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Das Freispiel

Kinder haben von Geburt an den Drang zu lernen, sich zu bilden und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern. Sie begreifen die Welt, indem sie forschen und ausprobieren. Sie suchen Antworten auf ihre Fragen. Sie machen Erfahrungen und bilden daraus eigene Theorien, die sie dann wiederum in der Praxis austesten. Dieses Verhalten bringen die Kinder mit auf die Welt, sie müssen hierzu nicht von den Erwachsenen angehalten werden. Daher spricht man von Selbstbildung des Kindes.
 
Unter Bildung werden sowohl die kognitiven (denken, lernen, schlussfolgern, erinnern etc.)  als auch die sozialen und emotionalen Fähigkeiten verstanden. Das Kind hat einen natürlichen Drang, seine Fähigkeiten in beiden Bereichen ständig auszubauen. Es möchte verstehen wie sich Dinge zueinander verhalten (was passiert wenn ich den Bauklotz fallen lasse?) und außerdem mit seinem sozialen Umfeld, den Erwachsenen und anderen Kindern, gut auskommen (wie verhalte ich mich, wenn beide dasselbe Spielzeug möchten?).

 

Grundlegende Voraussetzungen für das freie Spiel zur Selbstbildung ist zum einen die sichere Umgebung mit möglichst viel Platz, in der sich das Kind frei bewegen kann und wohl fühlt. Nur in einer solchen Umgebung kann das Kind seiner Neugierde stets nachgehen und sich in seine Beschäftigung vertiefen. In einer unsicheren Umgebung muss die Tagesmutter das Kind von Gefahrenstellen und unsicheren Objekten fernhalten oder ggf. Verbote aussprechen. Hierdurch würde das Kind unter Umständen ständig in seinem Forscherdrang unterbrochen, eventuell verliert es die Lust am Lernen.

 

Neben den räumlichen Voraussetzungen benötigen Kinder auch eine emotional sichere Umgebung. Das bedeutet, dass sie im Rahmen des Bindungsverhaltens beim Forschen und Lernen auch immer wieder die Rückbestätigung der nächsten Bezugsperson brauchen. Nach einer Explorationsphase folgt in der Regel immer wieder eine Phase in der das Kind den „sicheren Ort“ durch Blick- oder Körper-kontakt  sucht. Der Zuspruch und die Bestätigung der Bezugsperson hilft dem Kind ein unbekanntes Geschehen einzuschätzen. Beispielsweise dreht das Kind die Tonne mit den Bausteinen auf den Kopf und sie fallen mit großem Getöse auf den Steinfußboden. Irritiert von dem lauten Geräusch sucht das Kind nach dem Blick der Tagesmutter, ihr Gesichtsausdruck bestätigt ihm, dass alles in Ordnung ist und das Kind kann beruhigt fortfahren. Das gleiche Verhalten finden wir auch in der Eingewöhnungsphase zwischen Mutter und Kind.  Die Beziehungen zu und die Unterstützung durch Erwachsene bieten zunächst die entscheidenden Anstöße zur kindlichen Selbstbildung.  Auch fördert das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit die Fähigkeit des Kindes später gut allein und mit anderen Kindern spielen zu können.

 

Neben der Rolle des „sicheren Ortes“ übernimmt die Tagesmutter ebenfalls die des *„Forschungsassistenten“. Ihre Aufgabe im freien Spiel des Kindes besteht darin nicht vorschnell Lösungen anzubieten, sondern nur einzugreifen wenn das Kind allein nicht mehr weiterkommt oder sie auch um Unterstützung bittet. Hierzu gehört auch die Akzeptanz, die Art der Anwendung der angebotenen Spielobjekte dem Kind zu überlassen. Der Lerneffekt und die Freude sind besonders groß, wenn das Kind durch Probieren eigene Kenntnisse erwirbt und aus eigener Erkenntnis Lösungen findet. Ein Kind, was stets von anderen „bespielt“ wird, läuft Gefahr ein passiver Zuschauer zu werden.

 

Eigene Erfahrungen sind gerade für Kinder von 0 – 3 Jahren enorm wichtig, da in dieser Phase das Gehirn erst beginnt grundlegende Zusammenhänge zu erfassen und Prozesse daraus abzuleiten. Auf dieses Grundwissen wird somit später alles Weitere aufgebaut. Ein Kind muss selbst erfahren wie sich Wasser anfühlt. Die reine Erläuterung dass es nass ist, ergibt im Gehirn keinen Sinn und das Kind wird diesen Zustand nicht begreifen. Auch wird es niemals auf einen Stuhl klettern können, wenn es den Vorgang nicht selber ausprobiert.