961 wird der Erweiterungsbau der kath. Volksschule im Ortsteil Griesborn der Schule übergeben. In der Pfarrkirche „Herz-Jesu“ wird aus diesem Anlass morgens um 9.00 Uhr für alle Gäste, Eltern und Kinder ein Schulgottesdienst gehalten.

Anschließend findet im Rahmen einer Feierstunde, in Anwesenheit aller Schulkinder des Ortsteils, die Einsegnung des neuen Hauses durch Herrn Pastor Thielen statt. Es folgt eine schlichte Übergabefeier der fertiggestellten Schule an die Schulleitung. Schüler der Volksschule und ein Kinderchor werden dabei mitwirken.

Allen Schulkindern des 1. und 2. Schuljahrgangs wird aus diesem Anlass je eine Tafel Schokolade geschenkt. Allen übrigen Schulkindern wird die Gemeinde ein gutes Kinderbuch zur Erinnerung an die Einweihung der neuen Schule überreichen. Im Anschluss daran ist schulfrei.

Am Sonntag, den 7. Mai 1961 stehen alle Räume des Neubaus zur Besichtigung den Einwohnern in der Zeit von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr offen. Lehrkräfte und Bedienstete des Gemeindebauamtes stehen zur Verfügung um bei Bedarf notwendige Auskünfte zu geben.

Wir empfehlen allen Bürgern unser modernes Schulhaus zu besichtigen. Vor allem deshalb, um einmal zu sehen, in welchem schönen und zweckmäßigen Räumen unsere Schuljugend unterrichtet wird und in welchem Maße die Gemeinde hierzu beiträgt.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Eltern und die Lehrer herzlich bitten, die Kinder anzuhalten, zu ermahnen und hinzuwirken, dass das Gebäude und seine Einrichtungen schonend behandelt werden, damit bei den laufend durchzuführenden Kontrollen keine Missstände auftreten.


    

  

  


Die Schulhauseinweihung

 (Lokalanzeiger 13.Mai 1961)

Wie wir bereits berichteten, ist das neue Schulhaus im Ortsteil Griesborn am vergangenen Donnerstag im Rahmen einer schlichten Feierstunde seiner Bestimmung übergeben worden.

Im Anschluss an einen Gottesdienst in der Pfarrkirche „Herz-Jesu“ wurden die Klassenkreuze gesegnet und in einer Prozession zur Schule geleitet. Dort nahm Pastor Thiel die Einsegnung des Gebäudes vor. Während dem sangen die Schulkinder einen Choral. Hierauf begrüßte Bürgermeister Dr. Fery die anwesenden Ehrengäste. In seiner kurzen Ansprache wies der Bürgermeister auf den fundamentalen Wert unserer Schulen hin und unterstrich, in welch hohem Maße die Gemeinde diese Einrichtungen fördere. Allein dieser Bau, mit einem Kostenaufwand von rund 1 Million DM errichtet, spreche ein beredtes Zeugnis davon, wenn auch das Land ca. 40% der Kosten als Zuschuss geleistet habe. 

Dafür dankte er dem Vertreter der Regierung, Regierungsrat Müller, der gleichzeitig den verhinderten Ministerpräsident vertrat. Dank sprach er auch dem Kreisbauamt aus, das den Plan entwarf und die Bauleitung ausübte. In seinen Dank schloss er auch alle die ein, die zum Gelingen des Werkes als Handwerker usw. beigetragen haben.

An die Schulkinder gewandt sprach er den Wunsch aus, dass auch die Kinder schon so viel Einsehen haben müssten, welche Anstrengung die Gemeinde für sie gemacht habe. Er bat dafür zu sorgen, dass in dem neuen Haus immer Rücksichtnahme, Ordnung und Sauberkeit herrschen und dass keine mutwilligen Beschädigungen oder Zerstörungen vorkommen

dürfen. Es sei zu hoffen, dass alle, die hier unterrichtet werden, für ihr Leben geistig und sittlich zu reifen Menschen erzogen werden, damit sie zu vollwertigen Mitgliedern unserer Gemeinschaft heranwachsen. – Nach einem Kinderchor übergab der Leiter des Kreisbau-amtes, Oberbaurat Schaar, die Schlüssel der Schule. Es folgten die Ansprachen der Gäste.

Regierungsrat Müller sagte, dass sich die Regierung über jede Schulhauseinweihung freue. Zeigte es doch, dass es auf diesem wichtigen Gebiet stetig aufwärtsgehe. Auch der jetzt hier zuständige Kreisschulrat Kiwitter brachte seine Freude über das vollendete Werk zum Ausdruck

und bat die Eltern, dafür zu sorgen, dass auch sie die Kinder anhalten sollten, das Gebäude mit seinen Einrichtungen pfleglich zu behandeln. Er bat weiter, darauf bedacht zu sein, dass die Eltern, so komisch es klingt, ausgeschlafene Kinder zur Schule schicken und sie nicht bis spät in die Nacht an den Fernsehschirmen sitzen lassen. Oberamtmann Greff sprach im Namen des zur Zeit abwesenden Landrats Riotte ebenfalls der Gemeinde die Glückwünsche des Kreises aus und versicherte, dass die Kreisverwaltung auch künftig alles in ihrer Kraft stehende tun würde, um die schulischen Belange zu unterstützen.

Im Anschluss an die Feier, die von einer von der Firma Paul Wilhelm, Hauptstraße 131, dankbarerweise kostenlos zur Verfügung gestellten Lautsprecheranlage für alle Teilnehmer gut zu verfolgen war, wurde ein Rundgang durch die Baulichkeiten gemacht  .

Am vergangenen Sonntag haben erfreulicherweise viele Einwohner – es mögen ca. 500-600 gewesen sein - von der Möglichkeit der Besichtigung Gebrauch gemacht und so neben ihrem Interesse für neue schöne Bauten auch ihre Anteilnahme für die Geschehnisse in der Gemeinde bekundet.