Verhaltenskodex für Hundehalter

Jeder Hundehalter sollte nötige Regeln einhalten, um dem Hund eine möglichst problemlose Eingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

 

Oberstes Ziel ist es, dem Hund so viele Freiheiten, wie möglich zu geben und ihn nur da einzuschränken, wo es sinnvoll und erforderlich ist.

 

Es ist ethisch verwerflich auf den Hund so stark Einfluss zu nehmen, dass er nicht mehr wie ein Hund leben kann. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob dies mit unverhältnismäßigen Lob oder Tadel geschieht. Hunde, die mit Gewalt zum “ Roboter“ gemacht wurden aber auch Hunde, deren Leben sich nur noch um Leckerchen oder Spielzeug dreht, wurden vom Menschen ihrer Natur beraubt.

 

Dieser Verhaltenskodex ist eine, gut überlegte, Aufstellung von Empfehlungen. Er hat das Ziel vom Hund ausgehende mögliche Gefahren zu reduzieren und das Ansehen von Hund und Halter in der Öffentlichkeit zu verbessern.

 

Die Verhaltensempfehlungen beziehen sich nur auf  die Eingliederung des Hundes in unsere Gesellschaft. Darüber hinaus sollte der Hundehalter natürlich unbedingt auch die von Erik Zimen in einem Workshop erarbeiteten “Rechte des Hundes“ beachten.

 

Verhaltenskodex für Hundehalter

 

1. Halten Sie sich an gesetzliche Bestimmungen.

 

Einige bestehende Gesetze können kritisiert werden, da diese Gesetze nicht geeignet sind, die Bevölkerung vor möglichen, von Hunden ausgehenden Gefahren zu schützen.
(Experten beschreiben beispielsweise eine mögliche Steigerung des Gefahrenpotentials, durch den generellen Leinenzwang.)
Andere Gesetze dienen wirklich dem Schutz des Hundes und der Bevölkerung und sind sinnvoll. Grundsätzlich können Gesetze geändert werden, müssen aber bis zum Zeitpunkt der Änderung eingehalten werden.

 

 

2. Erziehen Sie Ihren Hund vernünftig.

 

Der Hund hat ein Recht auf klare Regeln an denen er sich orientieren kann. Durch eine gute Erziehung schaffen Sie ihrem Hund notwendige Freiräume. An der Rückrufbarkeit des Hundes, einem Abbruchsignale und dem "bei Fuß" gehen (auch bei starkem Reiz) muss gearbeitet werden.

 

Fragwürdige Erziehungsmethoden, die dauerhaften körperlichen oder psychischen Druck auf den Hund ausüben sind abzulehnen.

 

Dauerhafter psychischer Druck kann auch entstehen, wenn durch falsches Training oder ungeeignete Beschäftigung eine Abhängigkeit zu Spielzeug, Leckerchen oder Ersatzbeute aufgebaut wird.

 

Notwendige Korrekturen (Strafe) sind innerhalb von ca. 2 Sekunden nach unerwünschtem Verhalten auszuführen und sollten kurz mit angemessener Intensität erfolgen.
Fragen Sie einen kompetenten Hundetrainer!

 

 

3. Beobachten Sie Ihren Hund und führen Sie ihn vorausschauend

 

Jeder Hund hat seinen individuellen Charakter und deshalb gibt es (wie Dr. Feddersen-Petersen richtig bemerkt) weder DEN Hund, noch DAS Hundeverhalten!

 

Der Hundehalter sollte bemüht sein, eine so starke Beziehung zu seinem Hund aufzubauen, dass er problematisches Verhalten rechtzeitig erkennen und unterbrechen kann.

 

Dies ist aber nur möglich, wenn der Halter sich mit seinem Hund intensiv beschäftigt und diesen vorausschauend führt.

 

Fachwissen hilft weiter, wenn es darum geht, den eigenen Hund zu verstehen. Durch häufige Beobachtung des Hundes sollten Verhaltensauffälligkeiten rechtzeitig erkannt und eventuell ein Arzt bzw. Hundetrainer aufgesucht werden.

 

 

4. Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine (oder lassen sie ihn sicher "bei Fuß" gehen), wenn ein anderer angeleinter (oder "bei Fuß" gehender) Hund Ihnen entgegen kommt.

 

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb der andere Hundehalter seinen Hund angeleint haben könnte. Krankheit, Verhaltensauffälligkeiten, Läufigkeit oder einfach nur individuelle Entscheidung des Halters.

 

Falls Sie den Hunden eine Kontaktaufnahme ermöglichen möchten, dann fragen Sie bitte erst den anderen Halter. Diskutieren Sie bitte nicht, wenn ihr Vorschlag abgelehnt wird. Der Hundeführer ist nicht verpflichtet sich zu rechtfertigen und auch kein Hundequäler, wenn er die Kontaktaufnahme nicht zulassen will.

 

 

5. Sichern Sie Ihren Hund, wenn es erforderlich ist.

 

Respektieren Sie, dass es Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben. Führen Sie Ihren Hund so, dass niemand vom Hund belästigt wird.
 

Anleinen signalisiert Sicherheit!

 Leinen Sie Ihren Hund immer an, wenn Gefahr besteht, dass er sich oder andere gefährden könnte.

 

Sichern Sie ihren Hund im Bedarfsfall mit einem Maulkorb, wenn sie vermuten, er wird andere Tiere oder Menschen verletzen.

Sprechen Sie mit einer kompetenten Hundeschule!

 

Der Hund sollte so trainiert werden, dass er entspannt an der Leine geht bzw. einen Maulkorb als normal empfindet. Nur so wird der Hund die eventuell notwendigen Sicherungen, nicht als massive Einschränkung empfinden.
 
Hunde, die dauerhaft durch eine Leine gesichert werden müssen, sollten die Möglichkeit bekommen regelmäßig an einer langen Schleppleine zu laufen und darüber hinaus (wenn möglich) auf einem gesondert gesicherten Gelände (Hundeplatz, Hundeschule) mit Artgenossen frei laufen können.
 
Achten Sie darauf, dass das Grundstück bzw. Gebäude in dem sich der Hund befindet ausreichende gesichert ist und dem Hund es nicht möglich ist, das Grundstück selbstständig zu verlassen.

 

 

6. Unterbinden Sie unerwünschtes Jagdverhalten

 

Das Jagen bzw. Hetzen von Mensch oder Tier sollte wirkungsvoll unterbunden werden.

Jagdspiele sollten sinnvoll gestaltet werden und dabei gleichzeitig an der Kontrolle des Hundes gearbeitet werden.

 

Bei manchen Bissverletzungen liegt vermutlich die Ursache im Jagen am falschen Objekt.

 

Wenden Sie sich an eine kompetente Hundeschule!

 

 

7. Kontrollieren Sie aggressives Verhalten

 

Aggression gehört zum Hund, wie zum Menschen! Aggressives Verhalten sollte deshalb nicht überbewertet aber auch nicht unterbewertet  werden.

 

Im Zweifelsfall sollte eine kompetente Hundeschule aufgesucht werden!

 

 

8. Untersagen Sie ihrem Hund das Anspringen bzw. die körperliche Kontaktaufnahme (beschnüffeln, anstupsen, Bedrängen) fremder Personen.

 

Ihr Hund sollte lernen, dass nicht jeder Mensch auf diese Weise "begrüßt" werden soll. Besonders kritisch ist das Anspringen zur Begrüßung bei Kindern.

 

Bedrängen eines Menschen oder Aufreiten beim Menschen sollte rechtzeitig ganz klar unterbunden werden.

 

 

9. Spielen Sie kontrolliert

 

Achten Sie darauf, dass ihr Hund beim gemeinsamen Spiel kein unerwünschtes Verhalten lernt und der Hund auch im Spiel unter Kontrolle bleibt.

 

 

10. Lassen Sie niemals Ihren Hund mit Kindern alleine.

 

Auch wenn Sie sicher sind, dass Hund und Kind miteinander vertraut sind und sehr gut miteinander umgehen, gibt es für die Kombination Hund-Kind keine Garantie.

 

An den meisten Angriffen von Hunden bei denen Kinder verletzt wurden, war der Hund ein dem Kind vertrautes Tier.

 

Kindliche Phantasie kann der Hund nicht deuten und reagiert, seinem Wesen entsprechend, wenn er von Kindern mit Gegenständen "bedroht" wird oder umarmt oder hochgehoben wird.

Schützen Sie bitte nicht nur Kinder vor dem Hund, sondern auch den Hund vor Kindern. Kinder bis zu einem bestimmten Alter sollten auch niemals mit einem Hund alleine spazieren gehen. Mal abgesehen davon, dass das Kind die Verantwortung nicht übernehmen kann, wird dann Ihre Haftpflichtversicherung unter Umständen einen Schaden nicht regulieren.

 

 

11. Beseitigen Sie Verschmutzungen Ihres Hundes bzw. unterbinden Sie das Verschmutzen.

 

Egal, ob Tütenspender und Mülleimer vorhanden sind oder nicht. Kot sollte beseitigt werden, wo Menschen damit in Kontakt kommen können.

Erstrebenswert wäre es, auch unabhängig von der Beseitigung, wenn Fußwege, Vorgärten oder Grünstreifen am Straßenrand nicht zur Toilette gemacht würden.

 

Ständiges Urinieren an  Häusern, Gegenstände wie Autos, Mülltonnen etc. sollte, wenn möglich, unterbunden werden.

Optimal wäre es, wenn der Hund an der kurzen Leine geführt wird, wenn das Urinieren nicht erlaubt ist und an der langen Leine und im Freilauf urinieren und markieren darf.

 

Für Einzelheiten fragen Sie eine kompetente Hundeschule!

 

 

12. Hunde sind so zu halten bzw. zu erziehen, dass niemand durch anhaltende tierische Laute (mehr als unvermeidbar) gestört wird.

 

Wenden Sie sich an eine kompetente Hundeschule oder suchen Sie eine geeignete Unterkunft für sich und Ihre Hunde.

 

 

13. Nehmen Sie Rücksicht und respektieren Sie Privatgrundstücke und landwirtschaftlich bestelltes Land.

 

Der Hund hat kein Recht darauf fremde Privatgrundstücke zu betreten oder Felder zu beschädigen.

 

 

14. Kontrollieren Sie Ihren Hund auch im Freilauf.

 

Achten Sie darauf, dass Ihr Hund in Sichtweite bleibt und notfalls auch schnell wieder abrufbar ist.

 

Lassen Sie Ihren Hund an unübersichtlichen Wegkreuzungen etc. warten, bis sie alles überblicken können. Drehen Sie sich gelegentlich um, damit sie eventuelle "Gefahren" (Jogger, Radfahrer, andere Hunde) rechtzeitig erkennen.

 
 

15. Achten Sie andere Hundehalter.

 

Locken, Füttern, Loben, Tadeln, streicheln oder Animieren Sie andere Hunde nicht, wenn der Halter dies nicht möchte.

Natürlich ist ein Eingreifen erforderlich, wenn der andere Hundehalter keinen Einfluss auf seinen Hund nehmen kann oder nehmen will und sie oder ihr Hund von seinem Hund belästigt oder bedroht werden.
 
 

16. Sollte Ihr Hund einen Schaden verursachen, dann verhalten Sie sich höflich und sorgen umgehend für die Regulierung des Schadens.

 

Achten Sie darauf, dass Sie eine ausreichende Tierhalterhaftpflichtversicherung besitzen. Geben sie dem Geschädigten unaufgefordert ihre Personalien. Der Hundehalter ist verantwortlich, auch wenn der Schaden unvermeidbar gewesen ist.

 
 
 

 

Abschließend ist zu sagen, dass Hund niemals gleich Hund ist und Mensch niemals gleich Mensch. Gehen Sie unbeirrt Ihrer Wege aber achten Sie auch darauf, dass andere Menschen durch Ihren Hund nicht beeinträchtigt werden. Respektieren Sie die Meinung anderer Menschen, auch wenn Sie genau wissen, dass das Denken und Verhalten ihres Gegenübers falsch ist. Nicht alle Hundehalter sind gut informiert, nicht alle Menschen sind im Umgang mit Hunden vertraut.