Dies ist auch eine Wiederherstellung des Aufenthaltes in Norwegen. Die wird nicht sehr lang sein, denn wir haben uns überhaupt dort nicht wohl gefühlt, weil wir das Land im voraus idealisiert hatten. Dies wird, hoffentlich, nicht mehr stattfinden.

 

Im Juli 1986 verlassen wir Prag und, über München (kurzer Besuch und Einkauf des Mobiliars), und die Schweiz, wo meine Verwandten Merja kennen lernen, fahren wir über Deutschland und Dänemark bis Skagen, nördlicher Punkt kontinentalen Europas, steigen wir in die Fähre Richtung Oslo. Ich habe Schiffsreisen nie gern gehabt, und die Fahrt auf die Skagerrak (oder war's die Kattegat ?), obwohl ganz ruhig, hat mich nicht vom Gegenteil überzeugt. Dann fahren wir im Oslofjord ein und, nach ein Paar Stunden, sehen wir die Holmenkollen Schanze, oberhalb Oslo. Wir verbringen einige Wochen in einem Mittelklassenhotel, während wir eine anständige Wohnung (dies wird zur Gewohnheit) suchen. Unweit vom Zentrum und vom Büro finden wir schliesslich eine herzige Wohnung, in einem von diesen typischen buntbemalten Holzhäusern.

 

Abgesehen vom Hafen, vom Rathaus und vom Vigeland Park empfinden wir, dass diese Stadt nicht viel bietet. Im Büro herrscht eisige Stimmung und Jean-Didier fühlt sich gar nicht willkommen; zuerst will man ihm wie seinen Vorgänger, Praktikant betrachten, der im Dienste aller Anderen da war und den man die Mittagspizzas holen schickte. Arbeit gibt es auch genug. Jean-Didier ist alleine in der Kanzlei und betreut eine Kolonie von etwa 1'500 Schweizern. Pass- und Zivilstandswesen, Militärpflichtersatz und die Berechnung der AHV-Beiträge, u.A. lassen ihm viele Überstunden verbringen. Hie und da gibt es einen kleinen Konsularfall, um von der Routine etwas abzuweichen. Nach einigen Monaten wird ein Praktikant zugeteilt. Armer Junger, der bei der Ankunft von der Kanzleivorsteherin in Händen genommen wird. Er soll dabei ihre Arbeitsweise erlernen. Mit einer neu angekommenen Sekretärin und den Stagiaire werden wir den schrecklichen Botschafter zu einen Minimum Respekt der Mitarbeiter führen.

 

Diese drei Jahre in Norwegen sind schwer. Wir treffen aber regelmässig die französisch sprechenden Schweizer von Oslo und Umgebung, mit welchen wir Spass und Freude haben. Und dann kommt Janne-Nicolas zur Welt. Unser Leben wechselt fast von einem Tag auf dem Anderen. Von nun an herrscht Routine: Windeln und Einkäufe, Waschen und rechtzeitige Mahlzeiten…

 

Besuche bekamen wir, insbesondere Merja's Bruder mit Familie, der gleichzeitig wie meine Schwester mit Schar ankam; wir waren ein Dutzend in der 80 m2 Wohnung, mit Kindern zwischen 1 und 10 Jahre !

 

Da wir uns nicht wohl fühlten, haben wir das Land kaum besucht. Wir hätten doch Bergen, Tromsø, die Lofoten, die Nordkapp und viele andere Orte sehen sollen. Auch, mit der Geburt von Janne-Nicolas war das Bankkonto nicht mehr so bestückt, wie es einst wurde und, als das Auto auf einer Autobahn von Deutschland die Seele zurückgab, musste ich einen sowohl am Kauf wie am Unterhalt billigen Wagen finden. So tauschte ich meinen Ford Capri gegen einen grossen (und alten) langsameren Volvo, der aber viel mehr Platz anbot, sowohl für Passagiere wie auch für das Gepäck.

 

Gerade hatten wir unser zweites Kind erzeugt als die Versetzungsmeldung nach Nord Afrika, Tunis eintraf. Wir bedauern viele Freunde verlassen zu müssen, aber weder das Land, noch die Botschaft, wo sich jedoch die Stimmung mit dem kurz vorher stattgefundenen Botschafterwechsel sehr positiv verändert hatte.