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Beichten - Was soll das denn? (I+II)



Beichten – was soll das denn? (Teil I)

Wenn man heute zum Thema Beichte kommt, ist eine der ersten Fragen immer wieder: „Warum soll ich denn beichten? Was soll das eigentlich? Was bringt das denn? …“

Wenn wir mit Kindern Beichtvorbereitung (z.B. vor der Erstkommunion oder Firmung) machen durften, dann haben wir diese Stunden gerne mit einer kleinen praktischen Demonstration begonnen. Warum ist das Sakrament der Versöhnung so wertvoll und eine wichtige Voraussetzung, um die Sakramente Gottes würdig und fruchtbar zu empfangen?

Wir haben z.B. Gläser mit Schmutz, Erde, Öl und allerlei Dingen befüllt, die nicht sehr schön anzusehen waren und auch übel rochen. Die Ränder der Gläser wurden extra beschmutzt und beschmiert. Es sollte richtig eklig aussehen.
Zur Begrüßung wurde wie üblich nach Getränken gefragt und wir einigten uns auf ein Glas Wasser. Dann bekam jedes Kind ein solch präpariertes Glas vor die Nase und wir haben die Gläser mit frischem, klarem Wasser aus dem Krug gefüllt.
In den Gesichtern der Kids waren dann immer eine Mischung aus Ungläubigkeit, Belustigung, Entsetzen, Ekel und Frage … zu sehen.
Auf die Frage, ob sie das denn nicht trinken wollten, kam natürlich einstimmig empörte Verneinung und man sah ihnen an, dass sie sich ernsthaft fragten, ob wir nun völlig „durchgeknallt“ waren.

Die Auflösung kam natürlich sofort (und selbstverständlich auch genießbare Getränke).

Wir vergleichen unsere Seele, unser Herz mit einem Gefäß, das Gott wunderbar geschaffen hat und das eine bestimmte Aufnahmekapazität besitzt – wie eben ein solches Glas.

Unsere Seele, unser Herz ist wie ein Behältnis, das berufen ist, die kostbaren Gaben „des Wassers der Gnade“, des „Weins der Liebe und Freude“, oder die Fülle der köstlichen „Gaben des Heiligen Geistes“ zu tragen. (Spaßhalber sind hier die „Fruchtsaft-Sorten“ der verschiedensten „Früchte des Heiligen Geistes“ zu erwähnen J)
Wir sind also wertvolle Gefäße für die köstlichen, erfrischenden, lebensspendenden Geschenke Gottes in Wort und Gabe, die uns erfüllen dürften.
Davon können und dürfen wir nicht nur selbst kosten und leben, sondern wir sind von Jesus berufen, wie ein heiliger Kelch diese Gnade auch anderen Menschen anzubieten im lebendigen Zeugnis unseres Lebens.

Was passiert nun, wenn unsere Seele, unser Herz völlig „zu-gemüllt“ und „verschmutzt“ sind? Was geschieht, wenn wir erfüllt sind mit giftigem Zorn, Hass oder mit Neid, mit klebriger Missgunst und schmieriger Lüge, mit düsterer Lieblosigkeit oder stinkendem Egoismus und wenn das Innerste mit all den anderen üblen Sündengewohnheiten ausgefüllt ist, die überall kleben bleiben und je länger vorhanden, umso mehr eingetrocknet und festgepappt sind …?

Gottes Gabe ist und bleibt immer vollkommen, heilig, rein, klar … !

Wenn Gott uns dann (vor allem in den Sakramenten) mit all seinen wunderbaren Gnadengeschenken, ja mit seiner heiligsten Gegenwart erfüllen will, aber das Herz voller Sünde und voller anhaftender Sündengewohnheiten ist, … dann wird es schwierig, das wirklich zu genießen, was dann da an „Mischungen“ übrig bleibt – geschweige denn, dass man das dann jemand Anderen anbieten könnte.

Was macht den Glauben denn oft so unglaubwürdig und für die Leute „ungenießbar“?

Ist es nicht oft gerade diese „Mischung“ von Bosheit und offensichtlicher Sünde ohne Reue und Umkehr, die uns den Namen Gottes in den Schmutz ziehen lässt, so dass die Leute sagen: „Schau sie doch an, die Christen! Die haben doch auch nichts anderes, als wir! … Widerlich! Abstoßend! …“

Gottes kostbare, heilige Gabe in den Sakramenten, die Gabe des Heiligen Geistes, … all das ist würdig, ein reines, heiliges Gefäß vorzufinden – unser Herz – das in der Gnade der Erlösung geläutert und bereit ist, diese Fülle aufzunehmen.

Das ist also ein wichtiger Grund für eine regelmäßige, gut vorbereitete Beichte:
Wir brauchen ein reines Herzensgefäß, WEIL GOTT WÜRDIG IST! 
Das ist das Erste! Nicht zuerst der Gedanke, was es uns „bringt“, sondern weil Gott würdig ist und wir darum IHM alles bringen!

Dann werden wir auch von der „Fülle der Gnade“ leben können, die uns immer neu eingegossen wird und auch anderen Menschen in Wort und Zeugnis davon anbieten.


Dann bekommt jedes Kind von uns im Laufe der Katechesen auch einen schönen, geschliffenen Glaskristall. 
Wenn man sie beleuchtet, strahlen die Kristalle in allen Regenbogenfarben und werfen das ganze Spektrum des Lichtes in seinen bunten Farben in den Raum.

Es ist dann unser „geheimes Symbol“ für ein reines Herz, das man sich im eigenen Zimmer in die Gebetsecke legt und es soll daran erinnern, häufig das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.
Die Motivation dazu? Der Kristall erzählt uns von einem Geheimnis der Liebe Gottes im Sakrament.

Wenn die Strahlen der Gnade auf ein „kristallklares“, reines Herz treffen, dann werden sie in das Leben des Menschen und ins Leben der ganzen Welt hinausstrahlen.

An den Heiligen erklären wir gerne die verschiedenen „Farben“ des „Gnaden-Lichtspektrums“, denn die Heiligen Gottes haben in ihrem Leben etwas von Gottes ewigem Licht und seiner Liebe in diese Welt hinein gestrahlt. Eine selige Mutter Teresa von Kalkutta beispielsweise spiegelt „satte Lichtstrahlen der Liebe und des Erbarmens Gottes“ in diese Welt, während ein heiliger Franziskus den Glanz der Armut in all ihrem innersten Reichtum und eine andere Farbe der Liebe aufblitzen lässt. … Ein solches Strahlen – getroffen vom Licht Gottes – ist möglich, wo ein Mensch klar und für Gottes Gnade transparent geworden ist und sich auch im täglichen Bemühen „schleifen“ lässt.

Die stets neue Umkehr zu Gott ist wie ein weiterer, kostbarer „Facettenschliff“, der unserem Herzen hinzugefügt wird.
Je mehr Gott die Mitte unseres Lebens ist, je öfter die häufige hl. Beichte uns diesen „sternförmigen Brillantschliff“ schenkt, werden wir umso mehr das Strahlen der Gnade Gottes verbreiten können.

Heilige sind die „Brillanten“ Gottes.
Heilige sind keine Menschen, die ohne Fehler und Sünden sind.
Heilige sind Menschen, die wissen, dass sie Sünder sind, die sogar sehr achtsam ihre Sünden erkennen – die aber damit immer neu, vertrauensvoll und ausdauernd zum Erlöser kommen, um in der Vergebung des Sakramentes eine neue „Facette“ im kostbaren „Schliff der Gnade“ zu erhalten.

Darum sind sie dann auch strahlende Zeugen der Liebe Gottes – selbst wenn sie nicht viel tun könnten. Es genügt dann, dass Gottes Gnade sie trifft – strahlen wird die Gnade in ihnen ganz von selbst.

Das ist nur „EIN“ Grund, warum das heilige Sakrament der Versöhnung so wichtig und kostbar ist.

Gott ist würdig, ein reines Gefäß für seine Gaben und für seine Liebe vorzufinden und er selbst will uns immer neu reinigen, „vergolden“ und bereiten, damit wir in Fülle und ungetrübt das „köstliche Wasser der Gnade“, den „kostbaren Wein der Liebe und Freude“ und die ganze „Flut der Gaben des Heiligen Geistes“ empfangen, tragen und weiterschenken können.

Jede Umkehr und jeder Empfang des heiligen Bußsakramentes ist ein weiterer „Brillantschliff“ für unser Leben und wird uns immer mehr zu kostbaren, strahlenden Zeugen Gottes gestalten, die von seiner Gnade angestrahlt aufleuchten werden in einer dunklen Welt und so von der Quelle des ewigen Lichtes Gottes künden.

Auf – lassen wir uns zu „Brillanten der Liebe Gottes“ schleifen – gehen wir häufig zum Beichten, damit die Welt wieder zu leuchten beginnt, in der Gnade Gottes, die uns durchdringen will!

Eine gesegnete, österliche Bußzeit!

© Michaela Voss






Beichten – was soll das denn? (Teil II)

„Ich weiß nicht, was ich beichten sollte. Sünde? Was ist denn schon eine Sünde? Gestohlen habe ich nicht, umgebracht habe ich auch niemand.“

Es gibt in unserer Zeit ein eigenartiges Verständnis von Sünde. 
Wenn wir Fehler bei anderen entdecken, dann sind sie für uns so offensichtlich. Besonders deutlich sieht man das, wenn es sich um öffentliche Personen handelt. Da werden wir schnell zu unglaublich mächtigen und gestrengen Richtern. 
Doch bei uns selbst – da erkennen wir kaum Schuld, denn wir wissen schließlich, dass es meist nur ein ungewollter Fehltritt war oder dass wir ja einen triftigen Grund vorweisen können. „Kommt ja mal vor! Ist doch bei Jedem so! Ist doch menschlich!“

Wir haben eine seltsame Neigung: Wenn es um uns geht, können wir immer alles irgendwie „begründen“ und „mildernde Umstände“ für uns finden.
Es waren dann immer - eine ungünstige Situation, eine verkorkste Familiengeschichte, die Erziehung, ein schlechte Erfahrung von Früher, ein sogenanntes Recht, eine Erziehungsnotwendigkeit (wo käme man sonst hin), eine sogenannte Schwäche, oder eine (pseudo-)psychologische Begründung.

Am liebsten ist uns immer noch die Ausrede, dass es doch „menschlich“ sei.

Abgesehen davon, dass wahre „Menschlichkeit“ nicht primär durch Fehlerhaftigkeit definiert ist, sondern nach biblischem Verständnis sogar ursprünglich das Vollkommenheitsideal in der Ebenbildlichkeit Gottes versteht, ist es doch so, dass sich viele Leute schwer tun, wenn es darum geht um Vergebung zu bitten.

Wir BE-GRÜNDEN unsere Sünden allzu gerne. 
Dies ist auch der erste Grund, warum wir sie zu wenig BE-REUEN können. Daraus folgt dann, dass wir auch kaum ehrlich BE-KENNEN, um Vergebung bitten und echte Vergebung empfangen.

Was ich be-gründen kann, das bekommt einen Grund, ein Fundament, einen gleichsam festzementieren Boden. Das ist aber in Bezug auf die Sünde nicht sehr konstruktiv. Man "zementiert" gleichsam eine "Berechtigung" mit dem "gutem Grund", den man da sucht und das hindert echte Umkehr.

Um bei diesem Bild zu bleiben: Dabei spielt es dann auch keine Rolle mehr, welche Sorte "Ausreden-Zement" wir dafür benutzen. Wie immer wir es „begründen“ - es wird zum "Fundament der Sünde" und wenn das erst einmal "ausgehärtet" ist, dann wird die Beseitigung oft sehr schwierig. Wie schief sind dann die „Lebenshäuser“, die auf solchem Boden aufgebaut werden?

Unser vermeintliches "Recht und der triftige Grund" hindern uns, Gottes Erbarmen die wahre und einzige "Gerechtigkeit" zu empfangen und uns schenken zu lassen!

Gott dagegen ermutigt uns immer neu, der Wahrheit ins Auge zu schauen - ihm ins heiligste Angesicht zu schauen!

In den Geboten Gottes und im Blick auf ihn dürfen wir ohne falsche Scham und ohne Angst echte Umkehr suchen. Wir dürfen in Reue und Vertrauen bekennen, wo wir gefehlt haben. Er will uns in seiner Liebe sein vergebendes Erbarmen schenken.

Wie ernst es Gott damit ist, wie groß seine Barmherzigkeit ist, … sehen wir im geöffneten Herzen des Erlösers! 
„Mein Jesus Barmherzigkeit!“ – das ist die große Antwort, die wir geben dürfen, die Gott ersehnt und die uns in den Gnadenstrom der Erlösung stellt.

Wie oft ruft Gott den Menschen in der Heiligen Schrift zur Umkehr und bietet dem ehrlichen Bekenntnis seine ganze Gnadenfülle an?

„Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor meinen Augen Böses zu tun! Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle.“ (Jes 1,16.18)

„Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden“ (Apg 3,19)

„Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben.“ ( Ps 32,5)

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1Joh 1,9)


Warum also nach fadenscheinigen Begründungen für unsere Fehler suchen, wenn wir doch im Bekenntnis die Kraft der Gnade erfahren dürfen, die uns dann auch hilft, unsere Fehlhaltungen zu überwinden.
Was wir rechtfertigen können, wird uns wohl oder übel bleiben! 
Was erst einmal eine Berechtigung in unserem Leben hat, das ist dann auch schwerer zu ändern.
Wenn wir dagegen bekennen und um die Erlösungsgnade bitten, dürfen wir die verwandelnde Kraft Gottes erfahren, die uns hilft, das zu überwinden, wofür unsere eigene Kraft kaum ausreicht.

Es ist nicht so, dass Gott unser Bekenntnis braucht – er weiß ja schon alles! Aber wir brauchen dies! 
Wir benötigen die reuevolle Einsicht, den Mut zur Wahrheit und den Willen zur Umkehr und Veränderung, die sich im ehrlichen Bekenntnis und der Bitte um Vergebung manifestieren, damit wir fähig werden, die Veränderung und Hilfe zu empfangen!

In den heiligen Sakramenten ist die unüberbietbare Wirksamkeit der Gnade Gottes geschenkt und wie seltsam wäre es, wenn wir dies nicht empfangen wollten. Für die Ablehnung der Liebe und Gnade Gottes gibt es keine schlüssige oder sinnvolle Begründung!

Was ist das größte Geschenk, das wir Gott machen können?

Wenn wir diese Frage stellen, kommen immer die verschiedensten Antworten. Von Gebet, guten Werken, Glaube, Liebe, … bis hin zur Hingabe des eigenen Lebens für Gott reichen die Ideen.

All das sind jedoch „Geschenke“, die wir zuerst von Gott empfangen haben und die wir lediglich „zurück schenken“ können.
Das Einzige, das wirklich allein uns gehört, das nicht von Gott geschenkt ist und das er unbedingt von uns haben möchte – ist: UNSERE SÜNDE, die wir voll Reue bekennen und uns vergeben lassen wollen!

Alles hat Gott getan, um diesen Tausch zu ermöglichen: Unsere Reue und unser Bekenntnis – und dafür die Fülle der Gnade und Heil in der Erlösung!

Um uns von unserer Schuld zu befreien – ist Gott in Jesus Christus Mensch geworden, hat er sich uns offenbart, hat zu uns gesprochen, ist den Weg des Erlöserleidens gegangen, ist auferstanden und zum Vater zurück gekehrt, hat uns den Heiligen Geist gesandt …!

Was ist die Sehnsucht und die Bitte Gottes an uns, was will er, was allein in unserer Macht liegt? Was ist das Vermächtnis Jesu an uns, das größte Geheimnis der Liebe Gottes? Jesus selbst gibt uns die Antwort, wenn er sagt: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,28)

Die Sünde will Gott vergeben, damit wir wieder eins sind mit ihm und geheilt.

Das Bekenntnis unserer Schuld in echter Reue, ohne ängstliche Beschönigung oder Ausreden, ohne an unsinnigen Begründungen und Berechtigungen festzuhalten, … das ist es, was wir Gott darbringen dürfen, damit das Erlösungsopfer Christi (für den einzelnen Menschen) nicht umsonst gewesen ist.

Jesus wäre umsonst Mensch geworden, hätte umsonst gelitten, wäre umsonst gestorben, wäre umsonst auferstanden, umsonst … alles wäre verloren und unfruchtbar für den Menschen, der sich bekennen will und damit die Erlösung nicht als Notwendigkeit anerkennen will.

Wo wir behaupten, dass wir keine Erlösung brauchen – da kann sie auch nicht wirksam werden!
Wo wir jedoch voll Vertrauen und Ehrlichkeit der Wahrheit ins göttliche Angesicht schauen und bekennen, statt begründen … dort werden wir die Fülle der Erlösung und Gnade finden.

“Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.“ (1 Joh 1,7-10)

„Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2Kor 5,21)

„Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.“ (Kol 1,14) 


„Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20)

© Michaela Voss







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