Die Digitalisierung des Kulturerbes 


Europeana, Digital Sapiro, Kulturpool und andere Digitalisierungsinitiativen

 

Die Online-Bibliothek Europeana soll bis 2010 mit zehn Millionen (!) Kunstwerken aus allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union "befüllt" werden. Mehr als 1.000 Museen, Archive und Bibliotheken haben schon Material aus ihren Beständen zu diesem ehrgeizigen EU-Projekt beigesteuert. Nahezu drei Millionen Gemälde, historische Fotos und Manuskripte etc. sind bereits online abrufbar, wobei derzeit Digitalisierungsinitiativen aus Frankreich dominieren. Ich habe der Europeana vor einigen Tagen einen kurzen Besuch abgestattet und wurde schnell fündig: Die Suche nach meinem Lieblingsphilosophen Michel de Montaigne ergab zahlreiche Treffer, die Hinweise (und Fotos!) auf die zu seinen Ehren aufgestellten Büsten freuten mich besonders. Das Motto der Europeana lautet "connecting cultural heritage", finanziert wird sie über das Gemeinschaftsprogramm eContentplus. Die Kosten der Digitalisierung tragen die EU-Staaten, die Europäische Kommission stellt 2 Millionen € pro Jahr für den Unterhalt der Europeana bereit - ein verlockendes Angebot für Kulturinstitutionen aller Art! Kurze Zeit nachdem am 20. November 2008 der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, den Startschuss für diese Sammlung von europäischen Kulturschätzen im Internet gegeben hatte, brachen wegen des überwältigenden Ansturms Interessierter die überlasteten Server des Projektes zusammen! Was erwartet sie auf dieser Reise in die kulturelle Vergangenheit Europas? Die Europeana bietet das Lächerln der Mona Lisa, die Partituren zu Mozarts Requiem inklusive Audicclips zum Anhören - und vieles mehr!

 

 

Zwei österreichische Bundesministerien (BMUKK, BMWF) haben bereits das Portal Kulturpool als zentralen Zugang zum digitalen österreichischen Kulturerbe geschaffen. Die große Vielfalt der "Kulturobjekte" österreichischer Institutionen erfordert ein übergreifendes Portal, um inter- und transdisziplinäre Ansätze bei der weltweiten Vermittlung des österreichischen Kulturerbes zu fördern. Denn schließlich hat Österreich auf dem kulturellen Sektor sehr viel zu bieten: Sammlungen der Albertina, des Kunsthistorischen Museums, der Akademie der Wissenschaften, audiovisuelle Aufnahmen der Österreich-Mediathek etc. Der Kulturpool ist einerseits die "nationale Schnittstelle"  bzw. der "nationale Datenlieferant" für die Europeana, die als "europäisches Dachportal" ausgestaltet ist, er soll andererseits aber auch als "Präsentationskanal" für die österreichischen Kulturinstitutionen dienen. Entwickelt wird der Kulturpool von der uma information technology Ges.m.b.H., die an zielgruppenspezifischen Funktionaliäten arbeitet (etwa für Schulen, um Unterrichtseinheiten gestalten zu können) und semantische Such- und Servicekomponenten in diese Digitalisierungsinitiative integrieren wird.

 

 

Google Earth lädt auf eine Zeitreise in das antike Rom des Jahres 320 nach Christus ein: Es wurde ein 3D-Modell mit rund 6.700 sehr detailreichen Fassaden entwickelt, in 11 besonders berühmte Gebäude des antiken Rom (Tempel der Vesta, Kolosseum) wurde sogar "Innenleben" eingefügt. Man kann virtuell über das Forum Romanum spazieren, in die Thermen des Kaisers Caracalla gehen, zum Jupiter-Tempel auf das Kapitol steigen, ja sogar das Pantheon "wie im Flug" durch das berühmte Loch in der Kuppel betreten. Man erfährt en passant viel darüber, wie es sich im antiken Rom zur Zeit Kaiser Konstantins des Großen lebte. Ein gelungenes Stück "Edutainment" von Google! Seit kurzem gibt es in Google Earth auch Meisterwerke der Malerei zu sehen - begonnen wurde mit 14 Gemälden aus dem Museo del Prado in Madrid (von Rembrandt, Velasquez, Goya und Rubens), welche man mit einer hochauflösenden Spezialkamera abforografierte.  Eine Zoom-Funktion macht interessante Details dieser Gemälde wie zum Beispiel die Pinselführungen und die Unterschriften der Künstler deutlich sichtbar.

 

 

Das weltberühmte historische Opernhaus La Fenice in Venedig (wurde 1792 eröffnet) ermöglicht es, Opern und Originaldokumente berühmter italienischer Komponisten über das Internet öffentlich zugänglich zu  machen. Im Rahmen der Innovation Digital Sapiro ist La Fenice nunmehr auch "global erlebbar", und zwar immer und überall, wo es einen Internetanschluss gibt.

 

 

Bei der Eröffnung des Ars Electronica Centers Anfang 2009 in Linz ist die digitale Reproduktion des Wandgemäldes "Letztes Abendmahl" von Leonardo da Vinci gezeigt worden. Die Digitalversion (erstellt von Haltadefinizione) besteht aus über 16 Milliarden Pixeln (!) und 1.677 Einzelbildern. Man kann - der Digitalisierung sei Dank! - nunmehr auch winzige versteckte Elemente sehen. Im Original des Gemäldes in der Kirche Santa Maria delle Grazie sind diese Details nicht bzw. nicht mehr erkennbar!