Fellvarianten


Unsere Hunde treten in verschiedenen Fellvarianten in Erscheinung. Von kurz bis lang, von weich bis rau, von glatt bis gelockt, von dicht bis fein und sogar nackt - schier alles an Variationen ist vertreten.
Innerhalb einzelner Rassen sind die Varianten des Fells meist auf wenige oder gar nur eine einzige beschänkt. Neben der Fellfarbe gehört auch das Fell zu den typischen Merkmalen, die eine Rasse kennzeichnen. Kleider machen eben Leute - und auch Rassehunde.

Besondere Bedeutung erhält die Vererbung dieser verschiedenen Variationen des Hundefells, wenn plötzlich ein Vertreter seiner Rasse aus der Reihe tanzt und sich in einem gänzlich anderen Gewand zeigt als für seine Rasse üblich.
Schlimm ist, wenn Unwissenheit in solchen Fällen dazu führt, solch einen Hund als nicht rasserein zu bezeichnen oder seinen Züchter zu verurteilen.

Basisinformationen zur Vererbung:

Eigenschaften des Fells werden durch mehrere Genorte (Loci) determiniert.
Das Gesamterscheinungsbild des Fells, der Phänotyp, ist somit das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Loci und den dort jeweils angelegten Genen bzw. deren Allelen (Zustandsformen der Gene).

Drei Hauptgenorte sind vorwiegend verantwortlich für das unterschiedliche Fell der Hunde (E. Cadieu et al., 2009). Diese drei Loci determinieren, ob das Fell kurz oder lang, glatt oder gelockt und normal oder mit Furnishing ausgestattet ist. Ob Mutationen an einem oder mehreren dieser Genorte vorhanden sind, entscheidet maßgeblich über das Aussehen des Hundes hinsichtlich seiner Behaarung.

Parallel zu den Hauptgenorten ("major genes"), die die grundlegende Fellvariante bestimmen, spielen sicherlich zusätzliche, modifizierende Gene an weiteren Genorten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese "minor genes" rufen innerhalb ein und derselben Basisfellvariante beispielsweise Unterschiede in Länge oder Textur des Fells hervor. Auch Merkmale wie Mähnenbildung, Dichte der Beinbehaarung u. a. mögen über zusätzliche Nebengenorte beeinflusst werden.

Weitere Genorte, die ebenfalls von Bedeutung für die Behaarung sind:
  • mindestens zwei Loci an denen eine Mutation für Haarlosigkeit vorliegt
  • entweder ein polymorpher Genort oder mehrere Genorte, die die Felldichte (Anzahl an Beihaar, Stockhaarigkeit) bestimmen
  • ein oder mehrere zusätzliche Loci, die neben der Langhaarmutation, die unter den drei o. g. Hauptgenorten gefunden wurde, Langhaarigkeit ausprägen
Riesenschnauzer " Hello Porter von Ermada"
Besitzer: N. Dobrunz, Foto & Copyright: S. Burzynski

Im Laufe der Entwicklung vom Wolf zum Haushund haben Spontanmutationen der verschiedenen Gene, die das Fell beeinflussen, die Chance erhalten, sich zu manifestieren. Genmutationen gehören zum Evolutionsprozess dazu, doch nur ein Bruchteil davon kann sich unter natürlichen Bedingungen durchsetzen und bleibt erhalten. Anders verhält es sich, wenn die Reproduktion einer Tierart vom Menschen beeinflusst wird. Bewusste sowie unbewusste Zuchtauslese bewahrt Mutationen, die unter den Bedingungen der natürlichen Auslese rasch wieder verschwinden würden.
Die Folge ist, dass die Hundepopulation insgesamt an den Genorten, die das Fell beeinflussen, einen höheren Polymorphismus aufweist als ihr Vorfahr, der Wolf. Hunde haben keine anderen Genorte bzw. Gene als Wölfe, aber eine höhere Vielfalt an Zustandsformen der Gene (Allelen) an den jeweils einzelnen Genorten.
Die ursprünglichen Wolfsgene, also diejenigen Allele der Gene, die noch der ursprünglichen Form entsprechen, werden in der Fachsprache als Wildtypallele bezeichnet. Auch der Begriff Normalgen meint nichts anderes als diesen Wildtyp.