Die Macht von Google

So beherrscht Google das Internet

"Wenn Sie Glück haben, informiert Google Sie darüber, warum Ihre Webseite aus dem Index entfernt wurde."

(Internet Professionell, Februar 2007, S. 16)

 

1.) Google entscheidet darüber, welche Webseiten die Userinnen und User zu sehen bekommen. Google bestimmt, welche Webangebote in den Suchergebnissen oben und welche unten stehen.

Darin liegt die Macht von Google.

2.) Google speichert jeden Suchbegriff, den die Userinnen und User eingeben, Google kennt genau ihr Surfverhalten, Google hat Zugriff auf jede Menge privater Daten. Google sitzt auf der größten privaten Datensammlung dieser Welt.

Auch darin liegt die Macht von Google.

Zu Punkt 1.) :

Gerade für E-Commerce-Betreiber ist es von entscheidender Bedeutung, ob sie in den Suchergebnissen von Google gelistet werden oder nicht. Ganze Heerscharen von Dienstleistern bieten hier ihre "Optimierungstechniken" an, die mitunter oft dubios sind ( wie z. B. Cloaking oder Brückenseiten). Entfernt Google eine Webseite aus seinem Index, braucht es dies nicht zu begründen. Erhält man - wenn überhaupt - eine Begründung, hatte man "Glück" - siehe das obige Zitat!

Die "Page Rankings" von Google sind ein Kapitel für sich: Die "Relevanz" einer Webseite errechnet sich im Wesentlichen dadurch, wie oft diese auf andere Seiten verlinkt ist. Es handelt sich also um eine nur quantitative Erfassung, in welcher die inhaltliche Qualität eine sehr geringe Rolle spielt.

Der Begründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, Jimmy "Jimbo" Wales, hat mit seiner geplanten neuen Suchmaschine "Search Wikia" Google schon die Rute  ins Fenster gestellt: Es sollen nicht mehr - wie derzeit bei Google üblich -computerisierte Algorithmen über die Rangordnung der Suchergebnisse entscheiden, sondern die Bewertung soll den Userinnen und Usern selbst überlassen bleiben! Die "Internet-Gemeinde" soll über die Hierarchie der angezeigten Ergebnisse bestimmen, und niemand sonst! Diese neue Community-Suchmaschine soll im Gegensatz zu Google "frei von Spam und Schrott" sein.

Setzt sich die Idee von Jimmy "Jimbo" Wales durch, ist die Macht von Google gebrochen. Als im Jahr 2001 die Wikipedia erschien, glaubte auch niemand so recht daran, dass die neue Online-Enzyklopädie alteingesessenen Enzyklopädie-Verlagen wie Brockhaus einen großen Teil des Geschäftes wegnehmen und die Encarta von Microsoft als überflüssige Anschaffung demaskieren wird. Heute gibt es die Wikipedia in rund 250 Sprachen, sie hat insgesamt etwa 6 Millionen Artikel. Was am wichtigsten ist: 3,7 Millionen Menschen arbeiten weltweit an dem gigantischen Nachschlagewerk mit! Gegen eine neue Suchmaschine, welche sich auf das "Mitmach-Web" 2.0 stützt, wird Google à la longue keine Chancen haben. Davon bin ich fest überzeugt! Wenn an die Stelle des intransparenten "Page Rankings" von Google eine über das Internet weltweit vernetzte Community tritt, wird eine neue Epoche anbrechen! Die Idee einer Online-Enzyklopädie hat eine wahre Textlawine losgetreten - Microsoft kann mit seiner Encarta nie Vergleichbares in so kurzer Zeit vollbringen. Auch Google wird vor einer neuen, Web 2.0-basierten Suchmaschine bald kapitulieren müssen!

Google hat sich unbeliebt gemacht: Blake Ross, der Vater von Firefox, hat Google etwa vorgeworfen, Macht zu missbrauchen, indem Google seine eigenen Produkte und Webdienste prominent an erster Stelle bei den Suchergebnissen auflistet: Gibt man zum Beispiel "photo sharing" ein, empfiehlt Google sein eigenes Produkt Picasa etc.

Das ganze PageRank (TM)-Verfahren von Google ist höchst fragwürdig: Wichtige Webseiten mit hoher Qualität sollen in diesem System angeblich einen "höheren PageRank" bekommen. Die Praxis schaut oft ganz anders aus! Das PageRank (TM)-Verfahren von Google ähnelt einem Staat, dessen Wahlrecht reichen Personen mehr Stimmen als armen Schluckern zubilligen würde.

Geschäftlicher Erfolg, vor allem im Bereich des E-Commerce, hängt heute davon, ob und wie gut Webangebote bei Google auffindbar sind. Wenn es darum geht, Geld im Web zu verdienen, ist eine optimale Platzierung bei Google von entscheidender Bedeutung. "Well indexed by Google" - ein Qualitätskriterium! "Top listed by Google" - noch besser! "Delisted by Google" - ein wirtschaftliches Todesurteil auf globaler Ebene!

Warum soll ein US-Konzern so viel Macht ausüben dürfen? Effektive Kontrollmechanismen gibt es nicht!

Zu Punkt 2.):

Googles Firmenmotto lautet: "Don´t be evil!". Wenn man in Blogs dann liest, dass Matt Cutts, einer der wichtigsten Software-Ingenieure im Solde von Google, früher für die "National Security Agency" gearbeitet hat, wird man von Zweifeln befallen. Diese Zweifel werden nicht geringer, wenn man erfährt, dass von Google aufgekaufte Unternehmen wie etwa "Keyhole" früher von der CIA finanziert wurden. Nach dem US-"Patriot Act" haben US-Behörden unbeschränkten Zugriff auf alle Daten von Userinnen und Usern: Google darf nach diesem Gesetz weder die Betroffenen noch die Öffentlichkeit über eine Datenherausgabe informieren, die Anordnung einer Datenherausgabe unterliegt auch keiner richterlichen Prüfung! Hier drängt sich schon fast die Orwell´sche Vision der totalen Überwachung auf: Auch wenn Google immer wieder beteuert, keine detaillierten Profile seiner Userinnen und User anzulegen, so hat das Unternehmen doch eine große Expertise im "Data Mining", die eines Tages missbraucht werden könnte!

Google ist eine "Info-Krake", die von kontextbezogener Online-Werbung lebt. Um diese einblenden zu können, sind zwangsläufig möglichst detaillierte Benutzerprofile von Vorteil. Google kennt das Surfverhalten und den E-Mail-Verkehr von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Schon die Vorstellung, dass Google jederzeit überwachend eingreifen könnte, ist für viele beklemmend. Google hat die Möglichkeit, Informationen aus immer mehr Quellen zu "poolen" und lukratives "Data Mining" in großem Stil zu betreiben und damit Geld zu scheffeln. "Data Mining" ("Datenbergbau") ist das Extrahieren von Informationsbeziehungen, die in Datenbanken quasi unsichtbar vergraben liegen. Wie hält es Google mit dem Datenschutz? Durch eine Initiative des Europarates und der EU-Kommission wurde der 28. Jänner jeden Jahres zum "Datenschutztag" ausgerufen. Die bedenkliche, immer größer werdende Macht von Google muss einer demokratisch legitimierten Kontrolle unterzogen werden!

In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 2007 gelangte die Webseite www.google.de kurzfristig sogar in fremde Hände: Wie soll Google effektiv die Daten der Suchmaschinennutzer schützen, wenn es nicht einmal die eigene Domain immer schützen kann?

Internet- und Handyuser(innen) hinterlassen jede Menge "Datenspuren". Damit sind große Gefahren für die Privatsphäre des Einzelnen verbunden. Online-Anbieter wie etwa Google sammeln, analysieren und speichern (auf unbestimmte Zeit!) laufend verschiedenste Daten ihrer Kund(inn)en. Diese können die langfristigen Folgen kaum oder gar nicht ermessen. Eine obligatorische, gesetzlich verankerte Privacy-Folgenabschätzung könnte hier Abhilfe schaffen. Datenschutzstellen sind mit mehr Kompetenzen und Ressourcen auszustatten. Jede Person sollte einen einfachen Zugang zu den über sie gespeicherten Daten erhalten. Dann hätte auch Google keine unkontrollierte Macht mehr wie heute!