Systemische Erkrankungen in der Familie

veröffentlicht um 22.09.2019, 02:12 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 04. Juli 2019 gab uns Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg,  zum vierten Mal einen Einblick in ihre Arbeit als Systemische Familienberaterin, diesmal unter dem Thema „Systemische Erkrankungen in der Familie“. Zu Beginn ihres Vortrags beschrieb sie, wie man sich die Familie aus systemischer Sicht vorstellen kann, nämlich als Mobile, auf das äußere Einflüsse wie ein Krieg oder die soziale Umwelt einwirken, das aber ebenso inneren Herausforderungen ausgesetzt ist, die aus dem Familiensystem selbst stammen. Solche Belastungen können sich in bestimmten Krankheitsbildern der Familienmitglieder niederschlagen. Wie ein roter Faden zog sich durch ihre Ausführungen die Aussage, dass die Entstehung von Krankheiten aus systemischer Sicht  auf das Verdrängen, Verleugnen und Verschweigen von - in der Regel - traumatischen Erlebnissen / Erfahrungen innerhalb einer  Ursprungsfamilie zurückzuführen ist. Einige Beispiele mögen diese Zusammenhänge, die mit dem Mittel der Familienaufstellung aufgedeckt werden, verdeutlichen.


Eine Mutter verschweigt ihrer erwachsenen Tochter, dass sie ein Zwillingspaar abgetrieben hat. Die Tochter trägt dies mit, nicht nur in Form von Neurodermitis und einem Burnt-out - Syndrom mit, sondern auch mit dem Gefühl, auf ihr eigenes Leben kein Recht zu haben.

Eine junge Frau hat ohne äußeren Grund Angst, vergewaltigt zu werden. Ihr Großvater hat verdrängt, dass er am Ende des Zweiten Weltkrieges Zeuge von Vergewaltigungen an (deutschen) Frauen geworden ist.

Menschen, die sich chronisch müde fühlen, assoziieren damit Schwere im Leben. Systemisch gedeutet, ist dieses Gefühl eine Annäherung an die Toten, die in jungen Jahren ihr Leben überschattet haben.

Kriege, heute eher Trennung und Scheidung mit den damit verbundenen Traumata, bedingen einen Verlust an väterlicher Kraft in der Familie. Dies wird, systemisch gesehen, als Ursache der inneren Leere gedeutet, unter der Suchtkranke leiden.


In allen diesen und anderen, hier nicht erwähnten Fällen erfolgt die zwischenmenschliche Übertragung auf nichtverbalem Wege.


Natürlich ist Kerstin Pausch auch auf Lösungsschritte eingegangen, die die Ordnung in der Familie wiederherstellen können und damit Heilung ermöglichen. Der erste Schritt ist immer das Gespräch um W-Fragen: Was ist wie / wann / wo passiert? Dies geschieht mit dem Ziel, Gefühle wahrzunehmen und zu versprachlichen. Besondere Bedeutung hat dies für den Fall, wenn hinter Leid und Schmerz das Resultat einer Opfer-Täter Beziehung  ist, z. B. bei sexuellem Missbrauch. Dann geht es darum, die beteiligten Menschen aus der Opfer-Täter-Rolle zu entlassen, um Heilung und Frieden zu schaffen. 


Die Homöopathie spielt bei der systemischen Familienberatung nur eine indirekte Rolle, insofern, als homöopathische Therapeuten eng mit Kerstin Pausch zusammenarbeiten. Ihre eigene therapeutische Arbeit gründet sich auf tiefe Spiritualität. In manchen Zuhörern, die an diesem warmen Sommerabend gekommen waren, werden ihre von der christlichen Botschaft hergeleiteten Gedanken zur Heilung nachgewirkt haben. 

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