Chronik des Kleingärtnervereins "Zur Sonne" e. V. (Stand: 2016)
erstellt und geführt durch die Chronisten Fritz Strenger, Christine Buschmann und Jochen Emmerling

Teil 1
1905 bis 1913

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zu Teil 6

zu Teil 7

zu Teil 8

zu Teil 9

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zu Teil 11

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zu Teil 14, Seite 1

zu Teil 14, Seite 2

zu Teil 15

zu Teil 16


zu den
Der Name des Vereins wechselte in den 110 Jahren seines Bestehens des Öfteren:

Bei der Gründung im Jahre 1905: Gartenverein Erholung Gautzsch,
nach Eintragung ins Vereinsregister 1910: Gartenverein Erholung e. V. Gautzsch,
nach dem Konkurs und Neugründung 1933: Kleingärtnerverein Zur Sonne e. V. Gautzsch,
im Oktober 1934, nach Gründung der Stadt Markkleeberg: Kleingärtnerverein Zur Sonne e. V. Markkleeberg-West.
1947 wurden alle Gartenverein aufgelöst und dem FDGB angegliedert: Kleingartengruppe 'Zur Sonne' im FDGB, Kreis Leipzig e. V.
Nach Gründung des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter mit Bezirks- und Kreisverbänden: Kleingartensparte 266 'Zur Sonne' Markkleeberg,
nach der Wende, aber erst im Jahr 1998: Kleingärtnerverein 'Zur Sonne' e. V. Markkleeberg.

Chronik von Fritz Strenger:

Um die Mitte des 18.  Jahrhundert setzte in vielen Ländern Europas ein großer industrieller Aufschwung ein. Deutschland entwickelte sich vom Agrar- zum Industriestaat. Die Bevölkerung in Deutschland wuchs rasch von 40 Millionen im Jahr 1871 auf 68 Millionen im Jahr 1910.

Im gleichen Zeitraum wanderte ein zunehmender Prozentsatz der Landbevölkerung in die Städte ab und trug zur raschen Entwicklung von Großstädten bei. Mit den Landflüchtigen wuchs zunehmend die Arbeiterklasse und es bildete sich das Industrieproletariat heraus.

Durch die Landflucht platzten die Städte aus ihren Nähten. Um für die zunehmende Bevölkerung Wohnungen zu schaffen, wurden unter spekulativer Sicht, offiziell jedoch als soziale Maßnahme, viele Häuser gebaut. Die Menschen wurden auf engem Raum in sogenannten Mietskasernen untergebracht. Wohnbereiche mit einem oder zwei Hinterhofgebäuden, mit wenig Licht und Sonne und ohne ein bisschen Grün waren nicht selten.

Dem zunehmenden Wachstum der Städte fielen die meisten der Vorgärten zum Opfer. Die Städtebauer der damaligen  Zeit hatten wenig Verständnis für gärtnerische Zweckmäßigkeit und Schönheit. Außerdem trug die Bodenspekulation noch ein Übriges bei.

Aber die Sehnsucht der Städter nach einem Stück Natur erlosch nie. Sie waren meist vom Lande und fühlten sich in den Mauern der Städte nicht wohl.

Die Wohnverhältnisse erzeugten naturgemäß den Wunsch auf erholsame Stunden in freier Natur. In allen industriellen Ballungsgebieten wuchs die Forderung von Arbeitern, aber auch vom Mittelstand, auf eine Land- oder Gartenparzelle. Einmal wegen der aktiven Erholung und zum anderen um kostengünstig frisches Obst und Gemüse für die Ernährung der Familie zu erhalten.

Bereits 1832 wurde in Leipzig-Johannisthal die erste Gartenkolonie angelegt. 1864 gründete Dr. Hausschild in der Leipziger Westvorstadt einen Erziehungsverein, der den ersten Kinderspielplatz anlegte, welcher auf Anraten des Lehrers Gesell mit Kindergärten ausgestattet wurde, also Gärten für Kinder, welche selbst Beete vorbereiteten, Aussaaten vornahmen, pflanzten und ernteten. Aus diesen entstanden bald Familiengärten.

1890/91 waren bereits 38 Anlagen mit 2.582 Einzelgärten in Leipzig vorhanden. Dies alles gefördert durch die Ideen des Dr. Daniel Schreber, geboren am 15.10.1808 als Sohn eines Leipziger Advokaten, und nach dessen Tod im Jahre 1861 durch Dr. Hausschild und Gesell.

Die ersten Gründungen von Gartenanlagen als Schrebervereine erfolgten im Land Sachsen zwischen 1870 und 1880.

In Absprache mit Interessenten und Gemeinderäten stellten Grundbesitzer, insbesondere die Kirche, aus humanitären Gründen Pachtland zur kleingärtnerischen Nutzung zur Verfügung.

Weiter mit der von Christine Buschmann überarbeiteten Chronik:
https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHU2JtTjlMOElzQnM/edit?usp=drive_web



(Abbildung 1: Lageplan 1905)

Durch die Gründung der Gartenvereine in Leipzig nach der Idee von Dr. Moritz Schreber und Dr. Ernst Hausschild wurde auch über die Gründung eines Vereines in Markkleeberg nachgedacht. So stellte die Verwaltung der Kirchgemeinde Gautzsch aus sozialen Gründen 1905 für die Gründung des Gartenvereins Teile des Flurstücks 231 für interessierte Bürger zur Verfügung. Arbeiter, Handwerker und Geschäftsleute des Gautzscher Mittelstandes betrieben die Vereinsbildung des ersten Gartenvereins in Markkleeberg.

Auf dem Ackerland wurden Parzellen von 150-300 m² als Gärten abgesteckt und an 90 Pächter vergeben. In der Mitte wurde ein Platz von ca. 2.500 m² als zentraler Spiel- und Veranstaltungsplatz geschaffen.
Um die Vereinsbildung bemühten sich besonders die Herren Kunze und Körner. Um die Sicherung einer kontrollierten Vereinsführung, sowie das gemeinsame Zusammenleben der Vereinsmitglieder und Gartenpächter zu gewährleisten, erarbeiteten die Mitglieder eine Satzung, die am 10. Oktober 1908 fertiggestellt wurde. Als Name des Verein wurde "Gartenverein Erholung Gautzsch" festgelegt.

(Abbildung 2: Satzung 1908)
https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHMlVRTlhUOTBHbDQ/edit?usp=drive_web


Die Satzung regelte die Mitgliedschaft, die Beiträge und die Zusammensetzung des Vorstandes, das Gartenleben sowie die Probleme beim Auflösen des Vereins. Der Vorstand bestand aus 11 bis 15 Personen, zu ihnen gehörten zwei Vorsitzende, zwei Kassierer, zwei Schriftführer, zwei Materialverwalter und Beisitzer. Als Unterstützung des Vorstandes wurde noch der Garten-, Spiel- und Festausschuss gebildet, die jeweils von einem Obmann geleitet wurden. Die Wahl des 1. Vorsitzenden, des 1. Kassierers und Schriftführers wurden mit Stimmzettel durchgeführt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden in einem separaten Wahlgang auf einmal gewählt.

Der Verein wurde unter dem Namen "Gartenverein Erholung Gautzsch" als Schreberverein im Vereinsregister eingetragen. Der 1. Vorsitzender war Herr Karl Kunze und sein Vertreter Herr Felix Müller. Sie waren bis Mai 1933, also 28 Jahre ununterbrochen für den Verein tätig. Im Jahr 1908 begannen auch die Gartenfreunde auf dem zentralen Platz mit dem Bau eines Vereinscasinos mit Bierausschank.

Ihre Gärten gestalteten die Gartenfreunde nach ihren eigenen Vorstellungen. Es waren feste Größen der Lauben, sowie der jeweilige Standort dazu im Garten festgelegt, wobei es auch immer wieder Ausnahmen gab.


Die offenen Sommerlauben mit dazugehörigen Schuppen wurden aus Holz, später aus Stein gebaut.

(Abbildung 3: Casino)

(Abbildung 4: Lauben)




Der Vorsitzende Karl Kunze berief mit dem Vorstand am 18. Juni 1910 eine außerordentliche Generalversammlung im Vereinscasino ein.

Zu dieser außerordentlichen Generalversammlung waren von 90 Gartenpächtern 29 erschienen. Es wurde die Notwendigkeit, die Vorteile und die Bedeutung des Eintrages in das Vereinsregister vom Vorsitzenden Karl Kunze erläutert.


https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHaDR0c1M3MEk4YjQ/edit?usp=drive_web

(Abbildung 5: Generalversammlung vom 18.06.1910 (Seiten 1 und 2), Eintragung im Vereinsregister 1910 und Satzung 1910)

Vor allem der Hinweis, dass ein eingetragener Verein bzw. der Vorstand bei Klagesachen vor Gericht anerkannt wird, wurde hervorgehoben. Die Eintragung beim Amtsgericht Leipzig machte auch eine Umarbeitung der Vereinsatzung notwendig, damit diese dem Bürgerlichem Gesetzbuch und dessen Vorschriften entsprach. Nach einer Diskussion wurde die Satzungsänderung beschlossen und der Antrag auf Eintragung im Vereinsregister beim Amtsgericht in Leipzig gestellt.

Ein weiterer Beschluss war die Gartenpacht, die bisher jeder Pächter einzeln an das Pfarramt gezahlt hatte, im Verein zu sammeln und als Gesamtpacht an das Pfarramt weiterzuleiten.

Durch die Satzung wurden für den "Gartenverein Erholung Gautzsch" e. V. der Sinn und Zweck des Vereins sowie die Pflichten und Rechte des Vorstandes und seiner Mitglieder festgelegt.

Auszüge aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 29. Januar 1910:

"Von Anbeginn der Gründung des Vereins gehörten zur Aufgabe des Vorstandes die Organisation der Gemeinschaftsarbeit, anfangs zur Gestaltung der Anlage, später zur Werterhaltung und Verschönerung der Gartenanlage; ferner die Einnahme der Pachtgelder und Regelung der finanziellen Verpflichtungen, der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, wie z.B. Sommerfest, Erntefest mit Obstschau und nicht zuletzt die Mitgliederversammlungen. Ein besonderes Augenmerk galt der Arbeit mit den Kindern."

https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHLW5vM0RWVW9neEE/edit?usp=drive_web

(Abbildung 6: Beschluss des Amtsgerichtes und Auszug aus dem Vereinsregister 1910)
https://docs.google.com/file/d/0B0h9Qwv8sHxHUjVJbVNpeHVScDA/edit?usp=drive_web

(Abbildung 7: Pachtvertrag 1913)

Die Eintragung des "Gartenvereins Erholung Gautzsch" wurde am 1. September 1910 vom Königlichen Amtsgericht zu Leipzig genehmigt und unter der Nummer 304 registriert. Die Veröffentlichung fand im Amtsblatt "Leipziger Stadt- und Dorfanzeiger" Nr. 203, am 2. September 1910 statt.

Am 19. September 1913 wurde auf Drängen des Vereinsvorsitzenden Karl Kunze nach langen Verhandlungen ein Vertrag zwischen Pächter und Verpächter, der als Grundsatzpachtvertrag bezeichnet werden kann, abgeschlossen. In diesem Vertrag wurden alle wichtigen Probleme des Vereins ausgehandelt. Der Verpächter, das Pfarramt Gautzsch, bestand darauf, dass das gepachtete Gelände nur für gemeinnützige Zwecke zu vergeben war. Die Pacht wurde auf 12 Jahre fest geschrieben und betrug 1.400 Mark. Aber auch dieser Vertrag wurde in den darauffolgenden Jahren modifiziert.

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