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Die 7 Beicht-"B's" (III)

Wer kennt sie eigentlich noch, die berühmten "B's" für eine gute Beichte?




Beichten – aber wie?

Wer kennt sie noch, die „B's“ für eine gute Beichte?
Normalerweise sind 5 B's bekannt, doch ich habe sie um zwei wichtige B's ergänzt, die nämlich sonst gerne in Vergessenheit geraten: Das Beten und das Bedanken.

1. BETEN
Wer gut beichten will, wird alles im Gebet beginnen, denn Gott selbst will uns offenbaren, wo wir Umkehr und Versöhnung empfangen dürfen. 
"Kehre uns, Herr, dir zu, dann können wir uns zu dir bekehren." (Klgl 5,21) 

Wir bitten den Herrn um seinen Heiligen Geist und um wahre Erkenntnis, denn Gott ist es, der uns Heil und Umkehr schenken will. In Gottes Namen, im Heiligen Kreuzzeichen beginnen wir die konkreten Schritte zur Umkehr – wie sollte es auch sonst sinnvoll sein.

2. BESINNEN
Im Geist Gottes wird das Besinnen, das Nachdenken und Bewusst-werden der Sünde keine bloße "Psycho-Anlayse" und keine "skrupulöse Nabelschau", sondern eine echte Gewissenserforschung ohne Furcht und ohne beschönigende Ausredensuche.

Es ist der Geist Gottes, der uns "aufdecken" will, damit "ans Licht kommt", was geheilt und gewandelt werden soll. (vgl. Joh 16,8.9; 1Kor 4,5)

Eine kostbare Gewohnheit ist es, wo man TÄGLICH am Abend dem Herrn im kurzen Rückblick alles zu Füßen legt was man gefehlt hat und um Vergebung zu bitten. So kann man mit einem freien Herzen, in Dank und Lob, den Tag beschließen und eine echte Ruhe der Nacht finden.
Das kirchliche Nachtgebet - die Komplet - ist hier z.B. ein echter Schatz, der auch von den Laien wieder entdeckt werden will.

Wer die tägliche Umkehr einübt, dem wird es zunehmend leichter fallen, auch ein gutes Bekenntnis für die Beichte vorzubereiten, denn das Gewissen wird so geschult und echte Veränderung im Leben geschieht, wo man kontinuierlich der Gnade Raum gibt – nicht nur alle „heilige Zeiten einmal“.

Es gibt verschiedene Hilfen für die Gewissenserforschung, angefangen im Gotteslob über verschiedene, gute, geistliche Literatur und vor allem in der Heiligen Schrift. 
Je mehr man sich in das Wort Gottes vertieft, umso leichter wird es fallen, auch die Diskrepanzen im eigenen Leben zu Gottes Heiligkeit zu entdecken. Mit seiner Hilfe dürfen wir dann erkennen, was gerade jetzt am Wichtigsten ist und was der Herr in uns wandeln und heilen will. 
Dabei ist es besonders wichtig, dass wir nicht nach vielen Gründen und Begründungen suchen (zum Thema) sondern voll Vertrauen in Gottes Wahrheit unsere Wirklichkeit anschauen und erkennen.

3. BEREUEN
Ohne Reue gibt es keine Umkehr und keine Vergebung. 
Es geht bei der Reue jedoch nicht um einen frömmlerischen „Druck auf die Tränendrüse“ oder um eine skrupulöse Furcht, die sich selbst niedermacht. Echte Herzensreue ist eine Gabe des Heiligen Geistes (vgl. KKK 1433).

Es gibt bekanntlich verschiedene Formen der Reue. 
Die sogenannte „unvollkommene Reue“, die aus der Erkenntnis kommt, dass die Sünde etwas Schlechtes und Abscheuliches ist (für das man sich auch berechtigt schämt) und die vor allem aus der Furcht vor den Konsequenzen entspringt. Diese genügt für einen Anfang, um im Bußsakrament die Vergebung zu erbitten.

Die „vollkommene Reue“ entspringt der Liebe zu Gott und der Erkenntnis, dass jede Sünde gegen diese unendliche Liebe Gottes fehlt (vgl. z.B. Ps 51,6; Sir 17,24-26) und bewirkt Vergebung der lässlichen Sünden bzw. sogar schwerer Schuld wenn der feste Entschluss da ist, baldmöglichst das sakramentale Bekenntnis nachzuholen. (vgl. KKK 1452-1452)

4. BESSERN
Aus der Gewissenserforschung und der Reue ergibt sich selbstverständlich das Bemühen, sofort und letztlich dauerhaft die Sünde zu meiden und sich zu ändern. Daraus folgt dann ein echtes Mühen und der Vorsatz, sich zu Bessern - eben nicht nur, damit man sich besser fühlt - sondern weil Gott würdig ist und weil die Liebe uns antreibt, Gottes Liebe angemessen zu beantworten mit unserer neuen Treue, mit neuem, echtem Bemühen, der Liebe Gottes zu entsprechen ... (vgl. z.B. Jer 7,3)

Der Vorsatz sollte konkret sein und sich möglichst an dem orientieren, was als Erstes bekannt wird und an dem, was man am gewichtigsten einstuft. Es nützt meist nicht viel, wenn man sich vornimmt, „Alles wird jetzt anders“. Konkreter Vorsatz bedeutet z.B. dass man Gelegenheiten konsequent meidet, die zur Sünde führen, sei es Situationen, Medien, … oder eine Gewohnheit, die man durch eine andere Übung solange ersetzt, bis sich eine neue Gewohnheit bilden konnte, die gut ist. 
(Bewährt hat sich da z.B. gegen lieblose Kritiksucht – für jeden negative „Ausrutscher“ mindestens zwei positive, liebevolle oder respektvolle Bemerkungen gleich im Anschluss zur Kritik hinzu zu fügen. Da gewöhnt man sich schnell an eine gütigere Form der Worte!) 


5. BEKENNEN 
So vorbereitet wird es dann ein Bekenntnis ehrlichen Herzens werden, das wahrhaft um Vergebung, um Heilung und die Gnade der Erneuerung bitten und dies auch überreich empfangen kann. Es geht dann auch nicht um falsche Beschämungen (es gibt keine neuen Sünden unter der Sonne) und auch nicht um "Beichten mit Geschenkpapier und Schleifenband" (beschönigendes Geschwätz, das mehr begründet und erklärt, als bekennt), sondern dann wird das Bekennen ein echtes Benennen und in der Vergebung auch eine echte Befreiung. (z.B. Spr 28,13; Jak 5,16) 

„Beichten mit Geschenkpapier“ sieht etwa so aus: „Ich bete soooo viel und das, obwohl meine Familie mich dafür verachtet und ich so viele Opfer auf mich nehme … und dann bin ich halt manchmal etwas unandächtig gewesen.“ (Das ist dann schon fast eine kleine, private „Heiligsprechung“, die der Sünde eine hübschere Verpackung schenken soll) 
Oder es gibt z.B. das unvollständige Bekenntnis, das beschönigt und die wahre Schuld verbirgt. Das könnte etwa so lauten: „Ich habe einen alten, schmutzigen Strick gestohlen“ (und dabei lässt man weg, dass am Ende des Stricks eine Kuh angebunden war, die auch den Besitzer wechselte) 

Schwere Schuld MUSS benannt/bekannt werden, damit die Beichte gültig ist und um weiterhin Anteil an den anderen Sakramenten zu erhalten. (Vgl. KKK 1457) 
Lässliche Sünden zu beichten ist nicht zwingend nötig, jedoch eine kostbare Gabe, die uns überreiche Gnade schenkt. 
Wer würde sich jedoch der Hilfe Gottes ernsthaft entziehen oder sie gering achten, der einmal erkannt hat, wie kostbar die Gnadenwirkung der Sakramente ist, da sie uns aufs Tiefste mit Christus vereinen und aus ihm leben lassen, damit wir immer mehr werden, wozu wir berufen sind – heilige Zeugen der Herrlichkeit und Liebe Gottes, die ein lebendiges Lob seines Erbarmens sind. 

Eine kleine Anekdote mag uns nachdenklich stimmen: Ein Kind antwortete auf die Frage, ob es denn wisse, was lässliche Sünden sind: „Das sind Sünden, die man auch lassen kann.“ 





6. BUßE TUN 
An der vollkommenen Sühne Christi dürfen wir in einem kleinen Zeichen der eigenen Bußfertigkeit teilhaben am Erlösungswerk des Herrn und wie kostbar ist dann eine solche Buße! So gering sie sein mag, so wenig angemessen sie scheinen mag - sie wird im Erlöser immer unermessliche Kraft und Gnade mit sich bringen -nicht weil wir so Großes tun könnten, sondern weil Gott Großes tut! (vgl. z.B. Apg 3,19) 

Nachdem wir im Sakrament der Versöhnung im Blute Christi von aller Schuld gereinigt vor Gottes Angesicht treten dürfen, sind wir in ungeahnter Weise fähig, zu beten

Ein einziges Vaterunser im Stand der Gnade und noch völlig durchdrungen vom Glanz der vergebenden Liebe Gottes, die uns rein gewaschen hat, ist vollmächtiger und wirkungsvoller, als unzählige Opfer, Gebete und Bemühungen, die wir in unserer gebrochenen Natur jemals zustande bringen könnten. Es ist das „Gebet eines Heiligen im Blute Christi“! 

Mit tiefer Ehrfurcht und großer Freude dürfen wir die meist sehr gering wirkende Buße verrichten – die doch durch den Gnadenstrom und im Gehorsam eine Vollmacht und Wirksamkeit entfaltet, die wir aus uns niemals vergleichbar erreichen könnten. 

Ein Vaterunser z.B. als Buße – trägt hier den ganzen Glanz der göttlichen Gnade inmitten der Erlösungskraft Christi, so dass die Buße als eine der größten Kostbarkeiten unseres christlichen Wirkens angesehen werden kann.  

Wir bitten bei besonders schwierigen Anliegen immer unsere Patenkinder, dass sie doch nach der Beichte Gott in diesem Anliegen bestürmen sollen, da wir die Erfahrung gemacht habe, dass gerade in diesem Zustand kurz nach der Beichte die Fürbittkraft des Menschen besonders gewaltig ist – abgesehen davon, dass der Herr das Gebet der Kinder ohnehin gerne erhört! 

7. BEDANKEN 
Froher Dank aus tiefstem Herzen ist dann eine Selbstverständlichkeit, wo ein Mensch begreifen oder erahnen darf, was ihm im heiligen Sakrament der Buße geschenkt ist und wie groß Gottes Liebe und sein heilendes Erbarmen ist. (vgl. z.B. Kol 3,15) 

Aus diesem Dank wächst dann auch eine ganz neue Befähigung, am ewigen Dankopfer Christi - an der Heiligen Eucharistie teilzunehmen (Eucharistie = Dank)! 


Das Sakrament der Versöhnung und das Sakrament der Eucharistie sind unmittelbar und eng miteinander verbunden! 
An der Liebe zum Ersten und dem dankbaren, regelmäßigen Empfang wird sich maßgeblich die Fruchtbarkeit des Zweiten ablesen lassen. 

Wer das Bußsakrament hoch achtet und häufig empfängt, wird auch immer mehr fähig sein, die ganze Fülle der Gnade im Geheimnis der heiligsten Eucharistie zu empfangen und auch ins Leben hinein zu tragen. 

Frischen Mut und die Erfahrung der befreienden und heilenden Gabe Gottes im Sakrament der Versöhnung wünsche ich Ihnen von Herzen, 

Gottes Segen 
© Michaela Voss 

(Abkürzung: KKK = Katechismus der Katholischen Kirche) 

veröffentlicht auf Kath.Net am Palmsonntag 2012





"Wir bitten an Christi statt: 

Lasst euch mit Gott versöhnen!"

 

(2 Kor 5,20b)



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Beichten "Was soll das denn"?