Reinerz (Duszniki-Zdrój)

Sanatorium Dr. Schön, Bad Reinerz
bis vor kurzem war hier das FWP Pensjonat Słoneczna, ul. Krakowska 6a untergebracht
Texte und Bilder aus: Nietner, Johannes (1913): Deutsche Lungenheilstätten in Wort und Bild. Halle (Saale).

Bad Reinerz ist ein "Gebirgskurort, 568 in über dem Meere. Das Sanatorium in Reinerz besteht seit 1899, zuerst in einer kleinen Villa von 20 Betten. Der bald eintretende Mangel an Platz und die wenig hygienischen Verhältnisse derselben drangen schließlich im Jahre 1908 dazu, die Anstalt durch einen modernen Neubau zu vergrößern. Das neue Sanatorium liegt auf demselben Grundstück, etwas verhüllt, mit freier Aussieht auf das liebliche Weistritztal und den Kranz der bewaldeten Bergrücken mit der Front nach Süden. Bei dem Bau ist auf jede Bequemlichkeit und strenge Hygiene in allen Teilen Rücksicht genommen worden. Das Gebäude steht auf Felsen und ist im Sockel aus Sandstein und im übrigen aus solidem Mauerwerk gebaut. Sämtliche Korridore, Treppen und die ganze Zwischendecke des Parterre sind aus Eisenbeton hergestellt und mit doppelschichtigem Torgamentfußboden belegt, überall runde Kehlen und runde Ecken. Die einzelnen Betriebsräume und Krankenzimmer wurden in folgender Weise verteilt. Im Souterrain befindet sich die Zentralheizung und der Warmwasserboyler, daneben der Koksraum, dann Maschinenräume für Personen- und Küchenaufzug, eine Platt- und Mangelstube, Vorratsräume, 1 Badezimmer für das Personal und 5 Dienstbotenzimmer, sowie ein Leutetageraum. Anschließend an diese Räume liegt die Küche, derAufwaschraum mit elektrisch betriebener Spülmaschine und Gasheizung,ein Kühlraum und der Eiskeller. Die Küche ist mit dem darüberliegenden Speisesaale und 3 Etagen durch einen Speiseaufzug verbunden. Im Hochparterre befindet sich das Inhalatorium, die Sprechzimmer der Ärzte und die Gesellschaftszimmer mit dem Speisesaal, außerdem 3 Krankenzimmer. An das Parterre schließt sich direkt eine 35 m lange, sehr geschützt liegende Liegehalle an. In der ersten Etage liegt die Privatwohnung des Chefarztes, sowie 7 Krankenzimmer und 1 Badezimmer. Die anderen beiden Etagen haben je 12 Krankenzimmer und 1 Badezimmer.

Die Zimmer haben sämtlich über 40 cbm Rauminhalt. In jeder Etage sind 2. auch 3 Zimmer von 65-80 cbm für 2 Personen eingerichtet. Die anderen Zimmer sind alle nur für 1 Person berechnet. In den Zimmern sind Wandschränke eingebaut, glatt und mit Ölfarbe gestrichen, vorn mit zweiflügeliger Tür abgeschlossen, die absolut keinen Platz wegnehmen. Die Zimmer und gemeinsamen Räume haben Ölsockel und darüber Leinfarbenanstrich. Die sämtlichen Räume und Korridore haben Warmwasserheizung; in den Zimmern ist warmes und kaltes fließendes Wasser an den Porzellanwaschtischen mit Ablauf, Oberlichtkippfenster als Ventilation und weißlackierte Möbel. Als Fußbodenbelag dient Linoleum auf Torgamentanstrich, während Teppiche und Tischdecken vermieden sind. An Stelle von Gardinen sind waschbare Leinenstores angebracht. Sämtliche Zimmer haben auch Jalousien, die gegen die Prallsonne schützen, aber auch Luft durchlassen, und darum kühlend wirken.





Ein Personenfahrstuhl erleichtert den Verkehr zu den Etagen. Die Liegehalle, welche vom Korridor des Parterre bequem zu erreichen ist und sich direkt an das Gebäude anschließt, ist vorn mit Jalousien versehen, welche teilweise nach außen geöffnet werden können. Bei starkem Sonnenbrand oder Wind von vorn kann die Rückwand der Liegehalle, welche aus lauter Türen besteht, geöffnet werden, so daß auch so ein erträglicher Aufenthalt auf der Liegehalle in der heißen Jahreszeit geschaffen wird.

Das Sanatorium hat eine eigene Kläranlage, in welche sämtliche Haus- und Küchenwässer geleitet werden (Schwedersches System). Die Frequenz des Sanatoriums begann im Jahre begann mit 24 Besuchern und stieg im Laufe der Jahre stetig bis zu einer Frequenz von 148 Besuchern im Jahre 1911. Die Behandlung der Kranken geschieht nach dem hygienisch-diätetischen Verfahren von Brehmer-Dettweiler unter Zuhilfenahme aller neuen wissenschaftlichen Errungenschaften. Unter anderem ist viel mit Tuberkulin behandelt worden, und zwar mit gutem Erfolge. Es wurden im ganzen etwa 70% aller Fälle mit Tuberkulin behandelt, und zwar davon 5% mit Endotin, 12% mit Tuberkelbazillenemulsion und die übrigen 53% mit Kochs Alttuberkulin. Die Auswahl des Krankenmaterials ist sehr erschwert, wie bei allen Privatsanatorien. Das Sanatorium verfolgt den Grundsatz, schwere, hochfiebernde Kranke möglichst fernzuhalten. Es gelingt dies leider oft nicht, weil viele Kranke ohne einen ärztlichen Vorbericht ankommen und, wenn Sie auch hoffnungslos krank sind, aus Mitgefühl nicht einfach abgewiesen werden können. Im ganzen besteht das Krankenmaterial aus leichter Tuberkulose, I. und II. Stadiums, Halskatarrhen, abgelaufenen Pleuritiden, Skrofulösen und auch Prophylaktikern" (aus Nietner, 1913).






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