Chronik des Kleingärtnervereins "Zur Sonne" e. V. (Stand: 2016)
erstellt und geführt durch die Chronisten Fritz Strenger, Christine Buschmann und Jochen Emmerling

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1914 bis 1932

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Durch den 1. Weltkrieg (1914-1918) waren fast alle der männlichen Gartenmitglieder eingezogen worden. Die Frauen übernahmen nicht nur den Platz der Männer in den Fabriken, sie bestellten auch die Gärten, die auf die Versorgung der Familien ausgerichtet waren. Gegen Ende des Krieges waren die Hauptanbauprodukte Kartoffeln, Rüben und Gemüse. Auch mit Kleintierzucht konnte die große Hungersnot etwas gelindert werden. Das Vereinsleben konnte in dieser Zeit nur mäßig gestaltet werden.

Am 1. März 1919, bei der ersten Hauptversammlung nach dem Krieg, gab der 1. Vorsitzende Karl Kunze einen Überblick auf die Vereinstätigkeit während der Kriegsjahre und eine Vorschau auf die künftigen Aufgaben.

Die Führung des Vereins war durch die Kriegsjahre sehr erschwert, dem Vorstand gebührt Dank dafür, dass es gelang den Verein ohne erhebliche Störungen über diese Jahre hinweg zu geleiten. Der Spielbetrieb mit den Kindern hat fast vollständig geruht, da es an den erforderlichen Betreuern fehlte. Aber schon in diesem Jahr sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, um die Kinder den Gefahren der Straße zu entziehen. Es soll alles unternommen werden, dass sich das Vereinsleben wieder neu entfaltet und die Teilnahme der Mitglieder am Vereinsleben mit seinen praktischen Zielen zu fördern. Die Kassenberichte ergaben auch durch das sparsame Wirtschaften ein günstiges Bild. Die Revision hatte die Kassengeschäfte geprüft und in Ordnung befunden. Der Materialverwalter gab seinen Bericht und betonte, dass für die Beseitigung der Schäden größere Anschaffungen von Holz und Einzäunungsmaterial notwendig sind. Der Vorstand stellte den Antrag, den Mitgliedsbeitrag pro Monat auf 25 Pfennige und den Pachtpreis der Gärten auf 12 Pfennige pro m² zu erhöhen. Die Pacht für das als Feld genutzte Areal sollte 5,00 M betragen. Der Vorschlag wurde nach Diskussionen mehrheitlich angenommen. Dadurch war der Verein in der Lage, die größeren Aufgaben zu bewältigen und die Schäden des Krieges bald zu beseitigen. 

In den nächsten Jahren sollte die Anlage auch noch um weitere 30 bis 40 Gärten erweitert werden, um den vielen vorliegenden Anträgen auf einen Garten Genüge zu tun. Die passiven Mitglieder sollten bei der Vergabe in erster Linie berücksichtigt werden, interessierte Bürger konnten sich jeden Sonntag in der Zeit von 11 bis 12 Uhr im Vereinscasino für einen Garten bei dem Vorstand anmelden.

Ein Bericht über die 1. Hauptversammlung des Vereins nach dem Krieg wurde in der "Pleißen- und Elsterzeitung" am 12. März 1919 gedruckt (draufklicken zum Vergrößern):

https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHd0d1X3lKZUxiRWc/edit?usp=drive_web

(Abbildung 8: Artikel in der Pleißen- und Elsterzeitung vom 12.03.1919)


Da durch die schlechte Ernährungslage in den Nachkriegsjahren auch in Markkleeberg der Bedarf an Gärten und Grabeland stark gestiegen war, bemühte sich der Vorstand um weiteres Land. So konnten von dem Pfarrlehen 1919 und 1924 noch weitere Teile auf dem Flurstück 231 gepachtet werden. Der Verein vergrößerte sich daraufhin auf insgesamt 275 Gärten. Wie hoch das Interesse der Bevölkerung und der Bewerber damals an einem Garten noch war, konnte nicht mehr ermittelt werden.

Nach mehreren Verhandlungen wegen des Pachtzinses konnte man sich wegen der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse einigen und zahlte ab 1. Juli 1922 jährlich 6.500 RM Pachtzins.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Arbeit mit den Kindern, auch wie in den Jahren vor dem Krieg, wieder aufgenommen. Der Vorstand schaffte verschiedene Spiel- und Sportgeräte, z. B. Rundlauf, Wippe und mehrere Medizinbälle, an. Sie konnten täglich genutzt werden. Der Gartenfreund Kruczek leitete einen Handwerkszirkel für Holzarbeiten, der sehr viel Anklang fand.

Jährlich konnten auch wieder die Kinder- und Sommerfeste mit sehr viel Freude gefeiert werden. Die Feste begannen mit einem Umzug durch die Anlage und die umliegenden Straßen, zuerst gingen die Musiker, dann der Vorstand und nach ihm die Kinder mit Ihren Eltern. Auf der Festwiese feierten dann Groß und Klein. Der Tag wurde für die Kinder mit einem Laternenumzug und für die Eltern mit Musik und Tanz beendet.

https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHYld4WTlabmI1Y1E/edit?usp=drive_web

(Abbildung 9: Urkunde Stiftungsfest)

Ein Höhepunkt im Vereinsleben war 1920 das 15-jährige Stiftungsfest des Vereins. Eine extra ausgefertigte Urkunde wurde den verdienstvollen Gründungsmitgliedern überreicht.

Durch Kleingarten- und Kleinlandpachtordnung vom 31. Juli 1919 wurde die Vereinsatzung im Mai 1922 angepasst. Unter anderem wird über den Zweck eines Gartenvereins im § 2 der Satzung des Gartenvereins  "Erholung Gautzsch" e.V. vom 6. Mai 1922 festgelegt:

"Die Förderung des Familienlebens der Mitglieder des Vereins ist Zweck des Vereins, dieses Ziel ist erreicht durch..."

Auf Grund der ursprünglichen Idee von Dr. Schreber und Dr. Hauschild wurden mit der Einrichtung und Unterhaltung von Familiengärten, Spielplätzen, Pflege des Jugendspiels, Jugenderziehung und Jugendfürsorge, Volksbildung und Förderung eines gesunden Familienlebens die Grundsteine für die heutigen Vereine gelegt.

Mit an erster Stelle standen die Liebe zur Natur und Pflege des Gartenbaus, Politik und Religionen sind hierin ausgeschlossen.

Zu den Ausschüssen sei gesagt:

"Der Gartenausschuss hat die Aufgabe auf Erhaltung der Bestimmungen der Gartenordnung sowie auf die Regelung und Aufrechterhaltung der Ordnung in der Gartenanlage zu achten.

Dem Spielausschuss obliegt die Leitung und Beaufsichtigung der Spiele mit den auf dem Spielplatz anwesenden Kindern. Alle den Verkehr mit den Kindern betreffenden Angelegenheiten hat er in den Bereich seiner Tätigkeiten zu erledigen. Ihm wird die Aufsicht über die vorhandenen Spielgeräte übertragen; er sorgt für Instandhaltung bzw. Erneuerung derselben.

Der Festausschuss, hat die festlichen Veranstaltungen des Vereins vorzubereiten und bei Ihnen die Ordnung aufrechtzuerhalten."

Aus einem Schreiben des Kirchenvorstandes von 1922 an den Gartenverein heißt es unter anderem: Wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse wird ab dem 1. Juli 1922 der Pachtpreis auf jährlich 6.500M erhöht. Der Kirchenvorstand verpflichtet den Pächter, das Grundstück nur für gemeinnützige Zwecke zu verpachten. Die Pächter sollten aber Angehörige der Kirchgemeinde Gautzsch sein.

https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHVUZaa25mRnJJa2s/edit?usp=drive_web

(Abbildung 10: Pacht 1924)

Durch das Ende der Inflation wurde am 21. Februar 1924 eine neue Vereinbarung mit dem Pfarramt getroffen. Die Pacht wird für das Jahr 1924 auf 430 M festgelegt.


Seit dem Jahre 1924 hat der Verein von dem Pfarrlehen insgesamt 59.793 m² gepachtet, und zwar:

  • 4.300 m² als Grabeland bestelltes Feld, was zu den Gärten mit gehörte oder von passiven Mitgliedern bearbeitet wurde,
  • 19.300 m² als Gartenland vom Verpächter eingezäunt, m² zu 0,03 M und
  • 34.606 m² nicht vom Verpächter eingezäuntes Gartenland, der Zaun war Eigentum des Pächters, m² zu 0,025 M.
Eine erneute Änderung des Pachtzins ergab sich ab den 1. April 1934: Es erfolgte eine Ermäßigung von ½ Rpf pro m².


Der Konkurs der Anlage

Da sich das alte Casino für die Gartenfreunde mit der Zeit als zu klein erwies, beschloss man 1926/1927 ein größeres Casino mit Tanzsaal, Bühne, Kegelbahn und Vereinszimmer aus den Mitteln des Gartenvereins und eines Darlehens zu bauen. Leider existiert nirgends ein Foto dieses Casino mehr.

Mit dem bauausführenden Architekten hatte der Verein keine gute Hand; durch seinen Leichtsinn und Schuld verdoppelte sich fast die Bausumme. Der Verein konnte, Dank der normalen Zeiten, lebensfähig bleiben und konnte so in den ersten Jahren trotz der finanziellen Engpässe 15.000,- RM seiner Schuld tilgen.

Durch den Beginn der Weltwirtschaftskrise und dem Anstieg der damit verbundenen Arbeitslosigkeit in den Jahren von 1928 bis 1934 entsprachen die Erwirtschaftung und der Erlös des Casinos nicht den Erwartungen des Vereins. Der Verein konnte die Raten des Darlehens nicht mehr zahlen. Der Vorstand des Gartenvereins "Erholung" bat in einem Schreiben vom 27. August 1928 den Gemeinderat in Gautzsch um die Übernahme einer Ausfallbürgschaft in Höhe von 15.000 RM für das von der sächsischen Wohlfahrtshilfe gewährte Darlehen von 15.000 RM. Die Übernahme der Ausfallbürgschaft wurde in der Gemeinderatssitzung am 21. September 1928 beschlossen und auf einer vom Bezirksausschuss erteilten Ermächtigung durch die Amtshauptmannschaft am 2. November 1928 genehmigt.

Das Darlehen von 15.000 RM der sächsischen Wohlfahrtshilfe in Dresden mit einer Verzinsung von 5 Prozent wurde bewilligt. Die Tilgung wurde in 40 Monatsraten gegliedert, der Beginn wurde nach 3 Monaten vom Tag der Aufnahme des Darlehens gerechnet. Am 1. April 1929 begann die Rückzahlung der monatlichen Raten von 350 RM plus der 5% Jahreszinsen. Da aber die Gaststätte nicht in einem reinen Erholungsgebiet lag und die Gäste meist arbeitslos und sehr sparsam waren, erfüllten sich nicht die Erwartungen des Vereins und trotz Mahnungen konnten die monatlichen Raten des Darlehens nicht mehr gezahlt werden. Es waren nach dem Stand am 31. März 1934 an die sächsische Wohlfahrtshilfe noch 13.455,19 RM zu zahlen, die Summe setzte sich aus 11.600 RM Kapitalschuld und 1.855,19 RM rückständiger Zinsen zusammen. Infolge der finanziellen Schwierigkeiten musste 1934 der Konkurs eingeleitet und der Verein aufgelöst werden. Der Rechtsstreit um die Konkursmasse ging bis in das Jahr 1937.

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