Horst Schwebel
 Christus in der Kunst des 20. Jahrhunderts


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Günter Rombold / Horst Schwebel, Christus in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Freiburg: Herder 1983

In diesem Werk wird die Frage untersucht, ob und wieweit sich in der Kunst des 20. Jahrhunderts - einer Kunst also, die sich im allgemeinen weit vom Christentum und christlichen Themen entfernt hat und die sich vielfach ungegenständlich und mit abstrakten Zeichen ausdrückt - christliche Aussagen und speziell Formen des Christusbildes finden lassen.

Die Antwort ist überraschend und zeigt dem Leser eine Vielzahl von Ausformungen des Christusbildes auch bei "abstrakten" Künstlern. Dabei spannt sich der Bogen der Darstellung von der Frage nach der "Problematik" des Christusbildes bis zu der Erkenntnis, daß das Christusbild, wie es sich in der Kunst unseres Jahrhunderts als Ausdruck sehr persönlicher menschlicher Erfahrung der Künstler präsentiert, eine Herausforderung ist, die Christen wie Nichtchristen förmlich zwingt, Jesus Christus neu zu überdenken und zu ihm neu - oder erstmals - Stellung zu beziehen.

In der Konfrontation mit Christusbildern, die nicht in das Klischee überkommener Vorstellungen und Formen passen, liegt das Erregende dieses Buches und seine Aktualität: "Die Provokationen der modernen Kunst werden im kirchlichen Ghetto empört abgelehnt, man erträgt die Wahrheit nicht, zieht vielmehr häufig den billigsten Kitsch vor, der ja immer etwas Verlogenes hat. Wir kennen sie alle, diese Bilder vom sanften Jesus mit dem schmachtenden Blick und den ondulierten Haaren. Es fragt sich, ob das nur eine Sache des schlechten Geschmackes ist oder ob dahinter nicht ein gutes Stück Kleinglauben und spießbürgerlicher Behaglichkeit steckt."

Es geht bei dieser Untersuchung, die Gemälde und Plastiken von 47 Künstlern analysiert und deutet, also nicht um eine Dokumentation moderner sogenannter "christlicher Kunst", wie sie als Auftragswerke in Kirchenneubauten zu finden sind. Dennoch gibt diese Untersuchung über das Christusbild in der "reinen" Kunst unserer Zeit interessante Hinweise und Erkenntnisse auch für die "christliche Auftragskunst", weil viele dort verwendeten Formen und Ausdrucksmittel in der "reinen" Kunst vorgeformt wurden.

Das Buch - Gemeinschaftsarbeit eines katholischen und evangelischen Theologen - versteht sich als ökumenische Schrift und richtet sich von der Diktion her an einen breiten Leserkreis, der Christen beider Konfessionen umfaßt. Geistliche und Theologen werden von dieser Darstellung ebenso "gefordert" wie Künstler, Kunsthistoriker und Kunstfreunde.

Mit über 100 Abbildungen ist dieses Werk zugleich ein Schaubuch, das zum Meditieren auffordert. [Klappentext]