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R.G.T.-Eisenbahn

P. Regell schreibt 1905 in seinem Reiseführer "Land und Leute - Das Riesen- und Isergebirge" über die Reichenberg-Gablonz-Tannwalder Eisenbahn (RGTE): "Der Isergebirgsgau ist seit wenigen Jahren durch einen Schienenweg, der sich bei Grüntal an die preußische Gebirgsbahn anschließt, mit dem Riesengebirge und Hirschberger Tal verbunden. Die Eisenbahnfahrt bis an die preußische Grenze überrascht durch den reichen Wechsel der landschaftlichen Szenerie. Die Landschaft, die wir in raschem Fluge durcheilen, kann sich an Lieblichkeit mit den schönsten Teilen Thüringens wohl messen, übertrifft sie aber bei weitem an Großartigkeit der Ausblicke, namentlich des Hintergrundes, den bald der Jeschken, bald das Isergebirge, bald die Schneekoppe oder andere Teile des Riesengebirges je nach der Fahrtrichtung bilden. Auch die Anlage der Bahnstrecke, die mit der Annäherung an die preußische Grenze aus der Abhäsions- in die Zahnradbahn übergeht, ist höchst interessant. Bald läuft sie hurtig auf eines Bergrückens empor, dann überschreitet sie die klaffende Tiefe eines Flußlaufes auf kühnem Viadukt und bohrt sich in mehreren Tunnels einen Weg durch die Felsenbrust der Berge. So scheint sie der Schwierigkeiten des Geländes zu spotten und seine Schönheiten erst recht zu erschließen. Malerische Felspartien, plätschernde Bäche, tiefschattender Fichtenwald oder von tausend glitzernden Lichtern umspieltes Laubholz, in mit Häusern übersäten Tälern blicken wir in finstre Waldschluchten oder auf lichte, von Kirchen und Kapellen gekrön
ten Höhen.
Nach lohnender in landschaftlicher Beziehung ist für den Fußgänger eine Wanderung durch das Mittelgebirge, von Reichenberg aus etwa über Friedrichswald, Johannesberg, Karlsberg, Maxdorf, Albrechtsdorf, Unter- und Oberpolaun bis Grüntal oder Strickerhäuser bei Neuwelt (Abb. 31), von wo er entweder direkt durch das Mummeltal zum Riesengebirgskamm aufsteigt oder mit der Schreiberhauer Bahn das Hirschberger Tal aufsucht."

Abbildung links: Bahnhof Tanvald, 2011, Andreas Jüttemann
Abbildung rechs: Blick aus dem Zugfenster bei Morchenstern, 2011


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