Tiemann’sches Backhaus von 1694 auf der Venner Mühleninsel 

... IN EXELSIS DEO ... HERMAN TIGMAN ... ANNO 1694 DEN 17 APRILI ... 

... diese kaum lesbaren Reste einer sehr stark verwitterten Balkeninschrift eines Nebengebäudes des einstigen Vollerbenhofes Tiemann in Darpvenne reizten den Heimat- und Wanderverein Venne e.V..

Verschiedene Bauphasen hatten 
das 1694 datierte Objekt in seiner eigentlichen Bauausführung verunklart. Mit entsprechendem Vorstellungsvermögen konnte manch einer die Überlebenschancen für dieses in Einzelteilen sehr interessante Bauwerk , als Backhaus identifiziert, erkennen: und welch beziehungsreichen Standort hatte man mit der Mühleninsel in unmittelbarer Nähe zur Venner Mühle zur Verfügung, auch wenn heute gilt: am alten Standort erhalten. 

1989 erfolgte die akribische zeichnerische Aufnahme der Substanz, die Nummerierung der fast 700 Einzelteile folgte. Als eigentlicher Altbau stellte sich ein wohlproportionierter Baukörper mit den Maßen 5,50 m breit, 6,35 m lang, 3,70 m Traufenhöhe und 6,30 Firsthöhe heraus. Als Konstruktionsmerkmale wären zu benennen, dreifachiger Wandständerbau mit eingehälster Bal
kenlage und zweimal über profilierten Knaggen vorkragendem Schaugiebel, einem geschweiften Türsturzbalken mit eingeschnitztem Kreuz. 

Bei dem dann 1990 vorsichtig gehandhabten Abbruch stellte man die zu ergänzenden Fehl- bzw. Bruchstücke fest, besorgte passend messende Ersatzstücke, um noch im gleichen Jahre auf dem mittlerweile geschaffenen bruchsteinernen Fundament das fachwerkene Gefüge wieder zu errichten. Am 7.12.1990 konnten die vielen fleißigen, unermüdlichen Helfer ihr, des Backhauses zweites, Richtfest feiern.
Aus einem Abbruch erworbene Dockenpfannen schützten sehr bald das Gefüge, das mit gestifteten alten Ziegelsteinen aus der Produktion der Venner Ziegelei Beckmann ausgemauert werden konnte. 

Vom angebauten Backofen hatte sich vor Ort nichts erhalten, dennoch entstand ein für die Gegend typischer Anbau nach erprobtem Muster des späten 18. Jahrhunderts. Auf fundierten Findlingen ruht der holzbalkene Backofensockel, so dass der Wind ihn unterstreichen und somit trocken halten kann. Der darauf gemauerte flachgewölbte Ofenraum entstand, ein Zugeständnis an die Jetztzeit, aus Feuerfeststeinen. Eine mühsam darauf aufgetragene, kuppelähnlich ausgebildete Lehmschicht kaschiert nach außen hin diesen vertretbaren Stilbruch. Vor den Unbilden der hiesigen Wetter schützt ein einfaches, dockenpfannengedecktes Satteldach, das andererseits genügend Raum für die Luftzirkulation über dem Ofengewölbe lässt. 

Die von dem kreuzgezierten Türsturz ma
rkierte Alttüröffnung erhielt ihre alte Funktion zurück, eine einfach gearbeitete zweiteilige Tür aus Eichenbohlen ermöglicht heute den Zutritt. In Anlehnung an urbaujahrgemäße Fensteröffnungsformen erfolgte der Einbau von zweiteiligen Licht- und Luftöffnungen, feststehende, kleinscheibig verglaste Fenster über zu öffnenden Holzklappen. Die Fußbodengestaltung erforderte ein Zugeständnis, heute eine Granitsteinpflasterung statt früherer Stampflehmbefestigung. 

Der Einbau des vorgeschriebenen Schornsteins ließ zur Gestaltung der Ofenwand die Bildung einer Nische zu, kontrastreich hebt sich die ziegelsteinerne Ofenwand mi
t dem durch eine passgenaue Holzklappe verschließbaren Ofenmund ab. 

Es ist sehr lange her, dass auf den Venner Höfen selbstgebackenes Brot tägliches Brot war, das dokumentiert auch die Spärlichkeit erhaltener bäuerlicher Backwerkzeuge, wohl finden sich zu Futterkisten umgenutzte Backtröge. Backtage waren Großaktionstage, allein das Anheizen des Ofens bedingte Kennerschaft, die Teigzubereitungen verlangten sorgfältige Arbeitsgänge, galt es doch für den Alltagsbedarf das würzige, schmackhafte Schwarzbrot, für besondere Anlässe ‚Priämproggen’ ggfls. auch noch ein Blech saftigen Butterkuchen zu backen, auch sollte die abklingende Wärmeausstrahlung des Ofens entsprechend vorbereitetes Obst dörren.


Der anheimelnde Innenraum des Tiemann’schen Backhauses strahlt eine besondere Atmosphäre aus, und wenn dann noch der Leckermäuler entzückende Wohlgeruch frischer Backware, insbesondere der des mit spezieller Rezeptur hergestellten ‚Venner Mühlenbrot’ dazukommt ... man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt. JEN