Dr. Herbert GASSNER

Alles über Google - eine kritische Auseinandersetzung mit einer Macht im Internet 

Wer denkt, Google sei nur eine besonders erfolgreiche Suchmaschine, wird in diesem Blog schnell eines Besseren belehrt werden. Google ist vor allem ein mächtiger kalifornischer Milliardenkonzern: Nach der renommierten US-Tageszeitung New York Times vom 2. Januar 2007 laufen mehr als die Hälfte aller Suchanfragen in den USA über Google, der Marktwert von Google beläuft sich schon auf 141 Milliarden (!) US-Dollar. Google nahm im Jahr 2005 den Rang 38 im Ranking der wichtigsten internationalen Marken ein. Im Jahr 2006 befand sich Google schon auf dem 24. Platz! Google wurde, was hervorhebenswert ist, im Wesentlichen nur durch "Mundpropaganda" zu einer der weltweit bekanntesten Marken. Google ist jederzeit in der Lage, Megadeals auszuführen: Google übernahm etwa am 10. Oktober 2006 das führende Internet-Videoportal YouTube für 1,65 Milliarden USD. YouTube mit Firmensitz im kalifornischen San Bruno wurde erst im Februar 2005 gegründet. Es legte einen rasanten Aufstieg hin und hat einen Marktanteil von 47 % im neuen Markt für Videoclips im Internet. Im August 2006 kaufte Google Neven Vision auf, eine "online photo-search company". Mit dem Kauf von Neven Vision hat Google auch Patente zur Analyse von Bildern erworben. Der Schwerpunkt wird auf der Gesichtererkennung liegen: Wird Google in Hinkunft auch in der Lage sein, etwa auf einem mit dem Handy aufgenommenen Photo eine bestimmte Person zu erkennen und die auf diese Person bezogenen Informationen prompt zu liefern? Googles Produktinnovationen laufen heute oft nur noch über Aufkäufe von Kleinunternehmen aus aller Welt ab. Google Analytics, gestartet im November 2005, erlaubt Besuchertracking auf Webseiten zwecks Überprüfung und Optimierung von Online-Marketingkampagnen; dieser Dienst basiert auf Entwicklungen der von Google aufgekauften Firma Urchin, die ausführliche Analysen von Zugriffszahlen und des Benutzerverhaltens auf Webseiten ermöglichen.

 

Google expandiert in alle Richtungen. Das Verblüffende an Google Inc. ist der gigantische wirtschaftliche Erfolg dieses Unternehmens, welches erst im September 1998 von zwei Studenten der Stanford University ins Leben gerufen wurde: Larry Page und Sergey Brin (er wurde in der ehemaligen Sowjetunion geboren) hatten bei der Gründung von Google Inc. ein Startkapital von 1 Million USD. 2004 erfolgte bereits der Gang an die Börse. Die Google-Aktie verzeichnete einen fulminanten Kursanstieg von unter 100 USD auf über 500 USD Ende 2006. Google ist - nach Microsoft und Cisco Systems - heute das drittgrößte IT-Unternehmen der Welt. Schwer zu begreifen, aber es ist nun einmal so: Google hat schon einen höheren Marktwert als Riesen wie IBM oder Intel!

 

  • Der "Googleplex" in Mountain View, Kalifornien, ist der weltweite Hauptsitz von Google Inc. (Public, NASDAQ : GOOG).
  • Google beschäftigt global 9.378 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Stand: 30. September 2006).
  • Google leitet sich ab von "Googol", einem mathematischen Fachbegriff für eine 1 gefolgt von 100 Nullen. Die symbolische Bedeutung des Namens Google liegt in dem Bestreben, die enorme Menge an Informationen im Internet verfügbar zu machen. Die offizielle Unternehmensphilosophie lautet: "Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen".
  • Google bietet eine Nutzeroberfläche für mehr als 100 Sprachen.
  • Über die Hälfte der Suchanfragen bei Google kommt bereits von außerhalb der USA.
  • Google ermöglicht es, nach mehr als 1 Milliarde Bildern im Internet zu suchen, über 1 Milliarde Usenet-Mitteilungen seit dem Jahr 1981 zu lesen etc.
  • Google erledigt oft mehr als 200 Millionen Suchanfragen - pro Tag!
  • Google hat rund 200.000 Computer in "Daten-Centern" auf mehreren Kontinenten stationíert.
  • Nach dem US-Businessmagazin Forbes will Google demnächst eine neue "Serverfarm" im US-Bundesstaat North Carolina errichten. Kosten: 600 Millionen USD!
  • Rund um Google sind zahlreiche neue Dienstleister entstanden, etwa für Suchmaschinenoptimierung, da insbesondere Unternehmen bestrebt sind, ihren Webangeboten einen "hohen PageRank" bei Google zu verschaffen. Leider entwickelten sich aber auch neue Formen der Internet-Kriminalität wie "Click Fraud" und die  Manipulation von Suchergebnissen ("Cloaking", "Keyword Stuffing"etc.) rund um Google. Nach seriösen Schätzungen sind 14,6 % aller Klicks manipuliert und stellen "Klickbetrug" dar (lt. Internet Professionell, 2/07, S. 15).
  • In den USA belegt der derzeit größte Konkurrent von Google, nämlich Yahoo!, mit nur mehr insgesamt 28,5 % Marktanteil Platz 2 bei den Suchanfragen. Yahoo! schwächelt: Im vierten Quartal 2006 wie auch im Gesamtjahr 2006 hatte Yahoo! einen starken Gewinnrückgang zu verzeichnen (verdiente 2006 nur 52 Cent je Aktie, 2005 waren es noch 1,28 USD je Aktie). Yahoo! verliert gegenüber Google immer mehr an Boden, wie der stark geschrumpfte Gewinn von Yahoo! beweist. Yahoo! erwartet sich von der Umstellung auf ein Anzeigen-Vermarktungssystem wie bei Google eine Trendumkehr. Ob diese auch tatsächlich eintreffen wird, ist mehr als zweifelhaft.
  • 92 % aller Userinnen und User in Österreich verwenden Google.
  • Die Redaktion des Duden in Mannheim nahm in die 23. Auflage erstmals das Wort "googeln" mit der Bedeutung "im Internet, besonders in Google suchen" auf. Daraufhin bekam es der Duden mit den Anwälten von Google zu tun: Diese erhoben die Forderung, das Verb "googeln" nicht mehr allgemein im Sinne von "im Internet suchen" zu verwenden, weil dadurch angeblich Googles Markenschutz gefährdet werde. Der Duden gab diesem Drängen nach und änderte in seiner jüngsten Ausgabe den Eintrag für "googeln" ab. In der PC-Zeitschrift Tomorrow (2/2007, S. 38) findet sich etwa der Satz: "Unternehmensberatungen googeln potenzielle Führungskräfte, bevor sie sie ihren Auftraggebern empfehlen". Google wird oft vorgeworfen, dass es den Weg weg von der "Bildungsgesellschaft" hin zur reinen "Konsummediengesellschaft" massiv beschleunigt: Wozu noch überhaupt etwas lernen, wenn man es ohnehin schnell "nachgoogeln" kann? Oft ist die Rede von "ergoogelten Informationen" über eine bestimmte Person.


 

Vor dem Erscheinen von Google dominierten andere Suchmaschinen wie AltaVista, Lycos, Excite etc. Wer erinnert sich überhaupt noch an sie ? Für seine Suchmaschine AltaVista erwarb Compaq im Juli 1999 die Web-Adresse Altavista.com - der frühere Domaininhaber erhielt für sie umgerechnet rund 2,75 Millionen € damals. Heute rivialisieren mit Google im Wesentlichen nur noch Yahoo! und Microsoft. A9, die seit 2004 existierende Suchmaschine von Amazon.com, hat nur einen ganz kleinen Marktanteil. Mit Millionenbeträgen versucht Microsoft derzeit, den agilen Aufsteiger Google auch auf anderen Gebieten zu stoppen: Microsofts "Virtual Earth" versucht, "Google Earth" den Rang abzulaufen, wenn auch ohne großen Erfolg. "Google Earth" ist im übrigen nur eine relativ gut gelungene Abwandlung der NASA-Software World Wind, welche ein kostenloses Programm für Satellitenfotos ist.

 

 

Eine Gefahr, die Google derzeit droht, ist das boomende Web 2.0: Wikia, ein vom Gründer der Wikipedia Jimmy Wales aus der Taufe gehobenes Unternehmen, plant die Entwicklung einer eigenen Suchmaschine namens Wikiasari, die Google wirklich an den Kragen gehen könnte. Anders als bei Google sollen bei dieser neuen Suchmaschine die Userinnen und User die Treffer selbst bewerten, eine Verfälschung der Suchergebnisse - wie bei Google leider oft anzutreffen - soll dadurch verhindert werden. Amazon hat bereits mehrere Millionen USD in dieses innovative Projekt investiert. Wiki bedeutet in der hawaiianischen Sprache "schnell", asari stammt aus dem Japanischen und kann mit "herumstöbernde Suche" übersetzt werden. Die Bezeichnung des Projektes wurde vor kurzem in Search Wikia geändert, was einprägsamer ist. Ob das "Anti-Google" von Jimmy Wales ebenso Furore machen wird wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia, welcher am Anfang auch mit Skepsis begegnet wurde, wird sich zeigen. Eine weitere Gefahr könnte das deutsch-französische Suchmaschinenprojekt Quaero werden: Es wurde im April 2005 zwischen dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als gemeinsame Offensive vereinbart. In Europa fehlen aber Erfahrungen mit Suchmaschinen-Software auf -zig tausenden Rechnern. Darüber hinaus gibt es derzeit schon ein regelrechtes "Google-Universum", welches aus einer Vielzahl einzelner Dienste besteht: In diesem Blog werde ich dieses "Google-Universum" bereisen und ausführlich kommentieren. Begleiten Sie mich auf dieser Reise!


 

Dieser Blog wird sich in den folgenden Monaten umfassend und kritisch mit allen Aspekten des globalen Phänomens Google auseinandersetzen. Google hat nicht nur Stärken, sondern weist auch zahlreiche Schwächen auf. Nach einer allgemeinen Besprechung der einzelnen Google-Dienste werden dann auch im Detail Probleme aufgezeigt und erörtert werden:

 

 

Kann Europa dem Monopol von US-Konzernen bei den Suchtechnologien überhaupt Paroli bieten? Gibt es schon eindeutig feststellbare Missbräuche dieser Monopolstellungen und wie kann diesen begegnet werden? Welche Konsequenzen hat das Eindringen von Google in den Software-Markt? Warum beglückt Google seine Userinnen und User immer öfter mit Gratis-Software? Entwickelt sich Google zum härtesten Konkurrenten von Microsoft? Wie viele Features der Softwareprodukte aus dem Hause Microsoft lassen sich durch Googles Online-Anwendungen ersetzen?  Warum liefert die Google-Suche in vielen Fällen irrelevante Resultate? Weshalb wird Google immer anfälliger für Manipulationen? Bei Google besorgen proprietäre Algorithmen die Suchergebnisse (und die damit verbundenen Millionengeschäfte mit bezahlter Werbung): Wird Search Wikia das bessere Modell darstellen? Ein vorderer Platz im Google-Ranking bedeutet für viele E-Commerce-Unternehmen bares Geld: Ist die Entkommerzialisierung der Suchmaschinen angesagt? Ist Google schon das größte "evil empire" seit Microsoft? Ist Google ein freundlicher Datenriese oder ein böser Datenkrake? Immerhin kennt die Desktop-Suche von Google den PC besser als sein Eigentümer, und bereits aus den Suchbegriffen des Alltags lassen sich aussagekräftige Persönlichkeitsprofile von Surfern erstellen!

 

Die Macht von Google

Google und die Werbung

Google und das Web-2.0

Die Zukunft von Google

Google als Sponsor von Linux

G1 - das Smartphone von Google


 

 

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Gratis-Software von Google 

Wenig bekannte Google-Dienste 

Webware - alles im Browser erledigen!

Google und die Digitalisierung unseres kulturellen Erbes

 

Kritik an Google Nr. 1

Kritik an Google Nr. 2

Kritik an Google Nr. 3

Kritik an Google Nr. 4

Kritik an Google Nr. 5

 

So prozessiert Google

 

Google vor Gericht Nr. 1 (L´Agence France Press vs. Google)

Google vor Gericht Nr. 2 (Österreich, Fall "Glucochondrin")

Google vor Gericht Nr. 3 (Belgien, Copiepresse vs. Google)

 

Kampf der Giganten (Google vs. Microsoft)

Kampf der Giganten (Google vs. eBay)

Google will Geld sehen

 

Alternativen zu Google (andere Suchmaschinen)

Google und die Bloggerszene

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