Added: June 3, 2017 – Last updated: September 2, 2017

TITLE INFORMATION


Speaker: Sonja Matter

Title: Adoleszente Mädchen und die strafrechtlichen Bestimmungen zum Schutzalter (1950-1980)

Subtitle: -

Conference: 4es Journées suisses d'histoire - 4. Schweizerishe Geschichtstage (June 9-11, 2016)

Session: Panel: Sexualität und Macht. Gewaltverhältnisse und Normierungsbestrebungen

Place: Université de Lausanne, Lausanne, Switzerland

Date: June 9, 2016

Language: German

Keywords: Modern History: 20th Century | European History: Austrian History | Prosecution: Laws / Age of Consent; Prosecution: Trials / Trials in the 20th Century; Victims: Girls



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ADDITIONAL INFORMATION


Speaker: Sonja Matter, Historisches Institut, Universität Bern (University of Bern) – Academia.edu

Abstract: »Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert fungiert Sexualität in der westlichen Welt zunehmend als wichtiger Marker, um die Lebensphase der Kindheit von nachfolgenden Lebensphasen abzugrenzen. Umstritten war (und ist) allerdings, in welchem Lebensjahr diese Grenze gezogen werden und inwieweit geschlechtsspezifisch unterschiedliche Bestimmungen verankert werden sollen. Das österreichische Strafrecht legte das Schutzalter für Mädchen und Jungen bei 14 Jahren fest (StGB 1852). Wie zahlreiche andere europäische Länder verankerte das österreichische Strafrecht jedoch für Mädchen einen umfassenderen Schutz vor sexuellen Übergriffen. Indes zeigt die Auswertung von Strafgerichtsakten aus Niederösterreich für die Jahre 1950 bis 1980, dass die Gerichte diese Schutzbestimmungen in der Praxis vielfach unterliefen. Insbesondere Mädchen, die zwar minderjährig, aber bereits in der Pubertät waren, wurden von den mehrheitlich männlich besetzten Gerichten vielfach nicht als "Kinder" betrachtet, deren sexuelle Integrität es zu schützen galt. Vielmehr hinterfragten sie die „Schutzwürdigkeit“ der Mädchen und sprachen nicht nur gegenüber den Angeklagten sondern auch gegenüber den Minderjährigen Sanktionen aus. In der praktischen Anwendung der Strafrechtsbestimmungen zeigte sich deutlich: Nicht allein das Gesetz bestimmte die Grenzen zwischen einem schutzbedürftigen Kind und einem selbstverantwortlichen Erwachsenen. Vielmehr wurden in den Gerichtsprozessen diese Grenzziehungen neu ausgehandelt. Im Beitrag wird gefragt, wie die unterschiedlichen Akteure in Gerichtsprozessen die Grenzen zwischen Kindheit und Adoleszenz zogen und inwiefern diese Entscheide geeignet waren, geschlechtsspezifische Machtverhältnisse zu stabilisieren. Wie prägten normative Konzepte von Weiblichkeit und Männlichkeit den Anspruch, minderjährige – aber bereits adoleszente Mädchen – vor sexueller Gewalt zu schützen?« (Source: Website of the 4es Journées suisses d'histoire)

Publication: Matter, Sonja. »“She doesn’t look like a child”: Girls and Age of Consent Regulations in Austria (1950-1970).« Journal of the History of Childhood and Youth 10 (2017): 104-122. – Bibliographic Entry: Info

Wikipedia: History of Europe: History of Austria | Sex and the law: Age of consent / Ages of consent in Europe