Ex-Heimkind



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Polizeiausweis aus Uruguay des 13-Jährigen Juan Carlos CHMELIR, geb. BRESOFSKY, kurz vor der Überfahrt nach Österreich 1962. Wochen später landete das Migrationskind unverschuldet in das Horror-Schlossheim für Fremdenkinder in Judenau bei Tulln, anschließend in das staatliche Heim "Lindenhof" in Eggenburg mit Nazilager-Methoden.

Momentaufnahme des heute 69-jährigen Rekordhäftlings - von Mithäftlingen in der Justizanstalt Stein aufgenommen HandyVideo


Auszüge aus seiner Memoiren: (auf Wunsch Chmelirs sind einige Passagen gelöscht worden, um den Eindruck der Verallgemeinerung zu vermeiden)

"...Wissen Sie, durch den Schock des Zusammentreffens der abrupten Verpflanzung nach Österreich, sozusagen in eine völlig andere mir fremde Kultur, der darauffolgende unmittelbare Trennung aus der Familie und die Verlegung in einen Horrorheim, wurde ich Bettnässer, was dem Pflegepersonal im Heim natürlich nicht gut passte. Mir tun heute noch die Hoden weh, wenn ich nur daran denke, wie man mir das Bettnässen abgewöhnen wollte.
Aber das sind nicht die schlimmsten Erinnerungen an physischer Misshandlungen und Erniedrigungen, die ich dort erlebte. Die Kälte und der Hunger, die geradezu aggressive und feindselige Behandlung, die uns Kinder vom Pflegepersonal zuteilt wurde sowie die alltägliche Trostlosigkeit und Monotonie waren nicht minder schlimm. Am schlimmsten sind für mich jedoch die visuellen und akustischen Erinnerungen, wie Kinder, oft nur weil sie weinten, geschlagen oder bei dem Haaren in den Brauseraum gezerrt und kalt abgeduscht wurden.
Ich höre heute noch d
ie verzweifelte Schrei in Schrecken u. Todesangst geratene Kinder. Und ich
sehe heute noch die vor fürchterlicher Angst weit aufgerissenen Augen mancher Heimkinder. Sowas vergisst man ein lebelang nicht, sowas brennt sich im Gehirn
ein als Video.
Emotional habe ich heute die grausamen Erinnerungen zwar im Griff, die Videos im Kopf
sind allerdings nicht zu löschen.
Man könnte meinen, dass ich gerade von Massenverbrechen des Dritten Reiches, also von
der Nazis-Ära spreche. Nein, nein, ich spreche gerade von Massenverbrechen der Zweiten Republik.
Unglaublich, nicht wahr! Aber auch die zweite Republik hat sich Naziverbrechen schuldig gemacht, nämlich während der Nachkriegszeit tausende Kinder in staatlichem Heime malträtiert zu haben, einige davon sogar bis zum Tode und bis zum Selbstmord.
Sehen Sie, während Sie es Zuhause gemütlich hatten wurden mir als auch tausenden
anderen Heimkinder nicht nur der Kindheit beraubt, sondern auch unsäglichen leid
zugefügt, das mich und tausenden anderen Heimkinder ein Leben lang prägten und unsere Zukunft regelrecht zerstörte".

Das Opferamt „Weisser-Ring Wien“ sowie die Landesregierung Niederösterreich entschuldigten sich für seinen Leidensweg in den staatlichen Heimen in den 1960er Jahren mit einem symbolischen Betrag in der Höhe von €12.500
 

J.C. Chmelir hält seine diesbzgl. Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich nurmehr in der Höhe von € 80.000 trozdem aufrecht (Verlauf u. Stand der Klage Anhang 21- 26) ) und meint:

"Meiner Jugend beraubt mit € 12.500 abzuspeisen grenzt schon der Verhöhnung. Insbesondere die psychische Verletzungen in den staatlichen Heimen begleiteten mich Jahrzehntelang wie in eine Zwangsjacke und beeinflussten mein Leben und Zukunft negativste. Heute noch bin ich zutiefst überzeugt, das mein Leben ganz anders verlaufen wäre, wäre ich damals in den Heimen nicht derart nachhaltig psychisch verletzt und traumatisiert worden, sodass die Fähigkeit ein normales und vernünftiges Leben zu führen zur Gänze verloren ging, als Folge ich dann ein Leben als ausgestoßener am tiefsten Rande der Gesellschaft führen mußte"



Foto: Juan Carlos Bresofsky-Chmelir, heute 70-Jährig, nach 41 Jahren durchgehender Strafhaft, dzt. Justizanstalt Graz-Karlau.

Spektakuläre Werdegang https://sites.google.com/site/rekordhaeftling

Zudem zeigen die Zeitungsartikeln und Links unten, wie er trotzt Jahrzehnten langer Haft heute noch  erstaunlich Agil und Aktiv agiert.

http://www.oe24.at - Alle-wussten-Bescheid

Darüber hinaus erhebt er im Zusammenhang eines Prozesses und der Ehegattin eines hohen Staatsbeamten, die er nach einen Gefängnisausbruch entführte, schwerste Vorwürfe gegen die Österr. Justiz. https://sites.google.com/site/chmelirprozess/




Weitere Auszüge aus seiner Memoiren:

"...Als ich mich nahezu zwei Jahrzehnten später aus der Zwangsjacke der Traumatisierung, bedingt der Jahrelangen physischer und psychischer Torturen in staatlichen Heimen und Jugendgefängnisse in den 1960er Jahren zu befreien begann, wurde mir gleichzeitig und erstmals der persönlichen Desaster und Zerstörung bewusst...Anlass zur Schrittweise innerlichen Befreiung war ein Satz eines Buches des Wiener Psychiaters Friedrich Hacker, das ich Anfang der 1980er Jahren in den Händen bekam „Der beste Weg zur Besserung ist Erkenntnis, Selbsterkenntnis und  Bewusstwerdung“... Dieser Satz riss abrupt eine Tür in meinen Kopf auf und es brodelten ungebremst Bilder und Gefühle aus mir heraus, ähnlich eines Wasserhahns, den man bis zur Aufschlag aufgedreht hat. Der Druck und das durcheinander der herausschießenden Bilder und Gefühle voller Schrecken und Ängste raubte mir Tagelang den Atem, bis ich einen bewusstlosen ähnlichen Wachzustand verfiel und entschlief...Erst nach Tagen vermochte ich mich etwas zu beruhigen, gleichzeitig versuchte ich das unbegreifliche zu Begreifen und einzuordnen, was mir jedoch nicht gelang. Es lief in meinen Kopf und vor meinen Augen wie in einen Film, deren Szenen man zuvor zerschnitten und durcheinander gewürfelt hat...Die Wände der Gefängniszelle wurden immer enger und drohten mich zu erdrücken..."


Wortlaut der Klage gegen die Republik Österreich (Originalkopie im Anhang)


Juan Carlos Bresofsky-Chmelir

Justizanstalt Stein, Krems 3504                                                                                                                                                                                               10.12.2012


An die Finanzprokuratur Wien

Singerstr. 17-19, 1010 Wien                                                                                      

 

Beklagte Partei:     Republik Österreich

Klagende Partei:    Juan Carlos Bresofsky Chmelir

Aufforderungsschreiben nach dem AHG wegen Schadenersatzanspruch (Schmerzensgeld) von der Republik Österreich in der Höhe von € 200.000,-- (zweihunderttausend EUR) und Generalamnestie für Ex-Heimkinder

wegen schweren Misshandlungen und Erniedrigungen als Ex-Heimkind in staatlichen Einrichtungen der 1960er Jahren für dessen zumindest moralischen Verantwortung und Mitschuld der Republik Österreich keine Verjährung gibt, jedenfalls solange keine Geste der Entschuldigung und Versöhnung gezeigt wird 

Begründung:

Für meinen strafbaren Handlungen in Österreich Büße ich schon mit über 45 Gefängnisjahre, die letzten 35 Jahren durchgehend.

Für die Qualen jedoch, die ich als ausländisches Kind im halbwüchsigen Alter in den 1960er Jahren in staatlichen Heime erlitten habe, habe ich bis heute weder Verständnis oder eine Entschuldigung gehört, geschweige denn irgendwelche Hilfe.

Juni 1962 im Alter von 13 Jahren aus Uruguay kommend mit meinen Eltern und sechs weiteren Geschwister nach Österreich ausgewandert, wurde ich kurz darauf (August 1962) in das Unterbringungsheim für Fremdenkinder in Judenau bei Tulln in NÖ untergebracht.

In der Folge Februar 1964 in das Polizeiheim Boltzmanngasse im 9. Wiener Bezirk, anschließend in das Durchzugsheim Im Werd im 2. Wiener Bezirk und schließlich in die Erziehungsanstalt „Lindenhof“ in Eggenburg in NÖ, GZ 9 U 508/65 JGH Wien (in Beilage).

In der obeng. Heime wurde ich wiederholt in der Art physisch und psychisch misshandelt, erniedrigt und rassistisch behandelt, das ich schweren Traumatisierungen davontrug, die wiederum mein weiteres Fortkommen und Leben negativste beeinflusste und prägte, tragischer weise auch zum Schaden unschuldiger Menschen, letztere ich bis dato - eingerechnet der Vorhaften - insgesamt 45 Jahren im Gefängnis Büße.

Immer wieder und jahrelang sprach ich in (Jugend-)Gefängnisse Anstaltspsychologen und Psychiater darauf an, wurde jedoch stets teilweise ausgelacht oder als Lügner oder  notorischer Querulant hingestellt, sodass die Qualen und Erniedrigungen über Jahrzehnten andauerten.

Selbst Gerichtssachverständigen, wie Prim. Dr. Heinrich Gross, Prof. Dr. Reinhard Haller, Prim. Dr. Werner Brosch sowie die BEST-Abteilung der Vollzugsdirektion des BMJ Wien ignorierten oder unterbrachen meinen Ausführungen der negativen Heimerlebnisse, die ich nicht als Entschuldigung für meinen strafbaren Handlungen vorbrachte, sondern nur als Erklärung und einschneidenden Abschnitt und Prägung meines Leben, die mich derart in den tiefsten Sümpfe versinken ließ.  

Daher: Wenn ich schon hinter Gittern verrecken soll (siehe Amtshaftungsklage vom 15.4.2011, AZ 32 Cg 7/11a des LG f. ZRS Wien), dann soll die Republik Österreich die Wahrheit zur Kenntnis nehmen, das sie für das Schicksalsdrama meines Leben sowie für das Schicksal von hunderten, wenn nicht für Tausenden anderen Ex-Heimkinder Mitverantwortung trägt, wovon unzählige davon infolge Traumatisierung am Straßenmilieu landeten und in die Kriminalität absackten, Selbstmord begingen oder für ihr ganzes Leben psychisch kaputt gemacht wurden.

Wenn die Republik Österreich  Gnadenlosigkeit und Rache gegen meine Person hegt, so soll sie zumindest Herz und Versöhnung zeigen und allen anderen Ex-Heimkinder, die heute noch in Österr. Gefängnisse einsitzen eine angemessene Generalamnestie in etwa von 3 bis 5 Jahren gewähren.

Beweis:

a)      Beilage: Erhebungsbericht der Jugendgerichtshilfe v. 29.9.1965, AZ 9 U 508/65

b)      herbeischaffen: Haller-Gutachten Seite 5-9 u. 19-23, AZ 18 BE 70/07g-ON17, LG Steyr

c)      herbeischaffen: Endbericht der Historikerkommission der Stadt Wien vom 19.6.2012

Weitere Fakten halte ich noch zurück, da mir zugetragen wurde, das sich selbst Gerichtssachverständigen davor fürchten, das ich hierzu konkrete Beweise erbringe, sodass ich vorsichtshalber davon ausgehen muss, das hier vertuscht werden sollte, zumal meinerseits Zivilrechtsklagen gegen die Gerichtssachverständigen Prof. Dr. Reinhard Haller und Prim. Dr. Werner Brosch beim LG Feldkirch, AZ 56 Cg 109/11a, bzw. beim LG St. Pölten, AZ 11 Cg 138/12i, eingebracht u. anhängig sind.

Ein Indiz hierfür könnte die Stille der Klasnic-Opferschutzkommission sein, wo Prof. Dr. Reinhard Haller Mitglied ist und wo ich am 6.9.2012 Meldung als Ex-Heimkind erstattete, jedoch bis dato keine Antwort erhielt, wenngleich ich am 28.11.2012 erneut um eine Antwort bat.

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Webseiten und Blogs zum Rekord-Häftling:

https://sites.google.com/site/langzeithaeftling/

Weitere interessanten Internet-Berichte zum Fall Juan Carlos Bresofsky-Chmelir:

http://www.news.at/a/wien-heimkind-fordert-schadenersatz

http://www.vienna.at/langzeit-haeftling-fordert-schadenersatz-fuer-seine-zeit-als-heimkind/3440723

http://www.noen.at/news/chronik/Langzeithaeftling-fordert-Schadenersatz-fuer-Zeit-als-Heimkind;art151,431358

http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Rekord-Haeftling-klagt-auf-200-000-Euro/88623473

http://www.austria.com/langzeit-haeftling-fordert-schadenersatz-fuer-seine-zeit-als-heimkind/3440723

http://diepresse.com/home/recht/rechtallgemein/1322149/Fehler-in-Finanzprokuratur_Entschaedigung-fuer-Haeftling?_vl_backlink=/home/recht/index.do

http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/7-000-Euro-fuer-Rekord-Haeftling/87802838

http://pressemitteilung.ws/node/424427 "Rekord-Häftling knackte aus der Zelle Finanzprokuratur Wien"

http://pressemitteilung.ws/node/354270 „Herr Richter, Gott hat Österreich mit gutem Grund vom..."

http://pressemitteilung.ws/node/329800 "3mal Samenerguss"

http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/niederoesterreich/Langzeit-Haeftling-klagt-auf-50-000-Euro/85836903

http://noe.orf.at/news/stories/2559998/

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/stpoelten/aktuell/art2428,425503

http://www.heute.at/news/oesterreich/noe/art23654,827748

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/585760/Veraltete-Methoden-Rechtsstreit-um-Gutachter-Haller

http://derstandard.at/1280984149024/Staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-Gerichtspsychiater-Haller

http://derstandard.at/1280984090826/Kunstfehler-bei-Gutachten-ueber-Haeftling

http://tirol.orf.at/stories/460842/

http://vbgv1.orf.at/stories/460848

http://vorarlberg.orf.at/stories/460848/

http://vorarlberg.orf.at/stories/461056/

http://www.vol.at/news/vorarlberg/artikel/brisanter-rechtsstreit-um-ein-gutachten-von-gerichtspsychiater-haller/cn/news-20100805-02042906/gemeinde/mellau/gemeinde/mellau


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