Google Kritik Nr. 4

Google vs. Menschenrechte & Demokratie

Wenige Userinnen und User sind sich dessen bewusst, welche Ansammlungen an auswertbaren Daten sie bei Google schon hinterlassen haben. Google Inc. ist in erster Linie ein US-Konzern, die Behörden und Gerichte in den USA werden immer "datenhungriger" - ob das Grundrecht auf Datenschutz (nach europäischem Rechtsverständnis) im Konfliktfall auch tatsächlich gewährleistet sein würde, ist höchst zweifelhaft!

Organisationen wie etwa Reporter ohne Grenzen (hat Beobachterstatus beim Europarat und bei der UNESCO) oder das Center for Democracy and Technology in den USA werfen den Suchmaschinenbetreibern Google und Yahoo! Beihilfe bei der Verfolgung von Dissidenten in der Volksrepublik China vor. Yahoo! wurde unter anderem vorgeworfen, Daten über die E-Mails des Bürgerrechtlers Li Zhi den chinesischen Verfolgungsbehörden ausgefolgt zu haben, was zu dessen Verurteilung im Jahr 2003 zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen angeblicher "Untergrabung der Staatsgewalt" geführt hatte. Google wird wegen seiner Kooperation mit der chinesischen Staatszensur heftig kritisiert, welche verlangt, dass Suchanfragen zu "Tabuthemen" wie etwa nach dem Dalai Lama, Falun Gong etc. herausgefiltert werden müssen. Die westlichen Suchmaschinenbetreiber verantworten sich im Wesentlichen damit, ihre lokalen Ableger in totalitären Regimen müssten sich eben an die in diesen Diktaturen geltenden "Rahmenbedingungen" halten.

Menschenrechtsorganisationen halten diese Verantwortung für wenig überzeugend, für sie handeln die Suchmaschinenbetreiber nach dem Motto "Geschäft geht vor Humanität".

Faktum ist, dass die Volksrepublik China eine totale Medienkontrolle haben möchte: Chinas eigener (und führender) Suchmaschinendienst Baidu hat die staatliche Genehmigung, eigene Berichte verfassen zu dürfen, also (auch) journalistische Arbeiten verrichten zu dürfen. Google, dem als US-Unternehmen von vornherein nicht vertraut wird, hat eine derartige Erlaubnis in China nicht. Google hat in China 16 % Marktanteil, der staatliche chinesische Konkurrent Baidu 57 %. Microsoft unterhält übrigens eine offizielle Kooperation mit Baidu. Google China wurde am 25. Januar 2006 freigeschaltet.

137 Millionen Chinesinnen und Chinesen greifen heute regelmäßig auf das Internet zu. Chinesische Webseiten, die im Ausland erstellt werden und die meist regierungskritisch sind, werden ihnen vorenthalten. In China durchkämmen Polizisten das Internet nach missliebigen Inhalten. Wie sagte doch der chinesische Präsident Hu Jintao laut staatlicher Nachrichtenagenut Xinhua (siehe "Wiener Zeitung" vom 25. 01. 2007, S. 26) : "Wir müssen die Meinungshoheit im Internet behalten und stärker lenkend eingreifen". In China stehen rund 30.000 Personen (!) im Sold der Regierung, welche im Internet nach "subversiven Inhalten" her sind.

Rund 400 Millionen Chinesinnen und Chinesen sind Handykunden. Der chinesische Markt ist riesig. Die Versuchung, lieber mit den chinesischen Behörden und Gerichten zu kooperieren und am wirtschaftlichen Boom der kommunistischen Diktatur "mitzunaschen" statt sich um Menschenrechte zu kümmern, ist natürlich auch riesig.

Google wird weiters oft vorgeworfen, seine Macht als "Gatekeeper" voll auszuspielen, indem es Webangebote "von heute auf morgen" begründungslos aus seinem Index nimmt. In einer deutschen PC-Zeitschrift las ich vor kurzem die Beschwerde des Betreibers einer Website namens Kakuro, welcher ausführte, er sei mit seinem Online-Angebot von Google "nicht nachvollziehbar" praktisch "hinausgeschmissen" worden. Ob dies zutrifft, kann ich nicht genau beurteilen, jedoch liest man in den Medien gehäuft von solchen Fällen.

Ein mehrminütiger Flashfilm von Robin Sloan und Matt Thompson namens Epic 2015 stellt Google gar als eine Art böses Monster dar: Die Medienlandschaft der Zukunft werde dadurch gekennzeichnet sein, dass die herkömmliche Presse mit ihrem kritischen Potenzial von den Online-Giganten "ausradiert" worden sei. Diese Befürchtungen (welche es auch schon bei der Einführung des Fernsehens gab!) halte ich für arg übertrieben: Die älteste noch immer erscheinende Tageszeitung der Welt, nämlich die "Wiener Zeitung", gibt es schon seit dem Jahr 1703 und wird es sie auch noch im Jahr 2015 geben! Die Macher dieses Streifens übersehen in ihrer simpel gestrickten "Verschwörungstheorie", dass sich pluralistische Demokratien die Vielfalt verschiedener Medien (ebenso wie die verschiedener politischer Parteien) schon heute auch etwas kosten lassen, ganz abgesehen davon, dass diese Vielfalt in den Verfassungen meist sogar ausdrücklich abgesichert ist. Druck erzeugt immer eben auch Gegendruck!

Eine weitere massive Kritik an Google betrifft seinen Dienst Google Earth - dieser kann auch eine gefährliche Waffe in der Hand von Terroristen aller Schattierungen sein: Britische Geheimdienstoffiziere warfen Google vor, "too little too late" getan zu haben, um bestimmte "sensitive areas" im Irak aus Google Earth auszublenden. Dadurch seien britische Soldaten gefährdet gewesen, da sie von Terroristen mit Hilfe von Google Earth als Anschlagziele leicht ausgemacht hätten werden können - siehe Bericht in Infopackets : Bei der Erstürmung von Häusern im Irak, die von Terroristen als Unterschlupf benutzt wurden, fand man Unterlagen, auf denen genau vermerkt war, an welchen Punkten sich ein Attentat lohnt!