8 Der Handaufleger

1979 war ich Oberarzt für Anästhesie an einem Süddeutschen Krankenhaus. 

In der Intensivstation litt ein frisch operierter Patient an unstillbaren Blutungen. Alle chirurgischen und intensivedizinischen Maßnahmen waren und blieben ohne Erfolg. Ratlos stand ich neben seinem Bett. Die Chirurgen waren mit Notfällen beschäftigt, meine Mitarbeiter waren nach und nach verschwunden. Niemand wollte mit dem erwarteten Ableben des Patienten in Verbindung gebracht werden. 
Plötzlich musste ich an Rasputin denken. Er war ein Russischer Theologiestudent, der nie zum Priester geweiht wurde, weil er sich die wichtigsten Gebete nicht merken konnte. Er war ein Säufer und Herumtreiber, aber auch ein begnadeter Handaufleger. Er konnte bei einem Sohn des damaligen Zaren dessen Bluterkrankheit durch Handauflegen beeinflussen. 
Ich musste trotz der bedrohlichen Situation innerlich grinsen: Ich war zwar schon lange approbierter Arzt, aber ich konnte mir die „wichtigen“ medizinischen Abkürzungen nicht merken. (Andere Gemeinsamkeiten mit Rasputin überlasse ich der Phantasie des Lesers.)
Ich dachte bei mir: „wenn doch, was immer den alten Rasputin befähigt hat, auch mich befähigen könnte!“ 
Und plötzlich, ich hatte absichtslos die Hände über den Patienten gehalten, schien es mir, als ob irgend etwas meine Hände führte. Und die Blutungen bei dem Patienten hörten auf, das Gerinnungssystem erholte sich allmählich. 
Ich war sehr dankbar dafür. Und: ich besann mich erst nach weiteren zwei Jahrzehnten zurück auf diese Behandlungsweise. 
Das kam so: in einem Hypnosekurs wurde über „Mesmerismus“ gesprochen. Ich konnte eigentlich nichts wesentliches darüber sagen. Ich versuchte, an einem Kursteilnehmer zu demonstrieren, wie eine „Mesmerische Behandlung“, so wie ich darüber gelesen hatte, vor sich geht. Und mein Kollege, ein erfahrener, praktizierender Arzt war begeistert: Er streckte sich mehrere male durch und erzählte von chronischen Blockierungen seiner Lendenwirbelsäule. Er habe alle möglichen Behandlungen versucht, nichts habe geholfen. Er habe unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen gelitten. Das sei jetzt alles schlagartig weg. Andere Kursteilnehmer meinten, es handele sich hier um ein abgekartetes Spiel. Ich kann es ihnen nicht verdenken. 
In der Folge hatte ich immer wieder einmal Gelegenheit, bei meinen Kursteilnehmern Schmerzen oder Empfindungsstörungen nach Unfällen oder Operationen zu behandeln. „BEHANDELN“ im wahrsten Sinne des Wortes. 
Ich informierte mich und bekam auch Ausbildungen in Mesmerismus, Magnetopathie, Reiki und anderen Formen des Handauflegens. 

Ich entwickelte mit der Zeit meine eigene Methode und auch meine eigene Theorie.
Mit meiner Methode behandle ich gerne bei chronischen Schmerzzuständen, bei chronischen Verspannungen, bei Sensibilitätstörungen aller Art. Und ich gebe die Methode auch gerne weiter. 

Wie soll ich „meine“ Methode nennen? 
Ich nenne sie „Mesmerismus“, weil ich, wie Franz-Anton Mesmer nicht nur Arzt, sondern auch Musiker bin. Und vor allem, weil ich, wie Mesmer, immer wieder bemerke, dass etwas wirkt, aber wie auch er keine Ahnung habe, was und wie dabei wirkt. 

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