Nach dem in einem brandneuen Airbus A340 von Air France Transatlantikflug, der uns von Kolumbien zurückbrachte, verbrachten Merja und die Kinder einige Tage in Finnland, Jean-Didier wartete auf sie in der Schweiz. Kaum waren sie zurück, dass wir wieder einpackten und nach Afrika weiterflogen.

 

In Dakar waren wir an der Flugzeugtreppe erwartet. Rasch erhielten wir das Gepäck und vor der Nacht packten wir schon in der uns zugewiesenen möblierten Villa aus. Auch war ein Auto verfügbar. Ein älteres Lada Niva erlaubte uns schon am ersten Wochenende, von der Stadt wegfahren zu probieren.


Die grosszügige Villa befindet sich in einem Wohnviertel westlich der Stadt, unweit des Flughafens, sogar praktisch unterhalb der Landeachse. Sie ist von einem grossen Garten umgeben, in welchem sich viele Zier-, wovon das Symbol Senegals, das "arbre du voyageur" (Baum des Reisenden ?), und einige Obstbäume befinden. Wir können von Letzteren leider keinen Genuss machen. Die Bananen werden von den Ratten und Gambienratten (Art afrikanischen Agutis) gefressen, die Granatäpfel von den Webspatzen und den Ameisen, Mangos und Papayas sind ein Genuss für die Papageien und die Goyaven fallen als Opfer von den Fledermäusen. Wir haben übrigens zahlreiche stromlose Stunden verbracht, um diese fliegende Tiere zu beobachten. Eine kleine Garage erlaubt, das alte Lada, das wir schliesslich gekauft haben, zu parken und es bleibt in der Einfahrt genug Platz für das Toyota 4Runner und 3 weitere Autos. Die Gasse wird zur Hälfte von einem riesigen Affenbrotbaum gesperrt.

 

Beruflich wird dieser Aufenthalt in Senegal sehr von der Verwaltung geprägt; mehrere möblierten Dienstwohnungen, die Residenz und das Kanzleigebäude beschaffen genug Arbeit für Jean-Didier: Inventarverwaltung, Erfrischungen bei Wechsel von den Benützern, Unterhalt der Schwimmbecken der Residenz und des Hauses vom Botschaftsrat (er wird einigen Basen – wie gut gesagt – der Chemie revidieren müssen) und, mit der Zeit vergehend und die Bauschäden sichtlich werdend, müssen die Fassaden des Kanzleigebäudes und dessen Verdichtungen renoviert werden. Später wird das Erdgeschoss der Residenz, wo die Hausangestellten wohnen, saniert werden müssen, da in einem schrecklichen Zustand. Gleichzeitig wird die Küche modernisiert. Dann werden die Guckluken des Esszimmers in echten Fenstern umgewandelt und dieser Raum wie der grosse Salon werden neu möbliert (und wieder Inventarverwaltung).

 

Im konsularischen Gebiet war das Geschäft rege, von dem Tod eines Mitbürgers aus Gehirnmalaria in Gambien, über den Mord eines Schweizers in einem Volksviertel von Dakar, den Selbstmord eines Verzweifelten in Mali, mehrere Haftfälle bis, immer und wieder, unsere blauäugige Mitbürger, die ohne Visa ja sogar ohne Pass ankommen, diejenigen, die glauben alles zu wissen und denken "gutes Geschäft" zu machen und glücklich sein können, wenn sie noch das Rückflugbillet noch besitzen.

 

Von den in jede Hauptstadt des Konsularbezirkes geplanten Dienstreisen wird schliesslich nur ein kurzer Aufenthalt in Bamako stattfinden. Am Anfang der Trockensaison ist der Fluss Niger noch eindrucksvoll, obwohl nur mit einem knappen Zehntel seiner Kapazität. Zwischen den zahlreichen Flussarmen konnte man die Bauer in Landwirtschaft beschäftigt und das Vieh sehen. Bamako besteht aus einem kleinen verstädterten Zentrum und einem riesigen Areal mit Villen, Obst- und Gemüsegärten. Aber ausser den Staub, habe ich von Bamako keine besondere Erinnerung behalten.

 

Verglichen zu Kolumbien existiert in Dakar und in Senegal eigentlich keine Unsicherheit. Sicher trifft man eine "normale" Kriminalität, weder besser noch schlimmer als in vielen anderen Hauptstädten, die uns zwar zwingt, einen Nachtwächter anzuheuern, aber Rauschgifthändler en gros, Terrorismus oder Entführungen sind nicht an der Tagesordnung; in der Casamance, im Süden des Landes, herrscht eine Guerilla, die die Selbständigkeit der Provinz verlangt, wovon wir in der Hauptstadt nichts fühlen. Die Kinder geniessen also eine Freiheit, die sie bisher nicht kannten. Sie haben es schwer gehabt (und wir auch), sich daran zu gewöhnen, alleine auf die Strasse zu dürfen, alleine zu den Nachbarvillen oder zum nächsten Wohnhaus zu gehen, um Ihre Freunde zu besuchen.

 

Als wir in Senegal ankamen, wurden wir von dem minimalen Angebot an einheimischen Produkten überrascht. Fast alle Konsumgüter werden eingeführt. Das Wasser ist nur bedingt trinkbar und wir müssen Mineralwasser in 1 ½ Literflaschen kaufen; in Bogotá bekamen wir 50 Literkanister von Trinkwasser. Wir müssen unsere Gewohnheiten entsprechend ändern und uns daran gewöhnen, grössere Mengen zu kaufen. Die Preise beinhalten hohe Zollgebühren (wovon wir befreit werden) und enorme Transport- und Bearbeitungskosten. Die lokale Wirtschaft ist hauptsächlich informell und generiert dementsprechend praktisch keine Steuereinnahmen für den Staat. Dieser muss dann irgendwie seine Ausgaben finanzieren. Die Abwertung des CFA Franken im Januar 1994 hat die Lage nicht verbessert.

 

Der Arbeitsmarkt ist heikel und die Jungen, öfter auch mit dem Unterhalt der Familie belastet, probieren mit allen Mitteln, deren Aufenthalt und deren Studien in der Hauptstadt zu finanzieren, mit kleinen schlecht bezahlten, sogar unbezahlten Jobs, und manchmal mit Betteln.

Trotz Stellenmangel, trotz der wachsenden Verelendung probiert die Bevölkerung mit den wenigen verfügbaren Ressourcen würdig zu überleben.

 

Um mit der Welt in Kontakt zu bleiben, haben wir unser erstes Internetabonnement abgeschlossen. Leider ist die Qualität der Telefonzentralen so schlecht, dass wir mehr Frust als Befriedigung erleben. Die Verbindungen werden regelmässig unterbrochen und das Websurfen ist ein gewagtes Vorhaben. Gottlob wird die elektronische Post schnell erledigt, um so mehr, dass wir zu diesen Zeiten davon absehen, Fotos als Beilagen zu senden.

 

Die Stadt Dakar besteht aus einem ziemlich modernen Zentrum, mit einigen Gebäuden aus der Kolonialzeit, aus vielen Wohnviertel guter oder schlechterer Qualität und, in der Peripherie, aus "afrikanischen" Vorstädten, in welchen sich die "Familienkonzessionen" befinden. Selbstverständlich trifft man einige Elendsviertel.

 

Sobald man die Hauptstadt verlässt, kommt man in die Savanne. Man trifft etwas Gemüsewirtschaft, einige ungesunde Sumpfe und den Busch wo, ausser des Gebüsches, sich erstaunliche Affenbrotbaumwälder befinden. Senegal ist in Sahelzone und die Regensaison dauert etwa zwei Monate. Während dieser Zeit können Gewitter und Regenschauer zwar heftig sein, aber das Himmelwasser bleibt spärlich. Im September ist alles grün und schon im November ist die Dürre wieder da und die Vegetation brennt sehr schnell.

 

Die Aktivitäten der Kinder sind Zeitraubend. Zwischen Tanz, Judo, Tennis, Schwimmen und Reiten werden jede Woche viele Kilometer zurückgelegt und unzählige Stunden gewartet. Der Hauptanteil davon liegt bei Merja. Merja, die auch sehr beschäftigt ist, zwischen die Gruppe der "Diplomatendamen" (mit Organisation einer jährlichen Kirmes, um einige Entwicklungsprojekte zu finanzieren und die Überwachung dieser Projekte), die Gruppe der "Spanischsprechenden Damen", die Gruppe der "Internationalen Damen von Dakar", etwas Sport, Nah-Stunden und, immer, die Schulzeiten, die einem zwingen, schnell nach Hause zu fahren, um mit den Kindern zu essen. Ueber die Kinder können wir sagen, dass sie in Schönheit (normal), Anmut (wie ihre Mutter) und Weisheit (wir ihren Vater) wachsen, und dass sie in der Schule (sehr) gute Schüler sind.

 

Jenni war es in Finnland langweilig. Sie ist also für einige Monate zu uns gezogen, um ihre Französischkenntnisse zu verbessern… und den Führerschein zu erwerben. Es wird ihr schwer fallen, in Finnland zu fahren, denn dort werden die Verkehrsregel respektiert, nicht wie in Afrika.

 

Ja, wir haben das Land besucht. Die ersten Ausflüge, vorsichtig , fuhren uns bis zur Pointe des Almadies, westlichster Punkt Afrikas auf dem Cap Vert, um die Kinder bei den Wasserbrechern des Atlantiks im Wasser platschen zu lassen. Die Wellen sind stark und, zu schwimmen, sind die Schwimmbäder etwas sicherer. Beide fühlen sich wohl im Wasser, Janne-Nicolas hat den Kopf ständig unter dem Wasser, sodass wir seinen Hintern suchen, wenn wir ihn orten wollen und Mari-Caroline, die noch Luftreifen braucht, darf nicht in den tiefen Bereich hin.

 

Dann sind wir bis zum Lac Rose gefahren. Von diesem See werden jährlich tausende Tonnen von Salz gewonnen. Dort haben wir das Dünen- und Strandfahren probiert. Man muss nicht vergessen, die Reifen gut zu entleeren, sonst bleibt man regelrecht stecken. Wir sind danach viel tiefer ins Land gefahren. Wir verbrachten gelegentliche Wochenende auf die Petite Côte in der Nähe von M'Bour, wo viele Dakarer die Freizeit in deren "Landhäuschen" am Meer geniessen, und wo sich einige Ferienhotels und –Clubs befinden.

 

Selbstverständlich verbringen wir auch regelmässig einige Stunden auf das Insel Gorée, das man nur mit der "Chaloupe" erreicht, und woher zahlreiche Sklaven nach den Amerikas verschifft wurden.

 

Als Jean-Didiers Mutter uns besuchte, sind wir bis in die Casamance gefahren. Für den Hinweg sind wir mit der Fähre unterwegs gewesen. Ganz komisch war sie geladen und sie wird einige Jahre später wegen Überladung kernten. Die Casamance ist bereits ein einer feuchteren Zone und man trifft dort Wälder und Landwirtschaft. Wir fahren dann über "Boden" und via Gambien und die Banjulfähre zurück.


Mit diesem Schiff wird bloss der Fluss Gambien überquert und man trifft da hauptsächlich Fussgänger, vom Baby bis zum Zebu, über Schafe, Ziegen, Hühner, Motorräder, Pakete, Reissäcke und sogar Autos.

 

Auch das Tierreservat Niokolo Koba haben wir im Landesosten besucht. Dort soll man die grössten Löwen Afrikas treffen. Wir haben keine davon gesehen und auch nicht die grossen Säugetiere. Es sei denn einige Nilpferde, schön im Wasser versteckt, sodass wir bloss deren Ohren, Augen und Nasen gesehen haben und die vom Führer gezeigten dem Fluss entlang gelegenen Elefantenspuren. Doch haben wir viele Antilopen, Warzenschweine und zahlreiche Perlhühner und andere Vögel bewundern können. Auch haben wir die Tsetsefliegen kennen gelernt.

 

Die zum Verlassen des Reservates genommene Piste fuhr uns durch einige Dörfer und wir mussten den Fluss Gambien durch seichtes Wasser waten (um Gottes Willen, wie tief ist es ?). Das Runter- und Rauffahren der Ufer ist eindrucksvoll.

 

Die Eltern Jennis haben für Weihnachten die Reise nach Senegal via Moskau vorgenommen und Emil und Margaret haben uns gleichzeitig (wenn auch durch einen Streit der Fluglotsen etwas verspätet) besucht. Also haben wir das Vogelreservat Djoudj besucht. Es ist ein Paradies für Flamingos, Pelikane und viele andere Tiere. Wir sehen dort viele Arten von Adlern, Kranichen, Krokodilen, Warzenschweine oder Schlangen. Jeder von uns weiss nun genau, wie man einen grossen Kormoran von einem kleinen Kormoran unterscheidet und keiner von uns wird je mehr ein Krokodil mit einem Pelikan verwechseln.

 

Auf die Heimfahrt halten wir einige Stunden in Saint-Louis an. Diese ehemalige Hauptstadt wurde auf Inseln in der Mündung des Flusses Senegal gebaut. Leider sind heutzutage die schönen, mit Balkonen verzierten Kolonialhäuser verkommen oder sogar verlassen.

 

Und, um den Aufenthalt unserer Gäste mit einem Höhepunkt abzuschliessen, sind wir zur Ankunft des Rallye Dakar-Agadès-Dakar gefahren. Wie zahlreichen Dakarer haben wir das Auto auf eine Düne unweit von dem Lac Rose parkiert und habe von dort diese Verrückten bewundert, die über zwei Wochen im Sahel gefahren sind. Der Fernsehhubschrauber hat uns heftig gelüftet und wir alle konnten zum ersten Mal echte "Sand"wiches geniessen.

 

Während dieses afrikanischen Aufenthalts haben wir auch Mauretanien besucht. Eine wahre Expedition, worüber auf eine andere Seite erzählt wird.

 

Im Frühling 1997 hat sich die Möglichkeit geboten, eine neue Versetzung zu beantragen. Da es nun möglich ist, Jean-Didier hat für Stockholm kandidiert. Er dachte, nach Helsinki zu gehen, aber die dortige französische Schule bietet keinen schulischen Unterricht ab der 6. Klasse, in welcher Janne-Nicolas kommt im nächsten Schuljahr.

 

Also wir fangen wieder an, Umzugslisten erstellen, Umzugsfirma suchen, einpacken, Schachtel im ganzen Haus, Versuch, das Auto zu verkaufen. Da die Kaufsangebote von weitem nicht den Preis erreichten, den sich Jean-Didier vorstellte und übrigens auch nicht den Wert des Autos auf dem Lokalmarkt, beschlossen wir, den Fahrzeug mit in Skandinavien zu nehmen. Da wir in einem möblierten Diensthaus wohnten, konnten wir vermeiden, die letzten Tagen im Hotel zu verbringen und verliessen Dakar direkt aus dem Haus her.