Nach Haiti werden wir also in Chile wohnen. Wir verlassen Port-au-Prince unter wahnsinniger Hitze und landen am nächsten Morgen in Santiago bei bissender Kälte, mitten im südlichen Winter.

Santiago mit ihren etwa 6 Millionen Einwohner liegt da, wo Pedro de Valdivia beschloss, eine Burg zu bauen. Am Fuss der Andenkette, von ca 5'500 MüS hohen Bergen umgeben, liegt die Stadt in einem sehr schlecht belüfteten Kesseltal. Luftverschmutzung ist also ein echtes, regelmässiges Problem. Trotz ziemlich drastischen aber nicht absolut befolgten Massnahmen leben die Santiager in einer besonders ungesunden Luft. Man sagt sogar, dass ein im Stadtzentrum verbrachte Tag entspricht das Rauchen zwei Paketen Zigaretten. Der Verkehr ist furchtbar, besonders wegen der unzähligen Bussen, die sich wiederholen um sofort danach anzuhalten. Drei Metrolinien überqueren die Stadt. Kurz vor unserer Abfahrt wurde eine vierte Linie im Betrieb genommen und ein neuer Verkehrskonzept eingeführt. Dieser Plan entnahm mehr als 6'000 Busse aus dem Verkehr und gründete echtes Chaos, da diese Busse dem Massentransport absolut nötig waren.

Das Schuljahr ist nach den Jahreszeiten verschoben, und die Kinder müssen das letzte Quartal des Schuljahres, das sie eben abgeschlossen haben, wiederholen. Der Grosse ist wütend, die Kleine passt sich an. Nach einige Wochen Aufenthalt in einem Hotel ziehen wir in eine Villa ein, die praktisch neben der Schule liegt. Es gibt nur Erdgeschoss, wir haben die Beben nicht besonders gerne... und je höher, desto stärker bebt es. O Freude, es gibt Energie 24/24, 7/7 und Internet wird als Hochgeschwindigkeit ADSL angeboten.

Wir besuchen schnell die absoluten Musts des Landes: Portillo - wo die europäischen Schimannschaften im Sommer trainieren – unweit der Aconcagua, höchste Spitze der Anden, Valparaiso – der letzte Hafen – und Viña del Mar, DAS momentane Mode Resort. Wir kaufen einen grossen, roten (ein altes Traum Merjas) amerikanischen 4x4.

Jean-Didier wird schnell sehr beschäftigt. Mit mehr als 4'000 Schweizern gibt die Kolonie zu tun. Es gibt in Santiago einen Schweizerklub und eine Schweizer Schule. Nachbar, führen sie sehr schlechte Beziehungen als wir ankommen. Zudem gibt es in der Schule schwierige Führungsprobleme. Jean-Didier ist der "Vertreter des Bundes" im Verwaltungsrat und er kann diese Probleme von Innen erleben. Nach einigen Wechseln in der Direktion wie auch im Verwaltungsrat werden die Schwierigkeiten gelöst und das Verhältnis Klub-Schule auch besser werden. Nach etwa einem Jahr wird der Missionschef versetzt und sein Nachfolger wendet die Prinzipien des "new public management" an.


Der Konsularkorps ist sehr offen und sehr Aktiv, was Jean-Didier erlauben wird, viele nützliche Kontakte zu knüpfen. Bei ihrer Abreise wird auch die Ehefrau des Botschafters Merja in die Gruppe der Diplomatendamen einführen. Dieser Verband widmet sich der Wohltätigkeit und der Ausbildung der Frauen, die in diesem Land sehr vernachlässigt sind. Als Kassierin wird Merja auch viele interesante Kontakte haben.

Wir probieren, wie üblich, das eindrucksvolle Feriensaldo von Jean-Didier abzubauen. Die Versetzungsreise war "direkt", also ohne Urlaubsaufenthalt in der Schweiz. Demzufolge fliegen wir regelmässig während der Sommerferien (also im Januar) in die Schweiz und probieren das riesige neue Residenzland zu bereisen.


Ein erster Ausflug bringt uns Richtung Süden, entlang der Pazifikküste bis nach Temuco, von wo wir zum Fuss des zu dieser Zeit leicht aktiven Vulkans Llaima, danach zum vulkan Antuco fahren. Dort werden wir ein surrealistiches Schilift am Hang des aschenbedeckten Berges sehen.

Die zweite Reise bringt uns gegen Norden. Knappe 500 Km der Hauptstadt besuchen wir La Serena und das Elquital. Dort wird der chilenische Pisco gebrannt. Alte Rivalität zwischen Peru und Chile, der Pisco ist ein sehr junger Branntwein aus Muskattraube. Die Reben wachsen am Boden eines Tales, der sonst absolut leblos ist. Die dürren Hänge der Berge ist eindrucksvoll. In diesem Gebiet besuchen wir auch die südliche europäische Sternwarte La Silla. Dort lässt uns ein Schweizer Astronom SEIN Teleskop bewundern, mit welchem die ersten Exoplaneten entdeckt wurden (besucht
www.eso.org).

Im Juli geniessen die Kinder zwei Wochen Ferien. Wir probieren uns von der Winterkälte zu entfernen und buchen eine interessante Reise nach Mexiko, wo wir Ruinen und Strand kombinieren. Dort treffen wir die im Yucatan emigrierten Jean-Yves und Jolanda.

Selbstverständlich kann man nicht in Chile leben, ohne zum Osterinsel zu reisen. Eindrucksvoll ist dieser mitten im Pazifik (5 Flugstunden von Santiago entfernt) verlorene Stein. Wenn man aber nicht passionnierter Ethnologe oder Archäologe ist, genügt die "ordinäre" fünf-tägige Reise, um sich ein Bild der dort lebenden Zivilisation zu machen.

Wir fahren ein zweites Mal in den Süden, haben sogar die Idee, das Ende der Carretera Austral zu erreichen. Als wir endlich in Horonopiren eintreffen, fangen wir an, die dafür nötige Zeit und die für die ... Rückkehr nötige Zeit zu berechnen und ... fahren brav zurück. Wir besuchen dann Bariloche in Argentinien und fahren in aller Ruhe nach Santiago zurück.


Die Reise in den "weiten Süden" wird später stattfinden, wird auch etwas besser vorbereitet, wird dramatisch enden und bildet das Reisetagebuch, das auf eine andere Seite publiziert ist.

(Sehr gutes) Abitur abgeschlossen, Janne-Nicolas verlässt uns um in Finnland das Militärdienst zu absolvieren. Das Leben wird nicht mehr das Gleich sein. Mari-Caroline bleibt noch und gibt sich viel Mühe für die letzten Schuljahren, in Literatursektion. Sie ist genau so beschäftigt mit Ausflügen mit ihrer Kommilitoninen wie ihr Bruder es mit seinen Freunden war. Nach Ende des Militärdienstes schreibt sich Janne-Nicolas in der Fakultät der politischen Wissenschaften an der Universität Lausanne ein.

Herr Sohn fehlt und wir werden in diesem Jahr nur einen kurzen Ausflug nach Buenos Aires machen. Die Leute in Argentinien siehen doch spontaner aus als in Santiago.

Andere Zeiten, andere Sitten; bereits im Februar erfährt Jean-Didier über die im Oktober geplante Versetzung nach Abidjan. Er steigt an der Barrikade, denn die Versetzung sollte ein Monat vor den Abiturprüfungen von Mari-Caroline stattfinden. Ein Abkommen wird mit Bern getroffen und die Familie wird wieder getrennt. Jean-Didier wird im Oktober alleine in die Elfenbeinküste reisen und im Dezember nach Santiago zurückkommen, um an die Diplomfeierlichkeiten teilzunehmen.

Janne-Nicolas wird auch nach Chile reisen. Wir sind dann wieder einmal alle zusammen bei dem Fest und danach fangen wir an, unsere Haushalt zu packen. Drei Teile werden gemacht: unser Kleinkram kommt nach Abidjan, wo wir ein vom Bund vollmöbliertes Haus bewohnen werden, das Hauptteil vom Mobiliar wird in der Schweiz gelagert und wir müssen den Teil von Mari-Caroline trennen, denn sie hat eine ausgezeichnete Abitur abgeschlossen und träumt, im Jahre danach in der Sorbonne in Paris zu studieren.

In den letzten Tagen unseres Aufenthaltes in Chile machen wir noch eine letzte Reise in die Atacama-Wüste. In einer imponierenden Umgebung von Vulkanen fahren wir manchmal über 4'500 M. Höhe um den einen Bergsee oder die Tatio Geysers zu besuchen. Verpasster Ausflug: das Besteigen vom Vulkan Lascar.