Guger 2008 Frauen

Title Information


Author: Astrid Guger

Title: Frauen als Opfer der Shoah und ihre Darstellung im deutschsprachigen Spielfilm

Subtitle: -

Thesis: Diplomarbeit, Universität Wien

Year: 2008

Pages: 103pp.

Language: German

Keywords: 20th Century, 21st Century | Austrian History, German History | Representations: Films



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Additional Information


Abstract:

»Der Titel dieser Arbeit deutet bereits auf die Themenfelder hin, die in der Arbeit berücksichtigt werden.
Frauen – Der Ausgangspunkt für das Themenfeld „Frauen“ ist einerseits die Frage nach der medialen Darstellung der (jüdischen) Frau im zeitlichen Kontext der untersuchten Spielfilme, andererseits die Frage nach spezifisch weiblichen Erleben während einer KZ-Haft oder in der NS-Zeit überhaupt. Im Zusammenhang mit der physischen Verfolgung von jüdischen Menschen liegt das zentrale Augenmerk demnach auf der Position des
Opfers – Obwohl ich in der Arbeit versuche, die verschiedensten Bereiche weiblichen Erlebens während der Shoah aufzugreifen (darunter Widerstand und Täterschaft), stehen Erlebnisse, die Frauen als wehrlose Opfer erlebt haben, im Zentrum. Um die filmische Auseinandersetzung mit jüdischen Opfern in Deutschland und Österreich erfassen zu können, setze ich mich mit dem Opferbegriff der Nachkriegszeit und seine Einbettung in der Erinnerungspolitik und -kultur auseinander. Ausgehend davon und ausgehend von Überlebendenberichten ehemaliger weiblicher KZ-Häftlinge habe ich die Filmanalyse vorgenommen.
Spielfilm – In meiner Arbeit wird gezeigt, wie mit den Mitteln und Erzählmöglichkeiten des Mediums Spielfilm mit den Erfahrungen jüdischer Frauen umgegangen wird. Da die Erfahrungen von Frauen bis vor kurzem noch weitgehend in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gefehlt haben, wird in der Arbeit aufgezeigt, ob und wie kulturelle Auseinandersetzungen stattgefunden haben und immer noch stattfinden.
Elf Filme aus unterschiedlichen Zeiträumen von 1945 bis zur Gegenwart wurden vor allem hinsichtlich der Motive Mutter- und Schwangerschaft, Emigration, Solidarität, Widerstand, Körperempfinden, sexualisierte Gewalt und Schweigen analysiert. Dabei zeigte sich, dass keines der Motive in einem bestimmten Zeitraum dominiert und kein Motiv auffallend stark vernachlässigt wird. Im Gegenteil, die Spielfilme waren der offiziellen Gedächtnispolitik immer einen Schritt voraus. Speziell im Bereich der sexualisierten Gewalt nimmt der Spielfilm durch zwei Beispiele eine besondere Rolle in der Vermittlung dieser Thematik. Dennoch ist signifikant, dass „die jüdische Frau“ eine besondere Position in der vermeintlichen dichotomischen Opfer-Täter-Gesellschaft einnimmt: Sie verkörpert durchwegs starke, aktiv handelnde Persönlichkeiten, die eigentlich einen Kontrast zum angeblich schwachen Geschlecht herstellen. Trotzdem wird das Frau- und Opfer-Sein oft als Chiffre für Reinheit und Unschuld eingesetzt. Einige Filme verfolgen mit dieser Strategie eine Relativierung der eigenen Täterposition (der des deutschen Volkes) und eine klare Definition von Täter und Opfer, das vor allem durch Weiblichkeit zur Darstellung kommt. Jene Filme, die sich aber am augenscheinlichsten von Shoah-Repräsentationen der Wissenschaft abheben, sind in den unmittelbaren Nachkriegsjahren und in der Gegenwart zu finden. Hier erfolgen Erzählungen, die Menschen und ihre Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen. Die angeführten Motive weiblichen Erlebens werden hier ebenso visualisiert wie Täterschaft durch Frauen. Diese Tatsache markiert frühe und aktuelle Filme in der Arbeit als Rahmen, in dem Frauen zunächst zunehmend als symbolische Figuren herhielten, bis abermals eine umfangreiche und geschlechterübergreifende Darstellung von Shoah-Erlebnissen auf der Leinwand erfolgte.« (Source: Thesis)

Contents:

  1. Einleitung (p. 4)
    1.1. Die Vorgangsweise (p. 5)
    1.2. Die Filmauswahl (p. 6)
      Spielfilme aus der DDR, BRD und dem vereinten Deutschland (p. 6)
      Spielfilme aus Österreich (p. 11)
  2. Annäherungen an das Thema (p. 13)
    2.1. Frauen bekommen eine Stimme: Die Entdeckung eines neuen Forschungsgegenstands innerhalb der Shoah-Forschung (p. 13)
      2.1.1. Motive der gender-orientierten Shoah-Forschung (p. 14)
      2.1.2 Different horrors – same hell (p. 15)
        Schwangerschaft und Mutterschaft (p. 15)
        Hygiene und Körperempfinden (p. 16)
        Sexuelle Übergriffe (p. 17)
        Solidarität (p. 18)
    2.2. „Opfer“ (lateinisch: victima, Geschlecht: weiblich (p. 18)
      2.2.1 Der Opfer- und Täterbegriff in der deutschen Erinnerungskultur (p. 19)
      2.2.2. Geteilte Erinnerung (p. 19)
    2.3. Jüdinnen auf der Leinwand (p. 21)
      2.3.1. Weiblichkeit im Blick? (p. 21)
      2.3.2. Das andere Geschlecht (p. 23)
        Im Kontext der Männlichkeit (p. 23)
      2.3.3. Jüdinnen im Bild (p. 25)
        Feminisierung des männlichen Juden – Ein Exkurs über Antisemitismus und Antifeminismus (p. 25)
        Zweifache Stereotypisierung (p. 26)
      2.3.4. Die Jüdin als das andere Opfer? (p. 27)
  3. Das Sichtbar-Machen des weiblichen KZ-Opfers (p. 29)
    3.1. Frauen im visuellen Konzentrationslager (p. 29)
      3.1.1. „Maybe we succeed to keep it alive…“ (p. 29)
        Lang ist der Weg... (p. 29)
        Die erste Etappe des Sichtbar-Machens (p. 29)
        Das un-sichtbare KZ (p. 33)
      3.1.2. Gegen das Vergessen: Die Darstellung weiblicher jüdischer Opfer außerhalb eines Lagersystems (p. 35)
        Zwischen Verdrängung und Erinnerung (p. 35)
        Retrospektive: Das weibliche Opfer einst und heute (p. 36)
        Alternatives Sichtbar-Machen (p. 37)
    3.2. Dem Unvorstellbaren eine (weibliche) Perspektive geben (p. 38)
      3.2.1. Eine besondere Art von Dokument (p. 38)
        first-hand experience (p. 38)
        Distanz schaffen durch die „neutrale“ Linse (p. 40)
      3.2.2. Die jüdische Frau an der Seite des männlichen Erzählers (p. 43)
        Und was meint die Regisseurin? (p. 44)
    3.3. Die jüdische Frau als das wehrlose Opfer – Untersuchung eines Klischees (p. 45)
      3.3.1. Die Gestaltung des Opferbildes durch die filmische (Atmos)Sphäre (p. 46)
      3.3.2. Die aktive jüdische Frau (p. 48)
  4. Das Erleben jüdischer Frauen während ihrer Verfolgung im Spielfilm (p. 52)
    4.1. (Uuml;ber-)Lebensumstände (p. 52)
      4.1.1. „Hier gibt es keine Feinde, nur uns“: Emigration als abgelehnte Perspektive (p. 52)
        Emigration als abgelehnte Perspektive (p. 52)
        Die jüdische Frau als „U-Boot“ (p. 53)
    4.2. Familie (p. 55)
      4.2.1. Schwangerschaft und Mutterschaft im Spielfilm (p. 55)
      4.2.2. „We will work together and go home together“: Frauensolidarität und die Gründung von Ersatzfamilien (p. 57)
        „Nur schweigsamer waren sie alle geworden“ – keine Solidarität von Deutschen
    4.3. Weibliches Widerstehen: Formen des Widerstandes (p. 60)
        Widerstand weiblicher Opfer im deutschsprachigen Spielfilm (p. 61)
    4.4. Die unhörbare Stimme und der verletzbare Körper der jüdischen Frrau (p. 63)
        Zeuginnen aus der Hölle (p. 64)
        „Die Geschichte ist nicht zu Ende“ (p. 66)
      4.4.1. Die Darstellung sexualisierter Gewalt im Spielfilm (p. 67)
      4.4.2. Retrospektive eines Tabus: Sexuelle Gewalt in den Erinnerungen von Jüdinnen (p. 69)
        Chronik einer traumatisierten Frau (p. 72)
      4.4.3. Jüdinnen zwischen Schweigen und Anklage (p. 76)
        Die ersten Nachkriegsjahre (p. 76)
        Die jüdische Frau als filmische Metapher des Gewissens in der DDR (p. 77)
        Der visuelle Umgang mit der Vergangenheit in Westdeutschland (p. 79)
  5. Das visuelle Nicht-Erleben jüdischer Frauen während ihrer Verfolgung (p. 81)
    5.1. Jüdische Frauen im Arbeitseinsatz (p. 81)
    5.2. Hygiene und Menstruation (p. 83)
    5.3. Täterinnen (p. 85)
  6. Die jüdische Österreicherin im Film (p. 88)
    6.1. Die jüdische Frau als Metapher für die Opferthese (p. 88)
    6.2. Ein kritischerer Umgang mit dem „Opfer Österreich“ (p. 90)
  7. Schlussbetrachtungen (p. 93)
    7.1. Die Entwicklung des Shoah-Films (p. 93)
    7.2. Die Frau als Opfer der Shoah im deutschsprachigen Spielfilm (p. 94)
      Die jüdische Frau – das andere Opfer? (p. 94)
      Weibliches Erleben im Film (p. 95)
    7.3. Das weibliche Shoah-Opfer in zukünftigen Filmprojekten (p. 96)
  8. Filmographie (p. 97)
  9. Literatur- und Quellenverzeichnis (p. 97)
    Internetquellen (p. 103)
  Abstract
  Curriculum Vitae

Added: August 23, 2014 | Last updated: August 23, 2014