Kriegsbeginn vor 60 Jahren

Churchill schlug 1948 vor, den Zweiten Weltkrieg in den Geschichtsbüchern unter der Bezeichnung „Der unnötige Krieg"  zu führen. Diese Wertung ist äußerst beunruhigend und muss Anlass für ein gründliches Studium der Kriegsursachen sein. Dabei gilt es zu beachten:

Im Vorfriedensvertrag vom 5.11.1918 gingen die Alliierten feste Verpflichtungen ein (u.a. 14 Punkte Wilsons). Nach dem Waffenstillstand vom 11.11.1918 wollten sie davon nichts mehr wissen. Dies qualifizierte Lloyd George und Woodrow Wilson schon 1919 als Wortbruch.

1.    Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.6.1919 erfolgte unter Zwang. Niemand ist aber zur Einhaltung dessen verpflichtet, wozu er unter Gewaltandrohung genötigt wurde. Manche Vertragsteile beruhten, Lloyd George am 7.10.1928 in London bestätigte, auf Täuschung.  Auch das entbindet von der Einhaltung des Vertrages. Eine Revisionsklausel enthielt der Vertrag in Teil I, § 19. Um deren Anwendung bemühten sich nicht nur Hitler, sondern alle deutschen Politiker seit 1919. Die KPD wollte im Falle der Machtübernahme„alle aus dem Versailler Vertrag ergebenden Verpflichtungen für null und nichtig erklären" („Rote Fahne", 24.8.1930). Die USPD befürchtete, dass die deutschen Proletarier zu Sklaven ausländischer Kapitalisten würden.

2.    Drei Wochen nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages äußerte Clemenceau vor französischen Offizierschülern: „Meine jungen Freunde, seien Sie unbesorgt um ihre berufliche Zukunft. Der Friede, den wir soeben geschlossen haben, garantiert ihnen zehn Jahre des Konfliktes in Europa". Ein Wiederaufflammen des Krieges war also einkalkuliert. Für Churchill gehörte der Versailler Vertrag zu den „Torheiten der Sieger". Die wirtschaftlichen Auflagen nannte er „bösartig".

3.    Art.88 des Versailler Vertrages  enthält die genauen Vorschriften für das Abstimmungsverfahren in Oberschlesien. Doch die Siegermächte setzten sich 1922 selbstherrlich darüber hinweg, um die reichen Kohlengruben Schlesiens den Polen übereignen zu können. Deutschland musste sich auch deswegen nicht mehr an den Versailler Vertrag gebunden fühlen.

4.    Im Locarnopakt von 1925 verzichteten Deutschland einerseits und Belgien mit Frankreich anderseits auf eine gewaltsame Revision der Grenzen. Zu einem „Ost-Locarno" war Stresemann nicht bereit. Ihm gegenüber kann Hitler als Verzichtspolitiker bezeichnet werden, denn er verzichtete neben den Westgebieten auf Südtirol und bot den Polen 1939 die Garantie der Korridorgrenzen an.

5.    Der Versailler Vertrag zwang Deutschland, sein Landheer auf 100.000 und seine Marine auf 15.000 Mann zu verringern, um „die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen". Deutschland musste also eine  Vorleistung für eine spätere allgemeine Abrüstung erbringen. Eine vorbereitete Abrüstungskommission wurde vom Völkerbund aber erst am 25. September 1925 eingesetzt und führte endlich am 2. Februar 1932 zu einer Abrüstungskonferenz mit 62 Staaten. Außer den USA war keiner von ihnen zu konkreten Abrüstungsschritten bereit. Lloyd George  erklärte 1932, „dass die Siegernationen schamlos die Treue in der Rüstungsfrage gebrochen haben".    

6.    Die sicherheitspolitischen Ziele Deutschlands in der Weimarer Zeit waren: Einbettung des Reiches in ein System kollektiver Sicherheit; Verringerung der Streitkräfte der Sieger oderVerstärkung der deutschen Armee auf 300.000 Mann, wobei auf Offensivwaffen verzichtet werden sollte. Diese Ziele übernahm Hitler. Seine zahlreichen Abrüstungsvorschläge blieben jedoch ohne Resonanz. Als Mussolini 1933 einen Viermächtepakt zwischen Italien, Frankreich, England und Deutschland unterbreitete, ließ ihn Frankreich scheitern. Deutschland schloss daraufhin 1934 einen Nichtangriffspakt mit Polen, der sich mit Gebietsfragen nicht befasste.

7.    Darin sahen in Deutschland konservative Kreise und Männer der Reichswehr, meist ostelbischer Herkunft, einen Verrat an den Deutschen Danzigs und es Korridors. Ihr bevorzugter Bündnispartner im Osten war Russland, denn sie erinnerten sich, dass Deutschland seine größten Probleme stets mit Rückendeckung Russlands gelöst hätte: Befreiungskrieg 1813, Königsgrätz 1866 und Frankreich 1870. Sie hielten eine ähnliche Konstellation in Zukunft für möglich, denn Polen war eingeklemmt zwischen einem Deutschland, das tief vom Versailler Vertrag getroffen war, und einem Russland, das Polen den Frieden von Riga 1921 nicht verzeihen konnte. Hitler dagegen hegte eine unüberwindliche Abneigung gegen das bolschewistische Russland und setzte auf eine Verständigung mit Polen und Großbritannien. Polen betrachtete er als lebenskräftigen Staat, der in drei Teilungen seine Widerstandskraft bewiesen habe und zusammen mit Deutschland ein Bollwerk gegen den Kommunismus bilden konnte.

8.    Im November 1933 wurde in Großbritannien das „Defence Requirement Commitee" gegründet, das entschied, „dass das Deutsche Reich als künftiger Gegner anzusehen sei". 1935 kam der englische Generalstab zur Überzeugung, dass Deutschland ohne Hilfe der Sowjetunion nicht besiegt werden könne. Daher reiste Eden im Mai 1935 nach Moskau, um Russland für einen  Krieg gegen Deutschland zu gewinnen. England leitete Rüstungsmaßnahmen großen Stils ein. „Der britische Außenminister  Halifax gestand in seinen Memoiren, schon 1936 zum Krieg entschlossen gewesen zu sein und nur noch auf den Anlass gewartet zu haben". Der amerikanische Borschfter in Paris, Bullitt, sagte 1936: „Der Krieg gegen Deutschland ist beschlossene Sache". Sebastian Haffner (Deutschjude) schreibt, dass der Krieg auch ohne Hitler gekommen wäre. Churchill hat Deutschland schon 1932, noch währen der Weimarer Zeit, als Gefahr hingestellt und sich als „Unglücksprophet" bestätigt.

9.    Schon auf der Versailler Friedenskonferenz vertrat das………

 „Comite des Delegations Juives" den Anspruch, als „grenzübergreifende Nation" für  10 Millionen verstreut lebenden Juden zu sprechen und das Recht zu haben, über das Schicksal der europäischen Völker mitzubestimmen. Daher kam es auch schon 1932  zu einer „Kriegserklärung" an Deutschland durch den Präsidenten der Jüdischen  Weltliga, Bernhard Lechance: „Deutschland ist unser Staatsfeind Nr,1. Es ist unsere  Sache, Deutschland erbarmungslos den Krieg zu erklären"!

           Es folgen ebensolche Erklärungen am 24. März 1933 durch den „Jüdischen  

Weltkongress"  (Daily Express) und am 5. / 7. August 1933 durch den Präsidenten derJüdischen Weltwirtschaftsvereinigung", Samuel Untermeyer, (New York Times). Am 29. August 1939, also kurz vor Kriegsbeginn, bekräftigte der

Präsident der Jewisch  Agency" Chaim Waizmann, diese antideutsche

 Bekundung.

 Nahum Goldmann verrät, wie sich diese Haltung auf die Politik der der USA

 auswirkte:  Es ist einfach nicht abzuleugnen, dass die  amerikanische Regierung

 bis zu einem gewissen Grade die Wünsche jüdischer  und vieler unter jüdischem  

 Einfluss stehender nicht  nichtjüdischer Wähler berücksichtigen muss, wie es in

 jeder Demokratie  selbstverständlich ist".

 Der Kampf der Juden beschränkt sich aber nicht auf politische Einflussnahme: 1,4

 Millionen von ihnen dienten in den alliierten Streitkräften (Jüdische Wochenschau,

 17.5.1955). Darüber hinaus sollen jüdische Geheimdienste rufschädigende

       Aktionen, vor allem am 9. November 1938 (Reichskristallnacht), durchgeführt

       haben.

10.   Abweichend davon bejahte die Zionistenbewegung das MS-Ziel der  

       Rassentrennung und schloss mit Deutschland das Haavraner-Transfer-

       Abkommen für Palästina-Auswanderer. Diese konnten sich in Deutschland bis in

       die ersten Kriegsjahre hinein in etwa 40 Ausbildungslagern mit z.T. jüdischen

       Lehrern  aus Palästina handwerklich schulen lassen, um den Anforderungen in

       ihrer neuen Heimat gewachsen zu sein. Zionistische Kreise sollen den Aufstieg

       Hitlers finanziell unterstützt haben in der Hoffnung, sein Antisemitismus werde die

       Bereitschaft deutscher Juden, nach Palästina zu  gehen, verstärken.                              12.  Die Wehrpflicht führte Hitler 1935 wieder ein. Der Anlass war die von verstärkten

       Rüstungsmaßnahmen begleitete Verdoppelung der Wehrdienstzeit in Frankreich.

13.   Am 7. März 1936 besetzte Deutschland das entmilitarisierte Rheinland.

       Unmittelbarer Anlass dafür war die Einkreisungspolitik Frankreichs und der CSR,

       die beide 1935 ungeachtet des Locarnopaktes Bündnisse mit Russland

       abgeschlossen hatten. Der britische Sozialist Snodwden hielt Hitler zugute, dass

       man zu oft dessen Friedensangebote übergangen habe und Lloyd George sprach

       von einer Provokation Hitlers durch die Alliierten. Zu den größten Provokationen

       gehörte ohne Zweifel  die Aufrüstung der neu geschaffenen CSR, wodurch das

       Abrüstungsziel des Versailler Vertrages sogar in sein Gegenteil verkehrt worden

       war.

       Die CSR verfügte nach dem Stand von 1939 über 36 moderne Divisionen und

       galt mit 1.582 Flugzeugen als „Flugzeugmutterschiff" gegen Deutschland. Auf ihren  

       32 Flugplätzen waren etliche russische Geschwader stationiert. Benes drängte die

       Franzosen nach der Rheinlandbesetzung zu einem gemeinsamen Angriff gegen

       Deutschland. konnte diese jedoch nicht dafür gewinnen.    

14.   Nach dem Abschluss des Münchner Abkommens stand nach Meinung Hitlers

       einem ungestörten Zusammenleben in Europa nur noch die Danzig-Korridorfrage

       im Wege. Er wollte sie lösen, dass Deutschland und Polen Freunde bleiben

       könnten. Vorgespräche hatten schon früher begonnen. Oberst Beck stand auf

       vertrautem Fuß mit seinem Jagdfreund Göring und schloss ein Entgegenkommen

       nicht aus, wenn Polen Danzigs wirtschaftliche Vorrechte behielte. Auch

       exterritoriale Verkehrswege nach Ostpreußen fanden seine Zustimmung.

       Deutschland bot Polen eine Grenzgarantie an. Auf dieser Grundlage sprach der

       polnische Botschafter Lipski am 29. 9. 1938 mit Hitler und am 24. 9. 1938 mit

       Außenminister Ribbentrop. Von Hitler ließ er sich dabei Deutschlands

       Einverständnis mit den polnischen Teschen-Plänen bestätigen, die während der

       Sudetenkrise zur Annexion des Teschener Landes führten. Polens Teschen -

       Ultimatum  gab während der Sudetenkrise für Benes den Ausschlag, von

       militärischem Widerstand abzusehen. Deutschland und Polen einte die

       Gegnerschaft zur Sowjetunion. Polen verweigerte daher den russischen Truppen

       während der Sudetenkrise die Durchmarscherlaubnis. Die Briten rechneten damit,

       dass Polen immer weiter „in die deutsche Bahn geraten" werde, und man hielt

       sogar einen deutsch-polnischen Feldzug gegen die vom Polen beanspruchten

       Sowjetukraine für möglich.

15.   Um die Danzigfrage endgültig zu regeln, lud Außenminister Ribbentrop den

       polnischen Botschafter Lipski für den 24.10.1938 ein. Dieser äußerste sich

       ausweichend, meldete aber das Interesse Polens an einer gemeinsamen Grenze

       mit Ungarn an, weshalb die Karpathoukraine zu Ungarn kommen sollte. Am 19.

       November überbrachte Lipski die Ablehnung der deutschen Danzig-Vorschläge.

       Erfolglos verlief auch das Gespräch des deutschen Botschafters in Warschau,

       Herrn von Moltkes, mit Außenminister Beck am 14. Dezember 1938. Dieser kam

       aber wieder auf die Karpathoukraine zu sprechen. Hitler hatte gerade im Wiener

       Schiedsspruch deren Selbständigkeit anerkannt und nur den südlichen

       Landstreifen an Ungarn

       gegeben. Von Moltke beschwerte sich bei Beck über die Unterdrückung der

       Deutschen im Teschener Gebiet, das doch mit deutscher Hilfe an Polen gefallen

       sei. Am 5. Januar 1939 kam es dann zur Zusammenkunft zwischen Hitler und

       Beck am Obersalzberg. Beck betonte. dass er in der Danzigfrage nichts gegen

       die Volksmeinung unternehmen könne und beharrte wieder auf seinen Ruthenien-

       Wünschen. Die Standpunkte änderten sich nicht bei den Verhandlungen der

       beiden Außenminister einen Tag später in München und am 26. Januar in

       Warschau. Am 21. März 1939 unterbreitete Ribbentrop dem Botschafter Lipski

      erneut die deutschen Vorschläge zur Generalbereinigung der offenen Fragen.

      Lipski reiste damit nach Warschau und kam am 26. März 1939 und kam am 26.

      März 1939 mit einer negativen Nachricht zurück. Dies war für Deutschland umso

      enttäuschender, als inzwischen Polens Wunsch nach einer gemeinsamen Grenze

      mit Ungarn in Erfüllung gegangen war, denn Ungarn hatte Ruthenien während der

      Protektoratswirren mit heimlicher Unterstützung Polens annektiert.

16.  Polens Unnachgiebigkeit entsprach der allgemeinen Verstimmung über die  

      Protektoratserrichtung am 15. März 1939. Man warf Hitler Wortbruch und  

      Welteroberungspläne vor. Um das zu beurteilen, muss man wissen, wie es zu

      diesem Einmarsch kam: England hatte schon im Oktober 1938 eine von Frankreich

      gewünschte Garantieerklärung für die CSR hinter trieben. 

      Deutschland wies am 28. Februar 1939 in einer formellen Note Frankreich und

      England auf die innere Labilität der CSR hin, erhielt jedoch keine Antwort. Auch bei

      weiteren Kontakten zeigte sich England an einer Intervention in Böhmen

      desinteressiert, zuletzt am 14. 3. 1939 spät abends, obwohl Chamberlain seit dem

     12. 3. 1939, die deutschen Pläne kannte. Nachdem die Slowakei und Ruthenien für

      Prag verloren waren, planten tschechische Faschisten einen Staatsstreich. Hitler

      rechnete eher mit einem Aufstand benestreuer Generäle. Hacha suchte Rat beim

      britischen Gesandten in Prag, Newton, wurde aber abgewiesen. Nun schlug im

      Henderson, der britische Botschafter in Berlin, vor, sich an Hitler zu wenden. Hacha

      bat mit Billigung seines Kabinetts Hitler um ein Gespräch und reiste nach Berlin.

      Dort erklärte Rippentrop im Hotel Adlon schon vorweg, dass er sein Land „unter

      den Schutz des Führers" stellen wolle. Rippentrop meldete dies Hitler, der

      Anweisung gab, eine entsprechende Erklärung vorzubereiten. In seiner

      Einleitungsrede vor Hitler sagte Hacha, er habe sich schon im Herbst 1938 gefragt,

      ob es überhaupt ein Glück für die CSR sei, ein selbständiger Staat zu sein. Der

      tschechische Staatspräsident kam Hitlers Absichten weit entgegen und brauchte

      kaum einen Anlass" die Erklärung zu schreiben. Er selbst bestritt, in Berlin unter

      Druck gesetzt worden zu sein, was die Staatssekretäre von Weizsäcker und

      Meißner sowie Hachas Tochter, Milada Radlova bestätigten. Meißner hält sogar ein

      Einlenken Hitlers für möglich, wenn Hacha unter Berufung auf die einst

      beabsichtigte französische und englische Garantie die Unterschrift verweigert hätte.

17.  Chamlerlain reagierte am 15. März 1939 auf die Protektoratserrichtung mit einer

      maßvollen Rede, der die meisten Tories zustimmten. Für die unterlassene Hilfe

      Großbritanniens entschuldigte er sich mit der Feststellung, „dass der Staat, dessen

      Grenzen wir zu garantieren beabsichtigen", von innen her zerbrach". Man kann

      allerdings annehmen, dass die Haltung nur der Einsicht entsprang, im Moment

      nichts gegen Deutschland unternehmen zu können. In Wirklichkeit hatte

      Chamberlain schon Anfang Januar 1939 bei seinem Italienbesuch von möglichen

      militärischen Maßnahmen gegen Deutschland gesprochen. Irreführend war auch,

      dass die Briten den Deutschen Zustimmung für ihren Revisionswunsch in Danzig

      signalisierten, während man die Polen ermutigte, in der Danzig-Frage fest zu

      bleiben. Das zwischen Hitler und Chamberlain am 30. September 1938 in München

      unterzeichnete Freundschaftsabkommen bedeutete nichts mehr. Am Rande sei von

      der Einstellung des deutschen Staatssekretärs im Außenministerium, Ernst von

      Weizsäcker, berichtet. Er riet in Privatgesprächen, deren Inhalt in London bekannt

      wurde, von Verhandlungen ab, da Hitler  nur durch eine „feste" Haltung" zu

      beeindrucken sei.

18.  Offen nahmen die Briten gegen Deutschland Stellung am 16. März 1939 mit der

      Tilea-Lüge, die der rumänische Botschafter mit Halifax und Vansittart schon am 14.

      März 1939 verabredet hatte. Hitler hege Welteroberungspläne und habe soeben

      Rumänien ein Ultimatum bestellt. Obwohl der rumänische Außenminister Gafenscu

      sofort ein Dementi verbreiten ließ, kündigte Chamberlain Widerstand gegen

      Deutschland an und erläuterte die neue Haltung am 17. März in Birmingham, wo er

      eine von Lord Halifax ausgearbeitete Rede vortrug. Letztlich ging dieser

      Umschwung auf Roosevelt zurück, der schon im Februar 1939 die kleinen

      osteuropäischen Staaten  zur „vordersten Verteidigungslinie der USA"  erklärt hatte.       

      Am 16. März 1939, einen Tag nach der Protektoratserrichtung, verdächtigte er die 

Briten gar in einer Note, schon selbst eine Nazi-Nation zu sein und drohte ultimativ, jede moralische und materielle Hilfe einzustellen, falls kein Politikwechsel erfolge. „Verschiedene ungeheuer bedeutsame Zwangsmittel" Amerikas gegen England erwähnte schon im Februar Botschafter Bullitt gegenüber seinem polnischen Kollegen Lukasiewicz. Roosevelts Kriegswunsch geht auch aus der späteren Tyler-Kent-Affäre hervor.

19.  In Bezug auf die CSR warf man Hitler dreifachen Wortbruch vor: a) Griff nach fremdem Volkstum, obwohl er bisher nur die Rückführung Deutscher ins Reich verlangt habe; b) Besetzung der Resttschechei, trotz seiner Beteuerung vom 26. September 1938, keine weiteren Gebietsforderungen mehr zu haben; c) Bruch der (an Bedingungen geknüpften) Bestandsgarantie für die Resttschechei. Keiner dieser Vorwürfe besteht völlig zu recht: Böhmen und Mähren waren vom Reich nicht annektiert worden und die Protektoratsgrenzen waren sorgsam abgeschottet. Tschechische Selbstverwaltung und Justiz sowie kulturelle Eigenständigkeit blieben weitgehend gewahrt. Die Tschechen konnten sogar eine kleine Armee von 7000 Mann unterhalten. Die Bestandsgarantie für die CSR hat Hitler unter Vorbehalt ausgesprochen. Er verlangte, dass vorher die Minderheitsfrage auch für Slowaken, Polen, Ungarn und Ruthenen zufrieden stellend gelöst werde, was bis zum 15.März 1939 aber nicht geschehen war. Ferner konnte sich Deutschland genauso wie Chamberlain darauf berufen, dass der zu garantierende Staat von innen her zerbrochen war. Keinen Anstoß nahm die Welt übrigens daran, dass Polen die zu 96 Prozent deutsche Stadt Danzig begehrte und Ungarn die nationalfremde Karpathoukraine besetzt hatte. Zweifelhaft ist auch, ob gerade die Hauptverantwortlichen  für den Versailler Vertrag qualifiziert sind, als politische Moralwächter aufzutreten. 

20.  Über angebliche Welteroberungspläne Hitlers sind Spekulationen unnötig, weil die Tatsachen eine klare Auskunft geben: Der Stand der deutschen Rüstung erlaubte 1939 keinen allgemeinen Krieg. Nicht zu leugnen ist Hitlers Wunsch, sich im Osten gewisse Raumreserven zu sichern. Ein grenzenloses Imperium mit möglicher Rassenvermischung gehörte nicht zur Gedankenwelt des Nationalsozialismus. Diesem lag am Zusammenschluss der germanischen Völker in einem nicht verzettelten Wirtschaftsraum, der es ihm erlaubte, in Sicherheit seinen rassischen Idealen nachzugehen. Dieser Unterschied zu den Zielen des britischen Empires war eigentlich die ideale Voraussetzung für ein friedliches Nebeneinander.

21.  Nach der Rückkehr des Memelgebietes zu Deutschland am 22. März 1939 ordnete Polen am 23. März eine Teilmobilmachung an. Am 31. März 1939 gab England Polen eine Blanko-Garantie, die Churchill einen „Markstein zum Verhängnis" nannte. Am 25. August 1939 wurde in einem geheimen Zusatzprotokoll festgelegt, dass sie nur gegen Deutschland gelten solle.

22.  Hitler wiederholte am 28. April 1939 seine Wünsche und Angebote. Beck antwortete darauf am 5. Mai 1939 mit einer herausfordernde Rede, in der er Deutschlands Grenzgarantie verschwieg. Diese Rede putschte seine Landsleute zu verstärkten Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit auf. Eine rigorose und schikanöse Entdeutschungspolitik hatte es den Deutschen schon seit 1919 sehr schwer gemacht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, so dass schon etwa 1 Million von ihnen das polnische Staatsgebiet verlassen hatte. Für opponierende Deutsche gab es seit 1919 vier Konzentrationslager. Den am 28. Juni 1919 unterzeichneten Minderheitsschutzvertrag hatte Polen schon am 13. September 1934 gekündigt. Die Zahl der vor dem 1. September 1939 getöteten Deutschen wird auf 3 bis 4000 geschätzt. Die feindliche Haltung zu Deutschland zeigte sich nicht zuletzt im Kampf um Oberschlesien in den Jahren 1919 bis 1921. Hitler nahm das alles hin, um das Verhältnis zu Polen nicht zu belasten. In England war man über diese Dinge sehr wohl informiert, was aber die Blanko-Garantie nicht verhinderte.

23.  Die polnische Kriegsbereitschaft war unübersehbar. In den Kirchen wurde „um den allgemeinen Krieg" gebetet, der Kampf gegen Deutschland wurde zum Kreuzzug gegen das Neuheidentum bezeichnet, auf neuen Landkarten war Polen schon um die benachbarten Gebiete großzügig erweitert, Briefmarken zeigten schon im Januar 1939 Danzig als Teil Polens und Staatspräsident General Rydz-Smigly ließ von sich ein Gemälde anfertigen, das ihn in voller Uniform vor dem Brandenburger Tor zeigte. Die britische Zeitung „Daily Mail" vermisste eine Erklärung der englischen Regierung gegen die polnische Deutschenhetze. „Objektiv" sei festzustellen, dass von deutscher Seite keine Hetzreden gehalten würden. Wenn England die Dinge so weitertreiben lasse, werde es mitschuldig, wenn es zur Explosion kommen sollte. Den polnischen Größenwahn hätte Roosevelt durch Weitergabe seines Wissens über das deutsch-russische Zusatzabkommen dämpfen können. Er wusste durch Verrat des deutschen Botschaftsangehörigen Hans Herwarth von Bittenfeld schon wenige Stunden nach Ende der Moskauer Verhandlungen vom 23. August 1939, dass die Sowjetunion im Konfliktfall Ostpolen besetzen werden. Er behielt sein Wissen aber für sich, um Polen auf Kriegskurs zu halten. Die Parallele zu Pearl Harbor liegt auf der Hand.

24.  In Warschau drängte der englische Botschafter, Sir Howard Kennard, Außenminister Beck, keine Verhandlungen mit Deutschland mehr zu führen. Botschafter Lipski mied seit April 1939, also vier Monate lang, jeden Kontakt mit deutschen Regierungsvertretern. Gleichzeitig weckte London bei den Deutschen am 28. August 1939 in einer Note den Eindruck, dass Polen verhandlungsbereit sei. Ein Vermittlungsversuch Deutschlands vom 31. August 1939, 19.25 Uhr, wurde von London tags darauf in Warschau bekannt gegeben, dessen Reaktion in der Mobilmachung bestand. London informierte die Öffentlichkeit erst 40 Stunden  später, am 31, August 1939 um 12.25 Uhr, über den deutschen Vorschlag und behauptete, er sei zu spät  eingetroffen. „Als am selben Tag die Abendausgabe des „Daily Telegraph" in unfreiwilliger Wahrheitsliebe über die Vorgänge der letzten Tage zutreffend berichtete, wurde die Zeitung sofort beschlagnahmt" und durch eine um diese Stelle bereinigte Ausgabe ersetzt. „Die Absicht war, Deutschland ins Unrecht zu setzen"!  Durch Zeitungszensur wurde auch in Paris die öffentliche Meinung gelenkt. Deutschland hatte den 30. August für Verhandlungen vorgesehen und dafür die „16 Marienwerder Punkte" vorbereitet. Darin wurde eine Volksabstimmung für das nördliche Korridorgebiet vorgeschlagen. Wäre sie zu Deutschlands ausgefallen, sollte Polen eine exterritoriale Eisen- und Autobahn zum polnischen Seehafen Gdingen bekommen, im umgekehrten Fall sollte Deutschland der Bau solcher Verkehrswege nach Danzig gestattet werden. Damit verbunden war wieder die Garantie der polnischen Grenzen, d.h. ein Verzicht auf die Korridorgebiete. Henderson nannte diese Vorschläge sehr gemäßigt und „weit davon entfernt, ungerechtfertigt oder unmoralisch zu sein". Deutschland wartete jedoch vergebens auf einen polnischen Unterhändler. Als Lipski am 31. August 1939 abends um 18.30 Uhr zu Ribbentrop kam, hatte er, wie Görings Abhördienst bereits wusste, aus Warschau die Anweisung sich auf keine sachliche Diskussion einzulassen. Die Unterredung war daher nach wenigen Minuten beendet. „Nach den Genfer Protokollen von 1924 gilt als Angreifer, wer Verhandlungen verweigert". „Den Aggresssionsbegriff, der nicht alleine auf den ersten Schuss abstellt, machte sich 1974 auch die Generalversammlung der UN zu Eigen".

25.  Ab Mitte Juli war für Hitler die Danzigfrage in den Hintergrund getreten. Wichtiger wurde die Bedrohung der deutschen Minderheit. Kein Deutscher in Polen konnte mehr seines Eigentums und Lebens sicher sein. Deutsche Grenzstellen meldeten seit April 1939 sich häufende Zwischenfälle. Zwei deutsche Städte, darunter Beuthen, waren von polnischer Seite beschossen worden, ebenso deutsche Luftverkehrsmaschinen auf ihrem Flug zwischen Berlin und Danzig bzw. Ostpreußen. Die Flucht Deutscher nahm zu. In Auffanglagern befanden sich im August 1939 76.000 Personen, nicht gerechnet die in Danzig untergekommenen Flüchtlinge. Polnische Grenzstreifen beschossen die Fliehenden. Einmal fanden gleich acht den Tod. „Am 30. August 1939 wurde der deutsche Generalkonsul in Krakau, Schallinger, ermordet". England wird verdächtigt, die Unruhen durch Agenten geschürt zu haben. All das, „besonders aber die polnische Generalmobilmachung vom 30. September 1939, hätte Hitler nach dem Völkerrecht als Kriegsgrund nehmen können, er war aber an einer politischen Lösung interessiert.Hitlers Ziel war ein Bündnis mit Polen, nicht seine Zerstörung"!

26.  Am 1. September  1939 entschloss sich Hitler zum Krieg. Die Kriegserklärung Englands und Frankreichs trafen am 3. September ein. Sie gaben vor, für Polen und überhaupt für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Aber schon der britische Historiker Edward Gibbon hat davor gewarnt, in der Politik einem erhabenen Motiv zu trauen, wenn sich auch ein niederes finden lässt. So ging es auch im Zweiten Weltkrieg um etwas sehr Schlichtes, „nämlich um die Abkoppelung der deutschen Währung vom Goldstandard" und die Einführung der Arbeitswährung. Darüber wurde während des „Sitzkrieges! zwischen Oktober 1939 und Mai 1940 intensiv in England verhandelt. Das bezeugte der damalige Verhandlungsführer auf englischer Seite, Oberstleutnant J.Greagh Scott, in einer Rede am 11. August 1947 in der Chelsea Town Hall, London.

      Churchill schrieb in seinen Memoiren: „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte".                      Dieses Austauschsystem beruhte insbesondere auf zweiseitigen Wirtschaftsverträgen mit zahlreichen kleineren Staaten, zu denen das Deutsche Reich durch Devisenmangel gezwungen war. Dieser wiederum beruhte auf willkürlichen  Währungsmanipulationen der Wallstreet im Januar 1934, die das  „Umtauschverhältnis der Reichsmark in Dollar um 56,9 Prozent verschlechterte". Nevill Chamberlain schrieb seiner Schwester: „Amerika und die ***** (fünf Buchstaben) haben England in den Krieg gezwungen". England trug dabei aber keine Bedenken, den Großmachtraum der Polen auszunutzen, um diese gegen Deutschland aufzuhetzen.

27.  Der US-Hauptankläger beim Nürnberger IMT, Robert H. Jackson, schrieb an Präsident Truman: „Wir dürfen uns nicht erlauben, in eine Verhandlung über die Ursachen des Krieges hineingezogen zu werden"!

28.  Am 2. September 1939 ermächtigte Ribbentrop den deutschen Botschafter in London zur Erklärung, dass Deutschland den Krieg beenden und alle Schäden bezahlen werde, wenn ihm der Bau der Verkehrswege durch den Korridor gestattet werde. Polen und die CSR sollten als selbständige Staaten wiederhergestellt werden. Im Verlaufe des Krieges unterbreitete Hitler etwa 40 Friedensvorschläge, alleine acht während des Polenfeldzuges, keiner wurde von seinen Gegnern aufgegriffen. England zog es vor, „eine große Schwesternation Europas" in den Staub zu treten, obwohl diese, wie Hitler am 23. August 1939 zu Henderson sagte, „nie etwas unternommen hat, was England den geringsten Schaden hätte zufügen können". Hitler hatte in seiner Erklärung vom 25. August 1939 im Gegenteil das unglaublich großzügige Angebot gemacht, die „Kraft des Reiches" für den <Bestand des britischen Imperiums einzusetzen, was sehr an einähnliches Angebot des Suebenkönigs Ariovist an Julius Caesar im Jahre 58 v. Chr. erinnert (Caesar, b.G.I,44). Wie das antike Beispiel nahm auch dessen moderne Wiederholung ein trauriges Ende. Selbst für Britannien hatte der Sieg, anders als für Rom damals, einen bitteren Beigeschmack, denn es zahlte mit dem Verlust seines Imperiums. Damit rächte sich zweifach unbedachtes, nur von irrationaler Abneigung gegen Deutschland gelenktes Handeln. England hatte Polen 1939 eine Garantie gegeben, die es selbst nicht erfüllen konnte. Für die Einlösung dieses nicht gedeckten Schecks wurden außereuropäische Mächte benötigt, die sich dann aber an britischem Besitz schadlos hielten. Die zweite Fehlrechnung betraf die Propaganda. Man gab an, den Krieg im Namen von Demokratie  und Freiheit zu führen. Das Haben die Kolonialvölker gerne Aufgegriffen, um endlich die britische Herrschaft abzuschütteln. Niemand sollte mit Steinen werfen, der selbst im Glashaus sitzt.

   

Quellenangaben / Literatur: 

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gez.

Horst P. Helmer

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