Mauretanien

Ausflug im Sahara

1997

en français

DANKE FUER DIE KORREKTUREN


Ich hätte fast – was ein Gedächtnis – den Ausflug, ja fast ein Abenteuer, nach Mauretanien vergessen.


Wir fahren zu zwei Familien ganz früh von Dakar ab, denn wir haben vor, noch tagsüber in Nouakchott anzukommen. Bis Saint-Louis geht alles reibungslos. Dort beschliessen wir, die Fähre von Rosso zu meiden und über den "Damm" weiterzufahren (die Fähre ist wie diejenige von Banjul. Man weiss, wenn sie da ist, aber nie wann sie abfahren wird). Also kommen wir zum Damm und zur Grenze an und, erster Zwischenfall, sagt man mir, dass einen meinen Reifen so was wie "pshshshshsh" macht. In der Tat muss ich schnell einen Rad abmontieren und zum nächsten Dorf hinbringen. Dort wird der Luftschlauch vom lokalen Mechaniker – mit welchem Werkzeug – geflickt ! Zurück zur Grenze, der mauretanische Beamte lässt uns verstehen, dass es Mittagszeit ist, aber dass er bereit ist, uns einen Gefallen zu machen falls… er von Jedem von uns einen T-Shirt erhält.


Wir fahren einige Kilometer der Piste entlang des Flusses Senegal und des Vogelreservates Djoudj und treffen die ersten Dromedaren, die in Senegal nicht existieren. Achtung, es sind sehr grosse Tiere, die absolut wild in der Nähe der Lagerplätze der mauretanischen Nomaden laufen.


Nächster Alarm. Wir treffen ein am Vortag abgereistes befreundetes Paar entlang der Piste. Der kleine Suzuki, mit welchem sie übrigens von Lagos nach Dakar gefahren hatten, steht entlang der Piste, mit offener Motorhaube. Ist es die Zündung, die Spule ? Jedenfalls hat das Auto keinen Strom mehr. Also holen wir dem Abschleppseil und bringen unsere Freunde zum nächsten Dorf – 3 bis 4 Stunden Fahrt. Dort verlassen wir unsere Gesellen bei einer Werkstatt (später erfahren wir, dass es sich einfach um die Abkopplung eines Kabels aus dem Zündschloss handelte).


Wir müssen nun schnell nach Nouakchott weiterfahren, es wurde  spät. Wir überqueren eine sehr schöne Rotsanddünenlandschaft, hier müssen wir wegen einer Polizeikontrolle, dort wegen einer Ziegenherde, und überall wegen der allgegenwärtigen Dromedaren anhalten und kommen bei der Dämmerung in Nouachott-Bad an.


Dort treffen wir die anderen Teilnehmer der Expedition, kaufen noch schnell etwas ein (was es gibt) und schleichen in den amerikanischen Klub – der einzige Ort dieses Landes in welchem wir ein kühles Bier geniessen dürfen – auch wenn es sich um ein "Budweis" handelt !! Und in einem in einer verlorenen Sandgasse von Nouakchott versteckten afrikanischen Kleinladen findet Merja authentischen importierten Kaffee von Kolumbien. Sie kauft sofort den ganzen Vorrat von 3 Paketen.


Nächsten Tages fahren wir VOR dem Sonnenaufgang ab. Wir werden ihn über die Dünen, die die Stadt umranden, bewundern. Die Strasse ist gerade vor den Autos (so was werden wir wieder einige Jahre später in Patagonien erleben). Dann fahren über Akjoujt und treffen die Piste. Geteerte Strassen werden wir in den nächsten Tagen nicht mehr sehen. Die Piste wird unterhalten und wir müssen die (kilometerlange) Baustelle meiden; dafür müssen wir in die Dünen hinfahren, ungewissen Spuren folgen, und den Kontakt mit den Baumaschinen zeitweise verlieren. Es ist doch beängstigend, daran zu denken, was geschehen würde, wenn wir im Sand stecken bleiben. Aber wir kommen wieder auf die Piste, auch wenn sie manchmal auf hunderte von Metern von Sand überdeckt ist. Und was sind überhaupt diese Gedanken, wir besitzen alle so genannten 4x4 und wir sind eine Karawane von 6 Autos.


Und plötzlich, in der Mitte des Nichts, taucht eine Tankstelle mit einem total surrealistischen Schild "Bienvenue" (Willkommen) auf. Einige von uns profitieren der Gelegenheit, um die Tanken zu füllen, denn wir wissen nicht, WO wir die nächste Möglichkeit finden werden. Die Treibstofffässer werden von einer etwas entfernten Reserve per Esel hergebracht.


Dann geht's in das mauretanische Adrarmassiv hinauf. Die Piste wird sogar zu (fast) Treppenstufen umgewandelt. Und wir werden diese Strecke auf die Rückfahrt hinunterfahren müssen!! Aber, auf dem Hochplateau angekommen, was wir für eine Landschaft sehen dürfen. Die Fernsehserie "Fort Saganne" wurde in diesem Gebiet gefilmt.


Gegen Ende Nachmittag treffen wir in Chinguetti, Ziel des Ausfluges ein, tief in der Sahara-Wüste. Aus den hohen Sanddünen sieht man nur Sanddünen, ein unendliches Meer von Sand.


Wir verbringen zwei Tage in der Oase, und überhaupt 2 Nächte. Um 22.00 wird der Stromgenerator ausgeschaltet und wir geniessen einen wolkenlosen, nebenlichtlosen Himmel. Fast am Zenit können wir den Hale Bopp Komet bewundern und wir probieren, Konstellationen und Sternen zu erkennen. Tagsüber besuchen wir die antike Bibliothek dieser Stadt, einst Hochburg des Islams, die Gärten der Oase, "schlitten" den Dünen hinunter und, selbstverständlich, vermissen nicht einen Reit… auf Dromedaren.


Auf der Rückfahrt halten wir schnell an, um Einige der zahlreichen Felsmalereien zu beobachten und, nach Atar – Kreuzung wo die Piste nach Marokko führt – halten wir in der Oase Terjit an. Ich bin etwas geärgert: nicht nur war ich den ganzen Tag am Steuern aber bei der Ankunft muss ich zuerst einen Rad wechseln und danach noch das ganze Gepäck zum Lager tragen. Aber welche Ruhe. Es liegt am Grund einer Felsenarena und das Wasser rinnt und fliesst der Klippe hinunter. Wir schlafen unter diesen typischen mauretanischen Zelten und schon wurden einige Sandtausendfüssler gesehen. Die Frauen schlafen unruhig.


Dann fängt die vorletzte Etappe an, und die Reifen fangen an zu platzen. Derjenige von uns, der auf dem Hinweg schon einen Reifen gerissen hatte hat wieder geplatzt. Und wir haben keinen entsprechenden Rad auszuleihen. Also wird eins der Wagen mit allen beschädigten Rädern geladen und der fährt bis nach Akjoujt. Wir werden nun etwa 5 Stunden warten, verloren in der Mitte des Nichts, sogar ohne irgendein Kind zu sehen, der ein Geschenk bettelt, bis unser Retter zurückkommt. Der selber war auch in Schwierigkeiten (2. Rad geplatzt) aber zum Glück gerade in der Stadt ankommend. Nun können wir weiterfahren und halten alle in Akjoujt an, um einen Austauschreifen für den gerissenen zu finden. Da realisieren wir, dass einer von uns seinen "Mutterschlüssel" auf die Wartestelle verloren hat. Er muss also etwas basteln lassen, damit er im Falle seinen Rad wieder entschrauben kann. Endlich fahren wir ab, aber sehr spät und wir treffen tief in der Nacht in Nouakchott ein.


Am nächsten Tag müssen wir rasch nach Dakar zurückfahren, denn Jean-Didier fliegt zwei Tage später in die Schweiz.