kreativ mit Ämtern

Hier finden sich Schreiben und Vorgehensweisen von Menschen, die sich wehren und emanzipiert verhalten.

Lügenstopp/Lügenboykott (unten), Formulare und die Methode "Anträge stellen",

hier konkret auf das Thema "Sexualfragebogen bei Schwangerschaften durch unbekannte Väter" >>


Hier ein Brief als Antwort auf Jobcenterpost als Beispiel, alles andere unten verlinkt.


Berlin, 01.12.2014

Sehr geehrtes maschinelles Anonymikum neutrum,

Danke dafür, dass Sie mich ertappt haben.

Das Ziel meiner 12-jährigen Vollzeittätigkeit als Altenpflegehelfer war nicht das Wohl der dort lebenden Menschen und ist es auch jetzt nicht, nachdem ich diese auf 450.-€- Basis wieder aufgenommen habe. Mein raffsüchtiges, gieriges Ziel war und ist - Money. Denn es besteht kein größeres Verbrechen auf Erden als keines zu haben.
Mit akribischer Scharfsinnigkeit haben Sie herausgefunden, dass ich zwei Jahre lang auf Kosten des ehrlichen Steuerzahlers - wie beispielsweise Herr Schwarz - als ehemaliger Leiter der Baustelle BER - ALG I einstreichen wollte.
Ich schäme mich, fühle mich durch Sie geläutert und werde mein Kreuz bis zum bitteren Ende tragen.
Deshalb frage ich mich, ob für meine so offensichtliche Niederträchtigkeit eine Sperrzeit von 180 Tagen nicht zu wenig ist.
Reuevoll schlage ich Ihnen vor, die Sperrzeit für die gesamte Zeit meines ALG-I-Anspruches auszudehnen und diese zukünftig von Ihnen eingesparten Gelder einem hohen Verantwortungsträger Ihres Amtes zur Verfügung zu stellen.

Im Übrigen hat meine Frau im persönlichen Posteingang ihres Computers eine Stelle für mich angeboten bekommen. (Ich gehe davon aus, dass diese für mich ist, weil meine Frau vorher solche Angebote nicht bekam.) Falls Ihr Computer sie nicht gespeichert haben sollte, möchte ich sie Ihnen nicht vorenthalten:




Sehr geehrte Damen und Herren,


kurzfristig sind folgende Jobangebote in Europa verfügbar:


Stelle: Begutachterr / Fotograf (m/w)

Kennnummer LHN-16617899


Wir sind ein führendes europäisches Unternehmen und sucht gerade aktive Angestellte zur Vervollständigung unseres Teams Europaweit

Ihre Tätigkeit wird sich auf das Photografieren von beschädigten Straßenschildern, Verkehrsschildern, Laternen und anderen sicherheits Anlagen beschränken und kann direkt in Ihrem Ort ausgeführt werden. Der Auftrag ist Eu weit zu vergeben und derzeit noch frei. Der Bewerber hat keine eigenen Ausgaben und muss keine technische Fähigkeiten haben. Die benötigte technische Ausstattung wird von uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch Rentner sind für diese Arbeit geeignet. Der Verdienst beträgt im Schnitt 20 Euro Brutto die Stunde.

Sie meistern Ihre Aufgaben, auch unter schwierigen und manchmal auch stressigen Abläufen, sind zuverlässig und verlässlich, dann sind das perfekte Bedingungen eine Bewerbung an uns zu schicken.

Sollten Sie an diesen Arbeitsstellen Interesse haben, so senden Sie uns ein kurzes Bewerbungsschreiben an johnnieb0@inorbit.com und Sie erhalten weitere Infos zugeschickt.

Hofmann AG

Da ich einfach nicht gern fotografiere, möchte ich bei Ihnen wegen des Grundgesetzparagraphen - seine Arbeit frei wählen zu können - um eine andere, nachhaltigere Arbeitsstelle nachfragen:

Flaschensammler im Akkord für mögliche 8,50 € die Stunde im Einzugsbereich Brüssel.
Anzutreten möglichst noch heute.

Schade, dass Sie wie unser Staat nur eine juristische Person sind. So bleibt mir nichts anderes übrig, als dieses Schreiben an einen Menschen von Fleisch und Blut zu schicken.
Allerdings weiß ich nicht, ob Sie durch diesen informiert werden und meinen Brief ausgehändigt bekommen.
Dieses, mein Reuebekenntnis, möchte ich deshalb auch öffentlich machen.

Entschuldigen Sie, ich habe noch etwas vergessen:
Der Mensch ist doch auf Erden, um zu lernen, nicht wahr? Aus diesem Grunde möchte ich mich bei Ihnen noch einmal herzlich bedanken für Ihre Lektionen im kontextualen Amtsdeutsch.
Allerdings möchte ich Sie auch auf ein hohes Risiko dieser Amtssprache auf meine Person hinweisen: Es besteht darin, an den Nebenwirkungen ernsthaft psychisch zu erkranken.
In Panik müssen Sie deshalb nicht verfallen. Als Insasse einer psychiatrischen Klinik würde ich mit einem Schlag aus dem Bezug fallen.
Dem Fortschritt der gesamten Menschheit wäre ich dennoch von hohem Nutzen. Ich würde mich für eine Testreihe der Wirkung von Psychopharmaka zur Verfügung stellen und könnte so der wirtschaftlichen Effizienz eines großen Konzerns dienen.

Am nachhaltigsten wäre es jedoch, wenn ich mich gleich meines Lebens entledige. Dann braucht zukünftig auch kein Unternehmen mehr für mich Gewinn schmälernde Lohnkosten zu zahlen.

MfG

Ihr würdeloser Klient
G. T.




Ps.
Trotzdem: Ich könnte mich selbst ohrfeigen. Habe ich doch vom ersten Absatz des Aufhebungsvertrages das juristische Verständnis des Wortes
einvernehmlich nicht nachgeschlagen. Einfach, weil der Arbeitgeber doch in jeden Falle die Kündigung des Arbeitsverhältnisses, unabhängig von der Einvernehmlichkeit erklärte.
Schade, wie schlaraffig hätte ich zwei Jahre lang wie die Made im Speck leben können.
So sind eben die Gesetze!
Aber halt. Das ist doch die Idee! Ich werde das Rentenamt bitten, mir zur beruflichen Rehabilitation ein Jurastudium zu ermöglichen. Genial.
Dann komme ich vielleicht doch noch mit dem Leben davon.
So wahr mir Gott helfe, werde ich dann weiterhin das Goldene Kalb anbeten.