Added: February 22, 2014 – Last updated: July 2, 2016

TITLE INFORMATION


Author: Manuela Leutgeb

Title: „Attentati adultery duplicis et stupri violenti 1727“ – Analyse eines Gerichtsprozesses

Subtitle: Sexuelle Gewalt in der Frühen Neuzeit

Thesis: Diplomarbeit, Universität Wien

Advisor: Andrea Griesebner

Pages: 167pp.

Year: December 2008

Language: German

Keywords: Modern History: 18th Century | European History: Austrian History | Cases: Offenders / Zacharias Perr; Cases: Victims / Elisabeth Haydtbeckh; Types: Attempted Rape



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Link: E-Theses - Hochschulschriften-Service, Universität Wien (Free Access)



ADDITIONAL INFORMATION


Abstract:

»Die vorliegende Arbeit, angesiedelt am Schnittpunkt von Sozial-, Sexualitäts-, Kriminalitäts-, Geschlechter- und Rechtsgeschichte, stellt eine Analyse eines frühneuzeitlichen Gerichtsaktes aus dem Jahr 1727 dar. In Anlehnung an mikrogeschichtliche Überlegungen habe ich die interpretierende Rekonstruktion eines Gerichtsprozesses versucht: Der Gerichtsakt, abgehandelt im Landgericht Reichenstein im heutigen Mühlviertel (Oberösterreich), ist das überlieferte schriftliche Resultat eines Malefizprozesses in puncto: „Attentati adultery duplicis et stupri violenti“ ist das überlieferte schriftliche Resultat eines Malefizprozesses. Zentrale Fragen der Arbeit sind: Wie kann man sich den Ablauf eines frühneuzeitlichen Gerichtsprozess vorstellen? Welche Personen und Institutionen waren beteiligt? Unter welchen Umständen wurde sexuelle Gewalt als „Nothzucht“ definiert? Wie sprachen die in den Gerichtsprozess involvierten Personen über das Erlebte, was sagten sie aus, was verschwiegen sie? Lassen sich Verteidigungsstrategien der vor Gericht stehenden Personen herauslesen? Was kann der Umgang mit sexueller Gewalt über Geschlechterbeziehungen und Geschlechtsidentitäten aussagen? Die Analyse eines „Notzuchtsprozesses“ kann, eingebunden in einen größeren Kontext, Auskünfte über Einstellungen sowie den Umgang mit Sexualität und Körper sowie sexueller Gewalt in der Frühen Neuzeit geben.
Die von der obrigkeitlichen Justiz produzierten Gerichtsakten bieten eine der wenigen Möglichkeiten, mit einer methodisch reflektierten Analyse, Einblicke in die „Alltagswelt“ von „gewöhnlichen“ Menschen, in deren Denk- und Handlungsweisen zu gewinnen. Der der Arbeit zugrunde liegende mikrohistorische Ansatz ermöglicht es, die überlieferten Schriftstücke, die aus Verhörprotokollen, Zeugenaussagen, einem Rechtsgutachten, Briefen und dem Urteil bestehen, dahingehend zu untersuchen, wie sich die im Prozess beteiligten Personen vor Gericht „inszenierten“ und welche Wahrheit(en) sie „konstruierten“. Anhand des Prozessmaterials lässt sich die Widersprüchlichkeit der Sichtweisen einzelner Personen ebenso darstellen wie die unterschiedlichen Erfahrungsebenen von Frauen und Männern in der Auseinandersetzung mit „sexueller Gewalt“.
Das erste Kapitel konzentriert sich auf die Rahmenbedingungen, durch die und in denen der Gerichtsprozess gegen den Schuhmacher Zacharias Perr stattfand und beeinflusst wurde. Die Darstellung des Untersuchungsraumes, das Gerichtswesen im Allgemeinen und die Gerichtsorganisation in der Herrschaft stellen wesentliche Themen dar. Des Weiteren beschreibe ich, wie die Delikte „Nothzucht“ und „Ehebruch“ in der Landgerichtsordnung für Österreich ob der Enns, der Leopoldina, definiert waren und frage nach der Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Vergewaltigungsdeliktes. Das Kapitel „Quellenkorpus“ behandelt primär den Entstehungskontext der Quellengattung Gerichtsakten und deren Problem der „Authentizität“. In der Fallstudie rekonstruiere ich den formalen Ablauf des Gerichtsprozesses. Die Vorstellung der beteiligten Personen in Form von Biografien stelle ich der Rekonstruktion des Falles voran. In der Rekonstruktion des Falles konzentrierte ich mich auf die „konstruierten“ Erzählungen. Aufgrund ihrer Struktur, der hervorgehobenen oder verschwiegenen Elemente, mache ich den Handlungsspielraum sichtbar, den die Personen vor Gericht zur Verfügung hatten und den diese strategisch für sich nutzten. Im abschließenden Kapitel hebe ich einzelne Strategien und ausgewählte Aspekte hervor, die in den Verhörprotokollen zur Sprache kamen, und stelle diese in einen Dialog zu zeitgenössischen Diskursen über Geschlechterbeziehungen und Sexualität. Frühneuzeitliche Vorstellungen über männliche und weibliche Sexualität stehen dabei im Vordergrund.« (Source: Thesis)

Contents:

  Vorwort (p. 4)
  1. Einleitung (p. 5)
  2. Methodischer Zugang: Mikrogeschichte (p. 15)
  3. Rahmenbedingungen (p. 20)
    3.1 Untersuchungsraum (p. 21)
    3.2 Gerichtswesen (p. 31)
    3.3 Gerichtsorganisation (p. 34)
  4. Strafrecht (p. 39)
    4.1 Normative Konzeption von „Notzucht“ und „Ehebruch“ (p. 40)
      4.1.1 Rechtliche Entwicklungsgeschichte des Vergewaltigungsdeliktes (p. 41)
      4.1.2 Normative Konzeption des Deliktes „Nothzucht“ in der Leopoldina (p. 45)
        Vergewaltigungsversuch oder „die That nicht völlig vollbracht“ (p. 48)
      4.1.3 Normative Konzeption des Deliktes „Ehebruch“ in der Leopoldina (p. 52)
  5. Quellenkorpus (p. 58)
  6. Fallstudie (p. 68)
    6.1 Bestandteile des Gerichtsaktes (p. 68)
    6.2 Formaler Ablauf des Gerichtsprozesses (p. 69)
    6.3 Biografien der involvierten Personen (p. 72)
    6.4 Rekonstruktion (p. 75)
    6.5 Strategien vor Gericht (p. 94)
  7. Resümee (p. 108)
  8. Quellen und Bibliografie (p. 113)
    Ungedruckte Quellen (p. 113)
    Gedruckte Quellen (p. 113)
    Nachschlagewerke (p. 114)
    Abbildungen (p. 114)
    Bibliografie (p. 115)
  9. Anhang: Transkription (p. 122)
    Lebenslauf (p. 166)
    Abstract (p. 166)

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