Ganzheitliche Zahnheilkunde
Ganzheitliche Zahnheilkunde
Nach langer Zeit hatten wir wieder einen gern gesehenen Referenten bei uns zu Gast, Dr. med. Klaus Roman Hör, homöopathischer Arzt und Zahnarzt aus Waldmünchen. Sein Vortragsthema lautete: „An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch – Zahngesundheit aus ganzheitlicher Sicht“. Damit deutete er an, worum es ihm ging: Die Zähne sind integraler Bestandteil des Organsystems, so wie die Lungen oder der Darm. Man könnte es auch so ausdrücken: Zähne spiegeln etwas vom Menschen wider. Bereits bei der Zahnung im Kindesalter erleben wir, wie der gesamte Organismus von diesem Vorgang erfasst wird.
Zähne können im menschlichen Körper als Teil komplexer Regelkreise betrachtet werden, und zwar, wenn sie als Störgröße fungieren. Als Beispiel erwähnte Dr. Hör das lange verwendete Amalgam als Zahnfüllung. Davon ausgehend befasste er sich eingehender mit dem Herdgeschehen, d. h. der Tatsache, dass viele Erkrankungen ihren Ausgang von den Zähnen bzw. dem gesamten Mund-Kiefer-System nehmen.
Um dies zu verdeutlichen, erklärte er anhand einer Skizze den Aufbau eines Zahnes, u, a. den sog. Periodontalspalt. Dies ist der 0,1 mm bis 0,3 mm breite Raum zwischen der Zahnwurzel und dem knöchernen Zahnfach, über den der Zahn elastisch aufgehängt ist. Stirbt das lebende Gewebe im Innern der Wurzel, die Pulpa, kariesbedingt ab, so können Aasbakterien eindringen, die im schlimmsten Fall eine Abszessbildung im Knochen auslösen, d. h. einen Herd erzeugen. Dieser kann nur durch Entfernung der Pulpa mit nachfolgender Wurzelfüllung verhindert werden. Solch ein Herd kann auch ein entzündetes Zahnimplantat sein.
Das Ausmaß des Herdgeschehens verdeutlichte Dr. Hör anhand einer Skizze, die die Vielfalt an Erkrankungen zeigte, welche durch Zahnherde im Ober- und Unterkiefer hervorgerufen werden können. Gerade an den Organbeziehungen der einzelnen Zähne konkretisierte sich, was es heißt, der ganze Mensch hängt an jedem Zahn.
Regeltheoretisch betrachtet: Wird der Herd als Störfeld im Regelkreis eliminiert, arbeitet auch das gestörte Organ wieder. Hier kommt der Homöopathie eine bedeutende Rolle zu, denn diverse homöopathische Arzneien können das Herdgeschehen beeinflussen, oft in der Weise, dass nicht die Herderkrankung z. B. eine Kieferhöhlenentzündung, einer Behandlung zugänglich wird, sondern eine sekundäre, sozusagen verschobene Krankheit, z. B. eine Magenschleimhautentzündung. Im Falle verschiedener Folgeerkrankungen gilt die Regel, dass die jeweils schwerste homöopathisch behandelt wird.
Der Abend endete mit einer lebhaften Diskussion. Die Zuhörer erlebten einen mit profundem Wissen und menschlicher Ausstrahlung gehaltenen Vortrag, für den sie Dr. Hör mit lebhaftem Beifall dankten.