Welpen

Theoretisch sollte sich der Hundehalter vor dem Kauf eines Hundes das nötige Fachwissen aneignen, um beim Welpenkauf mit Bauch und Kopf entscheiden zu können.

Doch selbst mit sehr viel Fachwissen, kann der Hundekauf zu einer sehr emotionalen Angelegenheit werden.

Verständlich, denn von einem  Hundewelpen geht eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Das hat Mutter Natur wieder mal perfekt eingerichtet.
Leider ist ein Welpe schneller erwachsen, als ein Mensch und es gibt wenig Zeit, sich nach dem Kauf über die Entwicklung Gedanken zu machen.

Gute Informationsquellen vor dem Kauf eines Hundes:

  • Die DVD "Von der Hand in die Welt" kann Ihnen einen guten Einblick geben über Zucht und Entwicklung eines Hundes.
  • Die Bücher von Günther Bloch "Die Pizza-Hunde" und "Der Hund im Wolfspelz", um das Wesen des Hundes besser zu verstehen.
  • Jede gute Hundeschule
  • Jeder gute Züchter
  • Jedes gute Tierheim

Häufig steht der zukünftige Hundebesitzer, wenn er sich für eine Rasse entschieden hat, erst einmal vor der Herausforderung, einen guten Züchter zu finden.

Was macht einen guten Züchter aus?

Ein seriöser Züchter wird darauf achten, daß die Eigenarten und Bedürfnisse einer bestimmten Rasse zum zukünftigen Halter passt. Darüber hinaus kennt er seine Welpen und kann schon erste Charakterbeschreibungen geben, an denen sich der Käufer orientieren kann.

Vom Tag der Geburt an hat der Züchter die Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Hund "altagstauglich" werden kann. Er leistet die Arbeit, auf die der spätere Besitzer dann unbedingt aufbauen sollte.

Der Preis eines Hundes und das Aussehen sollten zweitrangig sein!
 
 
Die Entwicklung des Hundes im Überblick

Beim Züchter:

1. bis 14. Tag

Die neonatale Phase

Hundewelpen werden blind und taub geboren. Die Welpen pendeln mit dem Kopf hin und her und kriechen um die Mutter herum. Sie saugen, schlafen und verdauen. Das Ausscheiden funktioniert nur, wenn die Mutter Darm-, Blasenmuskulatur und Schließmuskel durch Lecken stimuliert.

Die Welpen können warm und kalt unterscheiden und spüren Schmerzen.

14. bis 21. Tag
Die Übergangsphase

Augen und Ohren (Ohren bereits gegen Ende der neonatalen Phase) öffnen sich.

Der Welpe hat mehr Möglichkeiten seine Umwelt wahrzunehmen. Die Verarbeitung der neuen Reize ist aber erst gegen Ende der dritten Lebenswoche gut möglich.

Der Welpe ist in der Lage selbstständig zu harnen und zu koten. Bewegungen werden koordinierter, der Welpe schläft weniger und es kommt zu ersten Interaktionen der Welpen untereinander.

Welpe verlässt gelegentlich die Mutter. Schreckreflex wird entwickelt und Fluchtverhalten ist erkennbar. Züchter sollten jetzt schon für notwendige Reize sorgen.

Die sensible Phase - prägungsähnliches Lernen:

Das Tier wird bis zur 8. Woche wesentliche Dinge über seinen Lebensraum lernen. Der richtige Zeitpunkt Treppen und andere Objekte in seiner Umwelt kennenzulernen. (Dies natürlich immer unter Berücksichtigung der Gesundheit des Welpen, damit später keine Gelenkprobleme auftreten.)

Der Hund wird an den Untergrund gewöhnt, wo er ausscheidet. Diese Vorliebe bleibt ein Leben lang bestehen. Ein wichtiger Punkt für die spätere Stubenreinheit. Ab der 4. Lebenswoche ist es gut, dem Welpen vermehrt Untergründe, wie Erde, Laub und Gras zum Lösen anzubieten.

In der 4.-5. Lebenswoche soll der Welpe auch ruhig leichten Stress ertragen und sollte viele unterschiedliche Umweltreize kennenlernen.

Das Abstillen beginnt ab der 5. Lebenswoche. Die Mutter unterbricht das Trinken oder die Milch wird weniger. Die Welpen sind frustriert und müssen lernen mit ihrem Frust umzugehen.

Der Züchter sollte den Welpen die Möglichkeit geben, den Umgang mit Frust zu erlernen. Es ist nicht erforderlich immer sofort den Futternapf zu füllen. Natürlich soll jeder Welpe ausreichend Essen bekommen aber soll auch die Möglichkeit bekommen zu erkennen, dass seine Bedürfnisse nicht immer sofort und umgehend gestillt werden.

Nützlich ist es, die Welpen mit der Fütterung auf eine Pfeife zu konditionieren, um dem späteren Besitzer damit eine erste sichere Möglichkeit zu geben, den Hund zu rufen.

Beim Gewöhnen an Artgenossen (6.-8. Lebenswoche) lernt der Hund nicht das Individuum, sondern einen Typ kennen. Diese Zeit beeinflusst entscheidend, wie der Hund auf welche Lebewesen reagiert. Hier sollte darauf geachtet werden, dass der Welpe Menschen kennenlernt aber auch viele andere Tierarten und Artgenossen. Es ist NICHT wichtig, dass der Welpe jetzt schon seinen späteren Besitzer kennenlernt.

Ab der 6. Lebenswoche beginnt die Fähigkeit Angst zu empfinden und die Neugier lässt nach.

 Dieses Angstempfinden ist sinnvoll, denn nun geht es für den Welpen darum auch die gefährlichen Dinge der Welt zu erkunden. Milder Stress ist auch hier förderlich für die Entwicklung, denn der Welpe soll jetzt lernen mit seiner Angst umzugehen.

Während der 6.-8. Lebenswoche sind Hunde stärker stressanfällig und ängstlicher. Dies spricht auch gegen eine Abgabe der Welpen in der 8. Lebenswoche. Dabei spielt die Trennung von den Wurfgeschwistern eine stärkere Rolle, als die Trennung von der Mutter.

Abhängig vom Lebensraum (Nahrungsangebot, Klima etc.) werden Hunde früher oder später geschlechtsreif. Eine anspruchsvollere Umwelt führt zur späteren Geschlechtsreife.

Grundsätzliches:
  • Welpen sollten in den ersten Lebenswochen (beim Züchter) Rückzugsmöglichkeiten haben und gleichbleibende Umweltstrukturen vorfinden, was Sicherheitsgefühl vermittelt.
  • Die Umwelt sollte reizangereichert sein. Viele Sinneseindrücke und Übungsmöglichkeiten bieten.
  • Es sollten immer wieder neue Reize hinzukommen.
  • Den Welpen muss die Möglichkeit gegeben werden Probleme selbstständig zu lösen.

Beim Besitzer:

Wenn ein Welpe mit 8. (besser später!!!) bis 10. Lebenswochen zu seinen neuen Besitzern kommt, ist der Prozeß des Lernens noch nicht abgeschlossen. Natürlich ist dieser Prozess beim Hund nie abgeschlossen. Hier soll aber nur der frühe Lernprozess betrachtet werden.

Lernziele beim Besitzer:

Beißhemmung

Setzt der Welpe die Zähne beim Menschen ein, kann der Kontakt zum Hund sofort unterbrochen werden. Vielleicht ist es auch erforderlich, den Welpen deutlich wegzuschubsen oder ihm (unangenehm) mit den Fingern gegen die Schnauze zu klopfen. Wichtig ist dabei, dass diese Reaktion unmittelbar (innerhalb von maximal 2 Sekunden) nach Einsatz der Zähne erfolgt, damit der Hund beides miteinander verknüpfen kann.

Kontakt zu Artgenossen

Der Hund sollte die Möglichkeit bekommen Kontakt mit verschiedenen Hunderassen verschiedenen Alters aufzunehmen.

Kontakt zu Menschen und Tieren

Für einen Hund besteht ein Unterschied zwischen einem kleinen Kind, einem "normalen" Erwachsenen, einem Menschen der am Stock geht, mit dem Rollstuhl fährt oder einem

Betrunkenen. Deshalb sollte der Hund sehr viele "Menschentypen" positiv kennenlernen.

Gleiches gilt für verschiedene Tierarten.

Umweltreize

Besuch im Kaufhaus, Busfahrten, Kontakt zu Radfahrern und Joggern sind Dinge, die zumindest dem Stadthund das Leben später erleichtern werden.

Festigung, weit über die Welpenzeit hinaus

In der Zeit um den 6. Lebensmonat kann erlerntes Sozialverhalten auch wieder verloren gehen. Deshalb sind Gruppentreffen mit Junghunden im gleichen Alter sehr wichtig.

In der Pubertät werden soziale Spielregeln erlernt. Dabei ist der Kontakt zu souveränen erwachsenen Hunden von Vorteil.
 
Die Zeit von der Geburt an bis zum Abschluss der Junghundephase ist eine sehr sensible Zeit, was das Lernen des Hundes betrifft.
 
Der neue Hundebesitzer wird nicht über das nötige Wissen und Können verfügen und ist auf einen Profi angewiesen. Um den Hund vor Schäden durch falsche Berater zu schützen, sollte hier nicht unbedingt die erste Hundeschule in der Nähe genommen werden. Wie bei der Wahl des geeigneten Züchters, dürfen auch bei der Wahl der geeigneten Hundeschule die Entfernung und der Preis erst einmal zweitrangig sein. Eine gute Gelegenheit gibt es vor dem Welpenkauf, sich einmal von verschiedenen Hundeprofis beraten zu lassen. Dabei sollte der Kunde schon mit ausreichend Fachwissen in die Beratung gehen, um nicht durch moderne (aber wissenschaftlich nicht haltbare) Konzepte verwirrt zu werden.
 
Es ist verständlich, dass es sich toll anhört, wenn der Welpe richtig lange mit anderen Hunden "spielen" darf und jedes positive Verhalten durch Futter belohnt wird und negatives Verhalten einfach ignoriert wird. Es hört sich so gut an, weil wir modernen Menschen gelernt haben, dass Belohnen immer positiv und Strafe immer negativ ist. Aus diesem Grund meiden viele Hundeschulen das Wort "Strafe", um kein negatives Image zu erzeugen. Der Wurm soll bekanntlich dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Aber es ist manchmal auch sinnlos einen Wurm ins Wasser zu werfen, wenn kein Haken dran ist.

Da der Markt voller Hundeexperten ist (die zur Zeit fachlich nicht kontrolliert werden), sollte der zukünftige Hundebesitzer sich erst einmal ein gutes Grundwissen aneignen, um nicht auf einen Etikettenschwindel hereinzufallen.

Im Idealfall werden Sie von Ihrer Hundetrainerin oder ihrem Hundetrainer so viel erfahren, daß sie nach der Junghundezeit so viel Wissen haben, um ihren Hund gut und sicher führen zu können. Darüber hinaus ist es sinnvoll den Kontakt zu ihrer Hundeschule zu halten, um im Zweifelsfall (bei Erziehungsfragen) einen Kompetenten Ansprechpartner zu haben. Vielleicht ist es sogar sinnvoll gelegentlich mit Hund zur Hundeschule zu kommen (dies lässt sich mit einem Seminar oder einer Beschäftigungsgruppe verbinden), damit der/die Hundetrainer/in den Hund nicht aus den Augen verliert.
 
Weitere Informationen: