Tunesien

 1989 - 1992

 en français

DANKE FUER DIE KORREKTUREN


In Tunis haben wir eine Wohnung am Rande der Stadt gefunden, nicht allzu weit vom Büro entfernt. Während der schönen Jahreszeiten konnten wir schnell zu den naheliegenden Stränden von Raoued oder La Marsa fahren.

Nachdem wir endlich den Wagen (einen Peugeot 505, wovon ein erstes Exemplar auf den Weg nach Marseille beschädigt wurde und wieder produziert werden musste) erhalten haben, fangen wir an dieses kleine Land zu entdecken. Mari-Caroline war gerade 3 Monate alt, als wir in den Gebiet von Tozeur, am Rand des "Grand Erg" und in der Nähe der Bergoasen fuhren.

Während der schönen Zeit, gingen wir regelmässig zur touristischen Küste von Hammamet-Nabeul, aber mit Vorliebe und Regelmässigkeit besuchten wir Sidi Bou Said, typischer kleiner Dorf in der Nähe von Karthago. Wir kannten fast alle Souvenir-Verkäufer, die sich in Mari-Caroline so verliebt hatten, dass einer mir einmal 20 Kamele für sie offerierte. Die Wanderung in den Dörfergassen endete fast immer mit einem Pfefferminztee im Café des Nattes (von Paul Klee mehrmals gemalt und wo, sagt die Legende, Gide Knaben eroberte) aber lieber auf eine der Terrassen des Café Chabaane, mit einer wunderbaren Sicht über das Mittelmeer.


Die Ruinen von Karthago, Utique, Thuburbo Majus, Bulla Regia, die Wasserbrücke von Mohamedia… haben uns gezwungen, einige längst vergessenen Geschichtskapitel zu revidieren.

Die Stadt Tunis, abgesehen von der Medina, hat keinen besonderen Charakter. Grosse unter dem französischen Protektorat gebaute Gebäude, oft pompös, selten schön; die neuen Quartiers werden von Villen gebildet, deren Architektur auch nicht besonderes ist, vielleicht doch etwas schöner als manche Wohnsiedlungen in Europa.

Die Medina, wovon die Touristen nur den Basar sehen, deckt einen Hügel, mit der Kasbah (einst Palast des Dey) am höchsten Punkt. Es ist ein Labyrinth von öfter gedeckten Gassen und dieses Quartier verdient einen tieferen Besuch. Nicht nur die zwei für Touristen bestimmten Gassen, aber eine Wanderung, ohne sich allzu viel von einem Ziel zu kümmern. Man läuft Häuser mit blinden Fassenden vorbei, die innen charmante und kühle, manchmal luxuriöse Höfe offerieren. Wir haben in der Medina einen ganz angenehmen Teppichhändler kennen gelernt, der immer sehr schöne Stücke zu zeigen hatte und bei welchem wir einen grossen Teil unserer Teppiche gekauft haben.

Von Mai bis Oktober arbeiteten wir von 7.30 bis 13.30 h (holte die während dieser Zeit nicht gearbeitete Zeit während dem Rest des Jahres auf) und bei 4 Uhr nachmittags konnten wir zu einem Strand bis zum Sonnenuntergang fahren.


Ramadan war eine schwierige Zeit, überhaupt in Bezug auf den Autoverkehr. Während vier Wochen, die frommen Moslems (und dies sind die Mehrheit) nehmen nichts vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ein; danach essen sie eine leichte Mahlzeit, beten und schlafen bis kurz vor dem Sonnenaufgang, wo wieder gebeten wird und eine karge Mahlzeit eingenommen. Einige festen jede Nacht, und die Teilnehmer von den Ramadannächten sind selbstverständlich viel schneller müde. Ohne Rücksicht jedoch steigen sie morgens in deren Autos ein und, todmüde, schleichen im Verkehr. Am Ende der Fastenzeit waren alle Leute so müde, dass fast unmöglich war, irgendwas von irgendjemandem zu wollen.

In einem Aprilmonat hielten wir uns in Jerba auf. Ausserhalb der touristischen Saison so ruhig und angenehm. Wir waren am kühlen Mittelmeerklima von Tunis gewohnt und hofften eine mildere Zeit. Kannst denken. Wir haben eine Woche lang regelrecht gefroren. Und das Wasser war auch nicht wärmer als bei Tunis. Wir wurden aber wärmstens von den dort wohnenden Schweizern empfangen, die hier herzlich gedankt werden.

Natürlich haben wir die Berberdörfern des Gebietes Tataouine (Zaubernamen meiner Kindheit) wie auch das Dorf Matmata, wo sich die Häuser in Löchern befinden, ein Ksar, usw. über atemberaubenden Wüstenlandschaften besucht.

Und beim Ende des Aufenthaltes gab es auch der Golfkrieg (der erste). Die Stimmung wechselte von einem Tag auf dem anderen. Vorher gelassen, wurde sie schwerfällig, misstrauisch, von Antiamerikanismus gefärbt; man traf Flakbatterien, Panzer, Stacheldraht... Aber unter Kontrolle der Regierung, die von Gruppierungen gerne in Schwierigkeiten gebracht gewesen wäre.

Es ist wahr, dass jedes Mal, dass ein Scud Israel erreichte, man Freudgeschrei hörte, dass die lokale Presse genauso manipuliert wurde, wie diejenige der "westlichen Welt". Als die Bodenoffensive begann, hörte man in ganz Tunis und ganz überzeugt, dass die alliierten Kräfte vernichtet würden.

Aber alles hat ein Ende und glücklicherweise auch die Kriege. Nach der kriegerischen Zeit wurde Tunesien wieder, was es immer gewesen ist, ein ruhiges Land, in welchem abgesehen von einigen Ausnahmen jeder mit jedem in Frieden lebt.

Ende 1991 beschliessen wir sehr kurzfristig, Weihnachten in der Schweiz zu verbringen. Und dort erfahren wir von der für Anfang März bevorstehenden Versetzung nach Kolumbien. Also, wir haben knapp 2 Monate für die Vorbereitungen und sind plötzlich um das Weggehen froh, denn die Heizung wird während der 2 schlimmsten Monaten ausser Betrieb sein.