Immunsystem: MHC

MHC - Major Histocompatability Complex (Haupthistokompatibilitätskomplex)

Der MHC ist eine Region auf einem Chromosom. Die Gene innerhalb dieser Region kodieren Proteine, die für die Immunabwehr verantwortlich sind. Vom MHC sind somit sowohl die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems als auch Störungen des solchen abhängig. Diese Störungen äußern sich in Autoimmunerkrankungen, was bedeutet, dass eigene Zellen als fremd gedeutet und angegriffen werden. Die Folge des Angriffs auf körpereigenes Gewebe ruft entzündliche Reaktionen hervor.

Der MHC und die von ihm kodierten Moleküle bilden das MHC-System.
Beim Menschen wird das MHC-System HLA (human leucocyte antigen) und bei der Maus H2 (Histokompatibilitätskomplex 2) genannt. Beim Hund wird das MHC-System als DLA (dog leucocyte antigen) bezeichnet.

Der MHC liegt jeweils auf folgenden Chromosomen:
Mensch: Chromosom 6
Maus: Chromosom 17
Hund: Chromosom 12

Innerhalb des MHC wird nochmals in weitere Regionen (Genabschnitte) unterteilt. Dieses sind die Klassen I, II und III. Dort sind die einzelnen Genorte (Loci) des DLA lokalisiert. Die Gene dieser Loci liegen fast alle in mehreren bis sehr vielen Varianten (Allelen) vor, d. h. sie sind vielfältig (polymorph).

Zurzeit sind u. a. folgende Genorte (Loci) innerhalb der Klassen I und II des DLA-Systems beim Hund bekannt:

Genorte der Klasse I:
DLA-12
DLA-64
DLA-79
DLA-88

Alle vier o. g. Gene sind polymorph,  wobei DLA-88 die höchste Vielfältigkeit aufweist.

Genorte der Klasse II (D-Region):
DLA-DRA (monomorph)
DLA-DRB (DRB1 polymorph, DRB2 nicht funktionstüchtiges Pseudogen)
DLA-DQA (begrenzt polymorph)
DLA-DQB (polymorph)

A steht für alpha und B für beta.
In der Nomenklatur werden die Gene bzw. ihre verschiedenen Allele zusätzlich zu o. g. Buchstabenkürzeln mithilfe von Zahlenkombinationen - eingeleitet durch ein Sternchen - angegeben, um sie im Einzelnen zu kennzeichnen. Beispiel: DRB1*00601


Vererbung des MHC

In der Gesamtpopulation der Hunde existieren pro Genort des MHC bis auf wenige Ausnahmen mehrere bis sehr viele Varianten (Allele) des jeweiligen Gens. Innerhalb einzelner Rassen variiert der Grad des Polymorphismus an diesen Genorten.
Der einzelne Hund besitzt von dieser Vielfalt aber zwangsläufig nur jeweils ein Genpaar pro Genort. Diese Genpaare sind aus den väterlichen und mütterlichen Haplotypen zusammengefügt.
Zur Vererbung des MHC liegen Forschungsergebnisse vor, das DLA-System des Hundes wurde jedoch noch nicht vollständig entschlüsselt.
Es bestehen Kopplungen von Genorten des MHC, das bedeutet, die zugehörigen Gensätze (Haplotypen) werden als gesamter Block vererbt. Die Vererbung folgt hier den Mendelschen Gesetzen. (Day 2005)

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Quellenangaben zu obigen Ausführungen s. u.



Links zum Thema:

Der Beginn meiner Recherche. Wo die Gene liegen. (Achtung: JAX hat hier beim Hund HLA statt DLA angegeben.)


Studien, die den DLA Polymorphismus nachweisen:

Studie zur DLA Vielfalt

Vergleich der Klasse II Gene zwischen europäischen und nordamerikanischen Wölfen mit Hunden.

Polymorphismus bei Wölfen und Hunden.

Polymorphismus des Genorts DQB1 beim Hund höher als beim Wolf. Besonders hoch beim Schäferhund.

Untersuchung der Klasse II Region beim Grey Hound.

Polymorphismusanalyse von Genen der Klasse I Region (Dissertation)

DLA Polymorphismus in verschiedenen Populationen des Hundes

Vergleich der D-Region (Klasse II) bei europäischen und asiatischen Wölfen mit 85 Hunderassen meist europäischen, aber auch asiatischen Ursprungs.


Viele Varianten der Klasse II Allele und Haplotypen bei Hunden aus Kreuzungen, aber weniger Varianten innerhalb von Rassen.



Der MHC im "Atlas der klinischen Immunologie bei Hund und Katze" von Michael J. Day (Hrsg.), S. 32f

M. M. Liang, I. Pfeiffer u. B. Kohn: Primäre immunhämolytische Anämie und immunbedingte Thrombozytopenie beim Hund: Studien zu Inzidenz, Gendefekt und Vererbung, 2006


Ein interessantes Fallbeispiel:

Züchter von Tolling Retrievern in Finnland und Schweden werden aktiv. Gentest ist möglich.

Studie zu obigem Link




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