Added: May 28, 2003 – Last updated: October 3, 2015

TITLE INFORMATION


Author: Birgit Beck

Title: Vergewaltigungen

Subtitle: Sexualdelikte von Soldaten vor Militärgerichten der deutschen Wehrmacht, 1939 - 1944

In: Heimat-Front: Militär und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege

Edited by: Karen Hagemann and Stefanie Schüler-Springorum

Place: Frankfurt/Main and New York

Publisher: Campus

Year: 2002

Pages: 258-274

Series: Geschichte und Geschlechter 35

ISBN-10: 3593368374 – Find a Library: Wikipedia, WorldCat

Language: German

Keywords: 20th Century | European History: German History | Prosecution: Trials; Types: Forced Prostitution; Types: Wartime Rape / Second World War



FULL TEXT


Link: Google Books (Limited Preview)



ADDITIONAL INFORMATION


Author: Birgit Beck-Heppner, Fachstelle für Weiterbildung, Universität Zürich (University of Zurich)

Abstract: »Die erheblichen Differenzen in der Besatzungspolitik zeigen sich deutlich auch in dem Beitrag von Birgit Beck »Vergewaltigungen. Sexualdelikte von Soldaten vor Militärgerichten der deutschen Wehrmacht, 1939 - 1944«. Er greift ein bisher weitgehend ungeschriebenes Kapitel der Geschichte von Krieg und militärischer Okkupation auf. Selbst Publikationen, deren Fokus die zahlreichen Gewalt- und Gräueltaten der Wehrmacht oder der SS des Zweiten Weltkrieges im besetzten Osten sind, thematisieren sexuelle Gewaltakte wie Vergewaltigung und Zwangsprostitution nur am Rande. Die wenigen Veröffentlichungen zu diesem Thema behaupten pauschal, dass von deutschen Soldaten »systematisch vergewaltigt wurde, um Terror zu verbreiten« und die Täter damit rechnen konnten, »straffrei zu bleiben«. Dieses Bild versucht Beck in ihrem Beitrag zu differenzieren. Anhand der Auswertung von Gerichtsurteilen der deutschen Wehrmacht widerlegt sich nicht nur die These von der Straffreiheit, sondern kann zudem zeigen, in wie unterschiedlicher Weise mit solchen Gewalttaten an der West- und Ostfront von der Militärgerichtsbarkeit umgegangen wurde, was die jeweiligen Intentionen der Besatzungspolitik reflektiert. An der Westfront konstatiert sie »ein hartes Vorgehen« der Militärgerichte, die aus Gründen der Disziplin, vor allem aber aus Angst um das Ansehen der Wehrmacht oftmals hohe Zuchthausstrafen gegen vergewaltigende deutsche Soldaten verhängten. An der Ostfront hingegen wurden nicht nur insgesamt sehr viel weniger Vergewaltigungen gemeldet, was nicht die Zahl dieser Gewaltakte widerspiegelt, sondern vielmehr die antizipierte geringe Bereitschaft zu ihrer Verfolgung. Diese wenigen gemeldeten Fälle wurden zudem nur dann unnachgiebig bestraft, wenn militärische Belange und Interessen maßgeblich gefährdet schienen oder sich die Tat negativ auf den Zusammenhalt der Truppe auswirken konnte. Die Rechtsprechung wurde an der West- wie an der Ostfront in erheblichem Maße durch das rassistische Denken und das Geschlechterbild der Richter geformt, die primär die Interessen der Wehrmacht und ihrer männlichen Angehörigen vertraten. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass weit geringfügigere Eigentumsdelikte sehr viel härter bestraft wurden, weil sie als »Wehrkraftzersetzung« bewertet wurden. Resümierend kommt Beck zu dem Schluss, dass Vergewaltigungen nicht Teil der »NS-Kriegsstrategie« waren. Es ist zu wünschen, dass weitere empirische Untersuchungen folgen, die sich intensiver der Problematik der sexuellen Gewalt im Ersten und Zweiten Weltkrieg annehmen. Bisher sind durch entsprechende Forschungen vor allem die Massenvergewaltigungen von deutschen Frauen durch Soldaten der Roten Armee bei Kriegsende 1945 im öffentlichten Bewusstsein verankert, die im kollektiven Gedächtnis der deutschen Nation zu einem Menetekel von Niederlage und Kapitulation wurden.« (Source: Karen Hagemann. »Heimat – Front: Militär, Gewalt und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege.« Heimat-Front. Militär und Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Weltkriege. Edited by Karen Hagemann. Frankfurt/Main 2002: 37-38)

Contents:

  Das Delikt »Vergewaltigung« im Rahmen der Militärgerichtsbarkeit (p. 259)
  Gerichtsurteile zu Vergewaltigungen (p. 261)
  Das »Ansehen« der Wehrmacht (p. 263)
  Die »Geschlechtsehre« der Frau (p. 264)
  Wehrmacht und Sexualität (p. 268)
  Zwangsprostitution (p. 269)
  Resümee (p. 270)
  Anmerkungen (p. 271)

Reviews:

Fesser, Gerd. Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 53(1) (2005): 69-70.

Forster, Ellinor. L'Homme: Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 15(1) (2004): 160-164.

Frevert, Ute. Historische Zeitschrift 277(1) (August 2003): 239-241. – Full Text: De Gruyter Online (Restricted Access), JSTOR (Restricted Access)

Kula, Raphaela. Archiv für Sozialgeschichte online (March 2003). – Full Text: Friedrich-Ebert-Stiftung (Free Access)

Latzel, Klaus. Historische Anthropologie: Kultur, Gesellschaft, Alltag 11(3) (December 2003): 480-482. – Full Text: De Gruyter Online (Restricted Access)

Meinen, Insa. Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 90(3) (2003): 365-366. – Full Text: DigiZeitschriften (Free Access)

Reiss, Matthias. Bulletin of the German Historical Institute London 25(1) (May 2003): 112-124. – Full Text: German Historical Institute London (Free Access)

Rösener, Anke. Zeitschrift für Politikwissenschaft - Journal of Political Science 13(1) (2003): 285-286.

Streubel, Christiane. H-Soz-u-Kult (June 10, 2003). – Full Text: H-Soz-u-Kult (Free Access)

Treiblmayr, Christoph. »Militarism Revisited: Masculinity and Conscription in Germany.« Journal of Contemporary History 39(4) (October 2004): 649-656. – Full Text: SAGE Journals (Free Access)

Translation: Beck, Birgit. »Rape: The Military Trials of Sexual Crimes Committed by Soldiers in the Wehrmacht, 1939-1944.« Home/Front: The Military, War and Gender in Twentieth-Century Germany. Edited by Karen Hagemann et al. Oxford 2002: 255-273.

Wikipedia: Forced prostitution; Wartime sexual violence: German war crimes, War crimes of the Wehrmacht, World War II