PATAGONIEN

BIS ZUM ENDE DER WELT

 

Carretera austral

7. Januar bis 6. Februar 2006

Journal einer Reise

 

en français

DANKE FUER DIE KORREKTUREN


Samstag 7. Januar 2006, Santiago – Temuco

Wir fahren ab um 10.00 h über die Ruta 5 bis Temuco; Ankunft gegen Ende Nachmittag. Es ist grau und regnet. Falabella vorbei, um die obligatorische Haftpflichtversicherung für Argentinien abzuschliessen.

 

Sonntag 8. Februar 2006  Temuco – Ancud

Abfahrt um 10.00 h, Richtung Süden. Nach Puerto Montt, Fähre über die Chacao-Strasse, um den Insel Chiloe zu erreichen. Uebernachtungs-suche in Ancud. Wetter grau, Regen. Ende Nachmittag, Versuch die "Pinguinerei" zu finden, zu spät abgefahren und den richtigen Weg nicht gefunden.

 

Montag 9. Januar 2006   Castro und Chiloe

Abfahrt um 10.00 h, Schnellbesuch von Castro, Suche der Reederei, um die bereits reservierte Passage zu bezahlen. Fahrt bis Chonchi, wo wir von einem Carpacho de jaiba essen. Danach beschliessen wir, bis nach Quellón, im Süden der Insel zu fahren. Mitten im Dorf, ein Restaurantschild "Los Suizos". Anhalt, lasse ich mich kennen. Der Schweizer Wirt kommt und trifft "ganz zufällig" einen Freund, Direktor von "Stylo FM", das lokale Radiosender. Meine erste Direktinterview, und zwar über Mobiltelefon.

Danach Besichtigung des "Punktes Null" oder "Ende" der panamerikanischen Strasse. Zurück nach Castro, Uebernachtungssuche. Chiloe ist von Hügeln und Wäldern bedeckt und bietet sehr schweizerischen Landschaften an. Wetter Mittelgrau, Regen am Abend.

 

Dienstag 10. Januar 2006   Castro und Chiloe

Anfang der Piste

Abfahrt Richtung Quemchi, um eventuell des "Flutphänomen" zu sehen. Nicht die richtige Zeit. Wir fahren weiter entlang der Küste bis hin zur "Pinguinerei" westlich von Ancud, auf der Pazifikküste. So zehn Pinguine auf einem Felsen, etwas weiter im Ozean. Etwas ernüchternd. Wetter gemischt, viel Regen

 

Mittwoch 11. Januar 2006   Castro – Chaitén

Die Kinder streiten seit gestern Abend. Es regnet, es ist dunkel. Wir wissen nicht was zu tun und erfinden Beschäftigungen bis zur Fährenzeit. 15.00 Uhr müssen wir im Hafen sein. Wir sind dort, der Schiff aber nicht. 16.30 Uhr immer noch nicht. Wir warten und der Schiff kommt endlich um 19.00 Uhr an und fährt schiesslich kurz vor 20.00 Uhr ab. Wir treffen in Chaitén um 03.00 morgens an, statt 22.00 h am Vorabend. Ich hatte Gottlob am Vortag reserviert und dann von der Abfahrtszeit informiert. Wetter mies mit Aufhellungen am Nachmittag und Regen in der Nacht.

 

Donnerstag 12. Januar 2006   Chaitén – Lago Verde

Die Nacht war kurz. Wir sind endlich auf die Carretera Austral und fahren bis La Junta, wo wir (Mittag)essen. Der Wirt ist Nachkommen von Schweizern. Auffahrt nach Lago Verde: letztes Jahr ist in diesem Gebiet einen Schweizer verschwunden und nicht wieder aufgefunden worden. Die Eltern akzeptieren nicht, dass die Suchaktion abgeschlossen wurde und, mit 75 Jahren, haben beschlossen, selber dort hinzufahren. Ich werde sie treffen. Anderthalb Stunde Pistenfahrt, mal halb gesperrt durch einen während des Sturmes der Vornacht gefallenen Baum. Besuch im Rathaus, Treffen mit den Eltern, Nachtessen mit dem Bürgermeister. Wetter bedeckt, wenig Regen.

 

Freitag  13. Januar 2006   Lago-Verde – Puerto Cisnes

Vorgesehen um 08.30 h, fahren wir erst nach 09.00 h ab. Wir sind halt in Chile. Richtung Puerto Cisnes (Schwanenhafen), Besuch des mit dem Fall vertrauten Staatsanwaltes. Der Gemeinde-Sekretär fährt die Eltern in einem offiziellen Pick-up. Ich fahre nicht nach chilenischer Art und wir treffen uns wieder in La Junta, um ein Kaffee zu trinken und… zu tanken. Etwa 4 Stunden sind für die Weiterfahrt vorgesehen. Wir selbst machen einen Abstecher im Park Queulat, um den ersten hängenden Gletscher zu bewundern. In Puerto Cisnes besuchen wir die Staatsanwaltschaft und bleiben dort mehr als 3 Stunden, statt der ursprünglichen vorgesehenen halbe Stunde.

Schliesslich fahren wir ab, sehr spät, nach Puerto Aysén, wo ich bereits eine Hütte mit Frühstück reserviert habe. Vorher musste ich aber noch bei den Carabineros vorbeigehen, die mit mir etwas plaudern wünschten. Kaum sind wir aus dem Dorf, als in einer Rechtskurve Janne-Nicolas das Auto nicht ganz beherrscht und einem halblinks (chilenische Gewohnheit) entgegenkommenden Auto reinrammt. Auf der Piste ist es schwierig, den weissen Streifen zu sehen. Unser Auto ist vorne gebeult, das Andere hat den Aussenspiegel verloren und die Hintertür leicht eingebeult, sogar ohne Farbschaden. Diskussion, Austausch der Daten, Geschrei mit den Panthern; wir fahren etwa 10 Minuten später mit einem (blech-)beschädigten Auto. Nicht vergessen, bei der Polizei den Fall zu melden, aber dies wird Arbeit für morgen sein. 4 Stunden später, mitten in der Nacht, kommen wir endlich in Puerto Aysén an. Schönes Wetter den ganzen Tag.

 

Samstag 14. Januar 2006   Puerto Aysén

Wir beschliessen, nach einem Spätaufstehen, einen Tag dort zu bleiben. Wetter unbeständig. Ich fahre zuerst zu den Carabineros für die Schockdeklaration. Die wissen schon, dass der Schweizer Konsul im Dorf ist, wurden von deren Kollegen von Puerto Cisnes informiert. Ganz nett. Sie empfehlen, für die nächste Etappe, Puerto Ingeniero Ibañez zu meiden: nichts Interessantes ausser die Fähre. Hingegen ist die Umgebung von Puerto Rio Tranquilo sehr schön und bietet einige Sehenswürdigkeiten, die sie uns mit den eigenen Fotos präsentieren. Ein sehr angenehmes Moment mit der Polizei.


Wir besuchen dann Coihaique, Hauptstadt der Region. Nach den wenigen Dörfern, die wir durchgequert haben, sieht Coihaique wie eine Grossstadt aus. Dort kaufen wir Hüter und Schafsfell (Spezialität Patagoniens: die Schafe !)

 

Sonntag 15. Januar 2006   Puerto Aysén – Puerto Rio Tranquilo

Beim Aufstehen ist das Wetter wieder unmöglich. Man kann etwas höher auf die der Stadt umliegenden Berge den Schnee fallen sehen.


Heute ist Tag der zweiten Präsidentenwahlrunde, es werden wenig Leute auf den Strassen sein.

Wir fahren wieder über Coihaique, weiter über etwas Pampa und kommen wieder in die Anden rein. Das Wetter war ein Moment grau, wird nun wieder dunkelgrau-nass.


Trotz der tiefen Wolkenschicht sehen wir fantastische Landschaften und, nach einer Kurve, die ersten richtigen wilden Menhirs aus Patagonien (Hallo, Gaby und Bea !). In diesem Gebiet befänden sich die "Huemules", eine Art südlichen Rentieren. Wir aber keinen Einzigen sehen und Mari-Caroline ist ganz frustriert.


Endlich kommen wir zum Lago General Carrera (der auf die andere Seite der Grenze Lago Buenos Aires heisst), sogar mit einigen Aufhellungen. Dieser See wird als eines der tiefsten der Welt (die Schätzungen variieren zwischen 500 und 800 Meter) betrachtet, und wir fahren entlang, bis wir Puerto Rio Tranquilo erreichen.

 

Montag 16. Januar 2006   Puerto Rio Tranquilo

Heute fahren wir auf die Gletscherroute, nach dem Rat der Carabineros von Puerto Aysén. Nicht sehr bekannt, diese Piste führt in die Mitte der Anden, in einem etwas tiefen Quertal.

Unzählige Gletscher und Wasserfälle werden wir bewundern, und wir hätten mehr gesehen, wenn das Wetter sich nicht wieder geschlossen hätte. Wir sind aber am Rande der nordischen Eiskappe Chiles.

Am Ende der Strasse (es gibt in diesem Land immer ein Ende der Wege) sind wir einer Moräne geklettert um die Sicht über das Gletscher Los Exploradores zu geniessen. Die Piste führt einige Kilometer weiter und… hört auf. In einer nahen Zukunft wird man bis Bahia Tranquilo hinfahren können, von wo aus man dann die Laguna San Rafael und den gleichnamigen Gletscher wird besuchen können, ohne Stundenlang in einem oft regnerisch und immer kühlen Wetter über die See fahren zu müssen. Als wir nach Puerto Rio Tranquilo zurück sind, ist das Wetter schön, ja sogar warm.

Wir beschliessen die Marmorkapellen zu besuchen. Ganz tief im See General Carrera werden Vulkangase freigesetzt, und das Wasser ist demzufolge schwefelhaltig. Dieses Wasser hat die am Rand befindenden Marmorklippen und –massiven ausgegraben und das erstaunliche Resultat ist nur vom Wasser her sichtbar. Zurück zum Dorf sehen wir unsere "Verunfallten" von Puerto Cisnes ankommen. Wir probieren, die zu meiden.

 

Dienstag 17. Januar 2006   Puerto Rio Tranquilo – Bajo Caracoles

Ende der Carretera Austral

Uns wurde erklärt, dass die Strasse entlang des Sees für den Fahrer besonders anstrengend ist, und dass es dazu ausser Wasser und Felsen nicht viel zu besichtigen gibt. Wir beschliessen also Bajo Caracoles über den Roballo Pass statt über Chile Chico und Perito Moreno zu erreichen. Wir fahren früh ab, um die "Verunfallten" nicht zu treffen und, am Ende des Sees fahren wir doch einige Kilometer auf die Strasse nach Chile Chico zum Tanken, denn man weiss nicht, wo sich die nächste Tankstelle befindet. Unterwegs können wir den Zusammenfluss der Rios Baker und Nef sehen und werden etwa 15 Minuten bei einer Baustelle warten, Glück haben wir, denn wären wir eine halbe Stunde später angekommen, hätten wir über 3 Stunden wegen Sprengungen warten müssen. Kurz vor Cochrane fahren wir Richtung Osten. Die Fahrt auf die Carretera Austral ist für uns beendet. Es blieb nicht viel, einen kleinen Fahrttag, um Villa O'Higgins, Endpunkt der Strasse zu erreichen. Wir wollen aber südlicher hin und man kann zum Süden Chiles im Gebiet Puerto Natales nur über Argentinien fahren. Wir fahren also entlang des Cordón Chacabuco und finden eine einigermassen gute Piste vor, da wenig befahren. Bis zur Grenze treffen wir vielleicht 3 Fahrzeuge.

Die Landschaft wechselt, von Hochbergen zu sanften Hügeln, der Tal breitet sich aus und wir sehen die ersten Guanacos und die ersten Nandus. An der Grenze ist der Carabinero so erstaunt, dass er all die Ausreisedokumente selber ausfüllt. Seine Frau und Kinder möchten auch "die Touristen" sehen. Die argentinische Seite wird gelassener sein, mit Bemerkungen über die Schweizer Messer. Und wir beginnen, die Pampa durchzukreuzen. Staub, und noch Staub, und Nandus, Guanacos und Gürteltiere... und Staub. Auf dem Weg, Seen mit unvergesslichen Farben und nach vielen Stunden kommen wir zur Kreuzung mit der Ruta 40, die den Süden mit dem Norden Argentiniens entlang der Anden verbindet.


An dieser Kreuzung befindet sich Bajo Caracoles: eine Tankstelle-Restaurant-Bar-Supermarkt-Hotel, eine Herberge, ein Gerichtshaus und Büro der argentinischen Staatsanwaltschaft und ?... ach ja, einen Reifenreparateur. Das Hotel sieht nicht besonders einladend aus, wir schauen trotzdem die Zimmer, die doch ganz anständig sind. Wir beziehen zwei davon. Gute Idee, denn ein Paar Minuten später kommen weitere potentiellen Kunden an. Wir verbringen einige Stunden am Schwatzen mit anderen Reisenden, tauschen Reiseeindrücke sowie Empfehlungen vom Besuch von diesem oder anderen Ort aus. Schönes Wetter.

 

Mittwoch 18. Januar 2006   Bajo Caracoles – El Calafate

Nur die Pampa ist zu bewundern. Die Strasse liegt gerade vor unseren Augen, mit hie und da eine leicht Kurve nach Rechts oder nach Links, manchmal die Tal in einem Talboden um danach sofort wieder zur Pampa hinaufzufahren. Sehr viel Staub, gottlob nur hinter uns. Ein Gürteltier läuft über die Strasse. Anhalt und Rennen hinter dem Tier, um es filmen. Plötzlich eine riesige Baustelle und… Teer. Kilometer von geteerter Strasse, auf der Karte nicht erwähnt ! Toll ! Unterwegs machen wir eine Rastpause in einer Estancia Namens "Siberia" und gegen Ende Nachmittag erreichen El Calafate: eine kleine Stadt, die ohne die nebenstehenden grossen Gletscher der südlichen Eiskappe einfach eines der wenigen Dörfer der Pampa wäre. Aber dort finden wir wieder Geldautomaten und, Ueberraschung, das Mobiltelefon funktioniert wieder.

 

Donnerstag 19. Januar 2006   El Calafate

Ausflug zum Gletscher Perito Moreno. Ein Eismeer, das in Form einer 50 Meter hohe Klippe im Lago Argentino endet.


Am Ende des Tages besuchen wir auch das Vogelreservat des Ortes, wo wir fast von einem Falken angegriffen werden. Schönes Wetter, starker Westwind.

 

Freitag 20. Januar 2006   El Calafate – Puerto Natales

Schönes Wetter und eine gute Strecke geteerter Strasse. Bei der Abreise haben wir einen wunderbaren Blick auf die Anden, sogar auf das Mount Fitzroy und dann treffen wir wieder die Piste. Und wir fahren Stunden lang durch die Pampa, bis wir in der Ferne wieder die Cordillera und die Massiven des Balmaceda und des Paine blicken können.


Nach der Grenzüberfahrt treffen wir in Puerto Natales ein. In dieser Stadt sehen wir plötzlich einen Schild mit Schweizerflagge. Ich werde dann einen Moment mit einem der wenigen in der Region lebenden Mitbürger sprechen.

 

Samstag 21. Januar 2006   Puerto Natales

Heute ist Besuch vom Nationalpark Torres del Paine am Programm. Schönes Wetter. 150 Km Fahrt bis zum Park. Bei der ersten Halt verstauche ich mich das Fussgelenk. Ich werde trotzdem zwei Stunden lang mit Janne-Nicolas laufen, um einen Aussichtspunkt vor den Cuernos del Paine zu erreichen. Während des Tages haben wir das Glück, weit oben im Himmel, einige Kondore mit Feldstecher beobachten zu können.


Am Ende des Tages erreichen wir den Lago Grey, auf welchen Eisberge des am anderen Ende befindenden Gletschers schwimmen. Böse Ueberraschung: die auf der Karte markierte Strasse für die Rückkehr existiert noch nicht. Also müssen den ganzen Weg zurückfahren um, in der Nacht, eine Pizza bei einer vor kurzem angekommenen Mitbürgerin zu essen.

 

Sonntag 22. Januar 2006  Puerto Natales – Punta Arenas

Am Morgen, die Sonne, die wir den ganzen Vortag genossen haben, ist hinter einer dichten Regenwolkenschicht versteckt. Der Regen begleitet uns auf etwa ein Drittel der kurzen Etappe. Um die Mittagszeit halten wir in Villa Tehuelches an. Dort findet das Jahresfestival des Schafsschürens (doch, so ist das) statt und scheint sogar sehr belaufen zu sein.


Ankunft in Punta Arenas, Suche einer Unterkunft und wir fahren wieder los, um die Pinguinerei Otway zu besuchen. Dort kommen wir endlich auf unsere Rechnung: Hunderte, Tausende von Pinguine sind zu beobachten.

 

Montag 23. Januar 2006   Punta Arenas, entlang der Magellanstrasse

Ich habe schlecht geschlafen und bin etwas deprimiert: wie weit sind wir überhaupt gefahren ? was machen wir hier ? weshalb so weit ? Der Tag ist wieder grau, ich bringe das Auto zu einem Service. Ohne Auto lassen wie die Zeit vergehen, verbringt einen Moment in einem endlich guten Internet Café und enden in der Konditorei Baeriswyl, ehemaligen (Schweiz-)Freiburger mit ehemaligen Kroaten gemischt, die Schokolade herstellen. Gegen Ende Nachmittag können wir wieder fahren und zwar bis Fuerte Bulnes; unterwegs treffen wir das Monument der "geographischen Mitte Chiles", Puerto Hambre (Hafen der Hungersnot, wo logischerweise nichts mehr zu sehen ist) und das Monument auf 100 Jahre schweizerischer Kolonisierung. Auf die andere Seite des Wassers sehen wir das Feuerland. Wie oft diesen letzten Tagen werden wir vom Cordero al palo ernährt.

 

Dienstag 24. Januar 2006   Punta-Arenas – Rio Grande

Mittelmässiges Wetter. Am Frühstück führen wir ein ganz interessantes Gespräch mit einem amerikanischen Ehepaar aus Nord-Dakota. Nun wird es Richtung Norden gefahren, wir haben keine Lust, 4 Stunden auf einer Fähre zu verbringen, um in Porvenir nichts zu besuchen. Wir überqueren die Magellanstrasse, da wo sie am engsten ist und kommen auf Feuerland an. Nach einige Kilometer Teer sind wir wieder auf die Piste. Aber welch eine Piste ! In einem schrecklichen Zustand und wir werden einige Stunden mehr als vorgesehen, um an der Grenze anzukommen. Danach ist die Piste ganz gut und nach dem argentinischen Grenzposten wird wieder geteert. Wir halten in Rio Grande an. Nur ein Punkt auf dem chilenischen Reiseführer ist es doch eine Stadt von 60'000 Einwohner. Unsere Gastgeberin erzählt, dass wenn die "chilenische" Piste in einem so miesen Zustand ist, ist weil sie hauptsächlich von argentinischen Lastwagen befahren wird, und dass sich die beide Länder über deren Unterhalt nicht einigen können. Wenn sich die Schweiz mit der Gotthardstrasse derart verhalten würde ? Die Grenzüberfahrt war auch interessant. In Chile weiss der Beamte nicht, was er mit unseren Diplomatenvisas machen soll und muss seinen Chef fragen. Auf der argentinischen Seite gibt es eine Schlange. Nach einer halben Stunde muss ich weg, denn es handelt sich um die "Bus-Schlange". Ich müsste wieder am Ende der anderen Kolonne stehengehen. Und was noch ? Der Dienstoffizier ist perplex, ruft seinen Chef, der unsere Diplomatenpässe einfach wegnimmt und verschwindet in einem Büro. Er kommt ein Paar Minuten später, alles in Ordnung und empfiehlt mir, bei der Rückreise, mich vom Dienstoffizier als in Chile akkreditierter Diplomat erkennen zu lassen. So überspringt man die Warteschlangen.

 

Mittwoch 25. Januar 2006   Rio Grande – Ushuaia

Wenn wir überhaupt dorthin kommen. Janne-Nicolas ist schlecht gelaunt und, wie immer in solchen Fällen, ist langsamer als gewöhnlich ! Wetter bedeckt, gute Strassen.


Position 54°48' Süd, 68°19' West, bisher etwa 5'900 Km hinter uns und wir sind schon fast 3 Wochen unterwegs.


Wir kommen ziemlich spät an und müssen noch einige Ausflüge für morgen buchen. Wir sind nicht bis dahin gefahren um im Hotel zu bleiben. Wir machen eine Stadtrundfahrt in einem richtigen Londoner Bus.

 

Donnerstag 26. Januar 2006   Ushuaia

Die geplanten Ausflüge haben wir durchführen können. Am Morgen waren wir im "Zug der Ende der Welt". Charmantes Züglein auf sehr enger Spur und von schwachen, rehabilitierten Dampflokomotiven gezogen. Ushuaia war ursprünglich ein Zuchthaus und die Gefangenen mussten täglich das für den Betrieb nötige Holz fällen. Die Eisenbahn wurde erbaut, um die immer weiter abgeschnitten Stämme zu transportieren und, sagte man uns, auf die Rückreise mussten die Gefangenen noch den überlasteten Zug stossen. Am Nachmittag haben wir eine kurze Kreuzfahrt auf der Beagle Strasse gemacht.


Ein alter Dämpfer fuhr entlang der unzähligen von Seelöwen und Kormorane bewohnten Felsen, bis zum Späherleuchtturm. Wir besuchten auch das lokale Aquarium, der die Tiere präsentiert, die in diesen kaltes Gewässern leben – überhaupt sehr viele (aahh... als Carpaccio !!) Krebsarten. Am Nachmittag schliesst sich wieder das Wetter und man kann wieder den Schnee oberhalb der Stadt fallen sehen. Nicht zu vergessen: wir sind im Herzen Sommers. Ein lokale Spruch laute: "das Wetter von Ushuaia gefällt dir nicht ? Warte doch noch 5 Minuten !" Am Abend will ich vom Automat etwas Geld beziehen, meine Karte wird aber bezogen ! Die Bank ist geschlossen und ich muss bis morgen warten, um die zurückzubekommen.

 

Und nun setzen wir uns auf die Rückfahrt.

 

Freitag 27. Januar 2006   Ushuaia – Rio Gallegos

Unmöglich vor 9 Uhr abzufahren, denn ich muss meine Karte von der Bank abholen. Frühmorgens ist das Wetter bedeckt, aber man sieht den in der Nacht auf den umliegenden Bergen auf eine Höhe von etwa 400 bis 500 Meter gefallenen Schnee. Zum Glück ist die Strasse bei der Passhöhe trocken. Nach dem Pass treffen wir wieder schönes Wetter. Bei der Grenze, der vom Vorvortag Offizier erkennt mich und lässt mich die relativ grosse Schlange kurzschliessen. Es gibt einige Grimassen bei den Leuten, die (un)geduldig warten. Desgleichen beim chilenischen Grenzposten und so können wir über eine gute Alternativpiste relativ schnell nach Punta Delgada ankommen.

Dort ist die Fähre soeben abgefahren, aber die nächste kommt bald. In der Zwischenzeit beobachten wir, dass fast neben dem Riesenschild, der Willkommen auf Feuerland heisst, ein anderer steht, der besagt "Achtung Minen". Nach der erneuten Überquerung der Magellanstrasse fahren wir Richtung Grenze. Wir hatten beschlossen, die Rückfahrt möglichst über geteerten Strassen vorzunehmen und in Mendoza etwas einzukaufen. Die Nacht verbringen wir in Rio Gallegos, nach einer schwierigen Unterkunftssuche. Nun sind wir fast 4 Wochen unterwegs und man kann sagen, dass alles gut geht.

 

Samstag 28. Januar 2006   Rio Gallegos – Comodoro Rivadavia

Bei der Abreise habe ich einen Schreck: nur noch einen Autoschlüssel vorhanden. Suchaktion, Erklärung: am Vortag habe ich einen Schlüssel dem Parkingwächter abgegeben und danach, ziemlich müde, auch an die Hotelrezeption. Wir fahren ab, und sobald die Strasse uns nach Norden führt müssen wir mit einem sehr starken Westwind kämpfen. Wir müssen fast 800 Km unter diesen Bedingungen fahren. Unterwegs halten wir bei 2 Tankstellen … ohne Benzinpumpen an ! Gottlob hatten wir vor der Abfahrt mit dem neuesten 100 Oktan Treibstoff von Petrobras voll getankt, was uns den Konsum um Einiges reduziert.


Und die Strasse streckt sich, gerade, auf der Pampa, mit Staub und diesem ewigen starken Seitenwind, so stark dass er den seit Santiago auf dem Dach befestigten (in diesem Moment leeren) Reservekanister schliesslich wegbläst ! Bei einem späteren Halt wird er von einem uns nachfolgenden Argentinier zurückgegeben. Er hat den Kanister wegfliegen gesehen, und von der Pampa geholt. Und wir überqueren die ersten Oelfelder. Endlich in Comodoro Rivadavia angekommen, wir sprechen über den Wind mit dem Empfangangestellten des Motels. Er bestätigt uns, dass es "normal im Gebiet ist. Heute etwas stark, so zwischen 70 und 80 Km/h, normalerweise zwischen 50 und 60 Km/h und gelegentlich über 100 Km/h. Die Stadt ist selbstverständlich überdeckt vom Pampastaub. Schönes Wetter den ganzen Tag.

 

Sonntag 29. Januar 2006   Comodoro Rivadavia – San Carlos de Bariloche

Der Wind bläst nicht mehr, wir werden nicht dagegen kämpfen müssen. Richtung Anden, West-Nord-West, durch die Oelfelder Patagoniens. Seit wir Chiloe verlassen haben, befinden wir uns in Patagonien und werden noch einige Kilometer in diesem Weltgebiet fahren müssen. Wir überqueren die Küstenbergkette und finden… die Pampa, und wieder diese gerade Strasse, die am Horizont verschwindet. Nach einigen Stunden sehen wir wieder die Anden und überlegen, ob wir in Esquel anhalten werden. Schliesslich fahren wir doch bis nach San Carlos de Bariloche. Es handelt sich um einen in Europa gut bekannten Ferienort. Dort absolvieren die Schimannschaften deren Sommertraining, denn es ist Winter in der südlichen Hemisphäre. Bariloche ist jedoch eine der wenigen argentinischen Stationen, die das Tourismus sowohl im Sommer wie auch im Winter treibt. Nach dem Essen grüssen wir unsere Mitbürger vom Piccolo Paradiso. Sie überzeugen uns, einige Tage bei Ihnen zu bleiben, sie haben ab nächsten Tag freie Zimmer. Nach diesen unendlichen Fahrtagen sind wir auch froh, einen kleinen Unterbruch einzubauen. Schönes Wetter.

 

Montag 30. Januar 2006   San Carlos de Bariloche

Wir verbringen den Tag in dieser touristischen Stadt und machen einen kleinen Ausflug bis Villa la Angostura. Dort essen wir mittelmässig in einem "Rincón Suizo" und installieren uns bei Lino und Carmen. Etwas später kommen Lisa und Thomas an, von Santiago herkommend, auf deren Weg zu den gewöhnlichen Fischerferien. Am Abend sind wir zum Asado eingeladen. Schönes Wetter.

 

Dienstag 31. Januar 2006   San Carlos de Bariloche

Am Vortag hatten wir kein Progamm mit Lino besprochen und Janne-Nicolas ist entsprechend schlecht gelaunt. Was werden wir überhaupt machen ? Sich einen ganzen Tag langweilen ? Nein, denn es gibt im Gebiet eine Besonderheit, einen "schwarzen Gletscher". Es handelt sich um einen – oh Ueberraschung – hängenden Gletscher, dessen Eis beim Runterfallen eine neue Zunge bildet. Dieses gefallene Eis mischt sich mit den umliegenden Vulkanaschen und die neue Gletscherzunge ist regelrecht schwarz. Einmalig ! Die Strasse, die hinführt, ist Zeitweise Einbahn und wir warten bis 4 Uhr nachmittags, bis wir wieder nach Bariloche fahren können.


Abends geniessen wir einen Asado bei Lino, und um 11 Uhr nachts habe ich weiss ich überhaupt noch welchen unwichtigen Streit mit Janne-Nicolas. Item, wir befinden uns plötzlich im Badeanzug in dem eiskalten Wasser des Sees Nahuel Huapi. Schönes Wetter.

 

Donnerstag 1. Februar 2006   San Carlos de Bariloche

Gegen Tagesmitte fährt Janne-Nicolas mit Thomas und Sohn Bootfischen. Sie fangen einige so kleine Forellen, dass sie müssen sie zurück ins Wasser werfen. Mitte Nachmittag fahren wir alle zur Estancia San Ramón. Unterwegs nehmen wir drei jungen Schweizer mit, die bei "Rosmarie" Ferien verbringen. Wir reiten etwa eine Stunde und fahren in einem nah liegenden Tal, um zu probieren, Kondore zu sehen. Kot werden wir sehen. Auf dem Rückweg essen wir einen Cordero al Palo bei Rosmarie. Ich habe den vorderen Autoschild verloren. Schönes Wetter.

 

Donnerstag 2. Februar 2006  San Carlos de Bariloche – Neuquén (war jedenfalls vorgesehen)

Die Etappe ist relativ kurz und wir fahren ziemlich spät ab. Richtung Neuquén und etwas weiter, damit wir danach nur noch 2 Tage Fahrt bis nach Mendoza haben. Nach etwa einer Stunde kreuzen wir einen Fahrzeug, der einen Hauch weissen Rauches hinter sich zieht. Ich erzähle den Kindern etwas über Kolben, Kolbenringe und Oelverbrauch. Einige Minuten später stelle ich fest, dass WIR einen Hauch weissen Rauchs hinter uns ziehen !! Oeldruck: normal, Motorentemperatur: normal: Also nichts wie sofort anhalten. Die Bremspedal verschwindet am Boden, dann als endlich angehalten, reagiert der Ganghebel überhaupt nicht. Aussteigen, der weisse Rauch ragt aus der Motorhaube heraus. Also mache ich die Haube auf und der Rauch kommt von unten her. Ich renne zum Kofferraum, werfe das Gepäck raus – selbstverständlich befindet sich der Feuerlöscher darunter. Schon fallen brennenden Dingen unter dem Fahrzeug. Merja und die Kinder werfen alles, was sie können, weg vom Auto und entfernen sich. Andere Fahrer kommen mit deren eigenen Feuerlöschern, es ist aber schon zu spät. Nur können wir soviel wie möglich vom Gepäck retten.


Und wir schauen von Weitem unser Trail Blazer in Feuer geraten, froh nicht innen zu sitzen. Der Tank, heutzutage in Kunststoff wird gottlob nicht explodieren, was wir fürchteten. Der war praktisch voll, ich hatte etwa hundert Kilometer vorher voll getankt, d.h. 90 Liter 100 Oktan Benzin. Danteske Szene ! Nach 20 Minuten war unser schönes Auto nur noch Wrack. Glücklicherweise hatte ich bei einer steinigen Stelle angehalten und der Brand hat sich nicht in die Pampa ausgeweitet. Polizei und Feuerwehr anrufen ? Es gibt in diesem Gebiet selbstverständlich keinen Mobiltelefonsignal ! Wir befinden uns in der Mitte der Pampa ! Die nächste "zivilisierte" Stelle – eine Tankstelle/Restaurant - befindet sich etwa 30 Km hinter uns, der nächste Ort etwa 80 Km weiter. Eine private mobile Einheit von "Pampabrandüberwacher" kommt ziemlich schnell, verfügt aber nur über einen kleinen Tank mit etwa 1000 Liter Wasser; es ist sowieso zu spät. Auch etwas später kommt eine Polizeistreife an, von der Rauchwolke alarmiert. Die Feuerwehr kommt erst anderthalb Stunde später an. Die armen Leute mussten, nachdem sie doch alarmiert wurden, noch 80 Km hinfahren. Das Positive muss erwähnt werden: niemand wurde weder verbrannt noch verletzt, keine Drittperson hatte irgendeinen Schaden gelitten und wir haben fast das ganze Gepäck gerettet. Die Campingausrüstung, die wir "im Falle" mitgenommen hatten ist wirklich keinen grossen Verlust, und noch von der Versicherung gedeckt. Die Polizisten haben unsere Freunde in Bariloche per Radio informieren lassen und bleiben mit uns bis deren Ankunft. Herzlichen Dank den argentinischen Gendarmen und allen, die uns geholfen haben und abgereist sind, ohne sich überhaupt kennen zu lassen. Ein lokaler Journalist wird auch ein Foto des Wracks und unseren Dank in einer lokalen Zeitung veröffentlichen.


Wir sind fast ein Monat unterwegs gewesen, hatten etwa 9'000 Km gefahren und befanden uns etwa 2'500 Km von Ushuaia und etwa 2'000 Km von Santiago entfernt. Die Reise endete beim Kilometer 2091 der Ruta 40 norte in Argentinien. Schönes Wetter.

 

Freitag 3. Februar 2006   San Carlos de Bariloche

Bürokratie. Ich muss einen Polizeibericht erstellen lassen, dann beim chilenischen Konsulat vorbeigehen, um dieses Dokument zu beglaubigen, danach zu den Zollbehörden, um den Statut des eingeführten und nicht wieder ausgeführten Autos zu regeln. Der Generalkonsul von Chile begleitet mich, öffnet mich einige Türen und erlaubt mir, die administrativen Hürden ziemlich schnell auszuführen. Der Rest des Tages wird für die Suche einer Rückreisemöglichkeit zu finden. Kein Mietauto verfügbar, das nach Chile fahren darf (Versicherungen oder zu klein), die Kinder haben keine Lust, nach Hause zu fliegen und wir finden schliesslich eine Buspassage nach Osorno für den übernächsten Tag, mit dem Versprechen, dass wir von dort einen Anschluss nach Santiago haben würden. Wir wollen die Mannschaft zum Nachtessen einladen, Thomas hat aber in einem in der Nähe vom Steffensee so viel Fisch gefangen, dass wir mit ihnen Grillforellen essen werden. Schönes Wetter.


Samstag 4. Februar 2006   San Carlos de Bariloche

Wir müssen die Zeit vergehen lassen, bereiten das Gepäck für morgen vor. Wir probieren ein Inventar von den verbrannten Objekten zu erstellen. Schliesslich haben wir wenig verloren, im Vergleich dazu, was wir mitgenommen hatten. Schade: die Mützen aus dem Osterinsel und die 2 Video DVD der Reise. Schönes Wetter.

 

Sonntag 5. Februar 2006   San Carlos de Bariloche – Osorno – Santiago

Frühaufstehen, der Bus fährt um 7 Uhr morgens ab. Am Busbahnhof wird mir die Reservation von 4 Betten auf eine Anschlussfahrt von Osorno nach Santiago bestätigt. Ich muss nur eine Person auf sein Mobiltelefon anrufen. Ueber die Anden gibt es aber kein Telefonsignal und ich werde den Korrespondenten nie erreichen. In Osorno gibt es kein Strom und wir müssen bis 3 Uhr Nachmittags warten, um zu erfahren, dass die Plätze in der Tat reserviert waren, aber normale Sitze in einem normalen Nachtbus; und wir hätten den Bettpreis dafür bezahlen müssen. Zum Glück finde ich noch 4 "Halbbette" und wir können während der gleichen Nacht weiterfahren. Bedeckt in Chile.

 

Montag 7. Februar 2006   Santiago

Wir kommen gemäss Fahrplan um 8.30 Uhr in Santiago an und sind schon bei 9 Uhr zu Hause. Die Reise hat 31 Tage gedauert.