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14 Engel und der Zeppelin

veröffentlicht um 21.12.2017, 03:23 von Kai Euchner   [ aktualisiert: 21.12.2017, 03:36 ]
Wer schon eine halbe Stunde vor Beginn des Adventskonzerts der Hofbühlmusikanten in Neuhausen unterwegs war, begegnete trotz des unfreundlichen Wetters vielen Menschen auf der Straße. Sie eilten fast in Richtung Zwölf-Apostel-Kirche, obwohl noch reichlich Zeit war. Aber die Plätze sind schnell besetzt, denn das Adventskonzert ist „schon wie Weihnachten, solche Musik ist ein Geschenk“, erklärte eine Besucherin, warum sie sich jedes Jahr darauf freut und ihr der Weg von der Alb nicht zu weit ist für diesen musikalischen Höhepunkt in der Adventszeit.



Schweres Thema
Dabei ist es nicht das klassische Weihnachtsliederprogramm, das zu hören ist, sondern eine musikalische Umsetzung auch schwerer Themen, wie beispielsweise das Stück „Hindenburg“ von Michael Geisler. Der Komponist hat die Geschichte des legendären Zeppelins „Hindenburg‘, benannt nach dem deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, des damals größten Luftfahrzeugs in Noten umgesetzt. Der Zeppelin wurde 1937 bei der Landung im amerikanischen Lakehurst zerstört, weil sich die Wasserstofffüllung entzündete. 36 Menschen starben. Die Hofbühlmusikanten haben in großartiger Weise die Fahrt mit dem Luftschiff „hören“ lassen, vom majestätischen Schwebezustand bis zum plötzlichen Absturz, von der Hoffnung zur Zerstörung. Und genau das verband Pfarrer Ulrich Rapp mit seinen Impulsen zum Advent. Er erinnerte die Zuhörer auch daran, was Ankunft bedeutet. Nicht jede Ankunft sei so wie erhofft, erklärte er. Dazu nutzte Rapp auch das symbolische Bild der Erwartungshaltung von Menschen am Bahnhof oder am Flughafen.
Pfarrer Rapp stellte eine theologische Verbindung zu jedem Musikstück her, wobei zum Beispiel das Gebet aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck fast jedem noch aus Kindertagen bekannt war. „Abends, wenn ich schlafen geh, 14 Engel um mich steh’n“, wurde von den Musikern auf ihren Instrumenten perfekt interpretiert. Allerdings wurde davon garantiert niemand müde, die Zuhörer konnten sich vielmehr entspannt dem weiteren Programm widmen. Gleich danach gab es eine Premiere: Zu hören war erstmals die Gruppe „Mixed Music“, bestehend aus Nachwuchsmusikern des Musikvereins Neuhausen, der Stadtkapelle und der Musikschule Metzingen. Die jungen Musiker meisterten ihren ersten öffentlichen Auftritt nach nur elf Wochen Probenzeit mit Bravour. Das ist indessen kein Wunder, sondern Ergebnis der guten Arbeit, die Bruno Seitz und die jeweiligen Musiklehrer in den einzelnen Instrumentenfächern leisten. Die jungen Musiker hörten dann ebenfalls sehr konzentriert dem Stammorchester zu, in dem sie eines Tages vielleicht selbst mitspielen werden. Der Zeitpunkt dafür muss gar nicht so sehr weit entfernt sein, denn da Seitz sowohl „Mixed Music“ als auch Hofbühlmusikanten und Stadtkapelle leitet, ist ein Übergang zwischen den jeweiligen Gruppen besonders leicht möglich und die Nachwuchsmusiker erhalten zudem bereits genügend Konzerterfahrung. (Quelle: SWP 14.12.2017 Mara Sander)
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