IPE-Treff April 6.4.2016

veröffentlicht um 07.04.2016, 07:54 von Rainer Höflacher
Anwesend: BS, KG, FG, AW, A?, RH

Wir haben gemeinsam den Film "Nicht alles schlucken" angeschaut. BS hat die DVD dankenswerter Weise mitgebracht.

Inhalt: In einem sonst leeren Raum sitzen Menschen auf Stühlen und berichten von ihren Erfahrungen mit den Psychiatrie - hauptsächlich über Psychopharmaka und Zwangsmaßnahmen. Der Film erzeugte eine sehr dicht Atmosphäre durch seine Langsamkeit. Die Menschen haben Zeit ihre Gedanken zu finden und diese zu formulieren. Ernsthaftigkeit liegt in der Luft - selten wird gelacht. Es ist den Machern des Films gelungen sehr interessante Menschen in diesem Raum zu versammeln. Seien es die Psychiatrieerfahrenen, aber auch die Angehörigen, Ärzte und das Pflegepersonal schenken einem Blicke in ihr Inneres, das man sonst selten in dieser Weise vermittelt bekommt. Leider fehlte uns dann die Zeit die Stimmung, die dieser Film aufbaute, weiter nachzufühlen. Wir konnten nur noch ganz kurz über den Film sprechen.

Hier ein paar Gedanken des Gruppengesprächs anschließend:

  • Der Film betont zu sehr die Nachteile, die man/frau durch die Medikamenteneinnahme hat. Es ist auch möglich mit Psychopharmaka eine gutes Leben zu führen.
  • Wer Medikamente nimmt ist nicht 100%ig. Die Medikamente reduzieren das Erleben. Es gehört viel Mut dazu den Zustand 100% anzustreben. Manchmal ist es klüger auf 70% zu leben, aber dadurch psychosefrei zu bleiben. Vor allem, wenn man/frau die Medikamente schon viele Jahre nimmt und man/frau gut eingestellt ist, kann es sein, dass die medikamentenbedingten Einschränkungen gar nicht mehr wahrnehmbar sind und nicht negativ empfunden werden. Man fühlt sich dann trotzdem komplett.
  • Es ist wichtig gut eingestellt zu sein. Es ist oft ein sehr langer (Leidens-)Weg, bis die richtigen Medikamente gefunden sind.
  • Es ist sinnvoll sich immer auf dem Weg zu betrachten, was die Dosierung der Medikamente anbelangt. Die Wirkung der Medikamente ändert sich über die Zeit und die notwendige Minimaldosis kann auch sinken.
  • Manche auch schwerer schizophren Erkrankte schaffen aus auch irgendwann ohne Medikamente zu leben. Das gibt es auch!
  • Es ist wichtig ganz, ganz langsam zu reduzieren, da sich das Gehirn langsam an den veränderten Dopaminpegel anpassen muss. Die Rezeptoren können sich nur langsam einpegeln, wenn sich die Dopaminblockade reduziert. und wieder mehr Dopamin am synaptischen Spalt aufgenommen wird. Wer Jahre die Medikamente genommen hat, muss auch bei der Reduktion in Jahren denken.
Alles in allem ein sehr schöner Abend bei der IPE
Comments