Chronik des Kleingärtnervereins "Zur Sonne" e. V. (Stand: 2016)
erstellt und geführt durch die Chronisten Fritz Strenger, Christine Buschmann und Jochen Emmerling

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Neugründung unter dem Namen "Kleingärtnerverein zur Sonne e. V. Gautzsch"

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(Abbildung 11: Protokoll Gleichschaltung)

Die Neubildung des Kleingartenvereins durch die ehemaligen Mitglieder und die Änderung der Satzung war das Thema bei der Hauptversammlung am 2. Dezember 1933. Der neue Verein erhielt den Namen "Kleingärtnerverein zur Sonne e. V. Gautzsch" und es wurde die Eintragung in das Vereinsregister beantragt.

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(Abbildung 12: Blick zur Koburger Straße)

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 12. Mai 1933, bedingt durch die Machtübernahme der NSDAP im Januar 1933, trat der gesamte Vorstand auf Veranlassung zurück.


Durch die Machtübernahme erfolgte für alle Vereine und Organisationen eine rasche strukturelle Veränderung durch Gleichschaltung mit den Organisationen der NSDAP. Im Januar 1933 wurde die Schreberbewegung von den Machthabern der NSDAP "gleichgeschaltet". Laut Beschluss der Regierung mussten ab Mai 1933 die Mitglieder der Vorstände Mitglied der NSDAP sein. Es betraf den Vorsitzenden, 1. und 2. Stellvertreter, den 1. Kassierer sowie den Schriftführer. Der Vorsitzende hieß jetzt "Vereinsführer" und wurde von der Stadtgruppe berufen.

Jede Änderung des Vereinsnamens oder die Auswechslung eines Vorstandsmitgliedes bedurfte einer Änderung im Vereinsregister.
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(Abbildung 13: Brief an das Amtsgericht zwecks Auflösung des Vereins sowie Eintragung ins Vereinsregister)

Durch die Auflösung des Gartenvereins "Erholung" und die Neubildung des Gartenvereins "Zur Sonne" begannen mit dem Pfarramt langwierige Verhandlungen über den jährlichen Pachtzins. Das Pfarramt forderte für die Pacht 2½ Rpf pro m². Der Verein war aber nur für den gesetzlichen Grundpreis von 1 ½ Rpf pro m² gewillt zu zahlen. Diese Konditionen wurden erst ab dem 1. Oktober 1941 vereinbart.

Die Stadt Markkleeberg gründete sich 1934 aus den Ortsteilen Markkleeerg, Oetzsch und Gautzsch. Dadurch änderte sich ab 1934 der Name des Vereins und zwar in "Kleingärtnerverein Zur Sonne e.V. Markkleeberg-West".

Die Eintragung im Vereinsregister erfolgte am 24. Oktober 1934. Die Rechte und Pflichten der Kleingärtner wurden bei der Neugründung des Vereins durch die von der NSDAP geprägte Satzung ab 28. Juni 1934 festgelegt.

In dieser Satzung heißt es im Paragraph 2 unter anderem (Übernahme aus der Chronik von Fritz Strenger, S.43):

"1. die Nutzung des Kleingartenlandes im Sinne der Verbundenheit von Blut und Boden als Grundlage für Staat und Volk zu gewährleisten.

2. das Kleinlandwesen nach Anweisungen des Reichsbundes und seiner Organe nach dem Grundsatz, Gemeinnutz geht vor Eigennutz, zu entwickeln und die Selbstverwaltung seines Kleingartenlandes zu fördern.

3. der Ausbau und die Vertiefung und Jugendpflege im Sinne Dr. Schrebers nach den Anweisungen des Reichsbundes und der Reichsjugendführung zu fördern."

und im Paragraph 5 der Satzung heißt es:

"1. An der Spitze des Vereins steht der Vereinsführer. Er ist alleiniger Vorstand im Sinne des § 26 des Bürgerlichen Gesetzbuches und wird vom Führer der Stadtgruppe der Kleingärtner auf unbestimmte Zeit berufen, der dem Verein als Mitglied angehört.

2. Ein mehrgliedriger Vorstand besteht nicht mehr. Über Angelegenheiten des Vereins (§ 32 des Bürgerlichen Gesetzbuches) sowie über Satzungs- und Zweckänderung (§ 33 des Bürgerlichen Gesetzbuches) beschließt der Führer allein nach Anweisung des zuständigen Stadtführers......."


Durch die Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 änderte sich die Atmosphäre des Vereinslebens. Die demokratische Leitung des Vereines war  beseitigt worden, die Ausrichtung des Vereinslebens wurde der nationalsozialistischen Ideologie angepasst, sie richtete sich vor allem auch auf die Kinder- und Jugendbetreuung.



(Abbildung 14: Eingangsbereich um 1934/35)



In den darauffolgenden Jahren  wurde vor allem der Gemüse- und Kartoffelanbau intensiviert. So setzten doch die Machthaber auf eine Eigenversorgung der Bevölkerung, um wegen der damals schon beginnenden Kriegsvorbereitungen teure Importe zu vermeiden. In Erzählungen älterer Gartenfreunde erinnern sie sich noch an die Eintopfsonntage, die in dieser Zeit üblich waren.

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(Abbildung 15: Auflösung des Vereins im Jahr 1937)


Nach dem Konkurs und der Neugründung erwiesen sich die zähen Verhandlungen des Vorstandes mit dem Verpächter wegen der Pacht als sehr schwierig. Außerdem schaltete sich der damalige Bürgermeister der Stadt Markkleeberg, Herr Braun, in den Streit mit ein. Er empfahl dem damaligen stellvertretenden Kirchenvorstand Direktor Feller und dem Pfarrer Eidner in einer Niederschrift vom 23.November 1937 folgendes:

"Wer nicht die geforderte Pacht zahlt, hat auch kein Recht Pachtgelände irgendwie zu nutzen. Die Schrebergärten sind von dem Pfarrlehen zu entfernen und das Gelände der Bebauung zuzuführen."


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(Abbildung 16: Verhandlung Pachtvertrag 1938)

Durch die Streitigkeiten des Verein mit dem Bürgermeister kam es dann soweit, dass der Rat der Stadt Markkleeberg am 24. Oktober 1938 heimlich einen Teil des Flurstückes 231 vom Pfarramt kaufte. Der Gartenverein erfuhr von diesem Kauf erst durch ein Schreiben des Pfarramtes vom 20. Mai 1939. Auf diesem Teilstück befanden sich das Gartenlokal und der Spielplatz. Da die Stadt Markkleeberg jetzt der neue Eigentümer dieses Flurstückes war, wurden ab 1943 im Kantinengelände Zwangsarbeiter einquartiert. Diese Zwangsarbeiter waren zur Arbeit in den Junkerswerken verpflichtet.

Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg (1939-1945). Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Vereinsarbeit auf ein Mindestmaß beschränkt, auch Sommerfeste für die Kinder fanden weiterhin entsprechend den Möglichkeiten dieser Zeit statt. Durch die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Berlin war der 2. Weltkrieg zu Ende.


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(Abbildung 17: Auszug Vereinsregister)

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches hatten auch die Kleingärtner und Siedler in der sowjetischen Besatzungszone mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Landesregierung Sachsens enteignete im Februar 1946 die Kleingärtner und löste die Vereine formal auf; ihr Vermögen und ihre Rechte gingen auf die Kommunen über. So wurde mit Antrag vom 26. September 1946 auf Anraten des Grundstückamtes Markkleeberg am 5. Oktober 1946 auch dieser Verein aufgelöst und im Vereinsregister gelöscht.


Nach langem Hin und Her in der Kleingärtnerpolitik wurde dann 1947 der ehemalige Kleingartenverein der "Kleingartenhilfe des FDGB" mit unterstellt. So kam es 1947 zur erneuten Namensänderung und zwar in "Kleingartengruppe Zur Sonne im FDGB, Kreis Leipzig e. V."

Durch die neue Organisation gab es auch neue Rechtsverhältnisse, die nichts mehr mit den Vereinen aus der Zeit der NSDAP oder Weimarer Republik zu tun hatten.

Über eine Entnazifizierung in diesem Verein ist nichts bekannt.

Der September 1949 war für die Kleingärtner in der sowjetischen Besatzungszone und vor allem für die Mitglieder der Gartensparte "Zur Sonne" von großer Bedeutung. Im Vereinshaus der Gartensparte "Zur Sonne" trafen sich am 10. und 11. September 1949, unterstützt von den Mitgliedern der Sparte, die 200 Delegierten aus den 5 Ländern der Sowjetischen Besatzungszone (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg) anlässlich der Gartenbauausstellung zu einer Tagung. Auf dieser Tagung wurde erörtert, über die Grundlagen eines eigenen Vereins und die Notwendigkeit der Anlehnung der Kleingärtner an die Organisation des FDGB. Die Diskussion der Delegierten um die Notwendigkeit der Anlehnung war positiv gehalten, in der nachstehenden angenommen Entschließung vom 11. September 1949 heißt es (Übernahme aus der Chronik von Fritz Strenger von 1990):

"Die am 11. September 1949 in Markkleeberg versammelten Delegierten der Zonentagung der Kleingartenhilfe des FDGB stellten mit Befriedigung fest, das in allen Ländern der sowjetischen Besatzungszone der Anschluss an die Kleingartenhilfe des FDGB vollzogen wurde.
Die Konferenzteilnehmer sind davon überzeugt, das die Entwicklung die Kleingarten- und Siedlerbewegung erheblich stärkt und damit zugleich deren sozialpolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung unterstrichen wird."

Um die Wahrung der eigenen Interessen appellierten die Delegierten an die noch abseits stehenden Kleingärtner und Siedler, sich der Kleingartenhilfe des FDGB anzuschließen. Die versammelten Delegierten wanden sich an das Sekretariat der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK), damit eine notwendige Verordnung zur Schaffung einer Rechtsgrundlage für die Kleingartenhilfe des FDGB veranlasst wurde. In dieser Verordnung wird gefordert, dass die Bestrebungen der Kleingärtner und Siedler zur Abänderung des Pachtschutzes mit Nachdruck unterstreicht und in welcher Form eine Reform in der Aufbringung der Anliegerkosten durchführbar ist.

Als am 7. Oktober 1949 die DDR gegründet wurde, hofften die Kleingärtner auf eine Verbesserung. Mit der Bildung des Kreisverbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter 1949 kam es erneut zu einer Namensänderung. Die Anlage nannte sich erneut um und zwar in "Kleingartengruppe Zur Sonne im Kreisverband Leipzig Land".

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