Thailand

1982 - 1983

 

en français

DANKE FUER DIE KORREKTUREN


Im Januar und Februar 1982 besuche ich einen Radiokurs mit noch intensivem Unterricht auf das Morsen. Danach fliege ich nach Bangkok ab, wo ich etwa 18 Monate in praktischer Ausbildung bleiben werde.

Welch eine Abwechslung für den kleinen Schweizer, den ich bin, und nur ganz wenig von Europa je besucht hatte.

Tropische, etwa drittweltliche Umgebung und eine riesige schmutzige und luftverschmutzte Stadt; ein ewiger, dichter Verkehr... Ich finde rasch und unweit der Botschaft eine kleine Wohnung und kaufe den alten Diestwagen des Büros ab. So werde ich dieses wunderschönes Land bereisen können.

Nun lerne ich meinen neuen Beruf, realisiere, dass die Unterstützung an die ansässigen wie auch durchreisenden Schweizer nicht so einfach ist, wie es damals während der langen Theoriestunden in Bern aussah, und dass die Verbindungen eine enorme Rolle spielen. Zu dieser Zeit gab es noch weder Telefax noch Computer und wir kommunizieren mit der Schweiz hauptsächlich per Kurzwellenradio. Die Telefontarife waren sehr hoch (Skype existierte auch noch nicht) und wir vermeiden entsprechend das Telefon. Die ganze Korrespondenz wird noch maschinengeschrieben und die umfangreiche wöchentliche Post wird ungeduldig erwartet. 

Ich lerne, Pässe fehlerfrei auszustellen, Visa-Gesuche zu studieren, Zivilstandsakten zu bearbeiten (viele junge Schweizer heiraten nach nur einige Tage, ja sogar Stunden Aufenthalt in Thailand - die Trauung mit einem Europäer ist für die meisten "Hostessen" ein Weg, um aus der meistens gezwungenen Prostitution herauszukommen), das Wahre und das Falsche zu unterscheiden bei den Aussagen von den Schweizern, die beraubt wurden, usw. Auch werde ich manchmal unsere gefangene Mitbürger besuchen, die meisten wegen Rauschgiftbesitz zu langen Strafen verurteilt wurden. Ich werde dabei feststellen, dass deren Haftkonditionen, auch wenn sie prekär aussehen, viel besser sind als diejenigen von den Thais. Sehr schnell werde ich an alles konfrontiert, das ich in Theorie gelernt habe.

AUm dieses Land kennen zu lernen, werde ich Mitglied der Siam Society. Mit dieser ethnologischen-geschichtwissenschaftlichen-kulturellen Gesellschaft werde ich zahlreiche Ausflüge in und um Bangkok (es gibt viele Tempel zu besuchen, unzählige Wandmalereien zu bewundern, einige Museen zu besichtigen), wie auch in deren Umgebung und im Lande mitmachen.

Diese Besuche und Ausflüge finden mit Bus, Zug, typischen Langschwanzboote, Fischerboote... statt. So kann ich Ayuttayah, ehmalige Hauptstadt des Königreiches, die Ruinen der Tempel von Phi Mai, von Muang Tam oder von Phanom Roong besuchen, eine Flössenkreuzfahrt auf dem Bhumipolsee zu erleben, mich im Seenationalpark von Mu Koh Ang Tong aufzuhalten, den Phi Phi Inseln, als dort nur ein Dutzend Bambuhütten gab, zu entdecken, ein Neujahresabend im Nationalpark Phu Luang im Norden des Landes zu feiern, usw.

Auch Chiangmai habe ich besucht, dabei ein viertägiges Trekking in den Hügeln des Norden des Landes, unweit der Grenzen mit Burma und Laos, im goldenen Dreieck beigelebt. Dort habe ich auch meine erste und einzige Pfeife Opiums geraucht.

In diesem Gebiet fahren wir wieder zusammen mit Patricia, aus Kuala Lumpur, besuchen unterwegs die Ruinen von Si Satchanalai und erleben die Magie der Ruinen von Sukhotai vor dem Sonnenuntergang.

Aus Bangkok werde ich selbstverständlich die hässliche nahe Krokodilenzucht, "Ancient City", Art Freilichtmuseum mit verkleinerten Nachahmungen der wichtigen Denkmäler des Landes, ja sogar eine Kopie von Angkor Vat und die berühmte Kwai-Brücke besuchen. Dort gilt aber Dürre und nicht die im Film präsentierte üppige Tropenvegetation.

JeWährend des Aufenthaltes in Südostasien werde ich auch eine Sporttauchlizenz erwerben, mit vielen Uebungen in der Nähe von Pattaya - zu dieser Zeit einziger internationaler Badeort "unweit" der Hauptstadt, mit seinen Hotels aller Kategorien, seinen Baren, Dancings, seinen untätigen Touristen und, selbstverständlich, seinen unzähligen Bordellen - und bei Sattahip, etwas südlicher gelegenes, charmantes und ruhiges Fischerdorf.

Es gibt aber immer mehr Ferien. Ich werde also einer von der Siam Society organisierten Reise nach China mitmachen. Wir werden im Westen dieses Landes hinfahren, da wo sich noch die ursprünglichen Daï befinden, Nachkommmen derjenigen die nicht nach Süden ausgewandert sind. Wir besuchen die Hauptstadt vom Yunnan, "Kleinstadt" von etwa 2 bis 3 Millionen Einwohner und die wunderbaren Tempel, die bei der "kulterellen Revolution" nicht zerstört wurden.

Von dort her werden wir viele Stunden im Flugzeug und überhaupt im Bus verbringen. Schliesslich erreichen wir doch den Ziel unserer Reise, Jinghong, auf dem Mekhong. Es ist die Zeit des Wasserfestivals und die Einwohner haben alles getan, um die ersten ausländischen Touristen, die sie seit Jahrzehnten je gesehen haben, zu empfangen. Es gab nicht nur unsere Gruppe aus Thailand, aber auch japanische und europäische Besucher. Die Organisatoren hatten sogar  den allerletzten Modesänger aus Peking kommen lassenund ich habe dabei einige Gäste - mit einem ganz typischen Akzent aus Lausanne - dass "es wirklich sowenig Oriental aussieht" klagen gehört. Dummköpfe ! Aus dem Yunnan werden wir wieder Stunden lang warten müssen, um in den Flugzeug nach Canton zurückzukommen und von dorther nach Swatou oder Shantou (ich habe Jahre daran verbracht, um zu erfahren, dass es sich um den gleichen Ort handelt), sehr wichtige Stätte für die Thai, denn dort sind die Kleider des Siam Königs, der die jetzige Dynastie auf dem Thron gebracht hat, begraben (die Geschichte ist "orientalisch", d.h. besonders kompliziert). 

Wir sehen einen Dorf aus der Ming Zeit, eine Unmenge von Kindern, besonders beeindruckt von den ersten Weissen, die sie je gesehen haben und... mitten in den Reisfeldern, einen von Unkraut bedeckten Erdhaufen: das königliche Tumulus... Die Rückreise nach Hong Kong findet mit dem Bus statt. Drei Tage werde ich in dieser Stadt bleiben, wo ich mit einem ehemaligen Kollegen der Kreditanstalt ein ausgezeichnetes "Züri Gschnätzltes" essen werde.

Ueber Bangkok reise ich sofort nach Kuala Lumpur und Kota Kinabalu weiter. Meine Freunde in der Schweiz sind dem Weisshorn geklettert, so beschliesse ich, auch "einen 4'000er zu machen" und komme am Fuss des Mount Kinabalu, der in der Provinz Sabah auf dem Insel Borneo 4'100 Meter misst. Ein ganzer Autotag ist nötig, um das Basiscamp zu erreichen, danach wird eine ganztägige Wald- und Nebelmarsch nötig sein, um zu der Hütte zu kommen, die 3'500 MüS, gerade oberhalb der Waldgrenze liegt und dann ein Paar Stunden Nachtmarsch, um die Spitze beim Sonnenaufgang zu erreichen.

Man braucht keine besondere Ausrüstung, manche Chinesen klettern sogar in ... Tong !! An der Spitze bewundern wir den Sonnenaufgang über dem Pazifik und müssen wieder nach unten. Schnell, viel zu schnell auf einem Boden, der hauptsächlich aus Wurzeln besteht und sehr weich ist. Meine Waden werden danach 2 Tage lang schmerzen ! Zurück in Kota Kinabalu geht die Reise nach der Provinz Sarawak - wieder ein Kindheitstraum - weiter. Das Sultanat Brunei muss aber mangels Visum überflogen werden. 

Dann werden die Kollektivtaxis in Anspruch genommen, um zu den Höhlen von Batu Niah zu kommen; dieses Park hält ganz wenig der Tropenwald aufrecht, die von den Edelholzhändlern geplündert wird. Unterwegs sieht man viel Gebüsch und ganz wenige Bäume. Danach besuche ich auch ein in diesem Gebiet typisches "long house" und verbringe einige Tage im Nationalpark Bako, unweit von der Provinzhauptstadt Kuching.

Und, bevor ich in die Schweiz zurück muss, schnell noch eine Gruppenreise nach Burma. Man fährt 50 Jahre zurück und kommt in einem faszinierenden Land ein. Eine erbarmungslose Diktatur, und ein ruhiges, gelassenes Volk, mit welchem die Kontakte aus sprachlichen aber auch aus politischen Gründen auf das Minimum beschränkt sind. Die Ausflüge sind prachtvoll: die Pagoden von Rangoon, die Ruinen von Pagan und Sagaing, der Irrawady in Mandalay, die schwimmenden Gärten und die "Einbeinfischer" des Inle Sees...

Die Reise ist intensiv, da die Touristenvisas für magere 7 Tage erteilt werden. Die Gruppe bestand aus ... 3 Teilnehmer. So konnten wir öfter vom Führer Unterbrüche beantragen, um einen der unzähligen Märkten zu besuchen, um eine Landszene zu fotografieren, die "Grotte der 10'000 Buddha" zu besichtigen, usw. Zurück in Bangkok muss ich mich um die Rückreise in die Schweiz kümmern.

Es ist Monsunzeit und die Taxis können in den überfluteten "Sois" der Hauptstadt nicht fahren. Ich muss dann zu Fuss, mit über den Knien hochgekrempelten Hosen, Schuhen in den Händen zum Kollegen hinlaufen, der mich dann nachts zum Flughafen fährt.