Biographie



Hans Jürgen Roeber wurde am 12. Oktober 1916
als Sohn des niederschlesischen Fabrikanten Karl Oskar Roeber und dessen erster Ehefrau Anna geb.Lade in Berlin geboren.

Aufgewachsen im Bezirk Schöneberg,  engagierte sich Hans Jürgen Roeber schon in frühester Jugend in dem von Prinz Hubertus zu Löwenstein geleiteten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, welches schon zu Beginn der 30er Jahre auf die Gefahren Hitlers aus bürgerlicher Sicht hinwies.

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 geriet Hans Jürgen Roeber folgerichtig ins Fadenkreuz der GESTAPO und anderer repressiver Dienststellen in Berlin.

Um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, flüchtete er in Begleitung des Ehepaars Helga und Hubertus Prinz zu Löwenstein im Frühjahr 1933 mit dem Auto über die zu dieser Zeit nur mässig bewachte Staatsgrenze nach Österreich.

In Tirol angekommen quartierte sich die kleine Gesellschaft der Flüchtlinge auf Schloss Matzen nahe der Stadt Brixlegg in Tirol ein.

In den darauffolgenden Jahren studierte Hans Jürgen Roeber am Musikkonservatorium der Stadt Innsbruck.

Im Jahr 1935 folgte er dem Ehepaar Löwenstein nach England, wo er am London College of Music sein Studium der Musik vervollkommnete.

Nach seiner Eheschliessung mit Margaret Molineux-Seel, einer Grossnichte des Herzogs von Norfolk, erwarb Hans Jürgen Roeber Sale’s Farm, ein ländliches Anwesen in der Nähe der Kleinstadt Chesham, nordwestlich von London.

In dieser Zeit gründete er auch sein erstes eigenes Orchester, dem er fortan als Dirigent vorstand.

Hans Jürgen Roeber dirigierte auch über einige Jahre Schauspielmusiken, u.a. am Piccadilly Theatre in London und anderen Bühnen des Landes.

Einige Jahre lang fungierte er als Direktor eines Jugendtheaters im Kleinen Saal des 1897 eröffneten Londoner People's Palace an der Mile End Road.

Wie für so viele Emigranten aus dem faschistischen Deutschland bedeute der zweite Weltkrieg, und insbesondere der Krieg gegen England, auch für Hans Jürgen Roeber einen herben Einschnitt in jegliche berufliche Tätigkeit.

Diese Situation verschärfte sich dann noch in den Jahren nach 1945.

Nach verschiedenen, letztlich nicht realisierten Projekten, namentlich eines Engagements in Südafrika, beschloss er denn auch gegen Mitte der fünfziger Jahre, den Versuch eines Neuanfangs in Deutschland zu wagen.

Sein Weg führte ihn zunächst nach Hamburg, wo er auch seine Wiedereinbürgerung in die Bundesrepublik Deutschland betrieb, nachdem die Nazis ihm nach seiner Flucht und dem vergeblichen Versuch, ihn über das Deutsche Generalkonsulat in London zum Kriegsdienst in die Deutsche Wehrmacht einzuberufen, die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen hatten.

Anlässlich verschiedener Auftritte in Berlin als Chorleiter und Dirigent bot die Ost-Berliner Kulturverwaltung, bekanntermassen auf der Suche nach von Nazivergangenheit unbelasteten Fachkräften, dem Spätheimkehrer Anfang der Sechziger Jahre den Posten des Direktors einer öffentlichen Musikschule an.

Roeber, selbst im Westteil der Stadt ansässig, nahm an und bekleidete den Posten mehr als zehn Jahre lang.

In dieser Zeit entwickelte er die Berliner Musikschule zu einem vielseitigen Zentrum für Musik und Ballet mit bis zu 30 grösstenteils festangestellten Lehrkräften aus Ost und West.

Anfänglich war der Anteil der in Westberlin wohnenden Lehrkräfte noch deulich spürbar, nahm aber im Laufe der Jahre immer weiter ab, da bei jeder Pensionierung einer westlichen Lehrkraft ein durch die Kaderschmiede der Kommunisten ausgebildeter Musiker nachrückte.

Den Ostberliner Behörden war der Absolvent österreichicher und englischer Musikhochschulen politisch auch nie wirklich genehm.

Und so verwundert es nicht, dass nach der Verrentung des letzten West-Pädagogen die Stellung Roebers auch zunehmend schwieriger wurde und der Druck auf den Spätheimkehrer immer stärker wurde.

Anfang der Siebziger Jahre wechselte Hans Jürgen Roeber dann folgerichtig an den Rundfunk und gestaltete Kulturprogramme auf Mittel- und Kurzwelle, deren Hörerschaft über alle Kontinente reichte.

Im Jahre 1983 zog sich Hans Jürgen Roeber von allen hauptamtlichen Ämtern zurück.

Gleichzeitig wurde er Gründungs- und Vorstandsmitglied der Otto-Jägermeier Society e.V; Berlin, welche sich seither um die Pflege des Erbes des Komponisten Otto Jägermeier bemüht und im Laufe der früihen Achziger Jahre auch den Status der Gemeinnützigkeit errang.

Zu namhaften Mitgliedern der Gesellschaft gehörten u.a. der bekannte Journalist und Musikkritiker Hellmuth Kotschenreuther und der Komponist und Musikwissenschaftler Wilfried W. Bruchhäuser.

Hans Jürgen Roeber lebte bis zu seinem Tode am 18. Dezember 2000 in Berlin Charlottenburg.